Die Kunst der Wiederholung

Bob Dylan konzertiert auch beim dritten Frankfurter Auftritt auf gutem Niveau

Copyright: Sony Music/ William Claxton

Im Ranking der drei Frankfurter Konzerte ist das zweite eindeutig die Nummer eins. Kompliziert ausgedrückt, aber auch nicht einfach so hingesagt. War Dylans erster Auftritt am Mittwoch ein mit ein paar Unebenheiten und Unschärfen behafteter ordentlicher Auftritt, so war das zweite Konzert ein großartiges Ereignis, an den das dritte Konzert, obwohl besser als das erste, nicht heranreichte.

Guter Auftritt

Dylan arbeitete sich wieder am Freitagabend durch sein Rough And Rowdy Ways-Repertoire. Er spielte wieder fleißig Mundharmonika wanderte vom Klavier in die Mitte und zurück. Da waren keine musikalischen Wackler wie noch am Mittwoch mit schiefen Tönen und ein paar Längen in den Arrangements. Die Band war gut eingestimmt und lief recht präzise. Alles war stimmig und routiniert – ein gutes Konzert. Doch der Meister hatte diesmal nicht die ganz großen magischen Momente, zu denen er immer mal wieder fähig ist.

Wer seit drei Jahren, außer in diesem Sommer, im Grunde mit der gleichen Setlist – im Mittelpunkt stehen neun RARW-Songs plus ein paar andere – agiert, der muss die Kunst der Wiederholung beherrschen. Und die besteht eben darin, keine identischen Konzerte abzuliefern, sondern jeden Moment etwas Neues schaffen zu können. Die Konzerte sind äußerlich gleich: Setlist, Band, Bühnensetting, Tourname  und Tourdesign. Doch innerlich, sprich mit welcher Haltung, Energie, Konzentration Dylan seine Lieder singt und spielt, das kann sich von Tag zu Tag ändern. Dylan beherrscht die Kunst der Wiederholung, kein Konzert ist gleich.

Wie geht es weiter?

Dylans Herbsttour verzichtet auf klangliche und musikalische Möglichkeiten. Er hat den Multiinstrumentalisten aus der Band gestrichen und setzt voll auf sein Klavierspiel. Dazu hat er auch richtig Lust. Er spielt jetzt auch wieder mehr Harp wie in den letzten Jahren und ist auf der Bühne unterwegs. Gut so, dass gewann den Songs nochmals neue Seiten ab. Und dennoch irgendwie ist da beim Zuhörer auch die Lust auf was Neues. Die Outlaw-Tour war wie eine Blaupause was noch so alles möglich ist.

Irgendwie ist für mich die RARW-Geschichte nach dieser Tour auserzählt. Sicher haben Songs wie „Key West“ oder „Mother Of Muses“ Bestand. Die große Frage aber, die über allem schwebt, ist doch: Will Dylan auch 2025 weiter auf Tour gehen? Gibt es irgendwann in nächster Zeit ein Album mit neuen Originalsongs? Oder müssen wir ein Retirement fürchten? Hier auf irgendetwas wetten zu wollen, wäre vermessen. Also warten wir ab, schauen wir hin was passiert und wissen doch zu gut: Der Künstler Bob Dylan muss zu seinem großen Lebenswerk nichts mehr hinzufügen. Damit könnten wir leben. Aber schöner wäre es halt doch, er würde weiter kreativ bleiben. Wir sind gespannt.

Setlist, Frankfurt am Main, 18. Oktober 2024

1.         All Along the Watchtower

2.         It Ain’t Me, Babe

3.         I Contain Multitudes

4.         False Prophet

5.         When I Paint My Masterpiece

6.         Black Rider

7.         My Own Version Of You

8.         To Be Alone With You

9.         Crossing the Rubicon

10.       Desolation Row

11.       Key West (Philosopher Pirate)

12.       It’s All Over Now, Baby Blue

13.       I’ve Made Up My Mind To Give Myself To You

14.       Watching the River Flow

15.       Mother of Muses

16.       Goodbye Jimmy Reed

17.       Every Grain of Sand

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