Wenn Bob Dylan aus der Zukunft grüßt

„Lola“ von Andrew Legge ist ein faszinierender, vielschichtiger Film, gespickt mit Zitaten aus der Popkultur

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Der Film „Lola“ ist das sehr gelungene vielschichtige Spielfilm-Debüt des Iren Andrew Legge. Der Film hat Kultpotential, denn er ist ein wahres Eldorado für Filmliebhaber. Er hat mit Martha „Mars“ und Thomasina „Thom“ Hanbury eines der hinreißendsten und interessantesten Schwesternpaare der Filmgeschichte. Er erzählt eine großartige, packende Geschichte vom „in-die-Zukunft-schauen-und-sie-beeinflussen-können“ und ist gespickt mit Popkulturzitaten.

Die Zukunft verändern

„Lola“ ist die Maschine mit der man Film, Funk- und Fernsehschnipsel aus der Zukunft empfangen kann. Ihr Name ist eine Referenz von Legge an all die anderen Lolas der Popkulturgeschichte: Der „Lola“ Marlene Dietrichs aus „Der blaue Engel“, der „Lola“ der „Kinks“ oder Tom Tykwers „Lola rennt“. Thom und Mars, die frühe ihre fortschrittlichen Eltern verloren haben, haben die Maschine erfunden. Dient sie im Jahr 1941 zuerst kulturellen Ausflügen in die Zukunft– die Schwestern begeistern sich für Bob Dylan, David Bowie und „The Kinks“ – nutzen die beiden später die Maschine für den britischen Geheimdienst im Kampf gegen die deutschen Aggressoren im zweiten Weltkrieg. Erst beeinflussen sie den Kriegsverlauf positiv im Sinne der Briten, dann gehen sie einer deutschen Täuschung auf den Leim. Es kommt zu einer Kette von dramatischen Ereignissen. Die beiden werden zum Tode verurteilt, Thom wird zu Nazi-Kollaborateurin, Mars geht mit ihrem Freund in den Widerstand. Großbritannien wird eine faschistische Diktatur und statt David Bowie steht ein brachialer Sänger mit „The Sound Of Marching Feet“ in den Popcharts.

Mehrere Bob Dylan-Referenzen

Regisseur Andrew Legge hat den dystopischen Film bewusst als „Found Footage Film“ konzipiert. Er ist in Schwarz-Weiß gehalten, und „Wackel-Kamera“-Bilder sind kunstvoll verwoben mit Original-Wochenschau-Bildern der 1940er Jahre. Während Thom die technische Erfinderin ist, hat Mars eine kreative Ader. Die filmt ständig, begeistert sich für Musik und komponiert Song im Bob Dylan-Stil.

Dass mit Bowie und Dylan ausgerechnet die beiden größten Chamäleons der Musikgeschichte im Film ihren Platz haben, passt natürlich ganz genau in diese Geschichte um Veränderungen und das Eingreifen in die Geschichte. Und sicher hat Andrew Legge auch die Direct Cinema-Filme eine D.A. Pennebaker gesehen, dessen „Don’t Look Back“ die England-Tour von Bob Dylan 1965 filmisch verarbeitet hat. Denn dessen Filmweise und Ästhetik sind durchaus verwandt mit diesem Found Footage Film.

Beachtenswertes Spielfilm-Debüt

Die Geschichte ist packend erzählt, atemlos verfolgt man die immer tragischeren Ereignisse. So vergehen die gerade mal 79 Minuten wie im Flug und man möchte sich den Film am liebsten gleich nochmal ansehen, so viel steckt in ihm. Ein beachtenswertes Debüt von Andrew Legge. Wir sind gespannt, was von ihm noch kommen wird.

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