The Bickenbach, Texas Home Office Diary (17)

9. April 2020

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,
hol‘ die Fiddle und das Banjo, wir machen Old Time Music!

Gut 20 Jahre ist es her, dass in den USA die Old Time Musik, der Bluegrass und der Folk eine erneute Renaissance erlebten. Diesmal war es der Film „O Brother Where Art Thou?“, der diese Musik wieder in Erinnerung rief. Man erinnerte sich plötzlich wieder an Bluegrass-Veteranen wie Ralph Stanley, der im Soundtrack mitmischte. Und es gab eine ganze Reihe von jüngeren Künstlern, die dadurch eine größere Aufmerksamkeit erfuhren wie Gillian Welch oder Alison Krauss. Von den letzten beiden werden wir etwas aus dem Film hören. Ebenso wie von George Clooney bzw. natürlich Dan Tyminski, der ihm bei „Man Of Constant Sorrow“ die Stimme lieh.

Der Film ist bis heute mein Lieblingsfilm und hat mir nach der musikalischen Prägung durch Dylan mit seinem Soundtrack eine zweite Prägung mit Old Time, Bluegrass und Americana gegeben. Über den Film werde ich im Herbst mehr schreiben, wenn sein Kinostart sich zum 20. Mal jährt. Dylan übrigens war hier wieder einmal einen Schritt voraus. Ende der 1990er hatte er u.a. mit Ralph Stanley zusammen eine Aufnahme des Stückes „Lonesome River“ eingespielt und seine damaligen Konzerte begannen cis Anfang der 2000er mit einem akustischen Set, in dem er alte Bluegrass- und Country-Standards spielte. Auch hierzu ist unten ein Beispiel zu hören.

Mit Dylan wiederum begann für Ketch Secor und Critter Fuqua sowohl ihre musikalische Sozialisation, als auch ihr großer Durchbruch mit ihrer Band Old Crow Medicine Show. Sie hatten großen Erfolg bei jungen Leuten, weil sie die Old Time Music mit Tempo und Energie von Punk-Rock verbanden. Und als sie dann Dylans Songfragment „Rock Me Mama“ zu „Wagon Wheel“ ausbauten, wurde das ein Riesenhit. Ketch Secor und Dylan teilten sich die Autorenschaft und der Song lieferte auch noch Hits für den Iren Nathan Carter und für Darius Rucker. Wir hören und sehen unten dann natürlich Wagon Wheel mit der Old Crow Medicine Show. Leider sind sie heute als Grand Ole Opry Member etwas zu zahm wie ich meine, aber sie sind immer noch in der Lage tolle Dinge rauszuhauen wie vor wenigen Jahren die Veröffentlichung von Dylans „Blonde On Blonde“ in ihrer musikalischen Bearbeitung. Das Konzert dazu, das wir in Amsterdam sahen, ist bis heute für mich eines der besten Konzerte, die ich je gesehen habe.

Soweit für heute, Ostern rückt unaufhaltsam näher und wird mich an dieser Stelle auf die eine oder Weise in den nächsten Tagen beschäftigen.

Also dann bis Morgen!
Best
Thomas

Gillian Welch & Alison Krauss

The Soggy Bottom Boys

Bob Dylan: Hallelujah I’m Ready To Go

Old Crow Medicine Show

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (16)

8. April 2020

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,

John Prine ist tot. Wir trauern.

Da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen, da muss man auch nicht lange überlegen, damit ist das heutige Thema gesetzt.

Ich gebe zu, ich war und bin nicht der lebenslange große John Prine-Fan. Ich kannte John Prine als bedeutenden Songwriter, doch so richtig habe ich ihn erst recht spät für mich entdeckt. Als verlässliche menschliche Stimme, die immer schon da war, als musician’s musician, als großen Kämpfer gegen allerlei Krankheiten, die ihm in den letzten Jahren zu schaffen gemacht haben.

Also rückte er erst in den letzten Jahren immer mehr in meinen Fokus. Ich hörte bewusster seine Songs, die einen immer stärkeren Eindruck bei mir hinterließen, kaufte mir seine Alben und schrieb über sein letztes Album „Tree Of Forgiveness“. Für unsere letztjährige USA-Reise steuerte er seine Version des alten Stephen Foster-Songs „My Old Kentucky Home“ bei (wir hören es unten). Doch ein Konzert von ihm haben wir leider nie gesehen. Er gehört nun also zu den großen Musikern, die ich nie live erleben durfte.

Seine Bedeutung als Singer-Songwriter war immens. Oftmals trat er als Person hinter die großen Songs zurück und oftmals machten andere seine Songs bekannt. „Angel From Montgomery“ zum Beispiel durch Bonnie Raitt. Und berühmte Kollegen sangen seine Songs. Daher hören wir unten sowohl Bonnies Version von „Angel From Montgomey“ als auch Bob Dylans Version von „People Putting People down“. Denn ebenso wie John Prine Bob Dylan verehrte, verehrte Bob Dylan John Prine.

Bob Dylan hat über ihn gesagt:
„Prines Zeug ist reiner proustianischer Existentialismus. Gedankenbewegungen des Mittleren Westens bis zum höchsten Grad. Und er schreibt wunderschöne Lieder. Ich erinnere mich, als Kris Kristofferson ihn zum ersten Mal auf die Bühne brachte. ‚Sam Stone‘ mit der wunderbar eindrucksvollen Zeile: ‚Da ist ein Loch in Papas Arm wo das ganze Geld hingeht und Jesus Christus ist für nichts gestorben, nehme ich an. All das Zeug über „Sam Stone“, den Soldaten-Junkie-Daddy, und „Donald and Lydia“, wo Menschen aus zehn Meilen Entfernung miteinander schlafen. Niemand außer Prine konnte so schreiben.“

Wie nur wenige schrieb Prine Songs, die so beiläufig weise waren. Prine war ein Menschenfreund, den Menschen und ihrem Schicksal zugewandt. Und er war auch einer, der soziale oder politische Probleme benannte. Wie etwa in „Paradise“ -wir hören es unten – dem Song über die Naturzerstörungen der Kohleindustrie in Kentucky. Ihn zeichnete ein feiner Witz aus und wie gesagt, er war ein Kämpfer. Zweimal musste er wegen Krankheit in letzter Zeit geplante Deutschland-Konzerte absagen.

Zwei seiner letzten Arbeiten waren die beiden Songs, die er mit Swamp Dogg für dessen soeben erschienenes Album „Sorry You Couldn’t Make It“ zusammen sang: „Memories“ – das hören wir unten – und „Please Le Me Go Round Again“ sind nun so eine Art Vermächtnis Prines geworden.

Ich glaube, das gefällt ihm. Rest In Peace, John Prine!

Best
Thomas

John Prine: My Old Kentucky Home

Bonnie Raitt – Angel From Montgomery

Bob Dylan – People Putting People Down

John Prine – Paradise:

Swamp Dogg – Memories (feat. John Prine)

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (15)

7. April 2020

Thomas hat den Blues

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,

heute habe ich den Blues!

Nach so vielen Tagen im Home Office hat es mich erwischt. Da fällt einem doch schon mal die Decke auf den Kopf, da vermisst man Kollegen und Freunde. Da hat man den Blues.

Grund genug nach ein paar guten Songs zu suchen. Denn was ist heilsamer als schmerzvolle Lieder. Eine Rosskur und dann geht die Sonne wieder auf. Und was passt da besser als Blues-Songs. Songs über Situationen, aus denen man einfach nicht mehr rauskommt. Songs über Isolation, Songs über das zu Hause bleiben, traurige Songs.

Und hier sind ein paar, die ihr dann unten hören könnt.

Wir beginnen unsere Reise mit einem ganz traurigen Blues. Dem „Down Home Blues“. Geschrieben von Tom Delaney machte die Sängerin und Schauspielerin Ethel Waters 1924, also vor fast hundert Jahren, daraus einen Hit:

Lonesome and blue.
I’ve got the blues on my mind,
And I just feel like crying all the time.
Woke up this morning, the day was dawning,
And I was feeling all sad and blue,
I had nobody to tell my troubles to;
I felt so worried,
I didn’t know what to do.

Trauriger und hoffnungsloser geht’s nicht. Über das weitere Schicksal der Dame im Lied geben wir lieber keine Prognose ab.

Sondern gehen geschwind weiter zu Johnny Cash. Denn der versteht es, die im Country manchmal hemmungslose Weinerlichkeit ironisch zu brechen. Allein die Anfangssequenz des Videos ist unbezahlbar. Erst fiebert man mit, dass sich Bassist Marshall Grant bei seinem gakeligen Intro nicht die Finger bricht und dann das schiefe Grinsen von Johnny Cash und ab geht’s. Feiner Song und der „Man in Black“ ist hier modisch noch nicht so festgelegt und trägt ein helles Westernhemd.

Natürlich hat auch unser lieber Bob etwas beizusteuern. Ähnlich wie wir steckt er fest. In Mobile, Alabama. Nun, dort in den 1960er Jahren, als dieser Song entstanden ist, festzustecken und eine längere Zeit verbringen zu müssen – nun man kann sich schöneres vorstellen. Der von Schiffs-, Flugzeug- und Ölindustrie geprägte Ort war eine unromantische Südstaatenstadt mit Rassentrennung und Repression gegen Schwarze. 1981 erlangte er traurige Berühmtheit wegen der Ermordung von Michael Donalds durch den Ku-Klux-Klan. Dylan nutzt die Stadt in seinem Song aber zu einem allgemeinen Lamento gegen die amerikanische Provinzstadt. Wenn man dort im tiefen Süden feststeckt, dann wenigstens mit dem Memphis Blues auf den Lippen. Die Aufnahme davon stammt von 1976, von der 2. Rolling Thunder Revue.

Und zu guter Letzt ein aktuelles Werk zur Lage. Der sarkastisch-ironische Self Isolation Blues von Tom Portman & Karl Clews. Ungemein tröstend.

Uff, durchschnaufen, die Laune bessert sich schon.

Also viel Spaß mit der Musik & bis Morgen!

Best
Thomas

Ethel Waters – Down Home Blues

Johnny Cash – Home Of The Blues

Bob Dylan – Stuck Inside Of Mobile

Isolation Blues

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (14)

6. April 2020

Heute ist Hochzeitstag!

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,

heute ist Hochzeitstag!

Jedenfalls unserer. Ein guter Anlass, um sich hier mal mit Songs rund um Liebe, Heirat, Ehe und Partnerschaft zu beschäftigen. Natürlich mit Songs von unserem Bob.

Gerade mal zwei Jahre dauerte die Liaison von Bob mit Joan Baez, dann hatten sich die beiden auseinander entwickelt. Während Joan tagespolitisch aktiv blieb, hatte Dylan anderes vor. Seine Songs waren weniger politisch konkretes Programm als poetisch vorgetragene Klage gegen die verwaltete Welt in all ihrem Irrsinn. Und er lernte Sara Lowndes kennen, mit der er von 1965 bis 1977 verheiratet war. Für Sie hat er einige seiner schönsten Liebeslieder gesungen.

1. Love minus Zero/ No Limit
Der Song für die sich anbahnende Liebe. Dylan so lieb und zärtlich wie selten in dieser zornigen Zeit. „My Love she speaks like silence, without ideals of violence…my love she’s like some raven at my window with a broken wing.“
Um das lieb-zärtliche zu unterstreichen habe ich hier eine schöne Version vom Bangladesh Concert ausgewählt. Nur mit Gitarre und Mundharmonika…schmacht!

2. You Ain’t Goin Nowhere
Unser Hochzeitssong und das Zeugnis des Selbstverständnisses von Bob als Landlord und Familienvater: „Whoo-ee! Ride me high, tomorrow’s the day, my bride’s gonna come“. und erzählt ansonsten vom schönen Landleben. Hier in der Version von Shawn Colvin, Marx Chapin Carpenter und Rosanne Cash vom Bobfest 1992. Weil wir genau das bei unserer Hochzeit gespielt haben.

3. The Wedding Song
Ja, der Song ist schon speziell. Aufgenommen 1973 kurz vor der Comeback-Tour mit The Band und sicher war da schon zu spüren, dass die große Zeit dieser Liebe und Beziehung langsam vorüber war. So klingen seine starken Worte doch eher wie eine trotzige Beschwörung. Und im Unterbewusstsein ahnt man das Ende. „You gave me babies one, two, three, what is more, you saved my life, Eye for eye and tooth for tooth, your love cuts like a knife, My thoughts of you don’t ever rest, they’d kill me if I lie, I’d sacrifice the world for you and watch my senses die.“ Hier eine Version von eben dieser Comeback-Tour.

4. To Make Me Feel My Love
Ich gebe zu, dass für mich Anfangs der Song keine so große Offenbarung war. Hatte er hier sich nicht bei sich selbst bedient in Sachen Harmlosigkeit und trivialen Reimen? Hörte sich so bekannt an, so wie „I’ll Remember you“ von 1985, nun also „To Make Me Feel My Love“ 1997. Und dann sangen den Song auch noch wirklich alle. Billy Joel, Garth Brooks. Adele. Mannomann. Aber dann kamen die Konzerte von 2019 und ich wurde geläutert. Über die Version von Stuttgart schrieb ich damals:
„Sogar das ja eigentlich etwas zu routiniert runtergeschriebene „Make You Feel My Love“ wird durch seine konsequente und entschiedene Haltung – „glaub mir, ich lass‘ Dich wirklich meine Liebe spüren“- an diesem Abend zu einem wirklich großen Song. Denn so lautstark wie er das betont, schwingt stets auch scheinbar das Eingeständnis mit, so viele schon in seinem Leben enttäuscht zu haben. Das lässt einen nicht kalt.“

Soweit die ewige Liebeserklärung. Wir genießen jetzt den Abend.
Bis morgen!

Best
Thomas

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (13)

5. April 2020

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Auf dem Bienenlehrpfad

Howdee Everyone,

schützt die Bienen!

Heute war mal wieder Ausgehtag und wir haben das schöne Wetter genutzt um gleich im Nachbarort ein bisschen in die Weinberge zu gehen. Da haben wir dann was Neues entdeckt: Einen Bienenlehrpfad. Seit einigen Jahren wird ja verstärkt auf die Gefährdung der fürs Ökosystem so notwendigen Bienen hingewiesen. Gleichzeitig wird Imkern fast schon zum Volkssport, denn neuerdings gibt es bei Aldi Einsteigersets für Hobby-Imker.

Ja und da fiel mir wieder dieser wunderschöne romantisch-melancholische Song von SONiA disappear fear ein: „Princess and the honeybee“ und dass wir den gerne bei Ihren Facebook-Konzerten live hören möchten.

Und weil die Honigbiene (Honeybee), die Biene (Bee) und der Honig (Honey) so natürlich zum Landleben dazugehören kommen sie natürlich auch in vielen Folksongs vor. Und das nicht nur romantisch, sondern durchaus auch handfest. So beispielsweise im Folksong „The Honey War“. In Zeiten, als die Siedler in den neuen US-Territorien schwierige Phasen durchlebten und für jede natürliche Ressource dankbar waren, entspann sich an von Bienen bevölkerten Bäumen ein militärischer Konflikt zwischen Missouri und Iowa. Davon erzählt dieser Song, den wir unten hören.

Die Begrifflichkeiten rund um das süße Naturprodukt wurden aber immer auch schon auf die zwischenmenschlichen Beziehungen angewendet. „Honey“ ist nicht nur ein zärtliches, liebevolles Kosewort im englischen, in den US-Südstaaten ist es manchmal die normale Anrede. Gerade auch unter Frauen. Im Geschäft heißt es da schnell „What do you want, Honey“? Oder im Diner „Do you want more coffee, Sweetie?“.

In der Bluesmusik wurden die Begrifflichkeiten oftmals eindeutig zweideutig gewendet. Ganz groß darin war beispielsweise der legendäre Muddy Waters. In seinem Song „King Bee“ heißt es
„Well I’m a king bee
Buzzing around your hive
Well I’m a king bee, baby
Buzzing around your hive
Yeah I can make honey baby
Let me come inside“

Klar, oder?

Ein weiteres Beispiel ist „Honeybee“
„All right, little honey bee
I hear a lotta buzzing
Sound like my little honey bee
I hear a lotta buzzing
Sound like my little honey bee
She been all around the world making honey
But now she is coming back home to me“

Die alte Geschichte vom Bienchen, die von… Na, ja man kennt es. Am Ende kommt sie natürlich heim.

Während sowohl im Folk, als auch im Blues die Welt der Bienen immer metaphorisch benutzt wird für „Harte Arbeit“ oder „Liebe“ ist die moderne Mainstream-Countrymusik da ein Stück weit direkter. Und so schließt dieser Eintrag nach SONiA disappear fear, dem alten Folksong „Honey War“ und Muddy Waters mit Blake Sheltons „Honeybee“, eine Ode an den Honigkauf beim Direkterzeuger oder sing: „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin an einem Honigstand…“

Soweit für heute, und da gilt natürlich: Kauft den Honig beim Imker, nicht im Supermarkt!

Best
Thomas

SONiA disappear fear: Princess And The Honybee

The Honey War (American Folksong)

Muddy Waters: I’m a King Bee

Muddy Waters: Honeybee

Blake Shelton: Honeybee

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (12)

4. April 2020

Nashville 2019

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,

God bless America, sie können’s brauchen.

Denn in solch einer Krise mit dem orangefarbenen Horrorclown als Präsidenten geschlagen zu sein, ist wirklich so apokalyptisch wie die Zustände selbst zu sein scheinen. Corona-Krise, Wirtschaftskrise – was Amerika jetzt bräuchte wäre ein jemand mit Format eines Roosevelts, stattdessen irrlichtert ein ehemaliger Reality-Show-Star und schmieriger Immobilienmagnat durch diese Zeiten.

Just vor einem Jahr waren wir mitten in unseren Reisevorbereitungen für unseren Amerika-Trip, der uns von St. Louis über Tulsa, Memphis, Nashville und Bardstown nach Chicago führte. Wir sind froh, dass wir diese Reise noch machen konnten, denn wer weiß, wann dies wieder möglich ist. Wir hoffen ja, dass die Gastspiele unserer amerikanischen Freunde Sonia Rutstein und Tim Grimm im ersten Halbjahr 2021 möglich sind. Diesen und den anderen, die wir auf unserer musikalischen Reise im letzten Jahr gesehen und getroffen haben – den „Time Jumpers“, Trapper Schoepp, Dom Flemons oder dem sympathischen Tony aus der Kneipe in Bardstown – geht es soweit wir wissen gut.

Aber der Hot Spot ist ohnehin derzeit New York, auch hier führen uns die Gedanken derzeit hin. Jetzt rächt es sich, dass die USA das kapitalistischste Land der Erde sind. Während bei uns derzeit staatliches Gesundheitssystem und der Sozialstaatsgedanke ein kleines Comeback erleben – da müssen wir Druck machen, dass das nach der Krise auch so bleibt und die Chancen für entscheidende fortschrittliche Weichenstellungen genutzt werden – herrschen nun in den USA tatsächlich chaotische Zustände. Das wird noch viel bitterer werden.

Ich möchte daher heute auch nicht viel mehr schreiben, als dass ich hoffe, dass dieses ebenso faszinierende wie eben auch oftmals verstörende Land und seine Menschen etwas aus dieser Krise lernen.
Also meine Bitte an die Amerikaner:

1. Kommt so gut es geht durch die Krise.
2. Schafft Euch den Trump vom Hals.
3. Verändert Euer Land und wagt den Green New Deal!

Und hier die Musik: Die „Time Jumpers“, Trapper Schoepp, Dom Flemons und vom alten Bob „I’s Alright Ma, I’m Only Bleeding“. Denn: „Sometimes even the president oft he United States must to have stand naked!“

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (11)

3. April 2020

Für dieses Album sangen Bob Dylan und Mavis Staples zusammen „Gonna Change My Way Of Thinking“

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,
überwindet Gräben und Grenzen!

Schon in meinem letzten Eintrag habe ich darüber geschrieben, dass ich das derzeit geflügelte Wort von der „sozialen Distanz“ nicht so recht glücklich empfinde. Denn soziale Distanz ist etwas anderes als räumliche oder körperliche Distanz. Ein enorme soziale Distanz bestand und besteht noch in weiten der USA zwischen Schwarz und Weiß. Diese Distanz zu überwinden, beispielsweise in einer gemischtrassigen Beziehung war im tiefen Süden durchaus bis vor gar nicht allzu langer Zeit lebensgefährlich und auch heute ist es noch die Ausnahme.

Anders war das natürlich in der Generation, die Anfang der 1960er Jahre in den USA den Aufbruch wagte, die für Bürgerrechte auf die Straße ging. So wie Bob Dylan und Mavis Staples. Dass Bob und die Soulsängerin Mavis von den „Staple Singers“ um ein Haar geheiratet hätten, wissen vielleicht einige. Aber warum haben sie es nicht getan? Bobby hatte wohl Mavis‘ Vater Pops von seinem Wunsch erzählt, der hatte ihn an Mavis verwiesen, doch Mavis fühlte sich zu zu jung für diesen Schritt. Doch war das der wirkliche Grund?

Dylan sagt, er hätte die Staples aus dem Radio schon seit 1953 gekannt. Da war Mavis gerade mal vierzehn. Aber ihre teilweise heisere, raue Stimme, die so schön kontrastierte zu Pops Staples „samtener Stimme“ (Dylan), die war Dylan so vertraut, dass er Anfang der 1960er bei einem Treffen sofort wusste, wer Mavis war, ohne dass man sie ihm vorstellen musste. Ihn faszinierte vor allem der Staples Song „Uncloudy Day“ (wir hören ihn unten), für ihn mit das „mysteriöseste“ was er je gehört hätte.

Die beiden sahen sich bei einer TV-Show, schrieben sich Briefe hin und her und trafen sich bei einem Festival. „Da haben wir rumgeknutscht“, erinnerte sich Mavis vor wenigen Jahren an ihre Zeit mit Bobby. Sie wies ihn ab, weil sie sich zu jung dafür fühlte? Wofür zu jung? Hatte Sie als junge schwarze Frau einfach Angst vor den Folgen einer gemischtrassigen Beziehung? Eine andere Version besagt, sie hätte sich aus Furcht vor der Reaktion Martin Luther Kings mit dem die Familie eng befreundet war, Dylans Werben nicht erhört. Man kann spekulieren, sollte es aber nicht.

Denn wie auch immer. Die beiden haben sich nie aus den Augen verloren, die Staple Singers und auch

Mavis Staples

Mavis hatten ihre ganze Karriere über immer Dylan-Titel im Repertoire. 1977 traten Bob und die Staple Singers beim Abschiedskonzert von The Band auf. Zudem telefinieren Bob und Mavis bis heute regelmäßig. 2003 nahmen die beiden zusammen eine neue Version von Dylans 1979er Gospel-Rocksong „Gonna Change My Way Of Thinking“ auf. Ebenfalls unten zu hören. Interessant hierbei: Dylan und Staples haben dem Song eine kleine Dialogsequenz vorangestellt, die sich an den legendären Radioauftritt „Jimmie Rodgers visits The Carter Family“ von 1931 anlehnt. Und auch das, ist am Fußende des Artikels zu hören.

Und 2016 und 2017 gingen Bob und Mavis dann zusammen auf Tour, Mavis spielte im Vorprogramm von Bob. Gemeinsame Auftritte sind nicht überliefert, doch rund um die Konzerte entstanden einige innige Schnappschüsse der beiden.

Irgendwie schade, dass es zu keiner Verbindung der beiden gekommen ist. Das wäre sicher eine musikalisch spannende Mischung geworden. Vom möglichen Nachwuchs ganz zu schweigen.

Was bleibt ist eine tiefe Freundschaft zwischen zwei Künstlern, die trotz aller Probleme, die viele in den USA mit Farben haben, sich nicht darum scheren.

Best
Thomas

Bob Dylan & Mavis Staples: Gonna Change My Way Of Thinking:

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (10)

2. April 2020

Please, look at SONiA!

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,
tut was Gutes!

Gestern wurde uns erklärt, dass die Ausgangsbeschränkungen nun bis zum 20. April verlängert sind. Nun, da heißt es, was Gutes zu tun und was Gutes mit der Zeit anzufangen.
Viel Gutes tun die, die jetzt in Krankenhäusern oder in der Pflege arbeiten oder die als freiwillige Helfer älteren Leuten die Einkäufe erledigen. Gutes tun aber auch die, die jetzt überlegen, welche gesellschaftlichen Schlüsse, wir aus der Krise ziehen sollen. Also: Seid mündige Bürger, diskutiert und mischt Euch ein.

Gutes tun aber auch die vielen Künstler, die nun Online-Konzerte geben. Weil Sie ihre Passion und/oder Profession jetzt auch weiter ausüben wollen. Manche verlangen Geld, andere geben freie Konzerte. Aber auch hier sollte, wenn einem das Angebot gefällt, freiwillig spenden.

Wer das Glück hat in diesen Zeiten finanziell abgesichert zu sein, der wird gebeten etwas zurückzugeben. Wer sich in guten Zeiten an der Kultur erfreut, der sollte jetzt mithelfen, dass die Kulturangebote die Krise überleben.

Crowdfunding-Projekt: Unterstützt das „Theater im Pädagog!“
Marco Demel und ich haben daher ein Crowdfunding-Projekt für das „Theater im Pädagog“ gestartet. Wir möchten Klaus Lavies und seinem Theater etwas zurückgeben. Er hat immer vieles möglich gemacht, nun möchten wir es möglich machen, dass der Spielbetrieb weitergeht. Wir haben daher das Crowdfunding-Projekt „Unterstützt das Theater im Pädagog“ gestartet. Hier findet ihre es und könnt spenden. Es gibt eine ganze Reihe von Dankeschönpaketen: https://www.startnext.com/unterstuetzt-das-paedagog .

„Soziale Distanz“ ist das Zauberwort der Zeit. Den Begriff finde ich nicht passend. Hier es geht es räumlichen Abstand. Denn so wieder der Herr schon mal nah mit Chauffeur, Dienstmädchen oder Kofferträger in Kontakt kommt, so wahrt er doch stets die soziale Distanz. umgekehrt sind wir beispielsweise räumlich x-Kilometer und einen Atlantik von SONiA disappear fear entfernt und doch sind wir ihr so nah. Gerade wenn Sie heut Abend um 20 Uhr ein Live-Konzert auf ihrem Facebook-Kanal spielt. Denn zu diesem Zeitpunkt hätte sie bei „Americana im Pädagog auf der Bühne stehen sollen. Es wäre der Auftakt ihrer Deutschland-Tour gewesen. Doch Corona-Pustekuchen!

Wir freuen uns sehr, sie heute Abend live zu sehen. Unsere Grüße gehen übern Teich an eine tolle Sängerin und sympathischen Menschen, Sie gehört mittlerweile zu „Americana im Pädagog“ wie das Stadion am Böllenfalltor zu Darmstadt.

Wenn sie in das Pädagogtheater gekommen ist,so hat sie regelmäßig die Frühlingssonne mitgebracht. Ihre ebenso entschiedenen wie unterhaltsamen Songs singt sie für Menschlichkeit, Wärme und Solidarität und gegen Homophobie, Rassismus oder Krieg. Sie ist toll! Und dass sie eine Cousine von Bob Dylan ist, ist da zwar Nebensache, aber sehr wohl passend für diese Reihe und ihren Kurator.

In diesem Sinne viel Spaß mit den beiden Videos. Einmal SONiA disappear fear mit dem „Washington Work Song“ und dann im Duett mit dem Kurator. Natürlich ein Dylan-Song…

Best
Thomas

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (9)

1. April 2020

Theme Time Radio Hour With Your Host Bob Dylan

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,
turn the radio on!

Eine der Binsenweisheiten der Corona-Krise ist die der gesellschaftlichen Veränderungen, die sich als mögliche Folgen abzeichnen. Sowohl die gesellschaftlichen Veränderungen, als auch die Veränderungen im Verhalten, im Konsum oder in der Rezeption der Quellen, denen man sich zu Information und Unterhaltung bedient.

Ich gebe es zu, wir sind die Generation der Fernsehjunkies. Als Shows noch Familienereignisse waren und Serien noch wichtig für die Selbstfindung. Doch irgendwann ist das Fernsehen degeneriert zum Abspulkanal von Krimis und Krawall-Talkshows. Immer mehr nutzten wir Mediatheken und DVDs. Doch jetzt in der Coronakrise war es endgültig zu viel. Zu viel Pseudoinformation, keine Hintergrundberichte. Nervige, aufgeregte Moderatorinnen und Moderatoren zappeln sich oftmals bar belastbarer Daten und Fakten durch den Alarmismus. HILFE!

Wie wohltuend ist da das gute alte Radio, wenn man die richtigen Sender einstellt. Die Informationen werden weitgehend nüchtern präsentiert und die Unterhaltung ist oftmals originell, lehrreich und spannend. Ganz anders als bei den Dampfplauderern des Formatradios.

Für uns war die Sendung von Klaus Walter auf byte fm „Was ist Musik“ eine Wohltat. Da konnte man den neuen Bob Dylan-Song „Murder Most Foul“ in voller Länge hören. Umrahmt von Walters weiterer starker Musikauswahl – Swamp Dogg, „Young, Gifted And Black“, DAF – und seiner durchaus etwas spröden aber stets kenntnisreichen Moderation. Hier der Link zu diesem interessanten Internet-Radioangebot:https://www.byte.fm/sendungen/was-ist-musik/

Ganz anders die hr1-Lounge. Hier war Dylans Song von belangloser Musik und Dampfplauderei eingerahmt.

Apropos Bob Dylan. Der hat ja schon von einigen Jahren uns mit seiner „Theme Time Radio Hour“ begeistert. Einfach eine Stunde lang beste Musik der verschiedensten Musikrichtungen unter einem Oberbegriff – dazu Dylans beschlagenen Musikkenntnisse und seine sonore Moderationsstimme -ein großartiges Radioerlebnis. Hier kann man in eine Sendung reinhören: https://www.themetimeradio.com/episode-68-presidents/

Bei Radio Darmstadt gibt es übrigens regelmäßig die hörenswerte Dylan Hour von und mit Marco Demel, die wir vor ein paar Jahren zusammen aus der Taufe gehoben haben. Ich freue mich immer sehr, wenn ich mal wieder zu Gast bin und Radio machen darf. http://www.radiodarmstadt.de .

In der Frühzeit der Countrymusik spielten für ihre Verbreitung die vielen Radiostationen eine wichtige Rolle. Viele Künstler heuerten bei den kommerziellen Radiosendern an. Teilweise unterbrach die Werbung die Countrymusik, teilweise die Countrymusik die Werbung. Manche Firmen wie große Mehl-Erzeuger oder Produzenten von landwirtschaftlichen Geräten kauften sich nicht nur Sendungen sondern auch Sender. Ein schönes Beispiel ist die Mothers Best Flour Show mit Hank Williams (siehe unten).

Die bekannteste und langlebigste Country-Radioshow ist natürlich die Grand Ole Opry aus Nashville, die nur ein paar Jahre lang in der Louisiana Hayride aus Shreveport Konkurrenz hatte. Auch hier sehen wir unten einen schönen antiquarischen Ausschnitt eines Grand Ole Opry-Specials mit „Flatt & Scruggs & The Foggy Mountain Boys“.

Also schaltet Euer Internetradio ein – dort finden sich tolle Sachen. Da braucht man weder Dampfplauder-Radio noch Alarmismus-TV.

So, das war’s wieder für heute. Also: Bleibt in diesen Zeiten auch geistig gesund!

Best
Thomas

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (8)

31. März 2020

Railroad Songs sind eines der wichtigsten Genre der der traditionellen Country- und Folkmusik.

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,
seit fast einer Woche im Home Office vermisse ich derzeit eine Sache nicht: das Zug fahren. Zwar bin ich leidenschaftflicher Nutzer und Anhängerr des ÖPNV, doch in den letzten Jahren ist die Bahn an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen und täglich in der Sardinenbüchse gen Frankfurt katapultiuert zu werden, ist mäßig spaßig.

Wobei mittlerweile die Spannung am Bahnsteig – kommt der Zug oder nicht oder wenn ja wann – fast so hoch ist wie die der Bahnhofsszenen aus „High Noon“, die immer bedrohlicher werden je mehr die Zeit bis zum Eintreffen der Schurken verrinnt und es immer einsamer um Gary Cooper wird.

Ja, Bickenbach, Texas hat eine Bahnstation, schon relativ früh schlug man den Schienenstrang des Dampfrosses in den Bickenbacher Sand. Und schwupp – schon sind wir bereits bei einem weiteren Kontinuum der amerikanischen Folk- und Countrymusik. Es gibt etliche wunderbare Train- und Railroadsongs.

Da gibt es die den Ruhm der Eisenbahn mehren sollte. U.a. dadurch, dass man den Zügen nicht Namen wie RB 67/68, RE50 oder IC72 gab, sondern sie so poetisch bezeichnete wie „Texas Eagle“, „City Of New Orleans“ oder „Wabash Cannonball“. Bekanntester Train-Song dieser Tradition ist sicher hierzulande der von Arlo Guthrie bekannt gemachte „City Of New Orleans“, dessen deutsche Version bei uns mindestens genauso bekannt sein dürfte: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ von Rudi Carell. Ein anderer, uns ebenfalls bestens bekannter Entertainer sowie Song & Dance Man, Mr. Bob Dylan, hat vor wenigen die alte Grundmelodie derer sich Guthrie bedient hat, nochmals für sein „Duquesne Whistle“ benutzt.

Für mich der schönste Train Song ist aber der „Wabash Cannonball“, der schon existierte, bevor die Wabash Railroad später ihren Schnellzug zwischen Detroit und St. Louis „Wabash Cannonball“ benannte. Unten hören wir eine besondere Version. Nicht die bekannte von der Carter Family, die schöne angelsächsische Mountainballade, sondern die Bluesversion von Blind Willie McTell, die schon förmlich nach Rock’n’Roll schreit.

Und dann gibt es die Railroad Songs, die von der harten Fron der Eisenbahnarbeiter erzählen. Der bekannteste ist sicher John Henry. Der Legende nach trieb der schwarze Bahnarbeiter Sprenglöcher für den Tunnelbau für eine neue Eisenbahnstrecke in West Virginia in den Fels. Als eines Tages diese Arbeit von neuen dampfgetriebenen Hämmern erledigt werden sollte, trat er zum Kampf gegen die Maschine an. Er gewann, starb aber vor Erschöpfung. Wir hören unten eine Version von Billy Bragg und Joe (!) Henry.

Und wenn die Eisenbahn zumindest bis Mitte des letzten Jahrhunderts das Mittel zur Beförderung von Waren und Menschen war, dann gibt es natürlich auch viele Lovesongs, in denen die „Trains“ eine Rolle spielen. Wir hören unten „Train Of Love“ von Johnny Cash.

Und nicht zuletzt soll hier Mr. Jimmie Rodgers erwähnt werden. Der „Singin‘ Brakeman“ himself, der wie sein Vater schon bei der Eisenbahn am Knotenpunkt Meridian, Mississippi, arbeitete, dort von schwarzen Kollegen den Blues lernte und zum ersten Superstar der Countrymusik aufstieg.. Wobei Jimmie nicht nur Songs über die Bahnarbeiter sang, sondern auch über die Hobos, die auf Güterzügen mitfuhren. Von ihm hören und sehen wir „Waitin‘ For A Train“ sowie zwei weitere Songs. Ein kleines Kabinettstückchen“ aus alter Zeit.

Soweit für heute. Und auch wenn wir jetzt alle zu Hause sind: Kein Trübsal blasen. Genießt das Leben! Hört gute Musik, seht interessante Filme, kocht was Schönes, meidet die aufgeregten Fernsehformate, hört lieber Radio und führt mit Euren Liebsten und Freunden wichtige Gespräche zur Welt nach Corona. Oder spielt mal einfach wieder mit der Modell-Eisenbahn!

Best
Thomas