Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Populär sein reicht nicht

10. April 2021

Ein neues Buch zeichnet den Weg von Joan Baez als politische Aktivistin nach

Beide feiern in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag. Der eine- Bob Dylan (24. Mai) – mit großem Medienecho und einer wieder einmal großen Welle von Buchneuveröffentlichungen, die andere – Joan Baez (9. Januar) – eher im Hintergrund, die medialen Wellen sind ungleich kleiner. Denn während Bob Dylan fortwährend Musikgeschichte schreibt – 2016 Literatur-Nobelpreis für einen Songpoeten, 2019 neues Album, 2020 bis zur Absage durch Corona weitere Konzerttouren geplant – hat sich Joan Baez bereits 2019 für immer von den großen Bühnen verbschiedet.

Copyright: ibidem-Verlag

Interpretin und Aktivistin, keine Songwriterin

Joan Baez ist eine wichtige musikhistorische Figur, da sie als musikalische Repräsentantin einer ganzen Generation für den politischen Veränderungswillen in den 1960er Jahren steht. Im engeren Sinne hat sie musikalisch wenig Bleibendes hinterlassen. Sie ist auch nie eine große Songwriterin gewesen. Gerade mal eine Handvoll von ihr selbst geschriebene Songs haben wirklich überdauert wie „Diamonds & Rust“ (über Bob Dylan), „Sweet Sir Galahad“ (über Richard Farina, den tödlich verunglückten Mann ihrer Schwester Mimi) oder „A Song For David“ (über ihren Ehemann David Harris, der als Anti-Kriegs-Aktivist in den USA im Gefängnis saß). Stattdessen war sie aber eine große Interpretin mit großer Stimme und großem Charisma. Und vor allem: Sie war und ist mit großer Glaubwürdigkeit, Integrität und Vehemenz ausgestattet, mit der sie für ihre politischen Ziele eintritt. Diese besondere, im Grunde fast einzigartige Mischung aus musikalischer Künstlerin und politischer Aktivistin trug sie durch die Jahrzehnte ihrer Karriere und schuf ihre historische Bedeutung.

Und nun endlich, im Jahr ihres 80. Geburtstages, ist die längst überfällige systematische Darstellung ihres Lebens als politischer Aktivistin in Buchform erschienen. Eines der wenigen neuen Bücher über sie in diesem Jahr. Dem österreichischen Auto Markus Jaeger gebührt der Verdienst dies angegangen zu sein. „Popular Is Not Enough. The Political Voice Of Joan Baez“ heißt das im Stuttgarter ibidem-Verlag auf Englisch erschienene Werk.

Eine politische Lebenslinie

Also endlich mal eine Darstellung, die sie nicht auf die „Queen Of Folk“ oder auf ihre komplizierte Verbindung mit Bob Dylan reduziert, sondern sachlich und kenntnisreich von ihren Wurzeln in Quäkertum und Pazifismus über die Einflüsse von Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Henry David Thoreau und Ira Sandperl bis hin zu ihren Aktivitäten insbesondere gegen Kriege und für die unter ihnen leidenden Menschen in aller Welt eine politische Lebenslinie zieht.

Dabei wird auch nicht verschwiegen, dass sie Teile ihrer Karriere in der Tat als Nostalgie-Nummer verbringen musste und sie in den Reagan-Jahren in den 1980ern in den USA zeitweise keine Plattenfirma unter Vertrag nahm. Umso stärker hat sie sich dann nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für die unteilbare Freiheit engagiert. Sie war auf der Seite der Freiheitsbewegungen gegen den Poststalinismus in Polen und der Tschechoslowakei ebenso wie in Lateinamerika im Kampf gegen Militärdiktaturen und politischer Reaktion.

Weiterhin kritisch

Jaegers Buch schließt denn auch nicht bei der sattsam bekannten Geschichte aus den 1960ern, sondern zeigt uns auch die jüngsten politischen Aktivitäten. Gegen die Kriegspolitik von George W. Bush, die sogar zu Auftrittsverbot führte und ihre Opposition zu Donald Trump, die u.a. mit „Nasty Man“ zu einem der ersten frechen und bösen Protestsongs gegen den orangefarbenen Autokraten führte.

So ist ein unschätzbar wichtiges Werk entstanden, der frische Einblicke in ihr Leben und ihrer Karriere während 60 Jahren USA- und Weltgeschichte gewährt. Es soll ja Dylan-Fans geben, die mit dem Aktivismus von Baez auf Kriegsfuß stehen. Gerade jenen sei dieses Buch empfohlen. Dass Dylan und Baez zwei unterschiedliche künstlerische Konzepte haben, die beide ihre Berechtigung haben und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, habe ich hier an dieser Stelle vor wenigen Wochen bereits vermerkt. Hier also die spannende Geschichte einer dezidiert politisch-aktivistischen Musikerin. Respekt vor Joan Baez, Respekt aber auch vor dem Autor, diese Geschichte endlich aufgeschrieben zu haben.

Popular Is Not Enough: The Political Voice Of Joan Baez: A Case Study In The Biographical Method, Stuttgart 2021, 260 Seiten, 34,90 Euro.

Nobody sings the blues like … Blind Boy Grunt!

9. April 2021

Vor dreißig Jahren: The Bootleg Series Volumes 1-3 erscheint

Copyright: Columbia Records

Die Dylan’sche Zeitrechnung kann sehr wohl in die Zeit vor der Bootleg Series und nach dem Erscheinen der ersten drei Teile der mittlerweile legendären Serie unterteilt werden. Ende März 1991, wenige Wochen vor seinem 50. Geburtstag, erschien die drei CD-Box.

War Biograph 1985 noch eine Karriere-Retrospektive, bei der die bis dato unveröffentlichten Songs in der Minderzahl waren, so war die Bootleg Series tatsächlich ein Eldorado von offiziell Unveröffentlichtem. Endlich gab es das, was es bis dahin sehr oft nur auf obskuren Aufnahmen in minderer Qualität gab, in bestmöglicher Klangqualität und sorgsam editiert. Für die Liner-Notes zeichnete der großartige John Bauldie verantwortlich, der wenige Jahre später bei einem Hubschrauberabsturz tragisch starb.

Die Auswahl eines der führenden Dylanologen seiner Zeit war wohlüberlegt. Strategie von Dylan und/oder seines Managements und seiner Plattenfirma war es, zum einen der großen Nachfrage nach Dylan-Live-Aufnahmen nachzukommen und gleichzeitig etwas Kultiges zu kreieren. Denn keiner glaubte wirklich, dass dadurch die Schatten-Platten-Industrie, die durch das Dylan-Bootleg „Great White Wonder“ das Licht der Welt erblickt hatte, angreifbar gewesen wäre. Im Gegenteil. Dylan wurde auch durch die schweren Jahre durch die Loyalität seiner Fans getragen, die seine Konzerte besuchten und die Tapes sammelten. Im Gegenteil: Für die Komplettisten gab es nun begehrte Aufnahmen offiziell und die Hinzuziehung Bauldies war auch ein Zeichen dafür, dass das Dylan-Camp sehr wohl verstand, wer den Star durch die Jahre der Krise begleitete. So entstand eine noch engere Bindung der Fans zu ihrem Idol.

1991 als Wendepunkt?

Das Jahr 1991 kann rückwirkend wirklich so etwas wie ein Wendepunkt in Dylans Karriere angesehen werden. Auch wenn das künstlerisch erst nach der Veröffentlichung seiner beiden Folk-Alben „Good A I Been To You“ zutrifft. Aber der Beginn einer wichtigen Konstante seiner Karriere, den Bootleg Series, der erneute Beweis für seinen Freigeist mit seiner „Masters Of War“-Adaption bei der Grammy-Verleihung während der Operation „Desert Storm“ und seine dramatischen Live-Auftritt dieser Zeit entfachten bei vielen die Dylan-Leidenschaft neu.

So auch bei mir. Klar hatte ich mir auch die schlechten Dylan-Alben gekauft, aber nach den Desastern 1985 bei Live Aid und 1987 in der Frankfurter Festhalle war ich doch etwas ernüchtert. Wie gut, dass meine große Liebe so klug war, mich mit der CD-Box und Tickets für Offenbach zu versorgen. In der dortigen Stadthalle war sie es übrigens auch, die uns mit Hartnäckigkeit und Begeisterung den Platz in der ersten Reihe sicherte.

Doch zurück zur Bootleg Series. Sie war vor allem der eindrucksvolle Beweis welch tolle Musik Dylan abseits seiner Platten machte. Ob „John Birch“ oder „Only A Hobo“, die beide in seiner Frühzeit unter dem frechen Pseudonym „Blind Boy Grunt“ erschienen oder „Catfish“, „Foot Of Pride“ und „Blind Willie McTell“, die in späteren Jahren Outtakes waren, die jeder andere voller Stolz auf seinem Album präsentiert hätte. Was bekam man stattdessen: „Death Is Not The End“. Oh, Mann!

Copyright: Columbia Records

Großartige Fundstücke

Aber das war jetzt vorbei, denn was man da in Zukunft noch alles erleben würde. Wie zum Beispiel die beste Ausgabe der gesamten Serie bis heute: „Tell Tale Signs“. Ein wahrer Koloss von Album. So hat uns die Serie eigentlich nie enttäuscht – vielleicht mal zu überdimensioniert für meinen Geschmack („The Cutting Edge“) – doch im Gegenteil: Die Plätze 2 und 3 meiner „Bootleg Series-Hitparade“ sind für mich wahre Fundgruben. Die Basement Tapes Complete war großartig, aber vor allem „Another Self Portrait führte zu nicht mehr und nicht weniger als zu einer Neubewertung der Schaffensphase Dylans in den frühen 1970ern.

Ob die nun zu erwartende nächste Ausgabe rund um „Infidels“ auch zu einer Neubewertung führt? Ich glaube eher nicht. Trotzdem führt sie bestimmt zu interessanten Einsichten rund um eines der unterschätzteste Dylan-Alben. Und damit ist Sinn und Zweck der Bootleg Series auch in ihrer x-ten Inkarnation wieder mehr als erfüllt.

Bob Dylan als Messias

2. April 2021

Über einen gefährlichen Irrtum an den Schnittstellen von Kunst, Politik und Religion. Ein Zwischenruf zu Ostern.

Bob Dylan 1976, Copyright: Wikimedia Commons

Juden und Christen glauben an den Messias, der die Menschen von Unterdrückung und Verfolgung befreit und sie ins Reich der Freiheit führt.

Im Jargon des Politischen bezeichnet man damit eine Retter-, eine Leitfigur. Bedenkt man bei der Linken den Text der Internationale: „Es rettet uns keine höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun, uns von dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun“ dann wird deutlich, wie dämlich es ist, wenn Linke eine unantastbare Führerfigur, einen Messias ausrufen. Ob Che Guevara als „Jesus mit der Knarre oder Fidel Castro als „Maximo Leader“. Das passt einfach nicht zusammen. Das eigene Schicksal im wirklichen Leben in die Hände einer Führerfigur zu legen ist ein autoritärer Charakterzug. Vorgemacht haben es innerhalb der Linken Stalin und seine Kommunisten, als sie für ihren autoritären Sozialismus in einem Land eine starke strafende Vaterfigur konstruierten. „Väterchen Stalin“ war der Messias und dieser Stalin forcierte den Personenkult, um die Partei und das Land zu beherrschen.

Messias wider Willen

Wie schwierig es allerdings ist, wenn man zum Messias wider Willen ausgerufen wird, davon kann Bob Dylan ein lebenslanges Lied singen. Die linken amerikanischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich von der Generation ihrer Väter, die in Kriege und Konsumismus verstrickt waren, lossagten, brauchten gleichaltrige Anführergestalten. Mit Pete Seeger eine väterliche Leitfigur zu haben, reichte nicht. Dylan, der sich mit starken Songs ins öffentliche Bewusstsein gespielt hatte, schien der richtige dafür zu sein. Mehr noch, sie wollten in Dylan ein Idol haben, das jederzeit politisch eindeutig, künstlerisch potent und menschlich integer sein sollte. Dass das für gerade mal 22-jährigen Dylan 1963/64 eine ungeheure Bürde bedeutete, ist zu verstehen. Dylan schrieb zwar Songs von politischer Wirkung, die zu den Auseinandersetzungen der Zeit passten, aber er war von Grund auf ein Künstler. Im künstlerischen Bereich sollte er im Laufe seiner Karriere immer wieder beweisen, dass er ein Anführer sein kann. Aber politische Botschaften und Programme für eine politische Jugendbewegung zu formulieren und sie anzuführen, das war nie sein Ansinnen.

Wie eine bedingungslose Hingabe bei enttäuschten Erwartungen in ein barsches Mobbing entgleiten kann, hat dann Dylan ebenfalls seit 1964 erfahren. Erst die fast-schon Beschimpfung von Irwin Silber in der von ihm herausgegebenen Folk-Zeitschrift „Sing Out!“, dann die Buhrufe in Newport 1965 als er seine Musik elektrisch verstärkte und der Höhepunkt der – wunderbar im religiösen Sujet bleibende – „Judas“-Ruf in Manchester 1966.

Dass das wiederum auch schon ein biblisches Vorbild hatte und dem „Hosianna“ wohl stets das „Kreuziget ihn“ folgt, hat er in „Shelter From The Storm“ verarbeitet, in dem er seine Frau Sara als den Menschen beschreibt, der ihm Zuflucht vor den Anwürfen der Öffentlichkeit gegeben hat. Die Bildsprache zeigt, wie sehr ihn seine Messiasgeschichte beschäftigt und wie er damit auch ganz bewusst spielt: „She walked up to me so gracefully and took my crown of thorns“ singt er da.

Enttäuschte Liebhaber

Weil für die Folkies jede elektrische Verstärkung schon ein Schritt in den kommerziellen Verrat und jede dandy-hafte Attitüde des Künstlers etwas Klassenfeindliches war, sollte Dylan lebenslang Arbeiterhemd und Akustikgitarre tragen. Unglaublich was man sich da heraus nahm. Künstlerkollegen wie Phil Ochs und Johnny Cash äußerten ihr Verständnis für den Veränderungsdrang eines kreativen Künstlers, für andere wurde Dylan dadurch aber zur lebenslangen Hassfigur.

Dass dieses Phänomen in den Zeiten vor Internet und Social Media in anderen Ländern ein merkwürdig verzögertes Echo haben konnte, bewiesen die Ausfälle von Teilen des Publikums bei Dylans Deutschland-Konzerten 1978 in Dortmund und Berlin. Und in rigoroser Ignoranz gegenüber amerikanischen kulturellen Traditionen giftete ein Zeitungs-Chronist 1981 zu Dylans damaligen Deutschland-Konzerten: „Wir brauchen hier keine gospelsingende Mickymaus“.

Messias glaubt an den Messias

Ende der 1970er Jahre folgte Dylan dem Zug des christlichen Messias, Copyright: Columbia Records

Für eine weitere Volte in Dylans Messiasgeschichte sorgte er wiederum selbst, als er Ende der 1970er vom Judentum – für die ist der Messias noch nicht gekommen – zum Christentum -die feiern Jesus als Messias seit fast 2000 Jahren – übertrat. Und als richtiger übereifriger Konvertit auch schlimmes evangelikales Zeug auf den Bühnen predigte. Zwar fand Dylan aus dieser Kirche wieder heraus, machte jedoch keine Anstalten, öffentlich über diesen Schritt zu kommunizieren. Auch hier galt wieder: „Wer Ohren hat, der höre.“ Seine Musik war ab 1983 wieder weltlicher, sein Glauben persönlicher und nicht mehr mit missionarischem Eifer nach außen getragen.

Die Tatsache dass Dylan dieser Form des Glaubens nicht öffentlich abgeschworen hatte, führte dazu, dass bis heute evangelikale fundamentalistische Christen versuchen, Dylan für sich zu vereinnahmen. Auf die groteske Spitze trieb dies die Sekte der „Zwölf Stämme“, die jahrelang auch in Deutschland im Umfeld von Dylans Konzerten auftauchte. So wie 2013 am Rande seiner Deutschland-Konzerte, als sie mit einer obskuren Flugschrift präsent waren. Weil sie in späteren Jahren wegen Kindesmisshandlung in Deutschland strafrechtlich verfolgt wurden, setzte sich die deutsche 12-Stämme-Sektion 2015 nach Tschechien ab.

Kein Messias, für niemanden

„Don’t follow leaders, watch the parking meters“ sagt ja Dylan selber zur Problematik. Und wird damit allzu oft von selbst erklärten Nonkonformisten zur Leitfigur erkoren. Weil sich der Künstler Dylan nicht zum stetigen öffentlichen politischen Engagement verpflichtet fühlt, wird er dann gerne von all jenen zur Leitfigur konstruiert, die schlichtweg jedes gesellschaftliche und politische Engagement als sinnlos betrachten. Aber auch dazu taugt er nicht. Denn Dylan weiß bei aller Kritik an der politischen Sphäre nur zu genau -und Songtexte als auch Interviews oder seltene Aussagen auf der Bühne belegen das – dass nur Politik die herrschenden gesellschaftlichen Zustände verändern kann. Und Dylan hat sensible Antennen für gesellschaftliche Probleme wie Armut oder Rassismus.

Günter Amendt hat es bis heute am treffendsten formuliert als er Dylan als „menschlichste aller Stimmen und unstimmigsten aller Menschen“ bezeichnet hat. Das ist sein Faszinosum, und nicht über ihn als Messias zu phantasieren.

Bob Dylan „In The Garden“

Die DoubleDylans „Ersatzreligion“

Ungläubige

26. März 2021

Da die Infidels-Sessions der nächste Teil der Bootleg Series sind: Ein Blick zurück.

Copyright: Columbia Records

Die Dylan-Welt regierte ganz gespannt auf die Nachricht, die nächste Ausgabe der Bootleg-Series würde sich rund um die Infidels-Sessions drehen. Grund genug für mich, mich auf eine kleine Zeitreise zu begeben: Wie wirkte die Platte damals auf mich? Und: Wer war ich damals?

Als Ende Oktober 1983 Bob Dylan sein Album „Infidels veröffentlichte, hatte der Chronist gerade sein Studium an der TH Darmstadt – heute TU Darmstadt – begonnen. Und so begann für den Bob und für mich gleichermaßen ein neuer Lebensabschnitt. Er hatte seine evangelikale Phase hinter sich gelassen, ich das Gymnasium.

In meiner Schulzeit hatte ich Dylan kennengelernt und er hatte mich für sich eingenommen. „Hurricane“, „Hard Rain“ im Fernsehen, „The Last Waltz“ und „Renaldo & Clara“ im Kino und die Deutschland-Tour 1978, die ich nur aus der Ferne wahrnehmen konnte. Ich stand im engen Dylan-Austausch mit meinem Englisch-Lehrer und besuchte mit ihm mein erstes Dylan-Konzert 1981 in Mannheim – doch das ist eine andere Geschichte, die wird später im Jahr erzählt.

Doch dann der Jesus-Schock. Mit dem Glauben hatte ich ja damals nicht mehr viel am Hut, da schwang sich der Bob zum Prediger auf und sang mit Engelszungen jenes höhere Wesen an, das er verehrte. Manche Songs verachtete ich, aus anderen schloss ich, dass jenes höhere Wesen eine Frau sein musste. Das war gut, denn Dylans textliche Ambivalenz rettete mich durch diese Zeit.

Unterdessen war ich politisch im Jugendverband organisiert und hatte eben im Wintersemester 1983/84 mein Politikstudium begonnen. Und dann diese Platte.

Dylan wieder ganz cool mit Sonnenbrille

Mir gefiel sie schon mal vom äußeren her besser als „Shot Of Love“. Kein kitschig-dämliches „BOOOOM-BANG“-Bild auf dem Cover, sondern Dylan, der mit Sonnenbrille an uns ganz cool vorbeischaut. Meine Lieblingssongs auf „Shot Of Love“ waren „Heart Of Mine“, „Watered Down Love“, „In The Summertime“ und „Every Grain Of Sand“, während „Property Of Jesus“ und „Dead Man, Dead Man“ für mich „Verbrechen am Hörer“ waren und „Shot Of Love“ einfach nur chaotisch klang.

Solche Nullnummern fand ich auf „Infidels“ nicht. Auch wenn  „Jokerman“ für den Hörer mindestens so eine Anstrengung war wie gesanglich für den Künstler selbst, war der Song schon einmal ein  gutes Entree. Keine absoluten Wahrheiten und Evidenzen mehr! Da war wieder Raum für Interpretation. Da war kein vernageltes Weltbild mehr, sondern der freie Gedankenfluss, der aus ganz unterschiedlichen Kulturen – von Michelangelo bis karibischem Voodoo – alles zuließ. Heute weiß ich, dass man sowohl Reagan-Kritik als auch ein Selbstporträt Dylans in diesem Song finden kann. Stark!

„Sweetheart Like You“ war dann wieder einer der Songs, deren Melodien und Texte mich zum Mitsingen animierten, obwohl ich schon damals ahnte, dass sein Frauenbild hier etwas altväterlich herkam. „Neighbourhood Bully“ war der kontroverseste Song des Albums. Denn alles Leugnen des Meisters hilft nichts: Hier geht es nicht um Hunde, hier geht es um das Existenzrecht des Staates Israel. Hatte das was mit dem Bild auf der Innenhülle der Platte zu tun? Dylan kniet da auf dem Ölberg in Jerusalem.

„Das schönste zeitgenössische ‚Friedenslied'“

Über „License To Kill“ schrieb der kluge Günter Amendt, es sei das „schönste zeitgenössische ‚Friedenslied'“. Und tatsächlich: Von der individuellen Verzweiflung- „There is a woman on my block“ – bis hin zum menschenverachtenden heuchelnden Umgang der US-Gesellschaft mit ihren Kriegstoten – „And they bury him with stars, sell his body like they do used cars“ alle Ebenen des Kriegswahnsinns sind drin.

Innenhülle der LP „Infidels“, Copyright: Columbia Records

„Man Of Peace“ fängt mit starken Bildern an „Could be the fuhrer, could be the local priest“. Damals konnte ich nicht so viel damit anfangen: Doch vom Prediger in der „Nacht des Jägers“ bis zu Donald Trumps Nordkoreamission gibt es diese amerikanische Konstante: „Sometimes Satan comes as a man of peace…“

Wieder kontrovers und uneindeutig: „Union Sundown“. Selbst Günter Amendt konnte nicht erklären für wen jetzt die Sonne unterging: Für die Gewerkschaften oder die Vereinigten Staaten? Nein dieser Dylan taugte nicht mehr zum Protestsänger, auch wenn seine Analyse der globalen Ausbeutungsverhältnisse und der Produktionsverlagerung in Billiglohnländer hier absolut treffend ist.

„I and I“ ist vielleicht wirklich das Meisterwerk dieses Albums. Ein bisschen Nachdenklichkeit, ein bisschen Selbstmitleid, vor allem aber das Bild eines irgendwie Zerrissenen und Verlorenen. Ein unstimmiger Künstler und Mensch. Der aber vielleicht auch spürt wo das Ganze hinführen könnte. Eine Ahnung Dylans wie schwer die 1980er Jahr für ihn werden sollten?

Kater von der gottesseligen Trunkenheit?

Und was eben noch so nüchtern und lakonisch klingt, hört sich im Schlusssong dann ganz flehentlich an: „Don’t Fall Apart On Me Tonight“. Und man hat das Gefühl Dylan geht es genauso schlecht nach dem Erweckungserlebnis wie davor. Oder er hat einen Kater von der ganzen gottesseligen Trunkenheit. Auf jeden Fall machte der Song das Album rund. Nicht so recht hineingepasst hätte dagegen das Meisterwerk „Blind Willie McTell“. Es stand für Dylan wohl quer, paste nicht in den inneren Zusammenhang des Albums. Glücklicherweise hat es seine verdienten Meriten ein paar Jahre später doch noch bekommen.

Und so war dieses Album, das letzte Dylan-Album für einige Jahre, das mir wirklich etwas sagte. „Empire Buerlesque“: Aufgemotztes Geklingel. „Knocked Out Loaded“: Konzeptloses Sammelsurium. „Down In The Groove“: Gäääähnnn! Erst „Oh Mercy“ und auch – ich sehe die Stirnen runzeln – „Under The Red Sky“ brachten ihn mir wieder näher.

Dass Dylan mir etwas entglitt, ist aber nicht nur seine Schuld. Ich legte den Schwerpunkt auf die Politik. Während Dylan in Offenbach 1984 ein denkwürdiges Konzert gab, war ich in Dortmund bei einer politischen Großveranstaltung. Doch meine Dylan-Affinität blieb. Sehr zum Missfallen von Teilen meiner politischen Freunde, die sich an Dylans Uneindeutigkeit rieben. „Wer hat uns verraten? Der Junge mit der Mundharmonika!“ Was soll’s: Da habe ich das „Real Live-Album“ auf der politischen Ferienfreizeit eben noch lauter gedreht.

Danach kamen nüchterne Jahre

Schlussendlich war das Infidels-Album aber trotzdem auch das Ende einer bestimmten Phase meiner Dylan-Leidenschaft. Nach der heißen Begeisterung kamen nun ein paar nüchternere Jahre. Wie gesagt, in Offenbach war ich nicht dabei, 1985 schlug ich mir beim Live Aid die Nacht um die Ohren, um ein Desaster zu erleben und 1987 in der Festhalle Frankfurt sah ich einen ausgebrannten, müden Künstler. Die 1990er sollten dann die Jahre der Wiederentdeckung und der größer entfachten Begeisterung werden.

Doch seinen Beitrag dazu, dass ich ihn bei allen Unzulänglichkeiten nicht aufgab, leistete auch dieses Album, das mir heute noch was bedeutet. Ich freue mich auf das, was da in der Bootleg Series kommt!

Bob Dylan, License To Kill, Barcelona 1984:

Bob Dylan, I And I, Europa 1984:

Coming Soon…“Bob Dylan & Black America“!

19. März 2021

Ein popkulturelles Essay zu den vielfältigen Verflechtungen von Bob Dylans Werk und Wirken mit der afroamerikanischen Community und ihrer Kultur/ Erscheinung für den April geplant

Geschafft! Ganz schön lange Zeit habe ich an diesem Buch gearbeitet. Für meine Verhältnisse. Ich bin zwar ein Bücherlesemensch, aber selber Bücher schreiben? Ich bin ein Freund der kleinen Form, eher Journalist als Buchautor. Ewig an einem Thema zu arbeiten ist nicht so mein Ding. Das ist mein zweites Buch überhaupt und mein zweites Dylan-Buch nach fast exakt zehn Jahren. Daher ist mir Terry Gans, der Autor des in diesem Jahr sehr wichtig werdenden Buches „Surviving In A Ruthless World“ über die Infidels-Aufnahmen, so sympathisch. „Suviving“ ist sein zweites Buch…nach fünfzig Jahren!

Ein popkulturelles Essay

Mir ist es wichtig, vorhandenes Wissen auf bestimmte Fragestellungen anzuwenden, zu popularisieren oder auch zuzuspitzen. Daher ist mein Buch „Bob Dylan & Black America“ auch kein Werk der Grundlagenforschung, sondern ein Essay. Wikipedia schreibt zu diesem Begriff: Der bzw. das Essay (Plural: Essays)… ist eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden…Die Kriterien wissenschaftlicher Methodik können dabei vernachlässigt werden; der Schreiber (der Essayist) hat also relativ große Freiheiten.“

Jawohl, diese Freiheit nehme ich mir. Das hatte ich schon beim Vorgängerwerk „I’m in a Cowboy Band“ gemacht und nun wieder. Daher gibt es keinen großen Apparat oder riesige Fußnoten, sondern mir ist wichtig, verschiedene Dinge zusammenzubringen, die so vielleicht noch nicht zusammengebracht worden sind. Fragen aufzuwerfen oder Diskussionen anzuregen sind mir wichtiger als tausendmal auf gesicherte Quellen hinzuweisen, aber keine Schlüsse aus den Funden ziehen zu können.

Pop, Migration und Rassismus

Der Gedanke, Bob Dylans Werk und Wirken einmal unter dem Fokus seiner Beziehung zur afroamerikanischen Kultur zu beleuchten, speiste sich aus drei Quellen. Da war die Beschäftigung mit den afroamerikanischen Beiträgen zur Countrymusik, zu denen ich in den letzten Jahren wiederholt veröffentlicht habe. Dann war da der Einfluss von Florian Pfeil und Tom Schroeder, die mir den Blues und andere afroamerikanische Musikgattungen näher brachten und da war das Thema Pop und Migration, das Klaus Walter in einigen Hörfunkbeiträgen anschaulich darstellte. Dies war alles schon da, bevor die Ermordung George Floyds und die Black Lives Matter-Proteste das Thema „Rassismus in den USA“ so hochaktuell machten.

Und so zeichne ich in diesem Werk, das im Laufe des April im Hamburger Tredition-Verlag erscheinen soll, nach, wie Bob Dylan über Odetta zum Folk fand, dass ihn eine lebenslange Freundschaft mit Mavis Staples verbindet oder wie sehr er Rap und Hip Hop schätzt. Natürlich kommen auch George Jackson, Rubin „Hurricane“ Carter oder Victoria Spivey vor.

Es ist ein gutes Gefühl, das gewuppt zu haben. Ich hoffe, es findet Anklang und Interesse auch über das Dylan-Fachpublikum hinaus. Denn wie auch bei meinen Dylan-Geburtstagsaktivitäten möchte ich nicht nur die ansprechen, die sowieso schon begeistert sind, sondern gerade auch die, die vielleicht bislang nicht so viel von Dylan wussten oder aus welchen Gründen auch immer bislang keinen Zugang zu ihm gefunden haben. Denn mir geht es nicht darum, Dylan als größten Künstler aller Zeiten oder persönlichen Helden zu vergöttern, sondern ihn als jemanden zu betrachten, der weiterhin eine ungebrochene künstlerische und gesellschaftliche Relevanz für die heutige Zeit  hat.

Also unbedingt vormerken, it’s coming soon…

Vor 20 Jahren: Bob Dylan Live 1961 – 2000

12. März 2021

In den 2000er Jahren veröffentlichte Bob Dylan das letzte Mal aktuelle Livemusik seiner Konzerte auf offiziellen Tonträgern. In der Zeit der großen Konzertpausen würden sich über ein Album mit Musik der Never Ending Tour sicher viele freuen

Copyright: SME Records

Im Februar 2001 erschien das Album in Japan, im März dann auch in Europa: „Bob Dylan Live 1961 – 2000“. 39 Jahre Bob Dylan-Livemusik. Von 1961 mit „Wade In The Water“ aus Minneapolis bis „Somebody Touched Me“ aus Portsmouth im Jahr 2000. Wir hören darauf das wunderbare „Shelter From The Storm“ von „Hard Rain“ 1976 ebenso, wie das lahme, ausgeleierte „Slow Train“ von „Dylan & The Dead“ von 1987. Also, eine interessante,  abwechslungsreiche Kompilation erinnern wir uns, und erschrecken gleich darauf. Denn lang ist es her, dass uns Dylan mit Zeugnissen seiner aktuellen Bühnenkunst beglückt hat. Die sogenannte „Never Ending Tour“ (NET), die es ja laut Dylan nie gegeben hat, ist gegensätzlich proportional im Verhältnis der Konzerte zu den offiziell auf Alben oder Singles veröffentlichten Live-Mitschnitten.

„MTV Unplugged“ und ein paar Live-Perlen

Nach den manchmal doch verstörenden Klanggewittern und Kakophonien der frühen NET – wir bleiben mal der Einfachheit halber bei der Begrifflichkeit – schaffte es Dylan bis Mitte der 1990er zu durchweg hörenswerten Konzertleistungen. Seinen eigenen „Unplugged“-Mitschnitt der Supper Club-Konzerte von 1993 veröffentlichte er nie offiziell und auch das 1992er Jubiläumskonzert im Madison Square Garden konnte erst offiziell veröffentlicht werden, nachdem Dylan seinen Gesang nochmals im Studio neu aufgenommen hatte. Dylan traute wohl seinen eigenen Leistungen nicht so recht.

Doch das änderte sich Mitte der 1990er Jahre. Da erschien das einzige Bob Dylan-Livealbum der NET: das zwar hörenswerte, aber für die Never Ending Tour atypische MTV Unplugged-Album  von 1994/1995. Mit dem Erfolg von „MTV Unplugged“ im Rücken veröffentlichte er dann bis ins Jahr 2009 immer wieder einmal ein paar Live-Perlen auf Tonträgern. Ende der 1990er/Anfang der 2000er gab es – angebunden an den Erfolg von „Time Out Of Mind“ und „Things Have Changed“ – ein paar Single bzw. EP-Auskopplungen mit Livematerial der NET. Und 1997 bis 2006 gab es sogar auf der offiziellen Website bobdylan.com einen Bereich mit Live-Songs zum online hören, die gegen Downloads geschützt waren. Dieser Bereich wurde mit einem Relaunch der Seite eingestellt.

Der letzte offiziell auf Tonträger veröffentlichte Live-Track Bob Dylans resultiert aus dem Jahre 2004. Diese Version von „Down Along The Cove“ stammt von Bonnaroo-Festival in Manchester und wurde im April 2009 zusammen mit „Dreamin‘ Of You“ vom Album „The Bootleg Series Vol. 8 – Tell Tale Signs“ als Single veröffentlicht.

Copyright: Columbia Records

Und heute: Nichts, nichts, nichts

Und danach nichts mehr. Nichts von den Livekonzerten mit den Songs von „Together Through Life“ oder „Tempest“. Und auch von der Sinatra-Phase und von den fantastischen 2019er-Konzerten mit stimmlich-gesanglichen Höchstleistungen – nichts, nichts, nichts.

Während die Rolling Thunder Review und die Mittsechziger-Konzerte bestens dokumentiert sind, ist die mehr als zwei Jahrzehnte andauernde NET nur aufs spärlichste veröffentlicht. Warum? Das kann nur einer wissen. Doch wer weiß, der Herbst und die obligatorische Bootleg-Series-Veröffentlichung inklusiver editorischer Hinweise und kenntnisreicher Liner Notes kommen bestimmt.

Möglicherweise ist die Never Ending Tour durch die Pandemie beendet worden. Und falls Dylan dann doch nochmal mit über 80 Jahren Konzerte gibt, dann könnten sie ganz anders sein. Vielleicht eher mehrere Konzerte an einem Ort. In ein paar Metropolen in Amerika, Europa und Asien. All dies, um allzu große und ständige Reisestrapazen zu minimieren. Wer weiß?

Sehnsucht nach dem Souvenir-Album

Und wenn die NET oder um es mit Dylan zu sagen, die „Live-Tätigkeit der letzten 23 Jahre“, dann auch für ihn etwas Abgeschlossenes ist – so wie die Rolling Thunder Review und die Tour 1966 – vielleicht lässt das die Chancen steigen?

Ein Souvenir-Album von 2019 oder 1995 – mit der Crooner-Phase im Frühjahr und dem Gitarren-Hero im Sommer – das wäre einfach…. Na, bis dahin müssen wir uns mit dem Vorhandenen – bei Dylan Fans ist das ja auch gar nicht so wenig, zwinker – abfinden. Also hören wir wieder „Live 1961 – 2000“. „Grand Coulee Dam“ mit The Band“ beim Woody-Tribute 1968. Wow, was für ein starker und energischer Performer er da ist… 

Bob Dylan Dignity (MTV Unplugged):

Die schwierige Geschichte von Joanie und Bobby

5. März 2021

Zu den 80. Geburtstagen von Joan Baez (9. Januar) und Bob Dylan (24. Mai). Wenn große Egos und unterschiedliche künstlerische Konzepte aufeinanderprallen. Seminare zum Thema bei der VHS Frankfurt am Main am 14. März und 2. Mai.

Bob Dylan und Joan Baez 1984, Copyright: http://www.commons.wikimedia.org

Es war wirklich schade um das Traumpaar des Folk. Das was sich da am 31. Mai 1984 im Stadion des FC St. Pauli ereignete, war nicht mehr und nicht weniger als die Wiederholung der Geschichte als Farce. Fast 20 Jahre nachdem Dylan und Baez musikalisch, menschlich und künstlerisch getrennte Wege gingen – was für viele eine Tragödie darstellte – war dieser Auftritt bei dem die eine klammerte, und der andere sich ständig entwinden wollte, nur noch von bizarrer, böser Komik.

Ich will an dieser Stelle die Umstände rund um die gescheiterte Reunion-Idee nicht noch einmal erzählen. Da haben die Zeit- und Augenzeugen Günther Amendt und Fritz Rau schon alles gesagt. Ich möchte im Jahr, in dem beide 80 Jahre alt werden, versuchen zu erklären, was da schief gelaufen ist und warum. Und da geht es mir nicht um Gossip oder übermäßiges psychologisieren. Nein, die künstlerischen Konzepte passten ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach nicht mehr zusammen.

Dylan: Phantasiewelten, die  der Wirklichkeit zum Verwechseln ähnlich sehen

Als Dylan nach New York kommt, ergriffen von der Folkmusik von Odetta und Woody Guthrie, wird er durch Suze Rotolo politisiert und lernt Brechts Dramatik kennen. Aus der Woody Guthrie-Jukebox wird binnen ein paar Monate ein talentierter Singer-Songwriter. Seine Text sind poetisch, clever gebaut und schaffen Empathie für ihre Protagonisten. Bob geht es bis heute nicht darum, dass Geschichten wahr sind. Es geht ihm darum, dass man sie glaubt. Dass sie wahr sein könnten. Er versteht den Sänger nicht als musizierenden Erzähler echter und eigener Schicksale, sondern als singender Romancier und Lyriker, der Phantasiewelten so erschafft, dass sie der Wirklichkeit zum Verwechseln ähnlich sehen.

Authentizität ist keine künstlerische Kategorie. Daher ist auch sein Wille mit der Musik sich an die Spitze irgendeiner Bewegung zu stellen einfach nicht da. Er will als Künstler unabhängig, subjektiv und subversiv sein. Daher steckt auch in den Songs nach 1965 immer noch Gesellschaftskritik drin. Nur eben poetisch und nicht politisch-aktivistisch. Dass er dies mit immer neuen Masken macht, sich immer wieder neue Identitäten und Musikstile sucht ist, so Klaus Walter, „…die jüdische Kulturtechnik der Identitäts-Maskerade. Und im Zweifelsfall sagt er: nein Baby, ich bin nicht der, für den du mich hältst, ich ist ein anderer. Dylan betreibt Identitätsmaskerade“. (vgl. Judentum und Popmusik, http://www.faustkultur.de).

Baez: Die heilige Johanna der Folkmusik

Joan Baez stammt aus einer Quäkerfamilie. Zu deren Glauben gehört, dass jeder einzelne Mensch einen einzigartigen Wert hat, woraus sich die intensiven Bemühungen der Quäker verstehen lassen, Erniedrigung und Diskriminierung von Individuen und Gruppen zu verhindern (vgl. Wikipedia). So geprägt, entwickelt Joan Baez schon in jungen Jahren einen hohen moralischen Anspruch und ein starkes Engagement gegen das Unrecht in der Welt. Sie spielt wunderbar Gitarre, sie singt traumhaft klar, doch wie sie in „Diamonds and Rust“, ihrer Verarbeitung der Beziehung zu Dylan, zugibt: „My poetry was lousy you said“. Joan Baez ist keine große Songwriterin. Sie ist die Künstlerin der Interpretation. Während Dylan der Shakespeare ist, der seine eigenen Stücke schreibt, inszeniert, aufführt und darin mitspielt, ist Joan die Schauspielerin, die sich im Rollenfach der heiligen Johanna bestens eingerichtet hat, weil sie sich da immer selbst spielt.

Copyright: Ace Records

Doch um kein Mißverständnis entstehen zu lassen. Es ist eine große Lebensleistung von ihr, Songs unvergessen zu machen, indem sie sie in ihrer unnachahmlichen Weise interpretiert. Unzählige Songs hat sie auf diesem Wege veredelt. Besonders beeindruckend zuletzt noch Zoe Mulfords „The President Sang Amazing Grace“.

Joan Baez hat den moralischen Furor, der ihr die Kraft gibt, als singende politische Aktivistin dorthin zu gehen, wo es wehtut. Und sie hat die Autorität und die Glaubhaftigkeit dafür. Sie setzt ganz auf Authentizität. Und wird von ihrem Publikum dafür geliebt. Ihr Verständnis des Folk ist auf Pete Seegers Mitsingübungen gebaut. „Wir kämpfen zusammen und singen zusammen, denn das gibt Kraft zum Kampf“.

Doch Bob ist Poet, kein politischer Aktivist. Er kann das Songmaterial liefern, zu Waffen schmieden müssen sie andere. Wenn das überhaupt sinnvoll oder möglich ist. „With God On Our Side“ ist eine großartige, böse Analyse der amerikanischen Geschichte. Ein aufrüttelnder Protestsong ist er nicht.

So konnte das mit Joanie und Bobby in den bewegten Sixties einfach nicht klappen. Zwar versuchte Joan mit Songs und öffentlichem moralischen Druck Ende der 1960er/Anfang der 1970er Dylan wieder zum politischen Aktivismus zu locken, doch er ließ sie abblitzen.

1975: Wieder zusammen auf der Bühne

Umso interessanter die Wiedervereinigung 1975. Dylan – das Kapitel treusorgender Familienvater trat in den Hintergrund, seine Ehe mit Sara kriselte  – war er wieder bereit zu Neuem und verknüpfte es bei der Rolling Thunder Review mit einer Reunion mit seinen alten Weggefährten. Baez entdeckte erst ihre alte Liebe für Bobby wieder, dann genoss sie es, einmal nicht das Elend der Welt auf ihren Schultern zu tragen. Weder vorher noch nachher hat man Joan Baez so ausgelassen, humorvoll und sogar lasziv gesehen, wie auf dieser Tour. Wie persönlich nahe sie sich dabei gekommen sind, gehört ins Feld der Spekulation, dem ich mich nicht weiter zuwenden will.

Doch auch wenn ihre Wege sich wieder trennten, und Dylan nun plötzlich auf einem anderen, einem christlich-fundamentalistischen Dampfer unterwegs war, fanden sie wieder zusammen. Auch zu dem bis heute im Nachhinein überraschenden gemeinsamen Auftritt beim „Peace Sunday „1982 gibt es zu wenig belastbare Informationen über das warum. Sieht man die Bilder so merkt man, dass die Freude über den gemeinsamen Aufritt eher bei Joan liegt. Er bringt wieder seine für solche Auftritte typische Dosis Desorientierung hinein und am Ende ist es ein holpernder „so la la“-Auftritt.

Man kann diesen Gig von Dylan aber auch als Dokument des sich Lösens aus den Klauen allzu schneller evangelikaler Überzeugung deuten. Bob Dylan lässt sich in keine Schublade stecken, von keiner Kirche oder Sekte einengen. Wenn er zu einer Protestveranstaltung gehen will, dann tut er das. Wenn nicht, dann nicht.

War der 1982er Auftritt noch ganz charmant mit Dylans Tapsigkeit und Baez‘ Stolz auf und Nachsicht für Dylan, so ist das 1984er Debakel das endgültige Ende einer öffentlichen Beziehung. Bumm, aus!

Ihre Beziehung ist Geschichte, der gegenseitige Respekt bleibt

Copyright: A & M Records

Seitdem kein gemeinsamer Auftritt. Auch 2010 als Barack Obama im Weißen Haus die Songs der Bürgerrechtsbewegung spielen lässt, führt das nicht zu einer erneuten Reunion.

Ihre Beziehung, ihre gegenseitige künstlerische Befruchtung ist da aber schon längst Geschichte. So sehr, dass beide wieder in der Lage sind, respektvoll übereinander zu sprechen. So wie in der 2009er Baez-Doku „How Sweet The Sound“.

Zwei wichtige, ganz unterschiedliche Künstler sind 2021 80 Jahre auf dieser Welt. Sie haben ihr Gutes hinterlassen: Musik, Aufbruch, Haltung, aber auch Fragen und Rätsel. Mit zwei verschiedenen künstlerischen Konzepten, trotz derer sie sich doch immer wieder einmal getroffen haben.

Zwei Künstlerfiguren, zwei Idole. Alleine und zusammen. Alles andere ist das Leben, ist die Fiktion und alles dazwischen.

Die Volkshochschule Frankfurt veranstaltet zum Thema zwei Seminare, eins zu Joan Baez (14. März), eins zu Bob Dylan (2. Mai), Referent: Thomas Waldherr.
Info und Anmeldung Joan Baez: https://vhs.frankfurt.de/de/portal#/search/detail/144490
Info und Anmeldung Bob Dylan: https://vhs.frankfurt.de/de/portal#/search/detail/144491

Bob Dylan & Joan Baez in „How Sweet The Sound“

Bob Dylan & Joan Baez, Peace Sunday 1982:

Maya Angelou und Bob Dylan

25. Februar 2021

Black History Month V: Sie war eine der großen afroamerikanischen Schriftstellerinnen und Aktivistinnen und schätzte Bob Dylan sehr.

Maya Angelou, Copyright: Wikimedia Commons

Maya Angelou war eine der größten afroamerikanischen Persönlichkeiten, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Und eine der schillerndsten. Geboren 1928 als Marguerite Annie Johnson, war ihr Leben eine abenteuerliche Fahrt von ihrer Jugend im armen, rassengetrennten Arkansas bei ihrer Großmutter in den 1930er Jahren, über ihre Tätigkeiten als erste schwarze Straßenbahnschaffnerin San Franciscos, als Nachtclub-Kellnerin, Köchin und kurz als Zuhälterin und Prostituierte sowie ihre Erfolge als Sängerin und Tänzerin im Showgeschäft in den 1940er und 1950er Jahren bis hin zu der Anerkennung als Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin. Sie war eine afroamerikanische Volksdichterin.

Bewegtes Leben und späte Ehren

Ihr bewegtes Leben hat sie in einer siebenbändigen Biographie niedergeschrieben. Sie war in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und sowohl mit Malcom X, als auch mit Martin Luther King und James Baldwin befreundet. Sie schrieb Kinderbücher, Gedichte, Drehbücher, hatte eine Talkshow, spielte in der Serie „Roots“ mit und erhielt eine Universitätsprofessur, obwohl sie keinen Universitätsabschluss hatte. Schließlich sprach sie bei der Inauguration von Bill Clinton 1993 und bekam von Barack Obama 2010 die „Medal of Freedom“. 2014 ist Maya Angelou im Alter von 86 Jahren verstorben.

Sie hat Großes erreicht. Doch sie wusste stets, an welche Voraussetzungen dies geknüpft war: Ein starker Charakter und unabhängiger Geist, Intelligenz und Bildung, eine unbändige Kraft sowie die Gunst des Schicksals und der glücklichen Fügungen waren und sind noch immer notwendig für eine schwarze Frau in den USA, um einen Weg gegen alle Widerstände gehen zu können. Gegen den Rassismus und Klassismus der weißen US-Gesellschaft , gegen die Zwänge bigotter Moral und gegen Sexismus und Chauvinismus von allen Seiten.

Bob Dylan, Copyright Sony Music/ William Claxton

Doch trotz allem hatte sie auch die Vorstellung, dass Amerika die besten Voraussetzungen dafür bietet, allen seinen Menschen ein glückliches, vielfältiges und gerechtes Leben zu haben. Als Aktivistin der Bürgerrechtsbewegung wusste sie um die Bedeutung des Folk Revivals der neuen jungen Generation in den 1960ern für die Aufhebung der Rassenschranken. Nicht umsonst sprach sie davon, dass Bob Dylan und Odetta zwei Stimmen waren, die Amerikas Geist und Seele eingefangen hätten.

Ehrende Worte für Bob Dylan

Anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahr 2011 nannte sie Dylan einen „großen afroamerikanischen Künstler“ und brachte seine Bedeutung als Ausdruck des vielfältigen Amerikas mit folgenden Worten zum Ausdruck:

„Die Wahrheit ist, Bob Dylan ist ein großartiger amerikanischer Künstler. Seine Kunst, sein Talent ist es, zu allen zu sprechen, und wenn ich Amerikaner sage, denke ich, dass er ein großer afroamerikanischer Künstler ist, er ist ein großartiger jüdisch-amerikanischer Künstler, er ist ein großer muslimisch-amerikanischer Künstler, er ist ein großer asiatisch-amerikanischer Künstler, Spanisch sprechender Künstler – er spricht genauso für die amerikanische Seele wie Ray Charles.

Es gab eine Zeit, in der Bob Dylan der neue Junge im Viertel war. Wir haben alle im Purple Onion und im Hungry I sowie in Volksmusikclubs gesungen. Als Bob kam, liebten ihn alle, weil er das war, was wir alle beabsichtigt hatten; Er sprach für uns alle. Und er war dafür bekannt, ehrlich zu sein. So wie ein großer amerikanischer Künstler zu sein hat. Es mag nicht zweckmäßig sein, aber das Publikum kann dem Künstler vertrauen, der ehrlich ist, und Bob Dylan folgte dem, was er in seinen Texten sagte, durch seine Handlungen. Er unterstützte die Menschen und den Geist Amerikaner zu sein – zu wissen, dass die Berge, die Bäche und die Wahlkabinen uns allen zu jeder Zeit gehören.“

„Zum 80. Geburtstag von Joan Baez“ – Online-Seminar bei der VHS Frankfurt am Main

24. Februar 2021

14. März: „Die heilige Johanna des Folk – zwischen Musikbusiness und Politaktivismus“/ Nur noch wenige Plätze frei beim Bob Dylan-Seminar am 2. Mai

Joan Baez und Bob Dylan beim „March On Washington 1963, Foto: Wikimedia Commons/National Archive/Newsmakers

Aufgrund der Corona-Lage wird der Präsenzbetrieb der Volkshochschule Frankfurt am Main weiter bis einschließlich 5. April ausgesetzt. Wenn möglich finden die Kurse nun online statt. So auch das Seminar von Thomas Waldherr zu Werk und Wirken von Joan Baez am Sonntag, 14. März, von 16 – 18 Uhr.

Im Ankündigungstext heißt es: Mit dem Musikjournalisten und Amerika-Kenner Thomas Waldherr gehen wir der Karriere und den Kontroversen einer musikalischen Leitfigur nach. Sie begegnen der Ausnahmekünstlerin Joan Baez vor dem Hintergrund der politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA seit den 1960er Jahren. Mit Audio- und Videoeinspielungen sowie Songtexten werden wir ihre unterschiedlichen künstlerischen Konzepte beleuchten und diskutieren.“

Zu den technischen Voraussetzungen schreibt die Volkshochschule: „Sie benötigen einen Computer mit Mikrofon und Kamera. Wir nutzen die Plattform Zoom. Sie bekommen einen Einladungslink, den Sie ganz einfach per Klick öffnen können. Weitere Informationen: miriam.claudi.vhs@stadt-frankfurt.de .“

Wer sich direkt anmelden will kann dies hier tun: https://vhs.frankfurt.de/de/portal#/search/detail/144490 .

„Bob Dylan“-Seminar weiterhin als Präsenzveranstaltung geplant

Der Zwillingskurs zum 80. Geburtstag von Bob Dylan am Sonntag, 2. Mai, 16- 18 Uhr, unter dem Titel „Bob Dylan – Rebell und Sucher, Chamäleon und Trickster“ ist weiterhin als Präsenzveranstaltung in der VHS in der Sonnemannstrasse geplant. Hier sind nur noch wenige Plätze frei. Anmeldung hier: https://vhs.frankfurt.de/de/portal#/search/detail/144491 .

Joan Baez & Bob Dylan – Blowing In The Wind (1976):

Elizabeth Cotten

19. Februar 2021

Black History Month IV: Wie der Zufall half, dass aus einer afroamerikanischen Haushaltshilfe in reiferem Alter eine der wichtigsten und einflussreichsten  Folk- und Bluessängerinnen wurde. Auch Bob Dylan hat ihre Lieder gesungen.

Copyright: Arhoolie Records

Bereits mit 11 Jahren hatte Elizabeth Cotton – sie wurde 1895 in Chapel Hill/North Carolina geboren – die Schule verlassen und arbeitete als Hausmädchen. Vom selbstverdienten Geld kaufte sie ihre erste eigene Gitarre und spielte in der Freizeit, auf Partys, Festen und in der Kirche. Und: Sie schrieb in dieser Zeit schon Songs. U.a. entstand der später berühmte „Freight Train“. Bereits mit 15 heiratete sie ihren Mann, bekam ein Kind und die Musik verschwand fast vollständig aus ihrem Leben.

Auch sie begab sich mit Mann und Kind auf die „Great Migration“. Sie suchten Freiheit und wirtschaftliche Sicherheit und machten sich von North Carolina auf nach Norden, erst nach New York, dann nach Washington D.C. Doch irgendwann war sie dss Leben an der Seite von Frank Cotten leid. Sie ließ sich scheiden, nachdem ihre Tochter geheiratet hatte und zog zu deren Familie.

Zufällige Begegnung mit einer musikalischen Familie

Mitte der 1940er Jahre dann die schicksalhafte Begegnung, als sie Ruth Seegers Tochter nachdem diese sich verlaufen hatte, nach Hause brachte. Sie freundeten sich an und „Libba“, so ihr Spitzname, wurde Kindermädchen im Hause Seeger und kümmerte sich um die Kinder Mike, Peggy, Barbara, und Penny. Obwohl die Familie Seeger hochmusikalisch war  – Vater Charles war Musikwissenschaftler, Ruth war Komponistin und Pianistin und Sohn Pete aus Charles‘ erster  Ehe war natürlich der bekannte Folksänger – dauerte es ein paar Jahre bis Libbas musikalisches Können und großes Repertoire an Folk Songs entdeckt wurde. Peggy Seeger hörte zufällig Libba  auf einer Gitarre der Familie spielen. Die Überraschung war perfekt und bald merkte man, welches musikalische Juwel man da in seiner Mitte hatte.

Mike Seeger nahm Elizabeths Cottens Musik auf und sie spielte bald private Konzerte für Senatoren Kongressleute. 1958 dann nahm sie dann mit Mike Seeger im Alter von 62 Jahren ihr erstes Album auf. „Elizabeth Cotten: Negro Folk Songs and Tunes“ hieß es damals, einleuchtender Weise sind mittlerweile die Aufnahmen unter neuem Titel als „Freight Train and Other North Carolina Folk Songs“ wiederveröffentlicht worden.

Mit über 60 Jahren das erste Album und großen Einfluss auf das Folk Revival

Mit ihrem ersten Album kam sie gerade rechtzeitig zum Folk Revival, an dem Mike und Pete Seeger großen Anteil hatten. Mit ihrem Album und ihrer Musik, ihrem Songwriting und ihrem speziellen  „Southeastern Country Ragtime Picking“ beeinflusste sie die neue Generation von Musikerinnen und Musiker wie Peter, Paul & Mary, Joan Baez und natürlich auch Bob Dylan. Sie spielte auf dem Newport Folk Festival, war gern gesehener Gast in den Folkclubs von Greenwich Village und tourte durch die USA. Sie trat bis zu ihrem Tod 1987 immer noch regelmäßig auf und erhielt viele Preise, u.a. mit 90 Jahren einen Grammy für ihr Album „Elisabeth Cotten live“ und wurde in einem Buch als große afroamerikanische Frau neben Rosa Parks, Maya Angelou oder Ophra Winfrey genannt. Wer hätte das gedacht von dem 11-jährigen Mädchen, das die Schule abbrach, um in den Südstaaten Hausmädchen zu werden? Ihr letztes Konzert fand in ihrem Todesjahr statt und wurde von ihrer ebenso berühmten Kollegin und Freundin Odetta organisiert.

Auch Bob Dylan sang ihre Songs

Bob Dylan, der natürlich Elizabeth Cotten während des Folk Revivals kennengelernt hatte, spielte 1996 und 1997 „Shake Sugaree“ in seinem Live-Programm, „Oh Babe, It Ain’t No Lie“ spielte er von 1990 bis 2001 immer mal wieder im Konzert. Während „Shake Sugaree“  – sicher beeinflusst von der Version von The Greatful Dead – im elektrifizierten Countrysound mit Lap Steel gespielt wurde, war „Oh Babe, It Ain’t No Lie“ meist Teil eines akustischen Sets.   

Elizabeth Cotten: Skake Sugaree

Bob Dylan: Shake Sugaree

Elizabeth Cotten: Oh Babe, It Ain’t No Lie

Bob Dylan: Oh Babe, It Ain’t No Lie