Bob Dylan führt bei seinem zweiten Frankfurter Konzert lose Enden zusammen/ Momente höchster Schönheit
Das Grundkonzept dieser Konzerte von Bob Dylans Europatour 2024 bleibt natürlich auch beim zweiten Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle gleich. Es funktioniert nur besser. Das ziellose Gefuddel bei „All Along The Watchtower“ ist ersetzt durch kürzere, konzentriertere Gitarrensoli des Meisters. Dylans unnachahmliches Gitarrenspiel auf zwei bis drei Tönen funktioniert diesmal bestens, keine schrägen Töne schleichen sich ein. Damit hat Dylan gleich am Anfang seine härteste Probe hinter sich, alles andere geht ihm scheinbar leichter von der Hand. Beeindruckende Klavierfiguren, kraftvolles und inspiriertes Mundharmonikaspiel. Da sind sie endlich zu erleben, diese Soli, die zu Momenten höchster Schönheit werden, so wie ganz am Ende bei „Every Grain Of Sand“, als wieder einmal mehr die Zeit still zu stehen scheint.
Dylans neues Konzertformat funktioniert
Dylan wirkt diesmal etwas introvertierter, seine Ansagen und die „Thank Yous“ sind sehr zurückhaltend, aber er legt die Konzentration voll auf die Musik, was ihr hörbar Gut tut. Auch die Band wirkt konzentrierter und homogener, die Musik dichter. Hatte Dylan gestern lose Enden in der Hand, so hat er sie an diesem Abend perfekt zusammengebunden. „It Ain’t Me Babe“, „Desolation Row“, „When I Paint My Masterpiece”, “Mother Of Muses”, “It’s All Over Now, Baby Blue” (unwiderstehlich!) und natürlich “Every Grain Of Sand” sind die absoluten Höhepunkte auch in diesem Konzert.
Dylan hat seine Konzertmusik nach den Änderungen im Sommer nun endgültig in ein neues Format transformiert. Man mag den fehlenden Instrumenten Lapsteel, Mandoline, Trompete und Geige nachtrauern. Doch Dylan elektrifiziertes Klavierkonzert funktioniert nun. Dylan trägt musikalisch den Abend, die Gitarristen Britt und Lancio scheinen konzeptionell (also ohne ihnen persönlich nahetreten zu wollen) Beiwerk zu sein, die langjährigen Weggefährten Garnier und Keltner (diesmal keine Scharmützel zwischen Bob und Jim!) bilden das sichere rhythmische Fundament. Doch Bob gibt den Ton an, spielt ganz selbstbewusst und expressiv Klavier. Er bläst die Mundharmonika so oft wie lange nicht mehr. Und er traut sich des öfteren singend hinter dem Klavier hervor. Freihändig und wacklig mit dem Mikro in der Hand, dann zum Klavier tänzelnd, danach ans Klavier gelehnt, dann wieder hinter das Klavier schleichend und dann über das Klavier gebeugt singend, zuweilen einhändig spielend.
Der Meister in Bestform
So entstehen immer wieder beeindruckende musikalische Momente. Das Publikum ist ergriffen, überrascht und erfreut, diesen Show and Danceman in Bestform zu erleben. Und morgen geht es weiter!
Setlist, Frankfurt am Main, 17. Oktober 2024
1. All Along the Watchtower
2. It Ain’t Me, Babe
3. I Contain Multitudes
4. False Prophet
5. When I Paint My Masterpiece
6. Black Rider
7. My Own Version Of You
8. To Be Alone With You
9. Crossing the Rubicon
10. Desolation Row
11. Key West (Philosopher Pirate)
12. It’s All Over Now, Baby Blue
13. I’ve Made Up My Mind To Give Myself To You
14. Watching the River Flow
15. Mother of Muses
16. Goodbye Jimmy Reed
17. Every Grain of Sand

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