„Einen ganzen Abend mit der Musik dieser Frauen zu gestalten, ist für mich eine besondere Freude“

22. Februar 2019

„Black Women in American Music“ am 28. Februar bei „Americana im Pädagog“ in Darmstadt/ Menna Mulugeta im Interview

Menna Mulugeta

Ohne die Beiträge der afroamerikanischen Frauen wäre die US-Populärmusik nicht denkbar. Ihre Perspektive im Spannungsfeld zwischen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und dem Kampf um soziale Teilhabe hat großartige Musikerinnen und starke Songs hervorgebracht. Von Billie Holidays „Strange Fruits“ über Nina Simones „Mississippi Goddamn“ bis hin zu Aretha Franklins „Respect“. Heutzutage sind es Künstlerinnen wie Beyoncé, die mit ihrer Musik den Soundtrack für die Bewegung „Black Lives Matter“ liefern.

Mit ihrem Programm „Von Billie bis Beyoncé. Black Women in American Music“ wird Menna Mulugeta am kommenden Donnerstag (28. Februar, 20 Uhr) diese Musik im Rahmen der Konzertreihe „Americana im Pädagog“ auf die Bühne des Darmstädter „Theater im Pädagog“ bringen. Die Sängerin aus der Nähe von Bingen begeistert seit einigen Jahren mit ihren Konzert- und Fernsehauftritten. Mit ihrem musikalischen Partner Gernot Blume hat sie diesen besonderen Abend für die Reihe „Americana im Pädagog“ entwickelt. Americana-Kurator Thomas Waldherr hat sie zu diesem Programm und ihrem Werdegang befragt.

Was hat Dich an der Idee begeistert, einen Abend mit der Musik der großen afroamerikanischen Sängerinnen zu gestalten?
Für mich sind afroamerikanische Sängerinnen schon immer eine große Inspirationsquelle gewesen. Als Kind habe ich mir Videos von beispielsweise Whitney Houston angeschaut und war verzaubert, wie wunderbar sie singen konnte. Natürlich konnte ich mich auch wegen der Hautfarbe mit ihnen identifizieren. Nun einen ganzen Abend mit der Musik dieser Frauen zu gestalten, ist für mich eine besondere Freude.

Wie bist Du zur Musik gekommen?
Im Alter von 10 fand ich nach musikalischen Stationen bei der Blockflöte, dem Horn und dem Keyboard zu meinem Lieblingsinstrument, der Stimme. In der Grundschule spielte ich Theater und mit dem Wechsel aufs Gymnasium gab es dann eine Musical – AG. Da musste ich auf einmal singen:)

Was sind Deine wichtigsten musikalischen Einflüsse? Welches sind Deine Lieblingsmusikerinnen und -musiker?
Wichtige Einflüsse sind Gospel, Soul, Pop und R’n’B. Wichtige Künstler in meinem Aufwachsen: Beyoncé, Toni Braxton, Whitney Houston, Alicia Keys, Gregory Porter.

Hast Du als Tochter von äthiopischen Eltern in Deutschland Rassismus erfahren?
Bis jetzt kaum direkten, offenen Rassismus. Jedoch immer wieder begegnen mir unterschwellige, latente Vorurteile.

Du strahlst im Leben wie auf der Bühne stets Power und Optimismus aus? Woher kommt das?
Vielen Dank:)! Das ist glaube ich einfach mein Naturell. Es fällt mir leicht, positiv zu sein und mich über mein Leben und die Musik zu freuen. Trotzdem ist es auch immer wieder eine Entscheidung sich aufzurappeln.

Welche Ziele verfolgst Du mit der Musik? Wo willst Du in zehn Jahren sein?
Mhmm. Gar nicht zu einfach. Ich versuche immer im hier und jetzt zufrieden und glücklich zu sein. Mir gefällt, wohin sich meine Karriere seit dem Abitur entwickelt und wünsche mir für die Zukunft größere Hallen, die ich bespielen darf und interessante Kollaborationen mit Musikern aus aller Welt:)

Karten für die Veranstaltung können im Vorverkauf im Darmstadt-Shop im Luisencenter sowie online unter http://www.paedagogtheater.de erworben werden. Vorbestellungen sind unter 06151 – 66 01 306 telefonisch und unter theaterimpaedagog@gmx.de per E-Mail möglich.

Bob Dylan wird 78 Jahre alt, die DoubleDylans feiern ihr 20-jähriges

21. Februar 2019

Save The Date: Am 24. Mai große Doppelgeburtstagsfeier im Frankfurter Salon

Wer dabei im letzten Herbst bei der großen DoubleDylan-Filmpreisverleihung, der hat heute noch ein Glänzen in den Augen. Es war ein legendärer Abend im Frankfurter Salon, mitten im Herzen der Mainmepropole. Schon damals war man sich sicher, dass dies die richtige

Die DoubleDylans

Location für eine weitere große Sause wäre. Jetzt ist es soweit, jetzt ist es offiziell: Die DoubleDylans und der Darmstädter Bob Dylan-Experte Thomas Waldherr laden ein zur Doppelgeburtstagsfeier am Freitag, 24. Mai. Just an Bob Dylans Geburtstag feiern sie dessen 78. und gleichzeitig das 20-jährige Bestehen der DDDs.

Thomas Waldherr

Was an diesem Abend genau passiert, wird noch nicht verraten, da werden gerade noch ein paar Ideen gewälzt. Ziemlich sicher werden aber eine ganze Reihe von Lobeshymnen für den Rockpoet und Nobelpreisträger aus den USA, als auch für die Frankfurter Lokalmatadoren erklingen.

Dies alles wird aber im DDD-üblichen Rahmen geschehen und daher nicht allzu ernsthaft, sondern hintergründig und humorvoll sein. Ein stimmungsvoller Abend mit Freunden. Mehr dazu in den nächsten Wochen.

Sergeant, Opernsänger, Farmer

15. Februar 2019

John Ford und Bonanza: Beispiele zur Darstellung von Afroamerikanern im US-Western

Dom Flemons hat uns 2018 wieder einmal daran erinnert, dass zur Besiedlung des Westens der USA im 19. Jahrhundert die Afroamerikaner einen großen Beitrag gebracht haben. Mit seinem Album „Black Cowboys“ erzählt er die Geschichte der schwarzen Cowboys, die an den großen Viehtrails mitgewirkt haben. Der Cowboy ist in der öffentlichen Wahrnehmung stets weiß und angelsächsisch. Dass dies jedoch nicht den historischen Tatsachen entspricht, sondern dass gut 25 Prozent der Cowboys Ende des 19. Jahrhunderts Afro-Amerikaner waren, wird in den USA gern vergessen. Kein Wunder, dass im ureigensten amerikanischen Film-Genre, dem Western, die Afroamerikaner so gut wie keine Rolle spielten.

Es gibt nur wenige Fundstücke: 1938 erscheint mit „Two Gun Men From Harlem“ ein Western nur mit schwarzen Darstellern. Formal ist er „weißen“ Produktionen entsprechend. Da das Budget aber sehr viel geringer ist, überzeugt er letztendlich nicht voll. Es fehlt beispielsweise ein Soundtrack und Schlägereien und Actionszenen wirken doch mitunter amateurhaft putzig. Nichtdestotrotz kann man sich vorstellen, wie gut diese Filme für das Selbstvertrauen der schwarzen Community als Zielgruppe waren. Es sollten mit „The Bronze Buckaroo“ und „Harlem Rides The Range“ (beide 1939) noch zwei weitere Filme dieser Machart folgen.

Der schwarze Sergeant
Bis man sich allerdings traute, im Mainstream-Western eine schwarze Hauptfigur zu präsentieren, sollte es noch über 20 Jahre dauern. 1960 erschien der Film „Der schwarze Sergeant“. Formal erhielt er alle Merkmale eines Western von John Ford: Eine geniale, packende Erzählweise, großartige Bilderkompositionen sowie Fords bekannte Genreversatzstücke wie Kavallerie, weites Land sowie hier und da derbe Humorspielchen mit Alkohol und dem Verhältnis von Mann und Frau. Neu waren der Protagonist und sein Umfeld. Die schwarzen Einheiten der US-Kavallerie, die unter dem Namen „Buffalo Soldiers“ bekannt sind, bilden diesmal den Rahmen für die Erzählung in dem es um die Vergewaltigung und Mordes an einer Jugendlichen und dem Tod ihres Vaters geht. Wegen beidem ist Sergeant Braxton Rutledge – bislang ein Vorzeigesoldat – angeklagt. Der Film nimmt in bis dato im Western nicht gekannter Weise den Rassismus in den Fokus. Trotz des Einsatzes seines Vorgesetzten steht das Schicksal des Sergeants auf Messers Schneide. Erst der Zusammenbruch des wahren Vergewaltigers und Mörders der jungen Lucy und der dadurch auch glaubhaften Notwehr von Rutledge gegenüber des Vater des Mädchens sorgt für den Freispruch und die Rehabilitierung des Angeklagten Soldaten.

Woody Strode reiht sich in die nicht sehr große Riege der schwarzen Darsteller, die Pionierarbeit geleistet haben. Vor ihm ist da vor allem die Schauspielerin Hattie McDaniel (Oscar für die beste Nebenrolle in „Vom Winde verweht“) zu nennen. Interessant ist, dass ex-Footballspieler Strode ebenso durch John Ford in einem Publikumswesten eingesetzt wurde, wir ein Jahr zuvor die Tennisspielerin Althea Gibson in dem John Wayne-Klassiker „Der letzte Befehl“. Ford schien es ein echtes Anliegen, Menschen afroamerikaner Herkunft Raum in seinen Filmen zu geben.

Bonanza
Wer in den 1960er und 1970er Jahren in der alten Bundesrepublik aufgewachsen ist, der kam an ihnen gar nicht vorbei. Ganze Generationen sind mit den Cartwrights von der Ponderosa in der Serie Bonanza groß geworden und haben ihr anfängliches Bild vom Wilden Westen und vom Rancherleben durch die Familienserie geprägt bekommen.

Und das war auch gar nicht so schlecht. Zwar merken Spötter richtigerweise an, dass diese Familie dich sehr amerikanisch-moralisch-tugendhaft daherkam. Aber es waren nicht die schlechtesten Tugenden, die dort vermittelt wurden. Denn hier saß im Gegensatz zu anderen Werken des Western-Genres der Colt nie locker. Stets wurde versucht, Konflikte friedlich zu lösen. Auch Themen wie soziale Gerechtigkeit, Rassismus und Doppelmoral wurden hier behandelt. Und: Ganz selbstverständlich wird hier die Geschichte der USA als Geschichte eines vielfältigen Landes erzählt, das von Einwanderung geprägt ist. Denn Pa Cartwrights drei Söhne stammen von drei verschiedenen Müttern: Adams Mutter stammt aus der angelsächsischen Neu-England-Aristokratie, Hoss‘ Mutter ist eine Schwedin und Little Joe entstammt aus einer Ehe mit einer Südstaaten-Schönheit aus New Orleans. Dort wo sich französische, spanische, kreolische, afrikanische und angelsächsische Kulturen vermischten.

Das Schicksal von Afroamerikanern steht besonders in zwei Folgen im Mittelpunkt. gerade aus, straff und unterhaltsam-ironisch erzählt ist „Die Thomas Bowers –Geschichte“ (The Thomas Bowers Story, 1964). Sie handelt davon dass der berühmte Opernsänger Thomas Bowers vom Frauenverband nach Virginia City eingeladen wird. In Unkenntnis, dass er schwarz ist. Also muss er den alltäglichen Rassismus erleben. Wird von den kulturbeflissenen Damen verleugnet, vom Hotelbesitzer abgewimmelt und als vermeintlicher gewalttätiger entlaufener Sklave festgesetzt. Doch wie immer: Das Schicksal und die Cartwright regeln alles zum Besten und am Ende rettet Bowers das Publikum, das einen Florence Foster Jenkins-artigen Auftritt einer selbst ernannten Opernsängerin über sich ergehen lassen muss mit seinem kunstvollen Gesang.
Weniger optimistisch ist dagegen die melodramatische Folge „Johns größter Wunsch“ (The Wish, 1969). Unter der Regie von Michael Landon erzählt sie von der afroamerikanischen Familie Farmersfamilie Davis, die Schwierigkeiten hat, ihre Farm zu bewirtschaften, weil sie von der nächstgelegen weißen Dorfgemeinschaft boykottiert werden. Hoss hilft ihnen, löst auch einen akuten Konflikt zugunsten der Familie. Letztendlich aber zieht die Familie weiter, auf der Suche nach einem Ort, an dem sie wie Menschen behandelt werden.

Zwischen den beiden Folgen liegt der optimistische Aufbruch in die 1960er mit Erfolgen der Bürgerrechtsbewegung, der Aufhebung der Rassentrennung und dem Friedensnobelpreis für Martin Luther King. Das Jahrzehnt endet aber mit der Ermordung von Robert Kennedy und Martin Luther King und der Wahl von Richard Nixon zum US-Präsident. Und so scheint auch Landon sagen zu wollen: „Ändern sich Mensch und Gesellschaft wirklich nie?“

Wichtige Beiträge zur Behandlung des Rassenkonflikts in Film und Fernsehen
Wenn man das Westerngenre überhaupt und John Fords Filme und die Bonanza-Serie im speziellen als reinen, rückwärtsgewandten Kitsch abtut, dann unterschätzt man das durchaus – bei allen Widersprüchen – fortschrittliche, manchmal sogar subversive Potential der beiden Genre-Leuchttürme. Western waren durchaus auch ein Vehikel um unbequeme, kritische Geschichten zu erzählen. John Ford und die Macher von Bonanza haben viel für Selbstverständlichkeit afroamerikanischer Schauspieler und der Behandlung des Rassenkonflikts im US-Film beigetragen. „Wer die Nachtigall stört“ (1962), „In der Hitze der Nacht“ (1966) und „Rat mal, wer zum Essen kommt“ (1967) waren sicher die vielschichtigeren und anspruchsvolleren Filme zum Thema, aber diese Western erreichten ein Massenpublikum. Sie popularisierten das Thema und halfen mit, zumindest eine Zeitlang den Zeitgeist in Amerika liberaler zu machen.

Die Thomas Bowers Geschichte:

10 Jahre „I’m in a Cowboy Band“

15. Februar 2019

Auch dieses Jahr reihen sich wieder Jubiläen an Jubiläen: 100 Jahre Gründung der Weimarer Republik, 100 Jahre Pete Seeger, 50 Jahre Woodstock – aber auch 50 Jahre „Nashville Skyline“. Und noch eines soll hier nicht unerwähnt bleiben: 10 Jahre Cowboy Band-Blog!

Obwohl schon viele Jahre Dylan-Fan begann ich erst Mitte der 1990er Jahre über ihn zu schreiben. Befeuert durch eine neue Dylan-Begeisterung durch die Never-Ending-Tour und Konzerte in Offenbach (1991), Wiesbaden (1993), Balingen (1994) und Aschaffenburg und Stuttgart (1995). Inspiriert durch die klugen Schriften zu Dylan von Günter Amendt, Liederschmitt, Paul Williams und natürlich Greil Marcus. Zuerst schrieb ich für die Zeitschrift „Good Times“ über Dylan, aber auch „The Band“, Joan Baez und „The Byrds“. Das ging so bis 2003, dann verschoben sich für ein paar Jahre die Akzente in Beruf und Freizeit zum Fußball, in der Dylan-Welt blieb ich allerdings.

Denn da erfasste mich die schier überbordende Kreativität Dylans in den 2000er Jahren. Als er hätte er Anlauf nehmen müssen, spielt er Ende der 1990er Jahre in seinen Konzerten alte Bluegrass- und Country-Gospel-Nummern, um dann 2001 mit „Love and Theft“ ein Album zu veröffentlichen, mit dem er den amerikanischen Süden in all seiner Mystik, Widersprüchlichkeit und Gefährlichkeit zur inneren wie äußeren Landkarte für die Verortung seiner Songs macht. Zeitgleich erscheint der Film „O Brother, Where Art Thou?“ von den Coen Brüdern mit dem von Dylan-Kumpel T Bone Burnett zusammengestellten Soundtrack aus Old Time Music, Country, Blues und Gospel. Und der Titel ist Homers „Odysee“ entnommen, ein auch für das Dylan’sche Welt- und Lyrikverständnis grundlegendes Werk.

Mit dieser Musik entdeckte ich nicht nur die Wurzeln von Bob Dylan neu – man erinnere sich daran, dass just als dieser Film in den Kinos erfolgreich war, Dylan den Hauptsong des Werks – „I’m A Man Of Constand Sorrow“, den er auf selber auf seiner allerersten Platte drauf hatte, in seinen Konzerten erstmals seit Jahrzehnten wieder spielte – sondern entdeckte ganz neu die weite Welt des Americana. In diesen 2000er Jahren veröffentlichte Dylan „Love and Theft“ (2001), „Masked and Anonymous (2003), „Chronicles (2004), Modern Times (2006) sowie „Together Through Life“ und „Christmas In The Heart“ (2009). Zudem machte er seine Radio Show von 2006 bis 2009. Das alles war erneut prägend für mein Dylan- und mein Musikverständnis.

Und das wollte aus mir raus, das musste ich unter die Leute bringen. Und so erschien am 9. Februar 2009 mein erster Blog-Eintrag auf der von mir neu geschalteten Seite „Im in a Cowboy Band“. Und nur wenige Wochen später im März mein erster Beitrag für http://www.country.de . Auf beiden Websites entstanden meine Vorarbeiten für mein Bob Dylan-Buch, das natürlich wie mein Blog heißt. Denn es soll ja die Verwurzelung von Dylan in der Country- und Americana aufzeigen. Anhand eines Zitats aus seinem 2006er-Song „Nettie Moore“: „Im the oldest son of a crazy man, I’m in a cowboy band“. Das Buch erschien dann 2011. Vorher und nachher habe ich unzählige Blogeinträge gemacht. Über Dylan, aber Americana-Musik, aber auch über Bücher und Filme, die ich unter Americana subsumiere. Und so reicht das Spektrum der Berichte auf diesem Blog von Dylans Konzertauftritten und der Musik der Felice Brothers über Filme von Clint Eastwood bis zu den Büchern von James Lee Burke oder Joe R. Lansdale.

Und die Ideen gehen mir noch nicht aus, so dass für diesen Blog auch kein Ende abzusehen ist. Was das nächste Thema ist? Da fällt mir u.a. eine für meine Generation wichtige amerikanische Sozialisationsinstanz ein, die mit vier Herren im Wilden Westen zu tun hat…

The Mule

4. Februar 2019

Clint Eastwoods hat einen wunderbaren altersweisen Film gedreht

Es gibt amerikanische Idole, die provozieren einfach. An ihnen scheiden sich die Geister. Bob Dylan ist da genauso ein beliebtes Objekt der Auseinandersetzung („Shakespear des Rock’n’Roll“, „Songwriter-Legende“, Folk-Rock-Ikone vs. „Trickser“, „Judas“, „Plagiator“) wie John Wayne („Der war noch ein Mann“, „Begnadeter Westernheld“, „Selbstironischer Heldenfigur“ vs. „Macho“, „Gewaltfanatiker“, Indianerfeind“).

Clint Eastwood gehört schon lange in diese Kategorie. Während sich fortschrittlich-denkende Cineasten ob der „Dirty Harry-Streifen“ mit Grausen abwenden – auch der Schreiber dieser Zeilen konnte sich da nie so recht mit anfreunden – und sein wirrer Wahlkampfauftritt gegen Obama und für die Republikaner einer der Tiefpunkte des Schauspielers war – hat er doch als Regisseur unbestritten Großes geleistet: „Die Brücken am Fluß“, „Mystic River“, „Der fremde Sohn“, „Million Dollar Baby“, „Gran Torino“.Gerade letzterer, mittlerweile mehr als 10 Jahre alt, bot Eastwood die Gelegenheit, von den Deformationen des amerikanischen Traums und der dennoch vorhandenen Hoffnung zu erzählen. Über das Ende der Autoindustrie in Detroit genauso wie über Akzeptanz asiatischer Einwanderer.

Nun eine Dekade, eine Bankenkrise, zwei Präsidenten und dem Siegeszug der digitalen Globaliserung weiter, ist es Clint Eastwood wieder gelungen die Frage nach dem amerikanischen Traum in einen sehenswerten Film zu gießen.Eastwood ist ein Konservativer, aber dennoch meilenweit von Trump entfernt. Er hat Empathie für die Menschen, will sich konstruktiv einsetzen. Er ist kein Raufbold ohne Grund und ist keiner der selbstbezogen immer nur sich sieht. Diese letztere Eigenschaft zeichnet aber seine Filmfigur Earle Stone in „The Mule“ aus. Jahrzehntelang vernachlässigte der Lilienzüchter seine Familie zugunsten seines Berufes, der ihn immer wieder quer durch die USA zu Ausstellungen, Branchentreffen und Messen führte. Dieser Earle Stone ist quasi der stete unruhige Herumtreiber, der ständig in the road ist. So nimmt er dann auch dankend den Kurierjob für ein mexikanisches Drogenkartell an, als ihm, durch den Onlinehandel im hohen Alter ums Geschäft gebracht, finanziell das Wasser bis zum Hals steht. Für die Mexikaner soll er die heiße Fracht auf klar definierten Routen gen Chicago bringen. Für ihn, dem bewährten und tadellosen Kraftfahrer, eine einfache Sache, einfach verdientes Geld. Und er setzt das Geld auch ganz uneigenhützig ein: Er unterstützt die Ausbildung seiner Enkelin oder den Wiederaufbau eines abgebrannten Tanzschuppens.

Überhaupt ist er ein Helfer. Eastwoord erzählt auch von einem im Untergang befindlichen Amerika des einander helfens. Völlig selbstverständlich hilft er der mit Reifenpanne gestrandeten schwarzen Kleinfamilie. Nicht ohne einen etwas unbedachten Alltagsrassismus an den Tag zu legen: „Na dann kann ich auch mal Euch Negern helfen“, sagt er und erntet eine freundliche und souveräne Korrektur der Betroffenen. Überhaupt verschließt der 88-jährige Eastwood keineswegs die Augen vor dem immer noch latenten Rassismus. Eine der stärksten Szenen ist die, als er mit seinen mexikanischen Aufpassern in Mississippi einem völlig weißen Gaststätte sitzt. Die beiden Latinos werden angestarrt und er erklärt ihnen augenzwinkernd den Grund: „Zwei Bohnenfresser unter lauter Weißbroten!“ Doch damit nicht genug, haut er die beiden auch gegenüber dem rassistischen Sheriff aus der Klemme und bringt ihn mit Geschenken zum Verstummen.

Überhaupt scheint der alte Haudegen doch mitzubekommen, was im heutigen Amerika schief läuft. Ein weiteres Kabinettstückchen ist die Szene mit der Polizeikontrolle, in die einer gerät, weil er auch einen schwarzen Pick-up fährt wie Stone. Die pure Angst vor Polizeigewalt lässt den harmlosen Autofahrer fast schon winselnd den Anweisungen der Cops folgen.

Am Ende versöhnt Earle sich mit seiner Familie, die Kartellchef wird Opfer eines Machtkampfs und sein eigenes Leben steht auf Messers Schneide, als die Drogengangster dann doch noch einen Funken Menschlichkeit beweisen, weil sie den neuen Chef vor einer umgehenden Exekution abhalten. Er hatte aufgrund des Sterbens und der Beerdigung seiner Frau sich eine Auszeit vom Drogenkurierdienst genommen. Die Handlanger haben Herz, Earle geht wieder auf die Piste, nur um dann durch die Verhaftung endgültig aus den Fängen des Kartells gerettet zu werden. Am Ende erkärt er sich vor Gericht für schuldig und wandert hinter Gittern.

Nicht ohne die Ahnung, die die Schlußsequenz erzeugt, dass ihm mit der Möglichkeit, Lilien zu züchten und einen festen Tagesablauf in einem Art „Heim“ zu haben, das Altern erleichtert wird. „The Mule“ ist, so meine ich, ein sehr menschenfreundlicher Film. Eastwood hält die Werte Freiheit, Respekt, Rücksicht und Gemeinsinn hoch und diskreditiert Rassismus, Gewalt und Egoismus. Es ist Americana-Pur: Ein Roadmovie mit starkem Soundtrack aus Jazz und Country, der die amerikanischen Werte hochhält, nicht ohne die dunklen Seiten des amerikanischen Traums zu benennen. Und so ist dieser Film, obwohl er einen Modernisierungsverlierer und damit potentiellen Trumpwähler porträtiert, weit davon entfernt sich an Zynismus und Freude am Krawall zu delektieren.

„Seht her, ich bin ein anständiger, mitfühlender Konservativer“ scheint uns Clint Eastwood sagen zu wollen. Und das reicht schon in diesen Zeiten als Ansage gegen die herrschende Politik. Dies von einem der größten amerikanischen Regisseure und bekennenden Republikaner zeigt, wie verstörend die US-Politik selbst auf alte Fahrensmänner wirkt. Sollte dies Eastwoods letzter Film sein, er wäre ein fabelhaftes Vermächtnis.

Fahrenheit 11/9

3. Februar 2019

Die neue Dokumentation von Michael Moore ist eine Notwendigkeit und recht gut gelungen, auch wenn es hier und da etwas zu plump geraten ist.

Ja, keiner hatte im Ernst daran gedacht, dass Donald Trump Präsident werden könnte. Durchaus mit Genuss suhlt sich Filmemacher Michael Moore in seiner Dokumentation „Fahrenheit 11/9“ im Verfrühten Triumphgeheul des Clinton-Lagers. Sowohl dem politischen Establishment als auch den Medien ging jeglicher Kompass ab, der sie hätte warnen können. Moore ist ein kompromissloser Trump-Gegner, aber er belässt es nicht bei der Empörung über ihn. Ihm geht es darum aufzuzeigen, warum die Demokraten so versagt haben, und dessen Präsidentschaft nicht hatten verhindern können.

Flint als Beispiel für die politisch-wirtschaftlichen Mechanismen
Und so macht er sich auf eine Reise in das Innere des Landes. Denn Moore weiß zu gut, wenn man Amerika verstehen möchte, muss man sich von seinen geographischen Rändern an den Küsten in die Mitte hin bewegen. Aber Moore möchte auch kein Trump-Wähler-Versteher sein. Das haben seit Trumps Wahl schon andere ausreichend gemacht. Da hätte man schon früher hinhören müssen. Moore geht es um die typischen, auch von den Demokraten mitgetragenen Mechanismen aus wirtschaftlicher und politischer Macht, die das Leben der Vielen immer schlechter macht.

Flint in Michigan ist sein Seismograph, die Stadt sein Kronzeuge. Flint ist seine Heimatstadt und hier hat sich ungeheuerliches zugetragen. Von republikanischen Gouverneur unter ein Spardiktat gestellt, sollte die Wasserzufuhr der Stadt kostengünstiger werden. Aber wie kann es sein, dass eine funktionierende Wasserversorgung mit ordentlichem Wasser aus dem See abgedreht wird, weil sie angeblich zu teuer ist und holt stattdessen das Wasser aus dem stark verschmutzten Flint River? Es kommt zu schlimmen Erkrankungen und Snyder leugnet und wiegelt ab. Und kommt auch noch damit durch, als Präsident Obama als Hoffnungsträger der betroffenen Bevölkerung nach Flint kommt und anstatt klarer Worte und Taten angeblich vom Wasser trinkt und doch nur daran nippt. Eine merkwürdige Geste und für Betroffene und Aktivisten Enttäuschung und Schock zugleich. Aber hätte Obama wirklich die Mechanismen offen gelegt, die in Amerika zu solchen Zuständen führen, hätte er über seinen politischen Schatten springen müssen. Denn sieht man mal von „Obama-Care“ ab, wurde von seiner Regierung nicht wirklich an der Vorherrschaft des Neoliberalismus gerüttelt. Deutlichstes Zeichen war ja, dass er in der Bankenkrise allerlei Böcke zu Gärtnern machte, in dem er sich von den Verursachern der Krise zwecks ihrer Lösung beraten ließ. Auch die Autobiografie und ihre Jet-Set-Lesereise von Michelle Obama zeigen deutlich auf: Das ehemalige Traumpaar der Demokraten, das in den 1990ern in Chicago das soziale Gewissen war, ist vom System geschluckt. Wie weit können sich Menschen von ihren Ursprüngen entfernen?

Graswurzel-Bewegungen als Hoffnung
Moore hat sich jedenfalls nicht von sich entfernt, er ist noch ganz bei sich und seiner Art von politischer Brachial-Dokumentation. Er fährt mit einem Wasser-Tankwagen zu Snyders Anwesen und bespritzt es mit der üblen Flüssigkeit. Ha, ha, ha! Doch neben diesen Polit-Klamauk ist Moore immer wieder daran interessiert – und das ist seine Stärke – wirkliche „Helden des Alltags“ zu zeigen, die ihm uns die Hoffnung geben, dass man im Land noch etwas verändern kann. Und so entdeckt er den Kampf der Lehrer in West Virginia, die nicht nur für die eigenen Rechte, sondern auch für die der anderen Schulbediensteten – von der Putzfrau bis zum Hausmeister – auf die Straße gingen. Oder er schildert wie die jungen Überlebenden des Massakers an der Parkland High School in ihrem Kampf gegen die Waffenlobby agieren. Dass diese Graswurzelbewegungen vom demokratischen Parteiestablishment argwöhnisch betrachtet werden, zeigt die böse Posse um Bernie Sanders. Nach Moores Lesart hatte der besonders bei den Jungen beliebte linke Kandidat die Partei-internen Vorwahlen bei den Demokraten gewonnen. Die Delegierten auf dem Nominierungsparteitag wählten jedoch mehrheitlich Hillary Clinton.

Ein Amerika, das es noch gar nicht gab
Doch auch wenn Moores Dokumentation betont drastisch und hier und da zu vereinfachend oder zu Pointen-orientiert ist: Sie ist eine Notwendigkeit, um darauf aufmerksam zu machen, was im früheren Land der unbegrenzten Möglichkeiten schief läuft. Denn ein besseres Amerika kann es nur geben, wenn endlich die Interessen der Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht die der großen Konzerne und Banken. Und so spricht er jedem Anhänger des „anderen Amerika“ aus der Seele wenn er am Ende zu dem Schluss kommt: „Das Amerika, das ich retten will, hat es noch gar nicht gegeben.“

Zurück nach Amerika

18. Januar 2019

Rundreise von Chicago über St. Louis, Tulsa, Memphis, Nashville und Bardstown zurück nach Chicago geplant/ Bob Dylan-Konferenz, Underground Railroad und die „Windy City“

Es musste einfach wieder sein. Derzeit sind wir in den Detailplanungen für eine Amerika-Rundreise, die uns diesmal erstmals nach Chicago, St. Louis und Tulsa und wieder einmal nach Memphis und Nashville führen soll. Diese Reise wird auch eine Möglichkeit sein, die Stimmung im Land vor dem Hintergrund der dortigen politischen Auseinandersetzungen zu erkunden. Wir sind das erste Mal in den USA seit der Wahl Trumps. Es wird also wieder ein tiefes Eintauchen in Alltagsleben, Geschichte und Kultur der Staaten.

St. Louis
St. Louis war im 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Städte für die Besiedlung des Westens und wegen ihrer Lage am Mississippi auch ein bedeutender Handelsplatz für den Warenaustausch mit den Südstaaten. Hiervon zeugt das große bogenförmige Monument, der Gateway Arch. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich viele deutsche Einwanderer dort an und begründeten u.a. den Ruf St. Louis‘ als Bierbrauerstadt, wie noch heute die hier ansässige Großbrauerei Anheuser-Busch mit ihrer bekanntesten Marke „Bud“ beweist. Aber auch eine Reihe von kleinen Brauereien laden zur Besichtigung ein. Ebenso wie das National Blues Museum.

Tulsa
Tulsa, Oklahoma, ist mittlerweile fast so etwas wie die Americana-Hauptstadt der USA. Hier befindet sich das Woody Guthrie-Archiv, das Bob Dylan-Archiv und das Phil Ochs-Archiv. Es wird auch darüber nachgedacht, das Johnny Cash-Archiv dorthin zu holen. Zudem bildete Tulsa u.a. mit Cain’s Ballroom als Location und der wirtschaftlich-sozialstrukturellen Situation der Stadt in den 1930er-1950er Jahren einen wichtigen Nährboden für die Entwicklung des Western Swings und hat später mit dem Tulsa-Sound einen Musikstil hervorgebracht, der eine Mischung aus Rockabilly, Country, Rock ‘n’ Roll und Blues war. Bekannte Vertreter des Tulsa Sound waren die leider mittlerweile allesamt verstorbenen JJ Cale, Leon Russell und Steve Ripley. Tulsa hat also eine wichtige musikhistorische Bedeutung für die USA. Und wenn das alles nicht Grund genug für eine Reise dorthin wäre, so ist die große Bob Dylan-Konferenz, die während unseres Aufenthaltes dort stattfindet, gleichsam das Sahnehäubchen obendrauf.

Memphis
In Memphis werden wir Stätten besuchen, die es bei unserem letzten Aufenthalt noch nicht gab oder die wir damals nicht auf dem Schirm hatten: „Slave Haven“, das Museum für die „Underground Railroad“, der Geheimorganisation, die den Sklaven bei der Flucht in den Norden half. Und das Stax Museum, das sich dem berühmten Soul Label widmet, das gleichsam Antipode des braven Motown-Soul aus Detroit war.

Nashville
In Nashville werden wir die alternative Szene in East Nashville erkunden. Nashville bleibt für uns eine ungemein spannende Stadt. Bible Belt-Stadt, Kongresszentrum, Sitz des Mainstream-Country-Business und NRA-Land und hat dennoch eine große alternatives Viertel. Und in der Music Hall Of Fame und Museum gibt es wieder neue interessante Ausstellungen zu den Country-Outlaws und Emmylou Harris.

Bardstown
Dann geht es wieder nach Norden. Bardstown, Kentucky ist die „The Bourbon Capital Of The World“. Hier sitzt beispielsweise die bekannte Heaven Hill Distillery. Da die jedoch derzeit gegen Bob Dylans Heaven‘ Door Whisly klagt wegen angeblicher Gefahr der Markenverwechslung lassen wir die links liegen (lach!) und werden entweder die „Barton 1792“ oder die „Willett Distillery“ besuchen. Weitere wichtige Sehenswürdigkeit ist der „My Old Kentucky Home State Park“, der rund um eine alte Plantage in die alte Südstaaten-Zeit zurückführt.

Der Park ist benannt nach dem Anti-Sklaverei-Song „My Old Kentucky Home“ von Stephen Foster (1826-1864), der sich dazu sowohl von seinen Besuchen auf dieser Plantage, als auch von Harriett Beecher Stowes Buch „Onkel Tom’s Hütte hat beeinflussen lassen. Foster war so etwas wie der erste Songwriter der US-amerikanischen Populärmusik, dessen Songs gleichsam Traditionals wurden. Wir alle kennen „Oh Susanna“, Americana-Freunden dürfte auch „Hard Times (come again no more)“ bekannt sein, ein Song, den viele Musiker schon gespielt haben, u.a. Bob Dylan, Emmylou Harris, Johnny Cash oder Mavis Staples. Foster schrieb für die Minstrel Shows, war aber wohl auch aufgrund des Einflusses von von Beecher-Stowe gegen rassistische Klischees gefeit und wurde zu einem Gegner der Sklaverei. Obwohl aus den Nordstaaten stammend, setzten sich seine Songs oftmals mit dem Leben in den Südstaaten auseinander. Seine Songs waren zwar erfolgreich, aber finanziell konnte er sich stets nur gerade so über Wasser halten, weil die Einnahmen für die Komponisten unverschämt niedrig waren. Er starb schließlich völlig verarmt in New York. Er wurde posthum zur Legende und 1970 in die Songwriters Hall Of Fame aufgenommen.

Chicago
Die „Windy City“ ist mindestens so legendär wie New York. Jedem fällt Al Capone ein, Mafia und Prohibition, Jazz und Blues, „Sieben gegen Chicago“, der schönste „Rat Pack“-Film überhaupt, Elliott Ness und die „Unbestechlichen“, aber auch Brechts „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ und Upton Sinclairs „Dschungel“. Chicago ist die drittgrößte Stadt der USA, wie gesagt windig, aber auch eine Stadt am Wasser und voller im Wasser. Sie liegt am Michigansee und wird vom Chicago River durchflossen. Wir werden uns treiben lassen und die Stadt und ihre Kultur auf uns wirken lassen. Eine Stadt, die voller Musik ist.

Eine interessante Reise steht uns bevor, wir sind gespannt.

Und hier Bob Dylans Version von Stephen Fosters „Hard Times“:

Auf rastloser Dienstreise zur Arbeit am eigenen Werk

1. Januar 2019


Auch 2019 tourt Bob Dylan ausgiebig durch die deutschen Lande/ Der Sänger und seine Lieder verändern sich stetig

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind sondern mittlerweile auch Bob Dylan nach Deutschland. War er 2017 zu fünf Konzerten in Deutschland – darunter Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Hannover – 2018 zu sechs Konzerten (u.a. Krefeld, Nürnberg, Baden-Baden), so kommt er im Frühjahr und Sommer 2018 erneut zu neun (!) Aufritten über den Teich. Diesmal führt ihn sein Weg nach Düsseldorf, Würzburg, Berlin, Magdeburg, Augsburg, Hamburg, Braunschweig, Mainz, Erfurt und Stuttgart.

Seit 2012 kein Album mit neuen Songs mehr veröffentlicht
Das ausgiebige Touren steht mittlerweile in Diskrepanz zu seinem musikalischen künstlerischen Output. Seit 2012 hat er keine Platte mit neuen Songs mehr veröffentlicht. Sollte er auch 2019 keine veröffentlichen, dann hat er seinen eigenen „Rekord“ eingestellt. Von 1990 bis 1997 dauerte seine letzte dermaßen lange Enthaltsamkeit in Sachen Neuveröffentlichungen. Stattdessen pflegt er heutzutage den Nachlass. Jedes Jahr erscheint eine neue Ausgabe seiner Bootleg Series und legt den Fokus auf vergangene Schaffensperioden. Und er arbeitet sich in seinen Konzerten an seinen älteren Songs ab, strickt ihnen immer wieder neue musikalische Gewänder, revidiert sie mitunter textlich oder erschließt ihnen mittels der Vortragsart neue Bedeutungsebenen.

Seine Produktivität in den 2010er Jahren ist nicht vergleichbar mit den 2000ern. Damals erschienen die Alben „Love And Theft“, „Modern Times“, „Together Through Life“ und „Christmas In The Heart“. Zudem der Film „Masked & Anonymous“, das Buch „Chronicles“ und die vielen Folgen seiner Radio Show. Nun scheint er seine Produktivität auf anderen Gebieten auszuleben. Immer wieder stellt er neue Teile seines malerischen und zeichnerischen Werkes aus. Daneben schweißt er künstlerisch wertvolle Gartentore und gibt eine eigene Whiskey-Linie heraus. Das er inmitten dieser „Schweigeperiode“ 2016 den Literatur-Nobelpreis bekommt, passt so richtig zur unendlich widersprüchlichen Dylan-Geschichte.

Warum er so oft nach Deutschland kommt, darüber kann man nur mutmaßen. Zuletzt gelang es ihm, regelmäßig auch die größeren Hallen zu füllen. Ob das auch dieses Jahr so sein wird, ist eigentlich egal. Denn wo Dylan die Muse küsst weiß man ohnehin nie. Oftmals blieben in früheren Jahren die großen Momente in manch wunderschöner Location aus, während der Künstler sich in halbleeren Stadthallen wie beispielsweise in Aschaffenburg in ungeahnte Höhen schwang.

Dylan verfremdet immer wieder das Bekannte
Dylans musikalischer Beitrag besteht also heute mehr denn je im Hervorrufen von Verwunderung, Entzückung oder Enttäuschung und gar Verärgerung über die Neu-Interpretation mancher Klassiker. Kaum ein anderer Künstler macht sich Abend für Abend so angreifbar, weil er das doch scheinbar bekannte immer wieder verfremdet. Das ist große Kunst. Andere sind da Kunsthandwerker.
Und dennoch oder gerade deswegen: Weil Dylan Jahr für Jahr hierzulande verlässlich seine Kreise zieht, sind dann auch ebenso verlässlich die immer gleichen Ressentiments zu lesen. Er kann nicht singen, er sagt auf der Bühne kein Wort, noch nicht mal „Danke“, er spielt noch nicht mal ganze zwei Stunden.

Gleichzeitig singt man ihm hohe Lieder des Unangepassten, der immer wieder Erwartungen unterlaufen und sich neu erfunden hat. Hätte Dylan in seiner Karriere stets das gemacht, was man von ihm erwartet und erhofft hat, er wäre heute ein Fall für Konzerte im evangelischen Gemeindesaal oder für Oldie-Festivals. Dylan wollte sich nie vor einen Karren spannen lassen, sei die Sache auch noch so richtig. Was für Journalisten zum Arbeitsethos gehört – und trotzdem oft genug verletzt wird – macht sich auch für Bob Dylan als Chronisten und Beobachter der Zeitläufte bestens. Immer dabei sein, nie dazugehören, viel in sich aufsaugen, über vieles singen, aber sich nie instrumentalisieren lassen. So hat er sich seine Unabhängigkeit und seine Bedeutung bewahrt.

Wichtig sind die Songs – aber Dylan ist auch ein großer Sänger
Wichtig sind die Songs. Was sie sagen und welche Haltung aus ihnen spricht. Daran erkennt man die Haltung des Künstlers und was er uns zu sagen hat und womit wir uns beschäftigen müssen. Das ist das entscheidende. Nicht, wieviel Aufrufe er unterschrieben hat, und auf wie vielen politischen Konzerten er gespielt hat. Wenn er das macht, auch gut, aber er muss es nicht, um Denkanstöße zu liefern und eine politische Wirkung zu entfalten.

Und ich sage hier ganz entschieden, mag ich auch von vielen dafür belächelt werden: Dylan ist ein großer Sänger. Denn nicht die Schönheit der Stimme ist entscheidend, sondern dass man ihr glaubt, dass sie berührt, dass man aus ihr die Wahrheit hört. Und genau das hört man bei Bob Dylan. Im Zusammenspiel mit seiner Musik ergibt sich durch Dylans Gesang ein Vortrag, der oftmals erfreut, unterhält, aber eben stets auch tiefer geht. In Dir selbst etwas auslöst, das vorher nicht da war oder Gedanken befördert, die irgendwie vielleicht da waren, aber nun erst eine Richtung bekommen haben. Und dann sind diese Augenblicke letztendlich so viel wichtiger, als dass der Sänger nach drei Stunden verschwitzt zur Bühnenrampe kommt und so tut als wäre er einer für uns. Was in kleinen Clubs, von „normalen“ Musikern gelebt, noch authentisch sein mag, ist in großen Hallen, von Superstars durchgeführt, einfach nur Showgeschäft. Das erspart uns Dylan. Und das ist gut so. Denn ich will nicht, dass der Sänger im richtigen Leben mein Freund ist, sondern dass seine Kunst mir neue Welten erschließt, die mir helfen die Realität zu begreifen, oder wenigstens auszuhalten, und/oder die mir die Hoffnung geben, sie verbessern zu können.

Und diese Augenblicke können sich auch nur ergeben, wenn man Songs nicht als etwas Fertiges versteht, das man immer gleich reproduziert. Wenn das so ist, dann bleibt auch das eingeengt, was der Song in einem auslöst. Dann ist „I Can’t Get No Satisfaction“ im immer selben Gewand eben nur noch eine Attitüde der Erinnerung an frühere wildere Zeiten. Ohne Beziehung dazu, wo der Sänger und sein Publikum heute stehen. Mick Jagger ist eingefroren in den Mittsechzigern, gleichsam mumifiziert. Dylan führt uns dagegen vor, wie ein Sänger altert und wie er heute mit seinen Liedern umgeht. Manche spielt er nicht mehr, andere verändern sich mit ihm. Das ist ein großartiger Kosmos für Entdeckungen durch aufmerksame Zuhörer.

Und daher ist jeder neue Tour-Abschnitt – und mögen sich die Setlists mittlerweile Abend für Abend gleichen – eine neue spannende Installation des eigenen Werkes. Miterleben wie Kunst entsteht und kein seliges Schunkeln in Erinnerungen – gerade auch den allzu eindimensionalen Rückblicken auf 50 Jahre Woodstock und die ganze Hippie-Seligkeit wird Dylan inmitten des Jubiläumsjahres diesmal ein Stachel sein.

Alle deutschen Konzerttermine 2019:

31. März: Düsseldorf, Germany – Mitsubishi Electric Halle
02. April: Würzburg – S.Oliver Arena
04. April: Berlin – Mercedes-Benz Arena
05. April: Magdeburg – GETEC Arena
20. April: Augsburg – Schwabenhalle
05. Juli: Hamburg – Barclaycard Arena
06. Juli: Braunschweig – Volkswagen Halle
07. Juli: Mainz – Volkspark (Open Air)
09. Juli: Erfurt – Messehalle
10. Juli: Stuttgart – Jazzopen

Die 1960er mal zwei

23. November 2018

2019: Pete Seeger wird hundert – Woodstock wird fünfzig

Zum 100. Geburtstag von Pete Seeger veranstaltet „Americana im Pädagog“ ein großes Tribute-Konzert

Kommendes Jahr fallen zwei Jubiläen an. Beide haben zu tun mit dem „anderen Amerika“. Und doch könnte das, wofür sie stehen, unterschiedlicher nicht sein.

Pete Seeger soll das Stromkabel mit der Axt zu durchtrennen versucht haben, so die Legende. Doch wenn Bob Dylan nicht bei Newport 1965 eingestöpselt hätte, wären die E-Gitarrengewitter von Jimi Hendrix‘ Fassung von „Star Spangled Banner“ bei Woodstock 1969 möglich gewesen? Wäre Woodstock überhaupt möglich gewesen?

Legenden der Sixties
Beide – Seeger und Woodstock – sind Legenden der Sixties. Doch während Seeger aus der alten linken amerikanischen Arbeiterbewegung kam und das politische Folk Revival Anfang der 1960er entscheidend beeinflusste, steht Woodstock für ein recht luftiges Love & Peace der Rock-Generation. Dylan schrottete höchst selbst 1965 mit seiner E-Gitarre das Folk-Revival. Am Ende des Jahrzehnts war das große Rock-Hippie-Spektakel Woodstock und Dylan war nicht dabei. Während Seeger zwei Jahre zuvor plötzlich sich von einer elektrischen Band begleiten ließ.

Wie hängt das zusammen und wofür stehen diese Jubiläen? Ich will dies kurz hier anreißen, weil mich diese beiden Jubiläen das ganze nächste Jahr bei meinen Seminaren und Konzerten beschäftigen werden.

Zwei Seiten des „anderen Amerika“
In seinem klugen Buch „Dylan Goes Electric! Newport, Seeger, Dylan And The Night That Split The Sixties“ arbeitet Elijah Wald sehr schön heraus, wofür die beiden Personen Seeger und Dylan stehen. Während Pete die große Depression miterlebte, in der Solidarität eine Tugend war, wuchs Bob als Baby-Boomer inmitten der prosperierenden 1950er Jahre auf. Beide stehen, laut Wald beide für zwei Seiten des anderen Amerika: Seeger für den solidarisch-politischen, Dylan für den individualistischen Gegenentwurf. Beide können analytisch sein und die Ursachen der Probleme benennen, aber Dylan wird ab 1964 den Teufel tun, für irgendeine Organisation oder Bewegung öffentlich einzutreten. Wenn er ab da noch Protestsongs schreibt, so sind sie 1965 nicht mehr tagespolitisch, sondern befassen sich mit der Autonomie des Individuums in der verwalteten Welt („Maggies Farm“), oder haben später in den 1970ern das Unrecht im Blick, das konkreten Personen wie „George Jackson“ oder „Hurricane“ Carter widerfahren ist.

1965 machte Dylan ein Fenster auf und eine Generation folgte ihm. Die Rock-Generation, die zu den herrschenden Zuständen opponierte, und größere Massen erreichte als die Folk-Generation. Mit dem Preis, weniger Präzise in der Kritik zu sein. Die Rock-Generation war heterogener als die Folk-Generation. Es gab politischen Underground, Sit- ins und neue Lebensformen, aber auch reines Partyfeeling, Pop und psychedelischen Spuk.

Woodstock ohne Dylan
Da war Dylan aber schon nicht mehr dabei. Er wurde Familienvater, spielte Countrymusik, und war entsetzt über die Pilgertourten der Freaks zu seinem Haus nach Woodstock. Sein individualistischer Protest richtete sich nun gegen den Love & Peace-Zeitgeist. Denn wenn er sich mit den gesellschaftlichen Zuständen wirklich beschäftigte, dann war er oftmals immer noch klarer als mancher Teilzeit-Hippie. Daher floh er regelrecht vor dem Massenereignis. Zwar hatte Woodstock seine klaren politischen Botschaften – man denke an Hendrix‘ Luftangriffsgewitter-Version von „Star Spangled Banner“, Joan Baez „Truck Drivin‘ Man“ und ihre Widmung des Liedes für Ronald Reagan sowie Country Joe McDonalds „I Feel Like I’m Fixin‘ To Die Rag“ – aber insgesamt überwogen Friede, Freude, Eierkuchen (der wackere Richie Havens mit „Freedom“) oder die Pose wie sie beispielsweise Janis „Rebel‘ Without a Cause“ Joplin zelebrierte.

Da war die ebenso bittere, wie fast schon logische Pointe, dass dem fröhlichen Woodstock-Spektakel die Katastrophe von Altamont mit den tödlichen Messerstichen der Hells Angels folgen musste, die diese Generation wieder in die Wirklichkeit führte.

Seeger und Baez bleiben politische Aktivisten
Während all dem aber machte Pete Seeger unerschütterlich weiter. Er schrieb Songs, protegierte Talente, leitete Singalongs an. Und das stets mit einer politischen Intention. Auf ihre Weise führte Joan Baez die Arbeit als Aktivistin und Musikerin in der großen Öffentlichkeit fort. Wie bezeichnend, dass Dylan und sie sich wenige Woche vor Newport trennten. Aber Dylan hatte beide verändert. Seeger akzeptierte die musikalische Ausdrucksform, auch wenn sie nicht die seine wurde, Baez stimmte sogar immer wieder sanfte Folk-Rock-Tönen an. Und ging mit Dylan 1975 sogar auf die rockig-rumpelnde Rolling Thunder Review, die ein allerletzter Abgesang auf die Sixties wurde. Da war Dylan – der lebende Widerspruch – wieder ganz engagiert.

Musikgeschichte verstehen, um Möglichkeiten für linke Politik zu beurteilen
Woodstock und Seeger stehen also für die alte und die neuere Linke in den 1960er Jahren. Während Seeger zwar persönlich als Symbol für ein linkes Amerika berühmt wurde, war er politisch marginalisiert. Die Generation Woodstock marschierte dagegen durch die Institutionen und verlor sich in ihnen, ein Teil begünstigte gar die neoliberalen Veränderungen der Gesellschaft. Beide, Seeger und die Generation „Woodstock“, sind mittlerweile Geschichte, doch sich mit ihrem Werdegang und ihrer Wirkung zu beschäftigen ist nicht nur ein spannendes Stück Musikgeschichte, sondern auch eine lohnende Auseinandersetzung, will man die Möglichkeiten linker Politik in den USA heute auf der Basis der Analyse früherer politisch-historischer Entwicklungen ausloten. Das ist letztendlich die kulturelle und politische Dimension und der Erkenntniswert der Gegenüberstellung dieser zwei Phänomene.

Jetzt, in den Zeiten von Trump, gibt es eine neue, junge Linke in den USA. Eines ihrer Gesichter ist Alexandria Ocasio-Cortez. Wie diese junge Linke im Verhältnis zu alter und alter neuer Linken in der USA steht, und welche Möglichkeiten zu einer linken Politik sie eröffnet- auch dies wird daher Thema in meinen Veranstaltungen im nächsten Jahr sein.

Die Schwester, die uns den Rock’n’Roll gab

14. November 2018

Vor 45 Jahren starb Sister Rosetta Tharpe, Gospel-Sängerin und zugleich Pionierin des Rock’n’Roll

Nein, ich glaube ich muss hier nicht mehr erklären, dass weder Elvis noch Jerry Lee den Rock’n’Roll erfunden haben. Nein, der Rock’n’Roll war schon vorher da, wurde u.a. von Chuck Berry gespielt, hieß da aber noch Rhythm & Blues. Die weißen Jungs waren dafür gut, diesem Musikstil ein zahlungskräftiges, weißes Publikum zuzuführen. Die wirklichen musikhistorischen Leistungen haben dagegen Chuck Berry und eine ganz besondere Frau erbracht.

Sister Rosetta Tharpe, geboren 1915 als Rosetta Nubin im armen Arkansas, kam mit sechs Jahren nach Chicago. Zeit ihres Lebens blieb sie eine Grenzgängerin zwischen dem Gospel und der schwarzen weltlichen Musik. Sie trat schon früh als Sängerin und Gitarristin in kirchlichen Zusammenhängen auf – ihre schwarze Pfingstlergemeinde erlaubte den expressive musikalischen Ausdruck und dass Frauen sangen und lehrten – und nahm mit 23 den Bühnennamen Sister Rosetta Tharpe an, eine Variation des Namens ihres geschiedenen Mannes, mit dem sie nur wenige Jahre zusammen war. „Rock Me“ und andere Songs, die sie 1938 einspielte, machten sie über Nacht zum Star und beeinflussten alle wichtigen weiteren Rhythm & Blues und Rock’n’Roll-Pioniere.

Ihre Einzigartigkeit bestand im expressiven Gesangsvortrag gepaart mit dem Spiel der elektrischen Gitarre, der sie oftmals im Slide-Stil die Töne hervorlockte. Zwar waren es oftmals inhaltlich Gospel, die sie sang, die aber waren mit einer solchen weltlichen musikalischen Wucht vorgetragen, dass sie das religiöse Publikum ebenso schockierten wie das weltliche Publikum elektrisierten. So wurde sie in den 1940er zu einer Künstlerin, die die Grenzen überwand. die Grenzen zwischen schwarzer religiöser und weltlicher Musik ebenso wie die die Rassenschranken, in dem sie schwarze Gospel vor einem größeren weißen Publikum spielte.

In den 1950ern war sie eine Sensation, spielte in ausverkauften Arenen und beeinflusste direkt die weißen Rock’n’Roller. Just als sie wegen deren Erfolg in den Hintergrund gerückt war, wurde sie durch das europäische Interesse am Blues wiederentdeckt und sie trat auf einer Tour durch den alten Kontinent auf.

1970 erlitt sie einen Schlaganfall und beendete deswegen ihre Konzertaktivitäten. Sie hatte Diabetes und verstarb am 9. Oktober 1973 an den Folgen eines erneuten Schlaganfalles.

In den vergangenen Jahren wurde ihr enormer Beitrag zur Geschichte von Rock und Blues durch die Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall Of Fame und die Blues Hall Of Fame gewürdigt. Eine BBC-Dokumentation nannte sie „The Godmother Of Rock’n’Roll“. Ihre Einflüsse reichen heutzutage bis hin zu so unterschiedlichen Künstlerinnen wie Rosanne Cash, Mary Chapin-Carpenter oder Rhiannon Giddens. Und Bob Dylan sagte über sie: „Schwester Rosetta Tharpe war alles andere als gewöhnlich und schlicht. Sie war eine große, gutaussehende Frau und göttlich, ganz zu schweigen von der Erhabenheit und Pracht. Sie war eine mächtige Naturgewalt. Eine Gitarre spielende, singende Evangelistin.“

Es lohnt sich also mit der Musik dieser großen Künstlerin zu beschäftigen. In einer besseren Welt hätte sie die Lorbeeren und die öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, die andere einheimsten. Daher ist es nur gerecht an sie und ihre Musik zu erinnern.

Zwei Videos. Sister Rosetta Tharpe 1964 bei einem Konzert auf einem Bahnhof in Manchester und Rhiannon Giddens mit Sister Rosetta Tharpes „Up Above My Head“: