Archive for the ‘USA Politik’ Category

Marc Ribot: Goodbye Beautiful/ Songs Of Resistance 1942-2018

9. November 2018

Der amerikanische Avantgarde-Gitarrist Marc Ribot hat ein starkes Album mit Liedern des Widerstandes veröffentlicht.

Die Renaissance der Protestsongs in den USA hält an. Ein weiterer Beweis dafür ist das jüngst erschienene Album „Goodbye Beautiful“/Songs Of Resistance 1942-2018“ des amerikanischen Avantgarde-Gitarristen und Komponisten Marc Ribot. Ribot ist eigentlich Jazz-Gitarrist, spielt aber seit drei Jahrzehnten immer wieder mal den Sideman in der Populärmusik. U.a. arbeitete er mit Tom Waits, Norah Jones, The Black Keys, Alison Krauss und John Mellencamp zusammen. Außerdem engagiert er sich in einer Initiative, die sich für die Rechte von Musikschaffenden im Zeitalter digitaler Medien wie Spotify und anderen Streamingdiensten einsetzt. Nun hat er ein dezidiert politisches Album veröffentlicht. „Goodbye Beautiful“/ Songs Of Resistance 1942-2018“ enthält elf Lieder des Widerstands aus den Zeiten des faschistischen Italiens bis in die Auseinandersetzung mit den „White Supremacists“ und der Trump-Administration heutzutage.

Entstanden ist die Idee zum Album Ende 2016, nicht nur wegen der Wahl Trumps, sondern wegen all den autoritären Entwicklungen überall auf der Welt. „Ich bin alarmiert von Trump und der Bewegung dessen Teil er ist. Ich haben einen guten Teil meines Lebens in der Welt unterwegs auf Tour zugebracht – ich bin eine Art zufälliger Internationalist – und ich sehe, dass er kein isoliertes Phänomen ist. Und wenn wir nicht dem beschäftigen was passiert, beschäftigt es sich mit uns.“ Er wollte etwas dagegen tun, er wollte Widerstand leisten. „Ich bin Musiker, also begann ich meine Praxis des Widerstands mit Musik.“

Und erinnerte er sich an eine Begebenheit bei den Occupy Wall Street Demos in New York. Eine morgens versammelte er sich mit anderen, um die polizeiliche Räumung des Zeltdorfes in der Wall Street zu verhindern. Und alle spürten, dass sie jetzt zusammen singen mussten. „Sie versuchten Tom Pettys ‚I Want Back Down‘, aber es funktionierte nicht. Es frustrierte mich, dass wir diese reiche Geschichte von Songs für solche Gelegenheiten hatten, aber keiner kannte sie.“ Also beschäftigte er sich in den Archiven mit politischen Liedern und fand Songs von den italienischen antifaschistischen Partisanen (“Bella Ciao,” “Fischia il Vento”) oder der U.S.-Bürgerrechtsbewegung (“We’ll Never Turn Back,” “We Are Soldiers in the Army”) und schrieb selbst einige Songs nach der Studie von Zeitungsartikeln, Fernsehberichten oder historischen Abhandlungen. So entstanden u.a. „Srinivas“ über die rassistisch motivierte Ermordung des Sikh-Einwanderers Srinivas Kuchibhotla, „Knock That Statue Down“ über die Aufmärsche der „White Supremacists“ und US-Nazis in Charlotteville im vergangenen Jahr oder „John Brown“ über den legendären amerikanischen Abolitionisten. Bis zum März 2017 hatte er das Material für das Album zusammen.

Als nächstes suchte er nach den Sängerinnen und Sängern für diese Lieder und nahm die Songs auf, wo und wann es möglich war. Es sind bekannte Künstler wie Tom Waits oder Steve Earle dabei. Aber: „Ich war nicht auf Stars fixiert, ich wollte Menschen beteiligen, die eine persönliche Verbindung fühlten, die das Projekt kulturell und politisch verstanden und wirklich am Prozess teilhaben wollten“, so Ribot. Und so sind dann neben den genannten auch Meshell Ndegeocello, Justin Vivian Bond, Fay Victor, Sam Amidon, oder Ohene Cornelius zu hören.

Es ist ein interessanter Liederreigen entstanden, der nicht nur von den Themen her, sondern auch musikalisch vielfältig ist. Der alte Bürgerrechtssong „We Are Soldiers In The Army“ wird mit Avantgarde-Jazz so verfremdet, so das er alles andere als zum Mitsingen einlädt. Ein durchaus akzeptabler Akt, denn es gelingt so, seine historische Rolle hervorzuheben. Langsam und traurig ist die Version von „Bella Ciao“, die durch Tom Waits‘ brüchige Stimme geadelt wird. „Srinivas“, gesungen von Steve Earle und Tift Merritt, klingt fast so wie ein Steve Earle-Song klingt. „John Brown“ ist dann ein Funk-Soul-Jazz-Stück, großartig interpretiert von Fay Victor, während „Knock The Statue Down“, das Marc Ribot, von Syd Straw unterstützt, selber singt und durch das Banjospiel sehr folkig rüberkommt.

Am Ende ist es eines der besten Konzeptalben dieses Jahres und ebenso wie sein Schöpfer, ein Grenzgänger zwischen populärer und Avantgarde-Musik. Ribot gelingt es hier, seinen Anspruch als Musiker treu zu bleiben und trotzdem etwas zu schaffen, was eigentlich für viele da sein sollte: Die Erinnerung daran, dass diese Lieder von vielen gemeinsam gesungen werden sollten. Denn wie sagt Marc Ribot selbst so treffend: Jede Bewegung, die jemals etwas gewonnen hat, hatte Songs.“

Trackliste:
1. We Are Soldiers in the Army (feat. Fay Victor)
2. Bella Ciao (Goodbye Beautiful) (feat. Tom Waits)
3. Srinivas (feat. Steve Earle & Tift Merritt)
4. How To Walk In Freedom (feat. Sam Amidon & Fay Victor)
5. Rata de dos Patas (feat. Ohene Cornelius)
6. The Militant Ecologist (based on Fischia Il Vento) (feat. Meshell Ndegeocello)
7. The Big Fool (feat. Marc Ribot)
8. Ain’t Gonna Let Them Turn Us Round (feat. Steve Earle & Tift Merritt)
9. John Brown (feat. Fay Victor)
10. Knock That Statue Down (feat. Marc Ribot & Syd Straw)
11. We’ll Never Turn Back (feat. Justin Vivian & Domenica Fossati)

Ry Cooder live in Oostende

28. Oktober 2018

Der Meister der Slide-Gitarre liefert ein starkes Konzert ab/ Viele Blues und Gospeltöne

Er ist eigentlich ein Musician’s Musician und als Solokünstler nicht in der ersten Reihe. Mit ihm werden Projekte wie „Buena Vista Social Club“ verbunden oder die Filmmusik zum Wim Wenders-Film „Paris, Texas“. Als Slide-Gitarrist ist er auch ein gefragter Sideman für die Stars der allersten Reihe. Und dennoch hat er auch als Solo-Künstler ein so beachtenswertes Oeuvre geschaffen, dass seine Tourneen auf große Resonanz stoßen.

So auch am Freitag, 12. Oktober, im Nordseebad Oostend in Belgien. Der Kursaal war ausverkauft und wir waren gegen 19.58 Uhr auf den Plätzen, nachdem Zugausfälle, Streckensperrungen und Umleitungen unsere Anreise erschwert hatten. Das was wir dann zu hören und sehen bekamen, war mehr als eine Entschädigung. Es war ein ganz starkes Konzerterlebnis. Was man jedoch vom Vorprogramm mit Ry Cooders Sohn Joachim nicht sagen konnte. Sphärische Weltmusikklänge, die einen nie wirklich gepackt haben. Haken wir das mal als väterliche Unterstützung ab.

Ry Cooder jedoch ist in großer Form an Slide- und E-Gitarre und hat eine Klasse Band und das fantastische Gospel-Soul-Sangestrio The Hamiltones dabei. Cooder spielt knüpft an sein letztes Album „The Prodigal Son“ an und spielt hauptsächlich alte Traditionals und mit „The Very Thing That Makes You Rich (Makes Me Poor)“ nur einen eigenen Song. Die Musik ist blues- und gospelgetränkt. Er steigt ein mit zwei Coverversionen von Songs des texanischen Blues- und Spiritualmusikers Blind Willie Johnson ein: „Nobody’s Fault But Mine“ und „Everybody Ought to Treat a Stranger Right“. Damit ist Abend programmatisch umrissen. Später folgt noch mit „Jesus In The Mainline“ von Mississippi Fred McDowell ein Klassiker eines Delta-Blues-Veterans. Cooder geht ganz auf in dieser alten Musik aus den 1940er Jahren. Und spielt auch Stücke von weißen Musikern. Das Stock der Stanley Brothers – Harbor Of Love“ wird von ihm zu einem schwarzen Gospel umarrangiert. Und er spielt einen Titel von Woody Guthrie, „Vigilante Man“ und natürlich „The Prodigal Son“, den Titeltrack seiner gleichnamigen neuen Albums. Ihm geht es um die Musik der armen und beladenen Amerikaner, der Schwarzen wie der Weißen. Und die Aussage dahinter, um die es ihm geht, ist die Erinnerung an das andere Amerika. Denn ohne dass Cooder explizit politische Reden führt, ist das Konzert eine einzige Liebeserklärung an das andere Amerika.

Cooder ist gut aufgelegt, sein Gitarrenspiel launig und inspiriert, dabei wie immer technisch perfekt. Wenn man sich die Setlist und seine neue Platte anhört, könnte man meinen, der Mann müsse Trübsal blasen. Doch im Konzert zeigt sich ein ganz entspannter, selbstironischer und humorvoller Ry Cooder. Er ist sogar zu Scherzen aufgelegt. So bewirbt er den Merchandising-Verkauf im Foyer und hebt hervor, dass Dylan ein großer Anhänger und Experte des „Merch“-Verkaufs sei. Die Baby Doll T-Shirts seien immer als erstes ausverkauft, habe ihm die Singer-Songwriter-Legende mit auf den Weg gegeben, erzählt Cooder schmunzelnd.

Das Konzert nimmt zum Schluss immer mehr Fahrt auf, wofür auch die „Hamiltones“ sorgen, die mit viel Gospel-Soul-Power die Betriebstemperatur im Kursaal mächtig steigen lassen. Nach Cooders klasse Version von Elvis‘ „Little Sister“ gehören die Lead-Vocals im letzten Song dann den „Hamiltones“. „I Can’t Win“ ist ein triumphaler Abschluss eines ganz starken Konzertes. Ein Abend, der im Gedächtnis bleiben wird.

Paul Robeson

20. Juli 2018

Zum 120. Geburtstag des Sängers/ Mehr als „Ol‘ Man River“

Sein Name bleibt wohl untrennbar mit „Ol‘ Man River“ verbunden. Dem bekanntesten Song aus dem Mississippi-Musical „Show Boat“. Er verkörperte am Broadway und in der Verfilmung von 1936 den Joe und sang dort eben diesen Song. Seine Interpretation des Liedes mit markanter Bassstimme wurde zum Welterfolg und Gassenhauer und machte Robeson unsterblich. Im Jahr seines 120. Geburtstages ( geboren am 9. April 1898) lohnt es sich jedoch, daran zu erinnern, dass der gefeierte Sänger auch ein politischer Aktivist war und im McCarthy-Amerika verfolgt wurde.

Von 1927 bis 1939 lebt Robeson in Großbritannien. Dort kam er mit dem Schriftsteller George Bernard Shaw sowie Politikern von Labour und den Kommunisten in Kontakt und wurde zum überzeugten Linken, ohne jemals in eine Partei einzutreten. Er hegte durchaus Sympathien für die Sowjetunion und bereiste sie, war jedoch vor allem ganz praktisch politisch tätig, indem er die Arbeitskämpfe der walisischen Bergarbeiter unterstützte und für die spanischen Internationalen Brigaden sang. 1939 kam er zurück in die USA, unterstützte die Anti-Hitler Allianz im 2. Weltkrieg und engagierte sich später für den Civil Rights Congress und gegen Rassismus und Rassentrennung. Zudem wurde er der Förderer des jungen Harry Belafonte.

Nach Ende des 2. Weltkriegs und der Veränderung des politischen Klima durch die antikommunistische Hexenjagd des Senators McCarthy geriet auch Robeson ins Visier. Seine Platten verschwanden aus den Läden, er stand auf der schwarzen Liste für Funk und Fernsehen und bekam sogar seine Pässe entzogen. erst 1958 führten ihn wieder Auslandsreisen in die Sowjetunion und nach England. Hier er einen weiteren Karrierehöhepunkt, als den Othello an der Royal Shakespeare Company spielte. Überhaupt wurde der Othello und nicht der Joe im „Show Boat“ die Rolle seines Lebens. Bereits 1930 hatte er den Othello am Broadway gespielt, dann wieder ab 1943 erst in sagenhaften 296 Vorstellungen in New York und dann auf einer Nordamerika-Tour.

Eigentlich hatte er in den frühen 1960ern nach der erneuten Rückkehr in die Staaten vor, sich stärker für das Civil Rights Movement zu engagieren, doch psychische und physische Gesundheitsprobleme schränkten seine Möglichkeiten sehr ein, dann starb seine Frau Essie 1965 und sein Alter forderte zunehmend Tribut. Nun zurückgezogen lebend, erhielt er im erneut veränderten Klima der USA Anfang der 1970er Jahre nun auch in Amerika die Ehren, die ihm vorher verweigert wurden.

1976 verstarb Paul Robeson. Er hinterließ ein beeindruckendes künstlerisches und politisches Werk. Sein Leben war nicht mehr und nicht weniger als die prototypische Odysee eines schwarzen linken Amerikaners in den USA des 20. Jahrhunderts.

Heaven’s Gate

18. Juli 2018

oder: Amerika war schon immer so. Aber auch anders.

Warum wundern wir uns eigentlich über ein Amerika mit einem vor Machtlust überschäumenden Präsidenten? Warum wundern wir uns eigentlich über ein Amerika, in dem Rassismus nach innen und Abschottung nach außen einen fröhlichen Urstand feiert? Warum wundern wir uns über ein Amerika, dem der gute Deal, der wirtschaftlich erfolgreiche Händel jedes Mittel heiligt.

Amerika war schon immer so. Die Geschichte des Schmelztiegels ist keine fröhliche Erfolgsstory, sondern eine oftmals widersprüchliche, brenzlige, brutale, verstörende und traurige Erzählung. Der amerikanische Traum des individuellen Glücksversprechens zerschellt an den Mächtigen, die sich im Wohlstandsevangelium eingerichtet haben. Nach dem ist Erfolg und Macht in der Wirtschaft ein Beweis für die Gunst Gottes. Sprich: wer nicht erfolgreich ist, der ist selbst schuld, weil er Gott entzürnt hat. Dieses Christentum, das in den USA weit verbreitet ist, kennt keine Soziallehre. Und wenn sich dann der Mythos der Amerikaner als Gottes ausgewähltes Volk mit diesem biblischen Kapitalismus paart, dann wird der arme Einwanderer als ungläubiger Eindringling gebrandmarkt und bekämpft. So ist das heute und so war es schon in den späten 19. Jahrhundert.

Davon erzählt gleichsam allegorisch Michael Ciminos Western Epos „Heaven’s Gate“, den ich kürzlich als DVD erstanden habe. Die reichen Rancher bekämpfen die armen osteuropäischen Einwanderer. Mit Billigung der Regierung. Es gehörte zum Westen des „Guilded Age“, des „vergoldeten Zeitalters“, dass Viehbarone, Ölprinzen und Eisenbahnmogule Amerika in dieser Zeit rücksichtslos nach Westen erweitert und brutal geformt haben, und die Regierungen nur willfährige Gehilfen waren.

Doch Ciminos Film zeigt auch das andere Amerika auf, das es schon immer gab. Das Amerika der Sozialreformen und der Arbeitnehmerrechte, für die Präsidenten wie die beiden Roosevelts Theodore und Franklin Delano oder Woodrow Wilson standen, oder die weitaus radikaleren „Wobblies“ (Spitzname für Industrial Workers of the World), die Arbeitskämpfe der Minenarbeiter im Harlan County, die gewerkschaftlichen Kampagnen des Sängers Woody Guthrie bis hin zur Bürgerechts- und Anti-Vietnam-Bewegung in den 1960ern und „Black Lives Matter“ und dem „March for our Lives“ heutzutage.

Das Bild, das der Präsident und seine Administration von Amerika derzeit vermitteln, ist Wasser auf die Mühlen des Antiamerikanismus. Dabei ist es nicht wirklich politisch reflektiert, ein ganzes Land für seine politisch-wirtschaftlichen Eliten in Gesinnungs-Geiselhaft zu nehmen. Die Klassenauseinandersetzungen in Amerika sind für die Ausgangsbedingungen für progressive Politik und Gesellschaftsveränderung von enormer Bedeutung. Daher gilt es, diese Auseinandersetzungen zu studieren und die herrschende Politik nach dem ebenso alten, wie einfachen wie wahren Grundsatz „Cui Bono“ zu hinterfragen. Zwar ist der jetzige autokratische Kapitalismus eine direkte Folge des Neoliberalismus – insbesondere seine „inneren Landnahme“ in punkto Wertesystem, Menschenbild und politische Sphäre – und in gewisser Weise auch eine Spielart desselben. Doch wer jetzt nicht den dramatischen Unterschied zwischen dem liberalen, rechtsstaatlichen Neoliberalismus und dem autoritären Neoliberalismus erkennt, der wird Schwierigkeiten haben, ihn wirklich grundlegend kritisieren zu können und geeignete Strategien zur Überwindung beider entwickeln.

In „Heaven’s Gate“ kommt der gleichermaßen intellektuelle wie bodenständige Kümmerer Kris Kristofferson und organisiert die Armen und Benachteiligten zur letzten Schlacht. Am Ende greifen die staatlichen Ordnungskräfte ein, doch gelöst wird das Problem nicht, da stets nie das System in Frage gestellt wird, sondern Grenzüberschreitungen nicht als Wesensbestandteil, sondern als einzelne Entgleisungen gesehen werden. Und so hat hier der intellektuelle Kümmerer eine Niederlage erlitten, am Ende sich in seine gutbetuchte Welt zurückgezogen und weiß doch, dass es kein richtiges Leben im Falschen gibt.

Und auch genau deswegen ist Ciminos Film ein Plädoyer für ein anderes Amerika und für den steten Kampf gegen die Willkürherrschaft der wirtschaftlich und daher auch politisch Mächtigen. Und daher sollten wir uns auch nicht von Amerika in Gänze abwenden. Der Wahlsieg von Alexandria Ocasio-Cortez hat zuletzt wieder ein Hoffnungspotential aufgezeigt. Und Amerika ist auch ein reiches Land, was solche Personen und Charaktere angeht. Denken wir nur an Michael Moore oder Bernie Sanders. Ihnen muss unsere Unterstützung gelten, Sie und an die Politik und Kultur des anderen Amerika muss immer und immer wieder erinnert werden.

Und nicht zuletzt deswegen spielen wir auch weiterhin „Americana“ und die Songs des anderen Amerika. Es ist das mindeste, was wir tun können.

„Super 8“: Sich auf das Fremde einlassen

6. Juli 2018

Wie ein sieben Jahre alter Science-Fiction-Film unverhofft ein anderes Amerika aufleben lässt/ Eine Kurzkritik

Kürzlich mal wieder aus Langeweile am Abend den Fernseher angeschaltet. Einziger Ankerpunkt in einem Meer aus seichtem und schrillem, abseitigem und alarmistischem: „Super 8“, ein kleiner Film, eine Art Nebenwerk der großen Blockbuster-Regisseure und Produzenten J.J. Abrahams und Steven Spielberg. Ein Film, der mich unverhofft nicht mehr losgelassen hat.

Was auf den ersten Blick als schönes Popcorn-Unterhaltungsmovie aus dem Amerika der Vor-Trump-Ära daherkommt, ist vielschichtiger. Gleich vier Bedeutungsebenen hat dieser Film. Da ist die Familiengeschichte um Sohn/Vater/verstorbene Mutter. Da ist die Geschichte mit dem geflohenen Alien und der Air Force, die ihn wieder festsetzen will. Da ist der „Film im Film“ von den jugendlichen Filmemachern. Und da sind noch die Zeitumstände. Lillian, Ohio, ein Ort mit Stahlwerk im Jahr 1979. Also bevor das große Industriesterben im Rust Belt einsetzte, bevor Reagans neoliberale Agenda die Gewerkschaftsrechte beschnitt, in dessen Folgen deren Niedergang begann.

Was aber meine ich mit dem „anderen Amerika“ in diesem Film? Nun, die örtliche Gemeinschaft scheint keine Spaltung zu kennen. Noch ist die Gesellschaft nicht atomisiert. Klar, hier sind fast alle weiß, aber hier ist ein Mittelstand zu Hause, der noch nicht niedergegangen ist. Denn hier gibt es eine funktionierende Industrie und starke Gewerkschaften.

Ganz wichtig: Die Rolle der Armee. Die Air Force ist hier eine Bedrohung für die zivile Gesellschaft. Kein Objekt patriotischen Stolzes. Würde der Film in der Gegenwart spielen, wäre das nicht möglich. Er musste vor dem 11. September 2001 spielen.
Und schließlich: Den ganzen Film über ist das Wesen bedrohlich. Dem Fremden hat es auf die Erde verschlagen und man hat ihm übel mitgespielt. Also agiert er zerstörerisch, um fliehen zu können. Doch als Joe ihm klar macht, dass man keine böse Absicht hat, da wird aus dem dunklen gesichtslosen Fremden, ein Lebewesen mit Gesicht, Mimik und Charakter. Da versteht man einander.

In den Kritiken wurde immer darauf abgehoben, dass der Junge dieses Auftreten dem Fremden gegenüber nur geschafft habe, wie er endlich mit sich und seinem Vater im Reinen war. Ich würde dies nicht nur individualpsychologisch, sondern auch sozialpsychologisch deuten: Die hier lebenden können den Fremden auch akzeptieren, weil ihre eigene Lebenssituation noch gefestigt und mit Perspektiven behaftet ist. Und noch nicht von Armut und Niedergang gekennzeichnet ist.

Heutzutage würde der Junge dieses Vergeben nicht aufbringen. Der Alien müsste für seine Zerstörung bestraft werden. Einfach aus Genugtuung und Verbitterung. „Uns geht es ohne Schuld nicht gut, da soll es anderen, die nicht schuldlos sind, auch nicht gut gehen. Die lassen wir nicht davon kommen“. Und die Jungs wären wahrscheinlich die eifrigsten darin, die Gewaltspirale anzuheizen. Statt Super 8-Filme drehen würden sie mit dem Smartphone die zerstörerische Gewalt als Videofilmchen über die sozialen Medien weltweit teilen. Verbunden mit wüsten fremdenfeindlichen Beschimpfungen.

So ist dieser Film, der guten Unterhaltung bietet, nur sieben Jahre alt, und wirkt dennoch mit seinen Kernbotschaften des Zusammenkommens, des Verständnis für den Fremden, und dem Misstrauen gegenüber dem Militär, so weit weg vom heutigen Amerika, weiter geht’s nicht.

Mein Amerika

31. Mai 2018

Mein Amerika ist Bob Dylan mit weißgeschminktem Gesicht
und breitkrempigem Hut in der Rolling Thunder Review.
Mein Amerika sind die ratternden U-Bahnen, die Diners
und die Busse in New York.

Mein Amerika sind Ben, Adam Hoss & Little Joe Carwright,
die auf ihrer Ponderosa für ein vielfältiges und tolerantes Land kämpfen.
Mein Amerika sind die aufrechten Bergarbeiter vom Harlan County,
die sich von der Gewalt nicht schrecken ließen.
Mein Amerika sind „Easy Rider“ und „Blues Brothers“,
die Bigotterie und Rednecks trotzen.

Mein Amerika ist der weite Himmel über Texas
und der Washington Square in Greenwich Village.
Mein Amerika ist Woody mit seiner Gitarre,
auf der steht „This Machine kills Fascists.

Mein Amerika sind die Grand Ole Opry,
in der Del McCoury, die Old Crow Medicine Show
und die Carolina Chocolate Drops spielen.
Mein Amerika ist der Broadway in Nashville
und die Beale Street in Memphis.

Mein Amerika sind Mark Twain und Walt Whitman,
sind Hemingway, Faulkner und Ambrose Pierce.
Mein Amerika sind Alice Walker und Toni Morrison,
James Lee Burke und Joe E. Lansdale.
Mein Amerika sind Rhiannon Giddens und Alynda Lee Segarra,
Joan Baez und Ani Di Franco.

Mein Amerika sind die Blue Ridge Mountains,
the little Cabin in the hills, Woodstock, die Catskills und Big Pink.
Mein Amerika sind Martin Luther King, Angela Davis,
Rubin „Hurricane“ Carter und Rosa Parks.

Mein Amerika sind Levon Helm und Larry Campbell,
Johnny Cash, Hank Williams, Jimmie Rodgers und die Carter Family.
Mein Amerika sind die Brooklyn Bridge, die Sun Studios,
Bristol, Tennessee/Virginia und Clarksdale, Mississippi.
Mein Amerika war und ist, und war doch nie so da
wie geträumt.

Mein Amerika sind Black Lives Matter, Childish Gambino,
Denzel Washington, Susan Sarandon und Tim Robbins,
The Roots, Kendrick Lamar und
die couragierten Jugendlichen der Parkland High School.

Jetzt wollen sie ihm den Garaus machen da drüben, von innen.
Du, mein Amerika, das ein anderes Amerika ist,
sei stark und wehrhaft!

Johnny Cash: Forever Words – The Music

20. April 2018

Texte aus dem Nachlass von Johnny Cash wurden in wunderbarer Weise vertont und liefern einen neuen Blick auf die Legende des „Man in Black“

Wohl dem Künstler, der einen talentierten Nachlassverwalter hat. Bei Woody Guthrie sorgt seine Tochter Nora dafür, dass seine Musik und die Texte immer wieder neuen Generationen von Musikern nahegebracht werden. Die Aufnahmen von Wilco und Billy Bragg haben bereits Kultstatus und Del McCourys Vertonungen lieferten den Beweis, dass Woody tief im Innern ein Hillbilly-Musiker gewesen ist. In Hank Williams Familie war wenigstens jemand so schlau, dessen nachgelassene Texte dem großen Hank-Fan Bob Dylan zu überlassen, der sie dann mit vielen anderen Musikern unter dem Titel „Lost Notebooks“ vertonte. Nur nebenbei: Auch das Hank Williams-Museum in Montgomery, Alabama, das nichts anderes als eine runtergekommene Devotionalien-Rumpelkammer ist, würde einen guten Kurator dringend benötigen. Und Dylan selbst ist wiederum schon jetzt sein eigener Nachlassverwalter, er spielte eigene Texte aus der Basement-Tapes-Zeit T-Bone Burnett zu, der sie dann kongenial von einer Künstlerschar rund um Elvis Costello, Marcus Mumford und Rhiannon Giddens mit Musik unterlegen ließ.

Zu diesen gelungenen Projekten fügt sich nun auch „Johnny Cash: Forever Words – The Music“. In diesem Fall ist John Carter Cash der Nachlassverwalter. Als Singer-Songwriter weit im Schatten seiner Schwestern Rosanne und Carlene stehend, hat er mit der Pflege von Vater Johnnys Nachlass seine Berufung gefunden. Hatte man auch hier und da die Befürchtung, Carter Cash würde den Nachlass – Achtung Wortspiel! – zu sehr als reine „Cash-Cow“ betrachten, legt er mit diesem Album nun sein Meisterwerk vor. Unterstützt vom nordirischen Poeten Paul Muldoon und dem New Yorker Produzenten Steve Berkowitz wurden die Texte der 2016er Buchveröffentlichung „Forever Words“ gesichtet und mit sehr unterschiedlichen Musikern der Country- und Americana-Szene eingespielt. Das Spektrum reicht vom Mainstream Country-Star Brad Paisley über Altmeister wie John Mellencamp und T Bone Burnett bis hin zu den Töchtern Rosanne und Carlene. Am überraschendsten ist sicher die Mitwirkung des 2017 verstorbenen Grunge-Rockers Chris Dornell. Ganz am Anfang der Platte stehen natürlich die beiden Freunde und Weggefährten Kris Kristofferson und Willie Nelson, wunderschöne Beiträge haben auch Allison Krauss, Jewel und „I’m With Her“ beigesteuert.

Die Texte und Themen der Songs sagen einiges aus über Johnny Cashs Blick auf das Leben. Er war gläubig ohne missionarisch oder fanatisch zu sein. Er liebte die Menschen und hasste daher sinnlose Gewalt und Krieg. Rosannes Beitrag „The Walking Wounded“ über das Leiden eines Vietnam-Veteranen legt hiervon Zeugnis ab. Aber auch sehr persönlichen Themen hat sich Cash literarisch gestellt. Dornells Beitrag „You Never Knew My Mind entstand unmittelbar nach Cashs Scheidung von Vivian Liberto 1967.

Das Album zeigt noch einmal auf, wie Cash sich verstand. Auf der Seite der Beladenen auf der Seite der Liebe. Und daher ist Johnny Cash bei all seinen Widersprüchen keiner, den die heutige politische Rechte in den USA für sich reklamieren könnte. Und jeder Versuch wird von der Familie Cash auch in großer Einigkeit abgewehrt. Auch Johnny Cash steht für ein Amerika, das es so derzeit nicht mehr gibt. Umso wichtiger ist dieses Album, das eines der besten seiner Art ist. Respekt, John Carter Cash!

Eine starke Stimme des anderen Amerika

11. April 2018

Sonia Rutstein singt gegen Trump und Hass, für Frieden, Freiheit und Gleichheit/ die mehrmals für den Grammy nominierte Singer-Songwriterin ist eine Cousine von Bob Dylan und kommt am 12. April bereits zum vierten Mal nach Darmstadt.

„Im Jahr 2015 hat sie erstmals bei „Americana im Pädagog“ gespielt, seitdem ist sie uns eine gute Freundin geworden und wir begrüßen sie nun am Donnerstag, 12. April, bereits zum vierten Mal in Darmstadt“, freut sich Thomas Waldherr, Kurator der von http://www.country.de präsentierten Konzertreihe im Darmstädter Pädagogtheater. Konzertbeginn im Theater im Pädagog (Pädagogstraße 5) ist 20 Uhr, der Eintritt beträgt 10 Euro. Karten für die Veranstaltung können im Vorverkauf online unter http://www.paedagogtheater.de erworben werden. Vorbestellungen sind unter 06151 – 66 01 306 telefonisch und unter theaterimpaedagog@gmx.de per E-Mail möglich.

Mit politischen Songs rund um den Globus
Sonia Rutstein, unter ihrem Bühnennamen SONiA derzeit unterwegs auf Deutschland-Tournee, singt gegen Homophobie, Kriegstreiberei und Rassismus. Engagiert und immer menschlich, aber nie mit Zeigefinger und Geboten, dazu musikalisch mitreißend. „Seit sie das erste Mal bei uns gespielt hat, hat sich die Welt drastisch verändert. Trump ist US-Präsident und autoritäre politische Bewegungen haben überall Zulauf. Da ist ihre Musik wichtiger denn je. Sie ist eine von Amerikas starken Stimmen für Freiheit, Frieden und Gleichheit“, bringt Waldherr ihre Botschaft auf den Punkt.

SONiAs musikalischer Werdegang begann 1987 mit der Gründung von „Disappear Fear“ einer Folk-Rock-Band mit ihrer Halbschwester Cindy. Nachdem sich Cindy aus familiären Gründen aus der Musik zurück, zog startete SONiA 1996 ihre Solokarriere. Ihre Texte haben oft progressive politische Themen wie Frieden und Völkerverständigung oder die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Transsexuellen, handeln aber auch von der Liebe und ihrem Leben in Baltimore. Ihr Bühnenleben führte sie bereits um den gesamten Globus. So gab sie Konzerte in Israel und Palästina, wo sie während des zweiten Libanonkrieges ihr Konzert in einem Schutzraum vor Bomben spielte, auf den Fidschi-Inseln, aber auch im Opernhaus von Sydney, Australien. SONiA überzeugt als Musikerin und Singer-Songwritern dank ihrer Passion für ihre Themen, der Ehrlichkeit ihrer Liedtexte sowie wegen ihrer warmherzigen, positiven und ausgewählten Mischung von Folk, Pop, Rock, Blues, Weltmusik und Americana. Mehrere ihrer Alben waren bereits für den Grammy nominiert.

Gegen Trump und Hass
Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsident hat sie betroffen und wütend gemacht und so war sie damals natürlich beim „Women’s March To Washington“ dabei und hat sich jetzt auch solidarisch mit der Bewegung „March For Lives“ gezeigt. Einer ihrer neueren Songs heißt „Abraham“. Ohne Trump dabei beim Namen zu nennen stellt sie ihm positive politische Persönlichkeiten der Geschichte wie Abraham Lincoln, Mahatma Gandhi oder Martin Luther King entgegen. Ebenfalls eine Reaktion auf die politischen Verhältnisse in den USA ist ihr kombinierter Vortrag aus ihrem eigenen Song “Sink the Censorship,” und „Blowin In The Wind“, dem Klassiker ihres Cousins Bob Dylan. Ihre gemeinsame Tante Harriett Rutstein brachte dem jungen Robert Zimmermann übrigens die ersten Musiktöne am Klavier bei.

Erneutes Gastspiel in Darmstadt
Ihren Optimismus, ihre Hoffnung und ihre Menschlichkeit überträgt SONiA auf ihre Musik. Und dies macht sie auch als Künstlerin so einzigartig. Ihre Musik ist lyrisch und packend – vital und sensibel zugleich – ihre klare Stimme mal zart, mal kraftvoll und immer engagiert! Darmstadt kann sich mit Fug und Recht auf das erneute Gastspiel einer einzigartigen Künstlerin freuen.

Mehr Infos:
https://www.soniadisappearfear.com/

Karten:
https://paedagogtheater.de/sonia/

Ry Cooder

6. März 2018

Er ist eine wirkliche Musiklegende. Wobei er weniger als Solokünstler in der ersten Reihe, denn als Soundtrack-Komponist (Paris, Texas), Weltmusik-Projektförderer (Buena Vista Social Club u.a.) und Slide-Guitar Sidekick der Extraklasse für so berühmte Kollegen wie Eric Clapton oder Bob Dylan bekannt geworden ist.

Es gibt da dieses schöne Video in dem Bob Dylan Woodys „Do Re Mi“ singt. Er macht es großartig. Aber er macht das auf einem Klangteppich, der sehr fein von Van Dyke Parks und eben Ry Cooder gewebt wird. Ry Cooder ist einer der wichtigsten Musiker und stillen Stars der US-Musikszene und auch einer, der schon Americana gemacht hat, als dieser Begriff noch kein Label war.

Seine letzte Platte datierte aus dem Jahr 2012. Sein Album „Election Special“ hat schon damals vorweggenommen was bei einem republikanischen Wahlerfolg zu erwarten ist: Die Zerschlagung der staatlichen und sozialen Gemeinschaft der USA zugunsten der Interessen der Wirtschaft und eines christlich-fundamentalistischen Sozialdarwinismus. Donald Trump hat diese negativen Erwartungen noch einmal übertroffen.

Sein neues Album „The Prodigal Son“ vermisst nun das moderne Amerika mittels traditioneller Songs von den Pilgrim Travellers, den Stanley Brothers, Blind Willie Johnson sowie eigenen Kompositionen von Cooder. „Es ist“, so Cooder, ein rascher Kommentar zur unserer von kränkelnder Moral gekennzeichneten Lage…Ich verbinde die politisch-ökonomische Dimension mit dem Seelenleben der Menschen, denn die Menschen werden in unserer heutigen Welt von allen Seiten gefährdet und unterdrückt.“

Es ist also eine sehr dunkle, ernste Lagebeschreibung, die Cooder da abliefert. Und so spürt Cooder beim Hören und spielen dieser Songs Ehrfurcht und Respekt. Denn ganz nach der Krankenpflege-Ausbilderin seiner Enkelin, die aus Kaschmir stammt, soll nicht Religion gelehrt werden, sondern Respekt und Ehrfurcht.

Und so verlässt Cooder trotz seines lupenreinen Americana-Albums den typisch-amerikanisch-konservativ-gottesfürchtigen Referenzrahmen zugunsten eines wahren Humanismus. Und bleibt so auch mit 70 Jahren. ein unbequemer weltoffener Mahner.

„The Prodigal Son“ erscheint am 11. Mai bei Caroline (Universal Music).



Love Songs

9. Februar 2018

Woody Guthrie Tribute in Darmstadt

Dreimal hat nun schon ein Musikernetzwerk aus dem Rhein-Main-Gebiet mit großem Line-Up die Songs des anderen Amerika auf die Bühne gebracht. Was aus der Wut über die Präsidentschaft Donald Trumps zum ersten Mal im Januar letzten Jahres bei „Americana im Pädagog“ unter dem Titel „Love Songs Für The Other America“ so hervorragend angenommen wurde, ist in diesem Jahr beim großen Woody Guthrie-Tribute erneut im Darmstädter Pädagogkeller und mit den „Love Songs For Freedom & Equality“ im Frankfurter „Bett“ fortgeführt worden. Zweimal ausverkauftes Haus im Darmstädter TIP und ein gut gefülltes „Bett“ zeigen: Die Lieder treffen den Nerv der Menschen.

In Zeiten, in denen Autokraten und Rechtsextreme auf dem Vormarsch sind und die SPD – bzw. besser gesagt ihr Führungspersonal – die Partei inhaltlich nicht erneuern will (Absolute Ignoranz gegenüber den politischen Ansätzen von Jeremy Corby, Bernie Sanders oder den portugiesischen Sozialisten) – und sich stattdessen mit dem „Weiter so!“ mit ein paar Pflastern auf den neoliberalen Wunden in eine erneute großen Koalition flüchtet, sind die Lieder für eine andere, bessere und gerechtere Gesellschaft aktueller denn je.

Sichtlich ergriffen und bewegt lauschen die Menschen der Musik und geduldig und interessiert hören sie dann im Pädagogkeller und im Bett auch den Vorträgen zu. Wissend, dass diese Musik für etwas steht. Für eine Haltung, für eine gesellschaftliche Sichtweise, die eben auch ausgesprochen werden muss, genauso wie es sich lohnt auf die Umstände der Entstehung dieser Songs hinzuweisen. Die Linie führt von den Arbeitskämpfen der Bergarbeiter in Kentucky über die gewerkschaftliche Organisierung in den 1930er und 40er Jahren und den Songs gegen Kriegstreiberei und Rassismus aus den 1960ern bis zu den heutigen Liedern gegen Sexismus und Umweltzerstörung. Der enthemmte Kapitalismus hat für kein Problem dieser Zeit eine Lösung, denn er ist ihre Ursache.

Musikalisch sind die Konzerte vom feinsten. Da treffen „alte“ Fahrensleute von Folk und Americana in Deutschland wie Markus Rill, Wolf Schubert-K. und Helt Oncale auf Newcomer wie Brian Kenneth oder Dana Maria. Allen gemeinsam ist das Americana als ihr musikalischer Ausdruck. Country, Blues, Folk, Gospel. Harmoniegesang, Fiddle, Banjo. Fingerpicking und Gitarren-Duelle. Liebe und Respekt für alte und neue Songs. Dazu eigenes Songwriting auf höchstem Niveau. Da tut sich was in der deutschen Americana-Szene! Verbreiten wir es weiter, lassen wir nicht locker. Wir sind auf dem richtigen Weg!