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The Bickenbach, Texas Home Office Diary (8)

31. März 2020

Railroad Songs sind eines der wichtigsten Genre der der traditionellen Country- und Folkmusik.

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,
seit fast einer Woche im Home Office vermisse ich derzeit eine Sache nicht: das Zug fahren. Zwar bin ich leidenschaftflicher Nutzer und Anhängerr des ÖPNV, doch in den letzten Jahren ist die Bahn an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen und täglich in der Sardinenbüchse gen Frankfurt katapultiuert zu werden, ist mäßig spaßig.

Wobei mittlerweile die Spannung am Bahnsteig – kommt der Zug oder nicht oder wenn ja wann – fast so hoch ist wie die der Bahnhofsszenen aus „High Noon“, die immer bedrohlicher werden je mehr die Zeit bis zum Eintreffen der Schurken verrinnt und es immer einsamer um Gary Cooper wird.

Ja, Bickenbach, Texas hat eine Bahnstation, schon relativ früh schlug man den Schienenstrang des Dampfrosses in den Bickenbacher Sand. Und schwupp – schon sind wir bereits bei einem weiteren Kontinuum der amerikanischen Folk- und Countrymusik. Es gibt etliche wunderbare Train- und Railroadsongs.

Da gibt es die den Ruhm der Eisenbahn mehren sollte. U.a. dadurch, dass man den Zügen nicht Namen wie RB 67/68, RE50 oder IC72 gab, sondern sie so poetisch bezeichnete wie „Texas Eagle“, „City Of New Orleans“ oder „Wabash Cannonball“. Bekanntester Train-Song dieser Tradition ist sicher hierzulande der von Arlo Guthrie bekannt gemachte „City Of New Orleans“, dessen deutsche Version bei uns mindestens genauso bekannt sein dürfte: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ von Rudi Carell. Ein anderer, uns ebenfalls bestens bekannter Entertainer sowie Song & Dance Man, Mr. Bob Dylan, hat vor wenigen die alte Grundmelodie derer sich Guthrie bedient hat, nochmals für sein „Duquesne Whistle“ benutzt.

Für mich der schönste Train Song ist aber der „Wabash Cannonball“, der schon existierte, bevor die Wabash Railroad später ihren Schnellzug zwischen Detroit und St. Louis „Wabash Cannonball“ benannte. Unten hören wir eine besondere Version. Nicht die bekannte von der Carter Family, die schöne angelsächsische Mountainballade, sondern die Bluesversion von Blind Willie McTell, die schon förmlich nach Rock’n’Roll schreit.

Und dann gibt es die Railroad Songs, die von der harten Fron der Eisenbahnarbeiter erzählen. Der bekannteste ist sicher John Henry. Der Legende nach trieb der schwarze Bahnarbeiter Sprenglöcher für den Tunnelbau für eine neue Eisenbahnstrecke in West Virginia in den Fels. Als eines Tages diese Arbeit von neuen dampfgetriebenen Hämmern erledigt werden sollte, trat er zum Kampf gegen die Maschine an. Er gewann, starb aber vor Erschöpfung. Wir hören unten eine Version von Billy Bragg und Joe (!) Henry.

Und wenn die Eisenbahn zumindest bis Mitte des letzten Jahrhunderts das Mittel zur Beförderung von Waren und Menschen war, dann gibt es natürlich auch viele Lovesongs, in denen die „Trains“ eine Rolle spielen. Wir hören unten „Train Of Love“ von Johnny Cash.

Und nicht zuletzt soll hier Mr. Jimmie Rodgers erwähnt werden. Der „Singin‘ Brakeman“ himself, der wie sein Vater schon bei der Eisenbahn am Knotenpunkt Meridian, Mississippi, arbeitete, dort von schwarzen Kollegen den Blues lernte und zum ersten Superstar der Countrymusik aufstieg.. Wobei Jimmie nicht nur Songs über die Bahnarbeiter sang, sondern auch über die Hobos, die auf Güterzügen mitfuhren. Von ihm hören und sehen wir „Waitin‘ For A Train“ sowie zwei weitere Songs. Ein kleines Kabinettstückchen“ aus alter Zeit.

Soweit für heute. Und auch wenn wir jetzt alle zu Hause sind: Kein Trübsal blasen. Genießt das Leben! Hört gute Musik, seht interessante Filme, kocht was Schönes, meidet die aufgeregten Fernsehformate, hört lieber Radio und führt mit Euren Liebsten und Freunden wichtige Gespräche zur Welt nach Corona. Oder spielt mal einfach wieder mit der Modell-Eisenbahn!

Best
Thomas

Billy Bragg & Joe Henry: Shine A Light

4. November 2016

bragg-henryDie Eisenbahn – „The Railroad“ – ist eine der großen amerikanischen Mythen. Sie verband das große, weite Land ab Mitte des 19. Jahrhunderts von Nord nach Süd, von Ost nach West. Die Arbeiter, die sie bauten wurden zur Legende. So wie der Schwarze John Henry, der an der Wette starb, schneller zu sein, als die neuen dampfgetriebenen Hämmer. Die Züge, mit den klingenden Namen „Wabash Cannonball“, „City Of New Orleans“ oder „Texas Eagle“, wurden ebenfalls legendär und oft besungen. Und untrennbar mit dieser Mythologie verbunden sind natürlich die wandernden Tagelöhner, die auf den Güterzügen fuhren, die Hobos.

Heutzutage spielt die Eisenbahn im amerikanischen Verkehrswesen nur noch eine Nebenrolle. Die Güter werden mit den Trucks von A nach B transportiert, die Menschen sitzen in den Autos oder nehmen das Flugzeug. Der britische Folksänger Billy Bragg hat sich nun zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Joe Henry auf eine besondere Reise zu diesem Mythos aufgemacht. Denn seit jeher ist der Railroad-Mythos auch fester Bestsandteil der amerikanischen Folkmusik. Ob Woody Guthrie, Johnny Cash oder Bob Dylan, für sie alle war die Eisenbahn stets eine Quelle der Inspiration.

Vier Tage waren Bragg und Henry im „Texas Eagle“ von Chicago nach Los Angeles unterwegs. Bei jedem Stopp schnappten sich die beiden ihre Gitarren und ihre Aufnahmegeräte und spielten die Songs neben den Gleisen und in Wartesälen ein. So entstanden atmosphärisch dichte und ganz besondere Field Recordings. Und selbstverständlich sind alle aufgenommene Stücke Klassiker der Eisenbahn-Songs. „Rock Island Line“ ist ebenso dabei wie „The Midnight Special“, „Lonesome Whistle“ und natürlich „John Henry“. Und so ist diese Platte dann nicht nur ein Tribute an die amerikanische Eisenbahn, sondern auch an die, die ihr ein Lied gesungen haben: hier Jimmie Rodgers, Hank Williams, Lead Belly oder Glen Campbell.

Es ist ein kleines feines Werk, dieses Album von Billy Bragg und Joe Henry. Ein kleines Americana-Kabinettstück über eine längst vergangene Zeit, die sich in Erinnerung zu rufen lohnt. Und das nicht nur wegen der Songs.

Und hier die Videos zum Album auf YouTube.com: