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The Bickenbach, Texas Home Office Diary (5)

28. März 2020

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Ladies & Gentlemen: The Sand Rabbit!

Howdee Everyone,
nachdem wir uns gestern mit dem neuen wahrhaft monumentalen Dylan-Song voller Enthusiasmus sehr eingehend befasst haben, müssen wir heute mal an die frische Luft. Das Wetter lockt zum Spaziergang.
Doch vorweg bin ich auch noch eine weitere Erklärung schuldig. Warum eigentlich Sand Rabbit Town? Nun, weil Bickenbach, Texas, schon immer für seinen trockenen, sandigen Boden bekannt ist, der wiederum bestens geeigneter Lebensraum für Wildkaninchen aka Sandhasen ist. Deshalb haben die Bickenbacher auch den Spitznamen „Sandhasen“.

Das Wildkaninchen wurde seit jeher gerne gejagt. Und mit der Jagd sind wir schon wieder mitten drin in der Countrymusik. Guter Übergang, oder? In den US-Südstaaten ist das Jagen und auch das Fischen geradezu Volkssport. Von der Enten – bis zur Eichhörnchenjagd. Ebenso das Fischen. Daher gehört „Hunting und Fishing“ auch zur DNA der Countrymusik. Unzählige Songs preisen das „Hunting und Fishing“ an.

Grund genug also heute mal das Home Office zu verlassen und bei schönem Wetter mal einen kleinen Marsch zum Bickenbacher Erlensee zu machen. Respektive Sicherheitsabstand zu allen anderen, die unterwegs sind. Natürlich nicht ohne vorher beim Sandhasen-Denkmal vorbeizuschauen.

Am Erlensee, quasi das Bickenbacher Bayou, wird ordentlich gefischt und auch schon mal das Gefischte verzehrt. Bayou ist ja eine in den Südstaaten und insbesondere in Louisiana verbreitete Bezeichnung für stehende oder langsam fließende Gewässer. Und irgendwie mutet das alles rund um den Erlensee wie Ost-Texas oder eben Louisiana an. Der See liegt mitten im Wald, es gibt Enten und andere Wasservögel. Eine Kulisse wie aus einem Countrysong oder einem Lansdale-Roman. Auch deshalb ist Bickenbach, Texas so treffend.

Wie gesagt, das Jagen und Fischen gehört zum Selbstverständnis eines jeden Südstaatlers. Und da man zum Jagen Waffen braucht ist auch eine unheilige Allianz zwischen Teilen der Countryszene und der Waffenlobby „National Rifle Association“ entstanden. Das geht soweit, das Hank Williams Jr. den früheren Präsidenten Obama bezichtigte, er wolle ihnen das jagen und fischen verbieten. Und in seinem Song „God And Guns“ geht es darum, dass der „kleine“ Mann es nicht zulassen dürfe, dass ihm die Politiker seine Waffen wegnehmen. „Das ist es schließlich, worauf unser Land gegründet wurde“, singt Williams. Dass es dabei aber letztendlich eher um die Interesse der Waffenindustrie, als um die des „kleinen“ Mannes geht, scheint für Hank Williams missratenen Sohn dann doch zu hoch.

„Son of a gun we’ll have big fun on the bayou“

Aus diesem Grund spielen wir hier auch keinen Song von Hank Williams Jr. zum Thema „Hunting and Fishing“, sondern das herrlich unschuldig-naive „Fishin‘ In The Dark“ von der Nitty Gritty Dirt Band bei dem ein verliebtes Pärchen nachts runter zum Fluss geht. Vorgeblich um zu fischen.
Ja und wenn dann in Louisiana genug für alle gefischt worden ist, dann gibt es am Bayou eine Party. Bei einer richtigen Cajun-Party gibt es dann Seafood-Jambalaya, Catfish (Wels) und Crawfish, also Flusskrebse, gerne als Pie in Backwerk eingelassen.

Bekannt gemacht hat das alles Hank Williams Senior, der Vaters des oben genannten Waffennarren mit seinem Song „Jambalaya“. Bis heute der erfolgreichste Cajunsong. Wie so oft in der Country- und Folkmusik basiert er auf einer bekannten Vorlage, dem Cajun-Song „Grand Texas“. „Grand Texas“ war in Louisiana ein stehender Begriff dafür, wenn man das heimatliche Cajunland verlässt und in die Fremde zieht. Williams hat den Song selber geschrieben und hier stilsicher Klischees aneinandergereiht. Der Song wurde im September 1952 zum Nummer 1-Hit und blieb 14-Wochen an der Spitze der Country-Charts. Bis heute sicher sein bekanntester Song, unzählige Male gecovert. Doch just in den Zeitraum dieses großen Erfolges fiel Williams wegen seines Alkoholkonsums bei der Grand Ole Opry in Nashville, im Epizentrum der Countrymusik, in Ungnade. Man warf ihn raus. Der Anfang vom Ende für ihn. Am 1. Januar 1953 starb Williams auf dem Rücksitz seines Cadillac während einer nächtlichen Autofahrt zu einem Konzert. Ein bis heute geltender Mythos war damit begründet.

Mit Nashville werden wir uns morgen befassen. Wir hören nun erstmal den ersten Popstar der Countrymusik Mr. Hank Williams.

Bis Morgen! Haltet Die Ohren steif!

Best
Thomas