Archive for the ‘Country’ Category

Dieser überirdische Moment in Stuttgart

20. Dezember 2019

Das Dylan- und Americana-Jahr 2019 – eine Rückschau. Und eine Vorschau auf 2020

Die Dylan-Konzerte im Jahr 2019 gehören zu den Besten, die der Meister je gegeben hat. Ich falle hier also mal gleich mit der Tür ins Haus. Die Stimme großartig, die Musik inspirierend, die Performance cool und sensibel zugleich. Ob Augsburg im April oder Mainz und Stuttgart im Juli. Einfach stark. Und dann dieser überirdische Moment, als er „Girl From The North Country“ in Stuttgart spielt. Voller Wehmut, voller Schönheit. Gänsehaut! Auch die Erzählungen über die Konzerte in den Staaten im Herbst mit neuem Gitarristen und neuem Drummer hören sich sehr gut an. Dass er dann auch noch die Dylan-Cash-Sessions veröffentlichen lässt, setzt dem Ganzen das Sahnehäubchen auf. Wenn er doch nur endlich nochmal ein Album mit neuen Originalsongs veröffentlichen würde. Während Willie Nelson – noch älter und auch nicht mehr ganz gesund- fast ständig neue Songs herausbringt, herrscht bei Dylan-Fehlanzeige. Abwarten und „Heavens’s Door“-Whisley trinken scheint die Devise zu sein in diesen Tagen.

Americana wird immer politischer
Doch auch außer Dylan konnten wir noch weiteres interessantes beobachten. Z.B. dass das Americana immer politischer zu werden scheint. Mehr oder minder politische Bezüge zur Situation Amerikas hatten in diesem Jahr u.a. Songs und Alben von Trapper Schoepp, J.S. Ondara, Ryan Bingham, Son Volt, Our Native Daughters, Rhiannon Giddens, Eilen Jewell, The Felice Brothers und Tim Grimm. Der amerikanische Traum zerbröselt, die Nation ist sozial, politisch, kulturell und ethnisch gespalten, die Rassismus wuchert immer weiter und die Gewalt nimmt immer katastrophalere Ausmaße an. Und natürlich Trump. Viele singen dagegen an, wir werden sehen, was das Wahljahr 2020 bringt.

Country meets Hip Hop
Eine der vertracktesten Diskussionen im US-Musikjahr 2019 entzündete sich an dem Song „Old Town Road“ von Lil Nas X, einem eingängigen Country-Hip Hop-Hybriden, der just aus den Country-Charts gestrichen wurde, als er zum Höhenflug ansetzte. „Das ist kein Country“ sagen die einen, „Country war immer schon Fusion“, sagen die anderen. Aber es geht dabei letztlich um mehr, als um Geschmacksfragen. Hip Hop und Rap sind die musikalischen Ausdrucksformen einer aufmüpfigen jungen Black Community. Das hört der weiße Countryhörer nicht so gerne. Wenn dann nur in einer softeren Version von weißen Jungs und es als Mainstream-Country verkauft wird. Und wenn die Schwarzen dann auch noch das mit Countrymusik mischen, dann verbitten sich das viele weiße Musikhörer. Doch der Erfolg von Lil Nas X und auch von Blanco Brown gibt Hoffnung, dass hier endlich Grenzen fallen werden.

„Wir spielen unsere Americana-Konzerte im Pädagog, das heißt, wir haben einen Bildungsauftrag.“

Dom Flemons sah das bei unserem Treffen im Juni in Chicago auch so. Einer der denkwürdigsten Momente in diesem Jahr bei unserer an Höhepunkten reichen USA-Reise. Ebenso wie der Besuch des Dylan-Kongresses in Tulsa, Oklahoma nebst Visite des Woody Guthrie Centers.

Von Newport nach Woodstock
2019 – Jahr der Jubiläen: Meine inhaltlichen Schwerpunktthemen waren in diesem Jahr „100 Jahre Pete Seeger“ und „50 Jahre Woodstock“. In Vorträgen in Tübingen, Malente, Darmstadt und Ingelheim habe ich über den Weg von Newport und Woodstock referiert und was die beiden Festivals mit Seeger und Dylan verbindet.

„Americana im Pädagog“
Zu Seeger konnte ich mich bei „Americana im Pädagog“ Anfang Mai über zwei ausverkaufte Pete Seeger Tribute-Konzerte freuen. Cuppatea und ich haben das Pete Seeger-Programm dann im Oktober nochmal in Münster aufgeführt.

Weitere Höhepunkte bei „Americana im Pädagog“ waren in diesem Jahr das ebenfalls ausverkaufte Konzert von Menna Mulugeta mit den Songs der schwarzen amerikanischen Sängerinnen im Februar und der genauso ausverkaufte Bob Dylan-Abend zum Abschluss des kleinen Jubiläums „5 Jahre Americana im Pädagog“ Ende November. Die Konzerte von „Americana im Pädagog“ sollen immer unterhalten, aber sie sollen auch durchaus zum Nachdenken anregen. Und wenn ich mir Programme zu Pete Seeger, Woody Guthrie oder Bob Dylan überlege, dann habe ich durchaus auch den Anspruch, Zusammenhänge zu erklären und auf gesellschaftliche Hintergründe hinzuweisen. „Wir spielen unsere Konzerte im Pädagog, das heißt, wir haben einen Bildungsauftrag, sage ich dann immer scherzhaft.

Wie gesagt, im kommenden Jahr sind US-Präsidentschaftswahlen und sie werden entscheidend sein für die Zukunft dieses Landes, auf das so viele Menschen ihre Träume gebaut haben. Ich werde dies in verschiedener Form aufgreifen. Bei meinen Seminaren, mit dem Themenmonat „Voices Of The Other America“ in meiner „Americana“-Reihe, einem literarisch-musikalischen Programm zum Thema USA und einem besonderen Konzertformat in der zweiten Jahreshälfte. Und möglicherweise gelingt es mir, meine publizistische Produktion zu diesem Thema in Richtung einer größeren Form zu lenken, aber das werden wir sehen.

Blick nach vorn
Es wird also ein aus vielerlei Hinsicht wichtiges Americana-Jahr, das Jahr 2020. Es geht um einiges, aber jetzt ist einfach die Zeit mit kulturellen Beiträgen in die politische Debatte einzugreifen. Mit guter Musik macht das besonders viel Freude!

Bleibt mir nun noch fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch zu wünschen! Auch in der Cowboy Band-Welt kehrt nun Ruhe ein, im Januar geht es hier wieder weiter. In diesem Sinne wie immer an dieser Stelle Santa Bobs Weihnachtsgruß!

Darmstädter Dylan-Tag 2020

16. Dezember 2019

„Whatever Colours You Have in Your Mind“/ 18. April im Theater im Pädagog/
Kooperation mit „Americana im Pädagog“/ mit Manfred Maurenbrecher, Bernie Conrads, Heinrich Detering und anderen

Copyright: Wikimedia Commons

Im kommenden Jahr wird in Darmstadt erstmals der Darmstädter Dylan-Tag veranstaltet. Am Samstag, 18. April, wird sich unter dem Motto „Whatever Colours You Have In Your Mind“ von 15 Uhr bis ca 22.30 Uhr in Vorträgen und musikalischen Beiträgen und Konzerten alles rund um Werk und Wirken Bob Dylans drehen.

Seit 2014 gibt es in Darmstadt die von Thomas Waldherr kuratierte, sich ausdrücklich auf Bob Dylan berufende, Konzertreihe „Americana im Pädagog“. Seit 2016 ist bei Radio Darmstadt die „Dylan Hour“ von Marco Demel auf Sendung. So entstand die Idee, sich einen ganzen Tag mit Werk und Wirken von Bob Dylan zu befassen. Kooperationspartner der Veranstaltung ist die Konzertreihe „Americana im Pädagog“. Diese veranstaltet im US-Wahljahr 2020 erstmals im April einen Themenmonat „Voices For The Other America“, dessen Teil der Dylan-Tag ist.

Beim Darmstädter Dylan-Tag 2020 sind u.a. mit dabei Manfred Maurenbrecher, Bernie Conrads (Bernies Autobahn Band), die Literatur-Professoren und Dylan-Autoren Heinrich Detering und Anne-Marie Mai sowie Dan Dietrich und die Double Dylans. Der Eintritt beträgt 30 Euro.

Karten für die Veranstaltung können im Vorverkauf online unter http://www.paedagogtheater.de erworben werden. Vorbestellungen sind unter 06151 – 66 01 306 telefonisch und unter theaterimpaedagog@gmx.de per E-Mail möglich.

Vielstimmige Suche nach dem Maskenmann

30. November 2019

Fast drei Stunden Kurzweil: Bob Dylan-Abend von „Americana im Pädagog“ begeistert in ausverkauftem TIP

Zehn Musikerinnen und Musiker und ein Moderator entführten am Donnerstagabend (28.11.) das Publikum im bis auf den letzten Platz vollbesetzten Darmstädter Theater im Pädagog in den Bob Dylan-Kosmos. Es wurde eine vielstimmige, erlebnisreiche und kurzweilige Suche nach dem großen Trickser, Chamäleon und Sinnsucher der Rockgeschichte. Auch nach fast drei Stunden Programm ging keiner vorzeitig. Das Programm traf genau den Nerv der Dylan-Interessierten.

„Americana im Pädagog“ hatte eingeladen und viele Dylans kamen. Der „Darmstädter Dylan“ Dan Dietrich hatte natürlich Heimspiel, den weitesten Weg hatte Stiff La Wolf aus Mecklenburg-Vorpommern. Aus Frankfurt kamen die DoubleDylans, die Singer.Songwriterin Jen Plater und Martin Grieben, der in Darmstadt aus seiner Zeit bei der Band „Jay“ bestens bekannt ist. Aus Weinheim stießen Zimmerman‘s Friends zur bunten Truppe.

Ihnen allen hatte Thomas Waldherr, Kurator der Americana-Reihe, Songs vorschlagen, die zu den von ihm gesetzten inhaltlichen Schwerpunkten des Abend passten. Ziel war es, die weniger bekannten Seiten des Songwriter-Papstes auszuloten. Und wie die Künstler die Songs aufbereitet hatten, rief immer wieder Beifallstürme des Publikums hervor. So glänzte Martin Grieben mit fantastischen Versionen von „When He Returns“ (Dylans religiöse Phase) und „Po‘ Boy (Dylans Alterswerk). Mitreißend und genau traf er die Beseeltheit Dylans in Ausdruck und Stimme bei „Returns“, musikalisch genial war die Idee, den Po‘ Boy auf der kleinen Ukulele zum Besten zu geben.

Die Double-Dylans fesselten das Publikum mit ihrer ungewöhnlichen Rap-Version von „The Lonesome Death Of Hattie

Matze Schmidt, Stiff La Wolf, Thomas Waldherr, Foto: AIP

Caroll“ (Bob Dylan und Black America) und zusammen mit Jen Plater und deren Maskierung als Mann arbeiteten sie fein heraus, dass die „Political World“ eine Männerwelt ist (Bob Dylans politische Welt). Im Duett hatten Jen Plater und Lokalmatador Dan Dietrich schon lange vorher die Erinnerung Dylans an das „Girl From The North Country“ (Bob Dylans Jugend) mit viel Gefühl intoniert.

Zimmerman’s Friends führten dann die Country-Abteilung an. Mit „Make You Feel My Love“ – u.a. auch von Country-Superstar Garth Brooks gecovered – wurde Dylans Liebeslied von den Weinheimer Dylans in genialer Art, ganz wunderbar zart und sinnlich vorgetragen. Überhaupt schreibe Dylan die schönsten und gefühlvollsten Liebelieder meinte Bandleader Bernd Hoffmann dazu. Anschließend gingen sie beim schmissigen „You Aint‘ Goin‘ Nowhere“ in packender Manier voran und rissen das gesamte Ensemble und das Publikum mit, ehe es in die Pause ging.

Stiff La Wolf wiederum brachte das Publikum durch Vortrag, Bühnenpräsenz und Charisma dazu, ihm bei den langen, textlich besonders anspruchsvollen Stücken „Not Dark Yet“ und „Every GrainOf Sand“ aufmerksam zu folgen. Da schien für einen Moment im Pädagogkeller die Zeit still zu stehen. Aber auch Kurator und Moderator Thomas Waldherr ergriff an diesem Abend seine Chance und sang zusammen mit Stiff La Wolf, begleitet von DoubleDylan Matze Schmidt, die Bob Dylan und Willie Nelson Koproduktion „Heartland“. Das ließ sich hören.

Auch nach fast drei Stunden ließ das frenetisch applaudierende Darmstädter Publikum die Dylan-Truppe einfach nicht von der Bühne und so wurde als allerletzter Song „All Along The Watchtower“ improvisiert. Als dann das Saallicht wieder anging schaute man ringsherum nur in strahlende Gesichter. „Vielen Dank, Ihr habt uns mit diesem Abend ein großes Geschenk gemacht“, drückte eine Besucherin ihre Freude aus. Und beschenkte damit wiederum Ensemble und Moderator. Ein Abend, der für alle, die dabei waren – ob auf, vor oder hinter der Bühne – unvergessen bleiben wird.

Am 13. Dezember unterstützt „Americana im Pädagog“ das Konzert der Country-Rockband „Music Road Pilots in der Darmstädter Michaelsgemeinde und geht dann in die Weihnachts- und Winterferien. Die Americana-Saison 2020 startet dann im TIP am Donnerstag, 30. Januar, mit Martin Griebens Programm „Elvis Pur. Songs und Geschichten vom King of Rock’n’Roll“.

„Like A Complete Unknown“

20. November 2019

„Americana im Pädagog“ lädt zum Abschluss des Herbstprogramms zu einem besonderen Bob Dylan-Abend ein

„Bob Dylan und die Countrymusik“, „Bob Dylan und „Black America“, „Bob Dylan und die Religion“, das sind nur drei der Themen, die im Mittelpunkt eines besonderen Dylan-Abends von „Americana im Pädagog“ stehen. „Bob Dylan wird in der öffentlichen Wahrnehmung sehr oft immer noch auf seine Protestsänger-Phase oder seine Rockmusik der Mittsechziger-Jahre reduziert. Dem wollen wir einmal einen Ausflug zu den weniger bekannteren Seiten der Musiklegende entgegensetzen“, beschreibt Thomas, Dylan-Kenner und Kurator von „Americana im Pädagog“, die Absicht hinter der Veranstaltung „Like A Complete Unknown“, die am Donnerstag, 28. November (Beginn 20 Uhr/ Eintritt 16 Euro) das Herbstprogramm der Konzertreihe beschließt.

„Es ist ein weiterer Versuch dem alten Maskenmann, Trickser und Vagabunden auf die Schliche zu kommen“, so Waldherrs verschmitzte Ansage für diesen Abend. Für diesen Versuch gewonnen hat Waldherr eine illustre Reihe von musikalischen Mitstreitern, die sich allesamt der Musik des Songwriter-Papstes verschrieben haben. Der Abend ist gleichzeitig auch eine Reminiszenz an die vielen Musiker, für die Dylans Songs prägend waren und die sich ihnen daher auf unterschiedliche Weise annehmen. „Wir freuen uns, wichtige Dylan-Interpreten aus der Region hier versammeln zu können.“ So ist der „Darmstädter Dylan“ Dan Dietrich ebenso mit von der Partie wie die Frankfurter DoubleDylans und die Weinheimer Zimmerman’s Friends. Komplettiert wird das Line-Up durch die Frankfurter Singer-Songwriterin Jen Plater, der in Darmstadt bestens aus seiner Zeit mit der Band JAY bekannte Martin Grieben und Stiff La Wolf aus Meckenburg-Vorpommern.

„Wir werden wieder viel gute Musik hören und daneben stellen erläuternde Texte den Bezug zu den angesprochenen Schaffensperioden von Dylan her“. Das Format folgt damit dem Rahmen früherer Veranstaltungen der Reihe zu Woody Guthrie und Pete Seeger oder zu den „Love Songs For The Other America“. „Diese Abende sind mittlerweile zu einem Markenzeichen von ‚Americana im Pädagog‘ geworden. Die Vorbereitung läuft auf Hochtouren, wir freuen uns alle sehr, das Programm endlich unserem Publikum präsentieren zu können“, blickt Waldherr gespannt nach vorn.

Karten für die Veranstaltung können im Vorverkauf im Darmstadt-Shop im Luisencenter sowie online unter http://www.paedagogtheater.de erworben werden. Vorbestellungen sind unter 06151 – 66 01 306 telefonisch und unter theaterimpaedagog@gmx.de per E-Mail möglich.

Things Have Changed

20. Oktober 2019

Als wäre es ihm zu perfekt gewesen: Zum Auftakt seiner US-Tour setzt Bob Dylan wieder einmal vieles neu zusammen

Bob Dylan ist wieder auf Tour. Seit 11. Oktober und noch bis zum 6. Dezember. Unter anderem wird er zum Abschluss dieses Tourneeabschnitts zehnmal Im Beacon Theatre in New York spielen und sich mit einem Auftritt in Washington D.C. in die Winterpause verbschieden. Eine erste Einschätzung nach fünf Konzerten.

Wie schrieben wir im Sommer nach majestätischen Konzerten in Stuttgart, London und Kilkenny: „Besser kann es nicht mehr werden, nur anders gut.“ Wie Recht wir hatten, ahnten wir damals noch nicht. Bob Dylan, der ewig Rastlose, der Veränderer und Verwirrkopf hat mal wieder alles kräftig durchgewirbelt: Die Band, die Setlist, das Setting. Die Herbstkonzerte mögen den Sommerkonzerten ähneln und doch sind sie etwas ganz anderes.

Das Setting
Das ist so typisch Dylan. Ein bisschen rätselhaft, ein bisschen retro: Drei stilvoll angezogene Schaufensterpuppen betonen jetzt noch mehr den Bühnenaufbau, der mit alten schweren Scheinwerfern das Ganze wirken lässt wie einen Musik-Club in den 1940er Jahren.

Das Set
Der Opener war in den ersten drei Konzerten „Beyond Here Lies Nothin'“ und ersetzte damit vorerst das schon etwas abgenudelte „Things Have Changed“. Beim vierten Konzert in Denver, Colorado, war es Augen- und Ohrenzeugen zufolge eher ein Versehen, dass der Meister wohl aus Gewohnheit wieder „Things Have Changed“ intonierte. Denn beim fünften Konzert in Lincoln, Nebraska, wurde wieder „Beyond“ gespielt. Dort ersetzte dann auch „It’s All Over Now, Baby Blue“ das zuletzt ebenfalls hinreichend gespielte „It Ain’t Me Babe“.

Ein völlig neues Arrangement von „Not Dark Yet“ ist umstritten, lässt doch eine völlig neue Melodie auch die kognitive Wahrnehmung des Songs nicht unberührt. Die Frage ist dann letztendlich: Holt das neue Arrangement neue Bedeutungs- oder Gefühlebenen aus dem Song heraus oder ist es schlicht l’art pour l’art? Wir werden sehen und hören.

Die Sensation war natürlich nach mehr als einem Jahrzehnt die Wiederaufnahme von „Lenny Bruce“. Wir erinnern uns, der jüdische Stand-up-Comedian stand bahnbrechend für eine satirische Blickweise auf das politische Zeitgeschehen, sein Witz war scharf und gnadenlos und traf vor allem auch die Eliten. Dass er noch dazu auf der Bühne recht derb und obszön sein konnte, lieferte den Mächtigen gute Vorwände, um Bruce mit Auftrittsverboten zu überziehen. Am Ende starb er 1966 mit einer Nadel Heroin im Alter von 42 Jahren.

Natürlich überlegt man als Dylanologe warum kommt Dylan jetzt wieder mit dem Song heraus. In einer Zeit, in der Satire die absurde Realität von Trump & Konsorten überhaupt nicht übertreffen und zuspitzen kann. Einer Zeit, in der zwar in TV, Internet und Social Media viele Witzchen über Politik erzählt werden, aber das Maß nicht stimmt. Im TV zu harmlos, in den Social Media hasserfüllt. Da ist Lenny Bruce tatsächlich eine Figur von Gestern, was aber nichts schlechtes sein muss. Denn Bruce hatte bei allem anarchischem schon einen Kompass, wen und was er sich in welcher Weise vornahm. Im tiefsten Innern leitete ihn die Humanität, nicht die Misanthropie. Auch wenn ich Lenny Bruce nicht zu den stärksten Songs von Dylan zähle – zu verschwommen ist mir die Aussage, zu einfach und harmlos erscheinen mir die Bilder – so liegen ihm doch der Song und die Person am Herzen. Und möglicherweise ist das Ganze dann doch sein Kommentar zum Medien-Overkill der Horrorclowns.

Und am Ende dann tauchte beim Eröffnungskonzert das wunderbare „Long And Wasted Years“ in den Zugaben auf, wurde aber leider bald durch das natürlich legendäre „Ballad Of A Thin Man“ ersetzt.

Die Band und die Musik
Ein Abgang, zwei Neuzugänge sind zu verzeichnen. Fast 20 Jahre trommelte der sympathische George Receli für Dylan. Nach dem wunderbaren „Tier am Schlagzeug“ Winston Watson, dem der etwas farblosen David Kemper folgte, war George wieder einer, der zum Fanliebling wurde. Er spielte mehrere Platten ein und wirkte auch in Videos und Filmen zusammen mit Dylan. Schon schade, aber wie gesagt, die Dinge ändern sich. Neu an seiner Stelle ist Matt Chamberlain, ein profunder Studio- und Livemusiker, ein alter Hase, der schon mit Pearl Jam, Tori Amos, The Wallflowers und Elton John zusammengearbeitet hat. Und mit Bob Britt ist wieder einmal ein zweiter Gitarrist dabei. Auch er ein alter Fahrensmann (Leon Russell, Dixie Chicks, John Fogerty). Die beiden geben dem Sound neue Impulse, aber auch Dylan wirkt ein, indem er zum Beispiel selber beim Opener zur Gitarre greift – zuletzt sogar beim zweiten Song ebenfalls – oder Donnie Herron ein bisschen aus dem Schattendasein holt und dessen Violinenspiel nun viel mehr der Melodieführung als dem Lücken füllen dient. Und auf seiner alten Tage scheint Dylan sogar serviceorientiert vorzugehen. Erstmals seit vielen Jahren stellt er die Band wieder vor. Das kann sich aber auch wieder ändern, denn irgendwann sollten die neuen Mitglieder bekannt sein und dann wird sich der Meister womöglich auch diese wenigen gesprochenen Worte wieder sparen.

Dylans Gesang bleibt auf den Niveau des Sommers und so ergeben sich aus dieser neuen Gesamtkonstellation wieder typische Dylan-Konzertmomente: Hohe Kunst wechselt sich ab mit solidem Handwerk und gescheiterten Versuchen der Neubelebung des Altbekannten. Soviel Risiko geht weiterhin unter den Altmeistern nur ein. Und daher strebt Dylan immer weiter nach vorne, immer weiter. Für die sicheren Nummern sind andere zuständig. Und wir beobachten das ganze sehr erfreut. Dylan is on his road again!

The Band – Sondereditionen zum 50. Geburtstag des „braunen“ Albums

5. Oktober 2019

Nachdem Bob Dylan und „The Band“ 1967 im Keller von Big Pink mit den Basement Sessions das „Americana“ schufen – noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weil Dylan die Bänder erst 1975 veröffentlichen ließ – war es an der kanadisch-amerikanischen Truppe das neue Genre dem Publikum vorzustellen. 1968 erschien ihr Debüt-Album „Music From Big Pink“, das tatsächlich noch sehr den Geist des Kellers in Woodstock atmet. Und im selben Jahr traten sie dann mit Bob Dylan beim Woody Guthrie-Tribute anlässlich des Todes der Folk-Ikone auf. Auf diesem Blog habe ich vor zwei Jahren auf den Zeitraum 1967/68 verwiesen: https://cowboyband.blog/2017/12/28/vor-50-jahren-die-geburt-des-americana/

Die Geburtsjahre des „Americana“
1969 im Woodstock-Jahr führen die Protagonisten inmitten der Psychedelic-Welle ihre Arbeit an Americana und Country-Rock fort. Während Dylan mit „Nashville Skyline“ im April bereits seine Hinwendung zur Countrymusik dokumentierte (er nahm im Februar 1969 mit Johnny Cash auf, die Sessions werden nun endlich in wenigen Wochen, am 1. November, veröffentlicht!) erschien im September 1969 das zweite, das „braune“ Album der Band. Nachdem „The Band“ bei Woodstock aufgetreten waren, sie durch die Schnappschüsse von Elliott Landy sich auch optisch als „American Pilgrims“ stilisiert hatten, war die Zeit reif für „The Band“. Das zweite Werk von Levon, Robbie, Richard, Garth & Rick wurde in einem Atemzug mit dem weißen Album von John, Paul, George & Ringo genannt, was die Entwicklung der Pop- und Rockmusik anging. Insbesondere Eric Clapton war und ist des Lobes voll.

Robertson kuratiert die Neuausgabe und verarbeitet die Vergangenheit
Während also zum 50. Jubiläum von Nashville Skyline und den Dylan/Cash-Sessions letztere endlich veröffentlicht werden, wird auch das braune Album entsprechend gewürdigt. Unter dem Kuratel von Robbie Robertson wurde das Album neu gemischt, einige Bonus Tracks zusammengetragen und vor allem: Erstmals wird das Woodstock-Konzert von „The Band“ offiziell veröffentlicht.

Diese ganze Jubiläums-Kiste hat wohl Robbie Robertson indes so beschäftigt, dass er unter dem Titel „Once Were Brothers“ sowohl an einem Dokumentarfilm über seine Zeit mit „The Band“ mitwirkte, als auch einen Song schrieb. Beides an seiner Biographie „Testimony“ angelehnt. Der mittlerweile 76-jährige erzählt seine Version der Geschichte von „The Band“, nachdem Levon Helm in seiner Biographie „This Wheel’s On Fire“ Robertson schwere Vorwürfe machte bezüglich Songrechten und Bandleader-Allüren. Jahrelang waren die beiden zerstritten und legten die Fehde erst an Helms Totenbett im Jahr 2012 bei. Der Schreiber dieser Zeilen hat den Film, der am 5. September Premiere hatte, bislang noch nicht sehen können, aber was man hört, scheint Robbie einiges auf den angeblichen Drogenkonsum der anderen Bandmitglieder zu schieben. Wir werden sehen, wie wir das einzuschätzen haben, und uns hier wieder zu Wort melden.

Erscheinungsdatum 15. November
Wie auch immer, am 15. November erscheinen nun eine Reihe von 50th Anniversary Edition-Packages: ACD, Blu-ray, Doppel-Vinyl, 7-Inch-Boxset mit gebundenem Buch und vieles mehr. Auch hierfür gilt: Wir werden es hören und auch dazu hier wieder von uns hören lassen. 50 Jahre danach ist die Geschichte und die Musik von „The Band“ wieder neu zu entdecken. Und das ist gut so.

They Are Younger Than That Now!

15. Juli 2019

Neil Young und Bob Dylans gemeinsamer Auftritt in Kilkenny

Promo: Veranstalter

Nein, das wird nicht passieren! Träumer, die da denken Bob Dylan und Neil Young würden sich zum Tour-Abschluss die Bühne für einen gemeinsamen Song teilen. Niemals wird das geschehen! So oder ähnlich dachte ich wie so manch anderer vermeintlicher Realist auch. Zu oft hatte Dylan solche Chancen trotz gemeinsamer Touren mit Willie Nelson, John Mellencamp oder Merle Haggard ausgelassen.

Dadurch hatte man fast vergessen, dass Dylan 2013 bei der Americanarama-Tour tatsächlich gemeinsam mit Wilcos Jeff Tweedy, My Morning Jackets Jim James, und Ryan Bingham zusammen den „Band“-Klassiker „The Weight“ gespielt hatte. Aber das war die große Ausnahme von der Regel.

Aber irgendwie passte dieser gemeinsame Auftritt am Sonntagabend im irischen Kilkenny zu dieser staunenswerten Dylan-Tour im Sommer 2019. Hatte Dylan im Frühjahr schon begeistert durch frische, neue Arrangements seiner Songs – „Don’t Think Twice“ am Klavier nur von Tony zart mit Bass und Bogen begleitet war der Höhepunkt im April in Augsburg – kam bei dieser Tour nun eine für Dylan überbordende Spiel- und Ausdrucksfreude dazu. Selten hat man ihn so entspannt im hier und jetzt gesehen, schon lange nicht mehr so voller Energie und der Lust und dem Spaß an der Performance. Die Konzerte 2017 und 2018 waren sehr gut, die Frühjahrstour auch, doch jetzt steigerte sich Dylan gegen Ende seiner diesjährigen Europatour zu einer beachtlichen Form empor.

Diesmal war „Girl From The North Country“ der Höhepunkt. Ganz zart, ganz langsam, ganz eindringlich hat der 78-jährige sein frühes Lied über eine Jugendfreundin gesungen. Mit so viel Melancholie, dass einem die Tränen kommen. Fast ebenso melancholisch kommt auch „Simple Twist If Fate“ in diesen Tagen daher. Erinnerungen des alten Mannes an vergangene Liebschaften voller Sehnsucht, voller Hingabe und voller Einsicht, dass das lange zurückliegt aber immer zu diesem Leben dazugehören wird.

Dylan scheint sich der eigenen Bedeutung in diesen Tagen sehr bewusst zu sein und reagiert mit Stolz und der Selbstverpflichtung, etwas Gutes abzuliefern darauf. Kein Auto-Pilot, nicht eine Zeile wird da weg genuschelt. Während Bob mit immer neuen Verfremdungen seiner Songs durch Deutschland reiste, war Neil Young indes als ton- und wortgetreuer Apologet seiner selbst unterwegs. Herausgefordert von der jungen Truppe um Willie Nelsons Sohn Lukas, treibt er die Jungen an, spielt seine Songs wie man sie halt kennt, nur eben live. Mit noch längeren und noch brachialeren Soli die Rocknummern, weich und geschmeidig die zarten Folknummern. Das macht richtig Spaß, ist sicher leichter zugänglich wie die Dylan-Methode, sollte aber nicht – wie in der britischen Presse geschehen- gegen Dylans Art der Performance ausgespielt werden.

Denn beide sind in ihrer Art einzig und besonders. Dass sie sich nun zusammen die Bühne zum Abschluss ihrer beider Touren in Kilkenny teilten, ist auch etwas Besonderes. Wie gesagt, beide sind sich ihrer Stellung bewusst. Und so singen sie aus vollem Herzen das alte Traditional „Will The Circle Be Unbroken“, das schon von so großen und wichtigen Interpreten wie der Carter Family oder den Staple Singers angestimmt wurde.

Dylan und Young hatten in jungen Jahren die Nachfolge der alten Folkmusiker mit ihren eigenen musikalischen Mitteln angetreten, nun im Herbst ihres Lebens nehmen sie die jenseitige Hoffnung des alten, überlieferten Liedes auf. Ein Lied, das auch immer dazu dient, einem die Last vom Leben zu nehmen, weil es verheißt, dass da noch etwas Besseres kommt.

Doch wer Dylan und Young im Sommer 2019 im Konzert erlebt hat, der hat alles andere als Künstler gesehen, die eine Last zu tragen haben. Im Gegenteil: Da konnte man zwei spielfreudige alte Haudegen sehen, die wir weiterhin gerne regelmäßig hierzulande zu Besuch hätten. They Are Younger than that now!

Besser geht’s nicht mehr – nur anders!

11. Juli 2019

Promo: Jazz Open Stuttgart

Bob Dylans außergewöhnliches Konzert bei den Jazz Open in Stuttgart.

Ich habe – u.a. auch am letzten Sonntag in Mainz – unter den fast 40 Bob Dylan-Konzerten, die ich über die Jahre gesehen habe – viele gute bis sehr gute Konzerte gesehen. Das aber vom Sonntagabend im Stuttgarter Schlosspark ist wirklich eines der schönsten Dylan-Konzerte gewesen, das ich je gesehen habe. Es war ein ganz außergewöhnliches Dylan-Konzert.

Nach einer schieren Ewigkeit mit „Things Have Changed“ als Opener stand mit „Ballad Of A Thin Man“ ein anderer Song am Anfang des Abends. Und das in einer eindringlichen, packenden Fassung, die – ohne dass man es zu diesem Zeitpunkt ahnen konnte – geradewegs in einen fantastischen Auftritt mündete, in dem Dylan seine Songs mit klarer Stimme und ausdrucksstark prononciert, sie geradezu auslebt. Seine Stimme ist an diesem Abend laut und kräftig, seine Stimme ist sanft und fein, aber sie kann auch quietschen und gedehnt sein – ganz wie er es will und für notwendig hält.

Sein Vortrag ist aufrüttelnd bei „Can’t Wait“ und bitterböse bei „Scarlett Town“, die er beide in der Mittte der Bühne singt. Stehend und – in Begleitung des Mikrofonständers – auch tänzelnd. Sein Vortrag ist anrührend und emotional bei „Simple Twist Of Fate“ und „Girl From The North Country“. Da kamen einem wirklich die Tränen, so sehr glaubhaft berührend sind die Erinnerungen des alten Mannes an Liebe und Verlust in jungen Jahren. „Girl From The North Country“ gelingt ihm mit dieser mild-resignativen, leicht zweifelnden und durchaus sentimentalen Haltung – „trügt mich die Erinnerung oder war es wirklich so damals“ – überirdisch schön. Der stärkste Dylan-Moment, den ich je in einem Konzert erlebt bzw. gefühlt habe.

Sogar das ja eigentlich etwas zu routiniert runtergeschriebene „Make You Feel My Love“ wird durch seine konsequente und entschiedene Haltung – „glaub mir, ich lass‘ Dich wirklich meine Liebe spüren“- an diesem Abend zu einem wirklich großen Song. Denn so lautstark wie er das betont, schwingt stets auch scheinbar das Eingeständnis mit, so viele schon in seinem Leben enttäuscht zu haben. Das lässt einen nicht kalt.

War „When I Paint My Masterpiece“ in Mainz nur als schräge Walzernummer eher in der Abteilung „Kuriositäten“ beheimatet, gelingt sie ihm in Stuttgart als ironische Selbstentlarvung. Damals mit 30 Jahren hat er mit dem Song nach vorne geblickt und hat auf seine künstlerische Vollendung geschaut. Nun ist er amüsiert über damalige Situation und die irrige Annahme irgendwann sei man vollendet. Solche trivialen Annahmen gehören einfach mit einem gemütlichen Walzertakt unterlegt. Apropos amüsiert. Aufmerksame Konzert-Zuschauer wissen, dass Dylan mit dem Rücken zum Publikum mit seinen Musikern scherzt und lacht, aber sobald er sich uns zuwende,t seine stoische Buster Keaton-Maske aufsetzt. Doch in Stuttgart wurden Schranken eingerissen und dem Publikum öfters mal ein Lächeln geschenkt. Und bei der ebenfalls fantastischen Version von „Love Sick“ lacht er laut.

Und so ist dieses Konzert so dicht und überwältigend, dass es überhaupt keinen Abbruch tut, dass das Publikum diesmal auf „It Takes A Lot To Love, It Tages A Train To Cry“ als zweite Zugabe verzichten muss. Zwingend fand ich diesen Song an dieser Stelle nie. Und so verbeugt sich Bob Dylan auch das ist neu auf diesem Tourabschnitt) womöglich selbst ergriffen von seinem Auftritt, steht noch etwas gagelig da und verschwindet wieder in die Nacht.

Dieses Konzert war so schön, dass man darüber traurig werden kann. Denn irgendwann werden diese ewigen Konzerttouren enden. Aber wir wünschen uns – und die Zeichen, die wir gestern sahen lassen leise Hoffnung aufkommen – dass Bob Dylan uns noch eine Zeit lang zu seinen Konzerten einlädt. Auch wenn diese nach dem gestrigen Abend kaum noch besser werden können. Aber dass sie anders gut sein werden, das reicht doch als Anlass allemal, neuen Auftritten Bob Dylans entgegenzufiebern.

Drei Engel für Bob – Teuflisch gut!

25. Mai 2019

Dylan-Doppelgeburtstag in der Frankfurter Denkbar wird zu einem funkensprühenden Abend

Es ist noch hell und die Luft fühlt sich angenehm an, doch die Musik spielt an diesem Abend in der kleinen, proppenvollen Denkbar im Frankfurter Nordend. Die Gemeinde feiert den 78. Geburtstag von Bob Dylan und gleichzeitig das 20-jährige Bestehen der Doubledylans.

Thomas Waldherr – Präsentator des Abends – hält die Laudatio auf die Geburtstagskinder, in der er auf die humoristischen Seiten der Protagonisten eingeht und den Meister und seine Apologeten als Brüder im Geiste der Hoffnung und des Humors würdigt. Seine Erwähnung und Würdigung findet auch der kürzlich verstorbene Satiriker und Polemiker Wiglaf Droste. Auch er war ein Dylan-Freund gewesen.

Dann geht es an die Instrumente und die DoubleDylans spielen eine Auswahl ihrer besten Songs. Da dürfen „Silvio“ und „Abnießen“ ebenso wenig fehlen wie ihr großartiges Werk über den „Blinden Wilhelm Tell“. Am Ende werden die Soli und die Gitarrenduelle von Matze und Robert immer ekstatischer und funkensprühender, die Stimmung im Saal kocht und dazwischen Uli , der wie immer als Fels in der Brandung alles zusammenhält.

Und zu den Zugaben darf dann auch der Laudator mitsingen und dann alle „Whoowee, ride me high, Tomorrow’s the day, My bride’s gonna come, Oh, oh, are we gonna fly, Down in the easy chair“ und „I see my light come shining, From the west unto the east, Any day now, any day now, I shall be released“, und alle sind froh und ganz, ganz, ganz zum Schluss gibt es noch einen „Shot Of Love“ für alle aus der Mitte des Raumes und dann ist es vorbei für diesen Abend.

Davon wird man sich noch lange erzählen und das Beste ist: Es geht weiter, immer weiter!

Happy 78th Birthday, Bob!

24. Mai 2019

Photo Credits: Sony Music, William Claxton

Photo Credits: Sony Music, William Claxton

Heute wird Bob Dylan 78 Jahre alt. Von mir die besten Glückwünsche an den Künstler, ohne den ich ein anderer wäre. Der mich in der Jugend mit „Hurricane“ für gesellschaftskritische Songs begeistert hat, der mich zum Singen gebracht hat, von dem ich unheimlich viel über Amerika und dessen Musik erfahren habe. Und der mich schließlich seit einigen Jahren immer wieder bei Live-Konzerten begeistert.

Er lässt mich nicht mehr los. Ist wichtiger Gegenstand meiner musikjournalistischen Arbeiten, meiner Seminare und stand immer wieder im Fokus meiner Konzertveranstaltungen. Heute Abend feiern wir ihn in Frankfurt in der Denkbar. Und Ende November zum Jahresausklang von „Americana im Pädagog“ wird er auch wieder im Mittelpunkt eines großen Abends stehen.

Bald wird mit dem Netflix-Scorsese-Film über die Rolling Thunder Review und den gesammelten Konzertmitschnitten dieser Zeit das nächste Kapitel aufgeschlagen. Und dann folgen auch schon wieder die nächsten Europa-Konzerte. Bleibt die große Frage ob wir nochmal die Veröffentlichung eines Albums mit neuen Songs erleben dürfen. Er scheint ja neben den Konzerten dieser Gage mehr Zeit und Aufmerksamkeit aufs Malen, Gartentore schweißen und Whiskey machen zu verwenden.

Wie auch immer, was jetzt noch kommt ist ohnehin nicht mehr als die Zugabe. Wobei Dylan wäre nicht Dylan, wenn auch ein erneuter Geniestreich möglich wäre.

In diesem Sinne bleibst Du auch weiterhin spannend, alter Bob. Gratulation!