Die Blues-Meister

2. Juni 2018

Die Schultzes aus Weinheim sind wie ganz selbstverständlich Blues-Virtuosen

Wenn man Mojo Schultz und Petra Arnold-Schultz bei einem der vielen Konzerte, die die beiden in den verschiedensten Band-Konstellationen geben, erlebt, fällt sofort eines auf: Die unheimliche Leichtigkeit mit der sie den Blues spielen. Da ist keine große Anstrengung und da ist auch keine falsche Ehrfurcht, sondern stattdessen viel Humor. Die beiden spielen den Blues, weil er ganz selbstverständlich zum Leben gehört. Mojo ist ein Virtuose auf der Bluesgitarre, ob akustisch oder elektrisch oder slide. Mojo gelingt das alles mit viel Spaß und einer frohen Energie. Rhythmisch unterfüttert und mit stoischem Humor ergänzt wird Mojo dabei von Petra am Stand Up-Bass. Wobei „Lady Bass“ auch singt, so dass die beiden auch gesanglich zu überzeugen wissen.

Unter dem ebenso schlichten wie selbstbewussten Titel „Schultzes“ haben sie im vergangenen Jahr als Duo ein Album veröffentlicht, das die Live-Beobachtungen ebenso eindrucksvoll auf CD bestätigt, und zudem einen weiteren wichtigen Aspekt ihrer Kunst unterstreicht: Sie können nicht nur den Blues spielerisch leicht zum Gehör bringen, sie kennen auch seine Geschichte und sein Liedgut in- und auswendig, und wissen letzteres zusammen mit angrenzenden Gebieten wie Country, Bluegrass oder Rock in ihrem Repertoire fein auszutarieren. Und so wird dieses Album ebenso wie ihre Konzerte abwechslungsreich und vielfältig und nie langweilig. Und so wird diese CD auch zu einer Entdeckungsreise.

Nach dem gelungen Auftakt mit „Midnight Rider“ von Greg Allman, dem Gitarrenschulen-Klassiker „Get Back“ von den Beatles und „Riverboat Song“, dem bei J.J. Cale-Fan Schultz obligatorischen Titel aus dem Werk des Tulsa Sound-Begründers, nehmen sich die beiden Zeit für ein ausführliches Leadbelly-Medley. Es fällt mit sieben Titeln üppig aus und beinhaltet mit „Midnight Special“ oder „John Hardy“ bekannte Songs, aber gleichzeitig mit „Yellow Gal“ oder „Western Cowboy“ Stücke, von denen sicher fast nur eingefleischte Kenner des legendären „American Songster“ wissen. Die große Überraschung des Medleys ist aber „House Of The Rising Sun“. Der Song, den sowohl Bob Dylan als auch Eric Burdon in den 1960er Jahren bekannt machten, spielen die beiden so frisch und so anders als wäre er nie – ähnlich wie Blowin In The Wind“ -an unzähligen Lagerfeuern totgeschrammelt und gegrölt worden. Es entsteht ein völlig neuer Song!

Es folgen dann noch Klassiker wie der „Mercury Blues“, mit „Temptation“ ein Tom Waits-Song und zum Abschluss mit „Claire“ ein Stück aus der Feder von Mitmusikant Bernd Dalmann. Er und Mundharmonika-Spieler Albert Koch haben die Schultzes bei wenigen Stücken unterstützt, so dass es wirklich ein Album „Schultzes Pur“ geworden ist. Und genau deshalb ist es so ein schönes Album, das man immer wieder gerne hören mag und einen durch den Tag tragen kann. Chapeau und Gruß nach Weinheim!

Zu beziehen ist das Album „Schultzes“ bei Auftritten der beiden und über die Website http://www.schultzes-weinheim.de .

Und Hörproben gibt es hier:
https://www.schultzes-weinheim.de/musik/

Voices of Mississippi

1. Juni 2018

Von dieser CD/DVD-Box konnte ich bislang nur Kostproben hören. Aber die haben es in sich. Beste schwarze Blues- und Gospelmusik, dazu Wortbeiträge wie die von Ray Lum – seines Zeichens weißer Maultierhändler und Geschichtenerzähler – zeichnen ein lebendiges Bild der Populärkultur der US-Südstaaten. Alle Aufnahmen sind Field Recordings des US-Folkloristen William R. Ferris. Dazu eine DVD mit Filmen über die Kunst und Musik aus Mississippi.

Der heute 76-jährige Ferris war der Mitbegründer des „Center For Southern Folklore“ in Memphis, Tennessee und Gründungsdirektor des „Center For The Study Of Southern Culture“ an der University Of Mississippi. Er hat sich um die Erforschung der Alltags- und Populärkultur der Südstaaten verdient gemacht. Und dabei hat er die im Süden immer noch landläufige Spaltung in Schwarz und Weiß geflissentlich ignoriert. Ihm war stets das verbindende wichtig. Dass in Mississippi so unterschiedliche und für die Musikgeschichte so wichtige Künstler wie Jimmie Rodgers, Elvis Presley oder B.B. King geboren wurden. Dass man in der Old Time Musik von Plattenaufnahmen nicht unterscheiden konnte, ob Weiße oder Schwarze hier Singen und Musizieren. Dass sich die Musiken der Weißen und der Schwarzen mischten. Ferris selber ist als Sohn einer weißen Pflanzerfamilie geboren worden, die auf einer Farm zusammen mit anderen schwarzen Familien das Land bewirtschaftete. Da gab es keine Segregation. Beste Voraussetzungen also, um ohne Rassismus aufzuwachsen.

Für viele Europäer sind der US-Süden und der Staat Mississippi eine große Unbekannte. Die Touristen zieht es nach New York, nach Kalifornien, Florida, in die Nationalparks oder auf die Route 66. Mississippi liegt da ab vom Schuss, ist jedoch so etwas wie der Geburtsort der amerikanischen Musik. Im Mississippi Delta wurde der Blues geboren. Jimmie Rodgers aus Meridian, Mississippi, brachte weiße Hillbillymusik und schwarzen Blues zusammen und wurde dadurch zum „Vater der Countrymusik“.

Aber dennoch: Auch uns blieb auf unseren Reisen in den Süden vieles dort fremd. Wir erinnern uns an die windschiefen Holzhäuser der Schwarzen in Clarksdale, Mississippi. Dort wo sich die Highways 61 und 49 kreuzen. Wir erinnern uns an fremde Tänze in Morgan Freemans Blues Club und das Geheimnisvolle eines noch ursprünglicheren Juke Joints im Ort.

Diese Box erscheint in einer Zeit, in der die herrschende politische Klasse in den USA die Gräben der Spaltung wieder tiefer zieht. Der Kampf um den Referenzrahmen tobt. Gerade ist Roseanne Barr richtigerweise wegen eines rassistischen Tweets gefeuert worden. Man wünschte diese Box würde gerade den Weißen aufzeigen, dass Weiße und Schwarze mehr eint als trennt.
Vielleicht eine der wichtigsten musikalischen Neuerscheinungen dieses Jahres.

Ein kleine Kostprobe von der DVD: Vier Künstlerinnen aus Mississippi

Mein Amerika

31. Mai 2018

Mein Amerika ist Bob Dylan mit weißgeschminktem Gesicht
und breitkrempigem Hut in der Rolling Thunder Review.
Mein Amerika sind die ratternden U-Bahnen, die Diners
und die Busse in New York.

Mein Amerika sind Ben, Adam Hoss & Little Joe Carwright,
die auf ihrer Ponderosa für ein vielfältiges und tolerantes Land kämpfen.
Mein Amerika sind die aufrechten Bergarbeiter vom Harlan County,
die sich von der Gewalt nicht schrecken ließen.
Mein Amerika sind „Easy Rider“ und „Blues Brothers“,
die Bigotterie und Rednecks trotzen.

Mein Amerika ist der weite Himmel über Texas
und der Washington Square in Greenwich Village.
Mein Amerika ist Woody mit seiner Gitarre,
auf der steht „This Machine kills Fascists.

Mein Amerika sind die Grand Ole Opry,
in der Del McCoury, die Old Crow Medicine Show
und die Carolina Chocolate Drops spielen.
Mein Amerika ist der Broadway in Nashville
und die Beale Street in Memphis.

Mein Amerika sind Mark Twain und Walt Whitman,
sind Hemingway, Faulkner und Ambrose Pierce.
Mein Amerika sind Alice Walker und Toni Morrison,
James Lee Burke und Joe E. Lansdale.
Mein Amerika sind Rhiannon Giddens und Alynda Lee Segarra,
Joan Baez und Ani Di Franco.

Mein Amerika sind die Blue Ridge Mountains,
the little Cabin in the hills, Woodstock, die Catskills und Big Pink.
Mein Amerika sind Martin Luther King, Angela Davis,
Rubin „Hurricane“ Carter und Rosa Parks.

Mein Amerika sind Levon Helm und Larry Campbell,
Johnny Cash, Hank Williams, Jimmie Rodgers und die Carter Family.
Mein Amerika sind die Brooklyn Bridge, die Sun Studios,
Bristol, Tennessee/Virginia und Clarksdale, Mississippi.
Mein Amerika war und ist, und war doch nie so da
wie geträumt.

Mein Amerika sind Black Lives Matter, Childish Gambino,
Denzel Washington, Susan Sarandon und Tim Robbins,
The Roots, Kendrick Lamar und
die couragierten Jugendlichen der Parkland High School.

Jetzt wollen sie ihm den Garaus machen da drüben, von innen.
Du, mein Amerika, das ein anderes Amerika ist,
sei stark und wehrhaft!

Bob Dylan und „Black Music“

11. Mai 2018

Dass Bob Dylan seine Wurzeln auch im Blues hat, ist hinlänglich bekannt. Seine Beziehung zu Gospel, Soul und Rap lohnt aber einer genaueren Betrachtung

Die Generation aus der Bob Dylan stammt hat den Blues der Schwarzen aufgesogen, war doch die Musik der unterdrückten Afroamerikaner für diese rebellische Jugend ein perfektes Ausdrucksmittel gegen die Kultur ihrer Eltern, die musikalisch in den Zentren Classic Urban Pop und im ländlichen Raum Country Music hörte. Das war bei Dylan auch nicht anders, jedoch hat der schon früh in seinem Werk auch die Verbindungslinien vom Blues zum Country offengelegt. So ist „Only A Hobo“ beispielsweise von Jimmie Rodgers beeinflusst, der Blues und Hillbilly-Elemente zusammenführte und somit zum „Vater“ der klassischen Countrymusik wurde.

An der Seite der Bürgerrechtsbewegung
Dylan hat seine ganze Karriere über Blues gespielt und ist somit – ohne dieses Label direkt zu tragen – im Grunde einer der wichtigsten und einflussreichsten weißen Bluesmusiker überhaupt. Zudem ist er schon in jungen Jahren ein Bewunderers der Gospel Music der Staple Singers gewesen, mit Mavis Staples war er eine Zeit lang liiert, seinen Heiratsantrag in jungen Jahren lehnte sie ab. Dylan gehörte der jungen weißen Generation an, die ganz selbstverständlich mit den Schwarzen als ihnen gleichberechtigte Menschen umging und sich für deren Rechte einsetzte. Er spielt in seiner Frühzeit in New York im Vorprogramm von John Lee Hooker. Er reiste im Juli 1963 mit Pete Seeger und Theodore Bikel in den Süden, um die Bürgerrechtsbewegung zu unterstützen und er spielte mit Joan Baez bei „March to Washington“ im August 1963, bei dem Martin Luther King seine berühmte Rede „I have a dream“ hielt.

Die schwarze Community wurde natürlich auf den jungen weißen Freiheitssänger aufmerksam. Insbesondere natürlich die schwarzen Musiker. Sie ließen sich von ihm inspirieren wie Sam Cooke, dessen „A Change Is Gonna Come“ eine direkte Antwort auf „Blowin In The Wind“ darstellt. Oder sie sangen seine Lieder. So wie die schon erwähnten Staple Singers. Oder Odetta oder Nina Simone oder Jimi Hendrix. Sie alle spielten bereits in den 1960ern Dylans Songs. Und 1969 nahm ein von Lou Adler zusammengestellter Gospel-Chor Dylan-Songs unter dem Titel „Dylan’s Gospel“ auf. Mit dabei Clydie King, die in den frühen 1980ern dann Dylans Backgroundsängerin und Freundin werden sollte. Doch dazu später mehr. Die Linie der schwarzen Musiker, die Dylan geschätzt und gecovert haben führt über die O’Jays, Solomon Burke und Bobby Womack bis hin zu Bettye LaVette, die soeben unter dem Titel „Things Have Changed“ ein Soul-Album mit Dylan-Songs veröffentlicht hat. Eine schöne Sammlung zu diesem Thema ist unter dem Titel „How Many Roads. Black America Sings Bob Dylan“ erschienen.

Und Dylan blieb der schwarzen Community und deren Problemen wie Kriminalisierung und Rassimus auch in den 1970ern treu. Nicht von ungefähr stellen seine beiden einzigen wirklichen Protestsongs dieser Dekade schwarze Protagonisten in den Mittelpunkt. 1971 den erschossenen Black Panther-Führer George Jackson und 1975 den zu Unrecht wegen Mordes verurteilten schwarzen Boxer Rubin „Hurricane Carter“. Zum großen Benefizkonzert kam dann auch Muhammad Ali in den Madison Square Garden. Übrigens war Black Panther-Mitbegründer Huewy Newton ein großer Dylan-Fan. Wobei er sich weniger von den Bürgerrechtssongs, also von Dylans Rockmusik begeistert zeigte. Letztlich hat sich Dylan aber wohl – es soll bei einem Treffen zu einem Disput zwischen den Panther-Funktionären und dem Sänger gekommen sein – wegen der Gegnerschaft der Panther zu Israel sich dann nie wirklich für sie verwendet.

Dylan entdeckt den Gospel für sich
Eine tiefere, systematische Beschäftigung mit der schwarzen Musik jenseits vom Blues jedoch begann für Dylan dann mit seiner Welt-Tournee 1978 und den darauf folgenden „Born Again“-Jahren. „Street Legal“ war schon gekennzeichnet durch Soul- Rhythm & Blues sowie Gospel-Elementen, und es wurde erstmals bei Dylan ein Background-Chor schwarzer Sängerinnen eingeführt. Verstärkt wurde das dann durch seinen Übertritt zum Christentum. Denn Bob spielte fortan schwarzen Gospel, keinen weißen Country-Gospel. Und es war die schwarze Schauspielerin Mary Alice Artes, die ihn bei seiner Konvertierung zum Christentum unterstützte.

Dylan verband übrigens mit einigen seiner schwarzen Backgroundsängerinnen mehr als nur die Musik. so war er eine Zeit lang mit besagter Clydie King liiert – es gibt ein wunderschönes Video der beiden, wie sie Abraham, Martin & John singen und die tiefe Zuneigung überhaupt nicht zu übersehen ist. Und mit Carolyn Dennis war er dann Mitte der 1980er verheiratet und hat mit ihr auch ein Kind.
Bis in die frühen 1990er Jahre spürt man in seiner Musik den Einfluss von Rhythm & Blues, Soul und Gospel. Insbesondere sein 1985er Album „Empire Burlesque“ atmet – unabhängig von den bekannten Qualitätsproblemen bei Songs und Produktion – viel Soul und Funk. 1986 nimmt er zur Verblüffung vieler bis heute einen Song zusammen mit dem Rapper Kurtis Blow auf. Was von vielen als künstlerische Desorientierung Dylans in den 1980ern angesehen wird, ist meiner Meinung nach ein Zeugnis für die Hochachtung Dylans vor der schwarzen Musik in all ihren Ausprägungen. 1986 und 1987 tritt er zusammen mit den Queens Of Rhythm als Background-Sängerinnen auf, Gospel-Einflüsse halten sich weiterhin in seiner Musik.

Blues und Jazz
Mit seinen Alben „Good As I Been To You“ und „World Gone Wrong“ erinnert er sich dann wieder an seine Blueswurzeln. Aber diesmal auch an die schwarze Musik, die es fernab dem typischen Delta-Blues gab. Er spielt „Frankie & Albert“, einem Stoff, der u.a. auch von den Songsters – nicht Bluesern! – Leadbelly und Mississippi John Hurt bekannt ist. Und „World Gone Wrong“ ist auch eine Reminiszenz an die Mississippi Sheiks, einer Gruppe von Unterhaltungsmusikern aus dem Süden, deren Repertoire weit über den klassischen Blues hinausging.

Bis heute sind all diese Einflüsse – Blues, Soul, Funk, Rythm & Blues – in seiner Musik vorhanden. Sogar Ausflüge in den Jazz gibt es zu notieren. Wie zum Beweis ist gerade „United We Swing: Best of The Jazz at Lincoln Center Galas“ erschienen, auf dem Dylan mit dem Winston Marsalis Septet „It Take A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry singt und dabei Mundharmonika spielt. Die ebenfalls auf einer dieser Galas Anfang der 2000er Jahre verjazzte Version von Don’t Think Twice“ hat es leider nicht auf die Platte geschafft.

Und wenn man sich heute seine Konzerte anhört, dann hat „Blowin‘ In The Wind“ mittlerweile einen starken Gospel-Soul-Touch. Bob Dylan ist bis heute ein kultureller Brückenbauer zwischen Schwarz und Weiß geblieben. Auch das ist eine Qualität für sich im heutigen Amerika.

The O’Jays sing Bob Dylan:

Bob Dylan sings Solomon Burke:

Dylans feiner Brand

4. Mai 2018

Warum Dylan und Whiskey eine logische Verbindung sind

Photo Credit: Heaven’s Door

Jawoll, jetzt kann man endlich mit höchstem Segen Whiskey trinken. Nach dem Bob Dylan seinen „Heaven’s Door“-Whiskey auf den Markt hat, ist man als Whiskey-Trinker geadelt. Erst der Nobelpreis, der einen als Dylan-Fan gleich mit ausgezeichnet hat, nun der Dylan-Whiskey, der aus dem schnöden Schnapstrinker einen Connoisseur amerikanischen Kulturguts macht.

Aber im Ernst. Dylan und Whiskey ist eine logische Verbindung. Da sind die vielen Reverenzen zum „Wasser des Lebens“ wie die Kelten den Whiskey nannten im Dylan’schen Oeuvre. In „Cooper Kettle“ liefert er die Anleitung zum Whiskeybrennen: “ Get you a copper kettle, get you a copper coil. Fill it with new made corn mash and never more you’ll toil“. In „Moonshiner“ singt er „For seventeen long years, I’ve spent all my money, On whiskey and beer“. „Moonshine-Whiskey“ ist ja bekanntermaßen der schwarzgebrannte Schnaps. Und der Begriff „Bootleg“ für eine unautorisierte Schallplatte stammt ja aus der Prohibitionszeit, als der Whisky im Stiefelschaft geschmuggelt wurde. „Bootleg-Whiskey“ in his hand“, heißt es in „Blind Willie McTell“. Und mit “Might like to drink whiskey, Might like to drink milk” preist er ja auch im ansonsten fürchterlich bigotten „Gotta Serve Somebody“ das geistige Getränk ganz selbstverständlich an. Dylan ist ein wirklicher Whiskey-Afficionado, keiner der aus Langeweile noch irgendein Feld für Investitionen sucht. Daher ist die in Deutschland mal wieder bemühte Gehässigkeit in der Berichterstattung nur als lächerlicher Anti-Dylan-Reflex zu werten.

Bleiben wir da doch lieber beim schönen, wahren, wohlschmeckenden Getränk. Schließlich gibt es ja da noch die schöne Geschichte, dass Bob Dylan ja Mitglied der Scotch Malt Whisky Society ist, seit er sich absolut begeistert über einen Singleton Malt Whisky gezeigt hat. Und dass dann auch noch Nashville der Ort ist, wo Dylans Destillery eröffnen soll, ist natürlich ein Grund mehr der Music City mal wieder einen Besuch abzustatten.

Und trotzdem bei aller Begeisterung für den Brand, der demnächst – sobald er hier erhältlich ist – dann auch bei „Americana im Pädagog“ zur Konzert-Nachlese ausgeschenkt wird: Eine Album mit neuen Dylan-Songs wäre jetzt aber auch ganz schön!

Und hier geht’s zur Homepage des feinen Dylan-Stöffchens:
https://www.heavensdoor.com/whiskey/

Sinners & Saints

29. April 2018

Zwei Mann-Country-Folk-Kapelle sorgt in Darmstadt für einen rauschenden Abend

Sinners & Saints begeisterten bei ihrem Darmstädter Konzert, Foto: Daniel Coston

Perry Fowler und Mark Baran sind „Sinners & Saints“ aus Charlotte, North Carolina. Mit einem fulminanten Konzert begeisterten sie im vollen Keller der Bessunger Knabenschule. Mit Gitarre, Mundharmonika, Steh-Bass und mit den Füßen betriebenen Trommeln und Schellen spielen sie einen stürmischen und mitreißenden Country-Folk. Die Melancholie so mancher Neo-Folker teilen die beiden Jungs aus den Südstaaten nicht. Ob gute Laune oder Herzschmerz bei den beiden geht es meistens Druffkapell. Die Songs, die sie spielen stammen zu einem großen Teil von ihrer aktuellen Album „On The Other Side“ und heißen „The Way“, „Carry On“ oder „Whisky Drinking“. Ein besonders schöner, „Carolina Man“, handelt davon, sein zu Hause zu vermissen.

Diese Songs, meist von Fowler geschrieben, handeln vom prallen Leben. Von der Liebe, von Menschen, die niemals zufrieden sind, von Heimweh, Freundschaft, Verlust und Whisky. Und das in einer sehr augenzwinkernden, allem menschlichen zugewandten Weise. Kein Wunder, dass sie schon nach kurzer Zeit das Publikum voll hinter sich haben. Schließlich sind sie auch alles andere als introvertiert. Es wird der direkte Kontakt zum Publikum gesucht und immer wieder der Menge zugeprostet.

Denn was sie schaffen ist große Kunst. Die mitunter doch recht ernsten Themen ihrer Songs kleiden sie in wunderbare Worte und schneidern ihnen ein mitreißendes musikalisches Gewand. Denn sie sind Musikanten, sie wollen unterhalten und dem Publikum einen schönen Abend bescheren. In Darmstadt haben sie das gut zwei Stunden lang geschafft, das Publikum ließ sie erst nach drei Zugaben gehen. Ein Wiedersehen muss möglich sein.

Der Orchester-Chef

27. April 2018

Bob Dylans Konzert in Baden-Baden ist ein musikalischer Genuss

Ja, das Festspielhaus in Baden-Baden war ein absolut würdiger Rahmen für das, was Bob Dylan da am vergangenen Montagabend veranstaltete. Zwar waren aufgrund der Location, der Preise, dem Image des Ereignisses als Event und der Stadt Baden-Baden selber einige gekommen, die ihr Großverdienertum offensiv zur Schau stellten, aber das minderte nicht das Vergnügen über die musikalische Performance Dylans, die am Ende durchaus in die Kategorie „Triumph“ eingestuft werden kann.

Wenn man sich ein paar Jahre zurück erinnert, so waren Dylans Konzerte von einer ständig wechselnden Setlist, Proben auf offener Bühne sowie dem Nichtgesang der Hauptfigur geprägt. Dennoch entstand vor den Augen und Ohren des Publikums immer wieder große Kunst. Seit einigen Jahren nun schon spielt Dylan Abend für Abend das Gleiche. Dass sich die Konzerte dennoch von Tour zu Tour deutlich unterscheiden, liegt an der ungebrochenen Lust des Künstlers, unablässig an den Songs zu arbeiten. Immer wieder neue Arrangements und längst ist das, was man da geboten bekommt, nicht mehr mit dem Begriff „Rock-Konzert“ zu beschreiben. Die Aneignung der Klassiker des Great American Songbook hat das Talent als Arrangeur, das Dylan ohnehin immer besaß – man denke an die 78er-Tour „Big Band-Tour“ – nochmals auf eine neue Qualitätsstufe gehoben. Mittlerweile rangiert der musikalische Rahmen, den Dylan seinen Konzerten setzt, irgendwo zwischen Jazz- und Klassik-Konzert. Tatsächlich: Was man hört sind Rock, Folk, Country, Blues, Gospel und Soul, also populäre Musik – aber der formale Rahmen stammt aus der Welt der Kunstmusik. Dylan orchestriert seine Musik. Da sind die Soli, die Gesangsparts und das Zusammenspiel klar verteilt und geplant, so dass die Musik immer perfekter wird. Das vermindert den improvisatorischen Anteil, aber das tut dem während des Konzerts immer größer werdenden Vergnügen keinen Abbruch.

Denn die Neu-Arrangements sind stimmig. Außer bei „Tangled Up in Blue“, dessen Arrangement ich immer noch nicht nachvollziehen kann. Aber „Pay In Blood“, das ein dem blutrünstigen Titel angemessenes musikalisches Kleid – voller „Suspense“ wie Hitchcock gesagt hätte – verpasst bekam, Thunder On The Mountain – der großartige Höhepunkt des Konzerts – oder „Tryin To Get To Heaven“ gewinnen deutlich. Dylan gibt den Orchester-Chef am Klavier, der Lust am Pianospiel hat und oftmals damit auch die Melodielinien vorgibt. So verbringt er denn auch die meiste Zeit am Klavier stehend oder sitzend und traut sich nur viermal in die Bühnenmitte ohne Instrument an den Mikrofonständer. Und die Mundharmonika – das typische Hillbilly-Instrument – kommt in seinem jetzigen musikalischen Konzept auch gar nicht vor.

Stattdessen singt er wie bereits auch im letzten Jahr so gut und verständlich wie lange nicht mehr. Um so wichtiger, denn sonst wäre es ja noch schwieriger so manchen Titel zu erkennen. Was nicht für die Klassiker „Don’t Think Twice“ oder Ballad Of A Thin Man“ gilt, die man deutlich an der doch für Dylan’sche Verhältnisse recht großen Nähe zum Original erkennt. Dabei sind die Lieder keineswegs zugunsten irgendeiner Altersmilde textlich gezähmt. Da revidiert sich Dylan nicht. Die Grundaussagen bleiben, wenn auch Dylan wie bei „Simple Twist Of Fate“ – am Montag ebenfalls in einer wunderschönen Fassung zu hören – oder bei „Tangled Up In Blue“ durchaus immer wieder mal neue Lyrics einstreut. Für Dylan sind seine Songs immerwährende Aufgaben. Der Mann lebt seine Songs.

So wie seine Konzerte, die er auch mit nun fast 77 Jahren immer noch voller Disziplin – er beginnt auf die Minute pünktlich und endet fast genau nach 100 Minuten – und voller Leidenschaft und Spielfreude absolviert. Und so endet dann dieser große orchestrale Abend als Triumph mit Standing Ovations und der Freude, dass Dylan auch im hohen Lebensalter immer noch zu überraschen weiß. Und dass er überhaupt nicht den Anschein erweckt als sei für ihn – wie es derzeit Altersgenossen und Weggefährten wie Joan Baez oder Paul Simon – die Sache mit den Tourneen nun vorbei. Im Gegenteil: das erste Konzert für den Sommer ist bereits angekündigt. Die Kreise, die er zieht, werden auch nicht kleiner – es geht wieder einmal nach Japan!

Johnny Cash: Forever Words – The Music

20. April 2018

Texte aus dem Nachlass von Johnny Cash wurden in wunderbarer Weise vertont und liefern einen neuen Blick auf die Legende des „Man in Black“

Wohl dem Künstler, der einen talentierten Nachlassverwalter hat. Bei Woody Guthrie sorgt seine Tochter Nora dafür, dass seine Musik und die Texte immer wieder neuen Generationen von Musikern nahegebracht werden. Die Aufnahmen von Wilco und Billy Bragg haben bereits Kultstatus und Del McCourys Vertonungen lieferten den Beweis, dass Woody tief im Innern ein Hillbilly-Musiker gewesen ist. In Hank Williams Familie war wenigstens jemand so schlau, dessen nachgelassene Texte dem großen Hank-Fan Bob Dylan zu überlassen, der sie dann mit vielen anderen Musikern unter dem Titel „Lost Notebooks“ vertonte. Nur nebenbei: Auch das Hank Williams-Museum in Montgomery, Alabama, das nichts anderes als eine runtergekommene Devotionalien-Rumpelkammer ist, würde einen guten Kurator dringend benötigen. Und Dylan selbst ist wiederum schon jetzt sein eigener Nachlassverwalter, er spielte eigene Texte aus der Basement-Tapes-Zeit T-Bone Burnett zu, der sie dann kongenial von einer Künstlerschar rund um Elvis Costello, Marcus Mumford und Rhiannon Giddens mit Musik unterlegen ließ.

Zu diesen gelungenen Projekten fügt sich nun auch „Johnny Cash: Forever Words – The Music“. In diesem Fall ist John Carter Cash der Nachlassverwalter. Als Singer-Songwriter weit im Schatten seiner Schwestern Rosanne und Carlene stehend, hat er mit der Pflege von Vater Johnnys Nachlass seine Berufung gefunden. Hatte man auch hier und da die Befürchtung, Carter Cash würde den Nachlass – Achtung Wortspiel! – zu sehr als reine „Cash-Cow“ betrachten, legt er mit diesem Album nun sein Meisterwerk vor. Unterstützt vom nordirischen Poeten Paul Muldoon und dem New Yorker Produzenten Steve Berkowitz wurden die Texte der 2016er Buchveröffentlichung „Forever Words“ gesichtet und mit sehr unterschiedlichen Musikern der Country- und Americana-Szene eingespielt. Das Spektrum reicht vom Mainstream Country-Star Brad Paisley über Altmeister wie John Mellencamp und T Bone Burnett bis hin zu den Töchtern Rosanne und Carlene. Am überraschendsten ist sicher die Mitwirkung des 2017 verstorbenen Grunge-Rockers Chris Dornell. Ganz am Anfang der Platte stehen natürlich die beiden Freunde und Weggefährten Kris Kristofferson und Willie Nelson, wunderschöne Beiträge haben auch Allison Krauss, Jewel und „I’m With Her“ beigesteuert.

Die Texte und Themen der Songs sagen einiges aus über Johnny Cashs Blick auf das Leben. Er war gläubig ohne missionarisch oder fanatisch zu sein. Er liebte die Menschen und hasste daher sinnlose Gewalt und Krieg. Rosannes Beitrag „The Walking Wounded“ über das Leiden eines Vietnam-Veteranen legt hiervon Zeugnis ab. Aber auch sehr persönlichen Themen hat sich Cash literarisch gestellt. Dornells Beitrag „You Never Knew My Mind entstand unmittelbar nach Cashs Scheidung von Vivian Liberto 1967.

Das Album zeigt noch einmal auf, wie Cash sich verstand. Auf der Seite der Beladenen auf der Seite der Liebe. Und daher ist Johnny Cash bei all seinen Widersprüchen keiner, den die heutige politische Rechte in den USA für sich reklamieren könnte. Und jeder Versuch wird von der Familie Cash auch in großer Einigkeit abgewehrt. Auch Johnny Cash steht für ein Amerika, das es so derzeit nicht mehr gibt. Umso wichtiger ist dieses Album, das eines der besten seiner Art ist. Respekt, John Carter Cash!

Betty LaVette: Things Have Changed

20. April 2018

Bettye LaVette hat mit „Things Have Changed“ ein fantastisches Album aufgenommen, das viel mehr ist, als nur ein Dylan-Cover-Album.

Bob Dylan hat ein Oeuvre erschaffen, das einen schier unermesslichen amerikanischen Musikschatz darstellt. Jede Spielart der amerikanischen Populärmusik hat er sich im Laufe seiner Karriere angeeignet, sich in ihr ausgedrückt. Vom Folk und Blues zu Rock zu Country bis hin zu Gospel, Jazz, und Great American Songbook. Ja und es gibt auch Rap und Soul in seinem Werk zu finden. Man findet die Dylan-Soulmomente beispielsweise auf „Slow Train Coming“. Klar, denn er spielte ja schwarze Gospelmusik, da ist der Soul ja nahe. Aber auch auf „Infidels“ oder „Empire Burlesque“ gibt es sie. Oder man erinnere sich an seine großartige Version von Sam Cookes „A Change Is Gonna Come“ 2004 zum 70. Geburtstag des New Yorker Apollo Theater.

Daran hat sich Bettye LaVette nur teilweise orientiert. So sind auf ihrem neuen Album „Things Have Changed“ natürlich Coverversionen von „Do Right To Me Baby“ (Slow Train Coming), Don’t Fall Apart on Me Tonight (Infidels) sowie „Seeing The Real You At Last“ und „Emotionally Yours“ von „Empire Burlesque“ enthalten. Doch abseits des Naheliegenden hat sie auch ganz andere Songs in ihr Soul-Universum überführt. Sie hat sozusagen die Dylan-Momente aufgespürt, die in anderen Genres liegen und nur auf die „Ver-Soulung“ warten. Aber sie hat Dylans Songs nicht nur „ver-soult“, sie hat sie sich gänzlich angeeignet.

Denn wer hätte „Things Have Changed“ auf einer Soul-Platte erwartet. Aber warum denn nicht? Ist der Song doch eine Antwort des älteren Dylan auf „The Times They Are Changin“. Und war nicht Cookes Song eine Antwort auf Dylans „Blowin In The Wind“? Und Bettye singt auch das Lied der sich ändernden Zeiten auf dieser Platte. Aber auch „Political World“ oder „It Ain’t Me Babe“ hat sie überführt.

Mrs. LaVette sagt dazu, Sie habe nicht die Absicht gehabt ein Dylan-Tribut zu schaffen. Sie wollte sich die Songs für ihren Mund zurechtlegen. „Gerade als wären sie für mich geschrieben worden“. Und so wandelt sie das ohnehin doch ziemlich wandlungsfähige Dylan-Material – der Meister beweist das ja derzeit wieder Abend für Abend – geradezu genial zu Soul-Perlen. Auch indem sie die Texte für ihren Gebrauch – Geschlecht und Biografie sind hier entscheidend – hier und da umschreibt. Bettye LaVette hatte als junge Künstlerin alle Anlagen für eine große Karriere. Mit 16 Jahren hatte sie 1962 bereits einen US-Hit, danach versandete allerdings ihre Plattenkarriere, obwohl sie durchaus große Bühnenerfolge vorzuweisen hatte. Ihr erstes Album „Child of the Seventies“ wurde 1972 nicht veröffentlicht und sie kam erst im Jahr 2000 wieder ins Rampenlicht als das Debütalbum nachträglich herausgebracht wurde. Seitdem hat sie einige erfolgreiche und mehrfach ausgezeichnete Alben aufgenommen. Sie kennt also das Leben, sein „Auf und Ab“ und seine wundersamen Überraschungen.

„Things Have Changed“ ist eine Platte geworden, an der man einfach hängen bleibt. Sie ist spannungsgeladen, weil Bettye LaVette sich nicht schont und ziemlich tief in ihr Seelenleben blicken lässt, das von Lebensweisheit geprägt ist. Der Longplayer ist musikalisch spannend weil Keith Richards und Larry Campbell die Songs durch ihr perfektes Zusammenspiel in neue, unerwartete Richtungen führen und schon durch kleine musikalische Momente einen faszinierenden Sog schaffen.

Uns so ist es mich ist eines der besten Dylan-Coveralben überhaupt. Mehr noch, eines der besten Soul-Alben der letzten Jahre. It’s her masterpiece!


Zwischen SONiA und Bob

15. April 2018

Mit Sonia Rutstein auf der Bühne, bei Bob Dylan im Publikum – das sind die Dylan-Wochen des Jahres!

Nein, das hatte ich nicht erwartet. Ich hatte es irgendwann wohl mal als Wunsch geäußert, es aber im Eifer des Gefechts rund um das Konzert vergessen. Aber dann passierte es tatsächlich: Sonia Rutstein, die Cousine von Bob Dylan holte mich bei ihrem Konzert im Pädagogtheater zur Zugabe auf die Bühne. „Like A Rolling Stone“ als Duett von SONiA und mir hört sich gar nicht so schlecht an, man kann sich mittels eines Videos, das unten anzuschauen ist, davon überzeugen. Da sang also der „Dylan-Experte“ zusammen mit Dylans Cousine Sonia Rutstein dessen Klassiker „Like A Rolling Stone“. Das war schon toll und ein unvergessliches Erlebnis. So wie jeder Auftritt von Sonia Rutstein bei der immer mal wieder eine gewisse Familienähnlichkeit durchschlägt: Sie ist nicht sehr groß, sie ist quirlig und hat wilde Haare, spielt Mundharmonika und Gitarre. Und setzt die Worte wunderschön.

Sonia Rutsteins Poesie ist mal zärtlich, mal entschlossen, mal verständig, mal anklagend und stets human. Sie ist eine starke Stimme des anderen Amerika, für Frieden, Freiheit, Gleichheit, sexuelle Selbstbestimmung. Wohl auch deshalb nimmt sie sich mittlerweile im Frühjahr eine scheinbar immer länger währende Auszeit von „Trumpland“ und tourt ausgiebig durch die Bundesrepublik. Und hinterlässt eine Spur der Freude, der Wärme, des Mut Schöpfens gegen die Gefahren dieser Welt.

Zeitgleich mit Sonia mit Sonia tourt auch ihr Cousin namens Bob Dylan durch die bundesdeutschen Lande. Der, der von ihrer gemeinsamen Tante Harriet Rutstein, das Klavier spielen lernte. Und es nun Abend für Abend scheinbar immer perfekter zu Intonierung seiner Songs nutzt. Die Nachrichten über seine Konzerte in Österreich hören sich gut an. Er scheint mit großer Form direkt an die Konzerte aus dem vergangenen Jahr anzuknüpfen. Gut bei Stimme, verständlich in der Artikulation, voller Spielfreude. In Madrid hat er Ende März mit dem Publikum das gesamte „Desolation Row“ rhythmisch durchgeklatscht. Wir sehen ihn am 24. April in Baden-Baden. Man darf gespannt sein.

Ansonsten zieht dieser Dylan derzeit mal wieder alle Register. Erschien Ende des Jahres erstmals eine Zusammenstellung mit Live-Mitschnitten seiner Gospel-Jahre bei denen er ja durchaus fragwürdiges predigte, so hat sich Dylan dieser Tage nun an einem ungewöhnlichen Projekt beteiligt. Für einen Sampler mit Wedding Songs für gleichgeschlechtliche Paare hat er den American Songbook-Klassiker „She’s Funny That Way“ als „He’s Funny That Way“ beigesteuert und begeisterte sich richtig für das Projekt, wie man den Ausführungen des Produzenten entnehmen konnte. Auch dies kann man sich unten anhören.

Auch der Dylan im Jahr 2018, fast 77-jährig, schafft es noch, und zu überraschen. Was will man mehr?