Ein etwas anderer Jahresausblick 2025

Bleibt Bob Dylan auch 2025 ein kreativer, rastloser Künstler und Performer oder setzt er sich zu Ruhe? Unsere These: Bob Dylan bleibt auch nächstes Jahr ein aktiver Kunstschaffender. Wir wägen zum Jahresabschluss und Jahresausblick pro und contra ab.
Pro
Bob Dylans nächste neue Veröffentlichung ist ja schon angekündigt. Ein Duett mit Barbra Streisand. Für die hat er angeblich einst „Lay, Lady, Lay“ geschrieben, kam so nebenbei bei einem Interview mit Barbra raus. Wir erinnern uns: Der Song erschien 1969 auf dem „Nashville Skyline“-Album. Da war er ja – so zeigen es ja auch die Bilder- ein braver Ehemann und Familienvater. Macht Bob ja wieder ein bisschen menschlicher, dass ihm Barbra doch recht sympathisch war, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Doch genug dieser Art der Spekulation, kommen wir zurück zum eigentlichen spekulativen Thema. Bob, der alte, falsche Fährtenleger hat das alles bewusst inszeniert: Die letzten Konzerte des Jahres in der Royal Albert Hall, einer der historischen Stätten seiner Karriere. Das ist zu gut, um wahr zu sein. Dafür straft er uns mit einem Auftritt Ende März/ Anfang April irgendwo im Nirgendwo des Mittleren Westens der USA in einer x-beliebigen Mehrzweckhalle, die entweder nach einem Versicherungs- oder einem Tech-Konzern benannt ist. Die Frühjahrstour zieht dann über die Käffer des Heartlands weiter und endet in Chicago.
Weitere neue, alte Dylan-Musik kommt dann zur Jahreswende nicht in einem neuen Teil der Bootleg Series, sondern in Forms des Soundtracks von „A Complete Unknown“, gesungen von Timothèe Chlamet als Dylan und Monica Barbaro als Joan Baez. Würde mich nicht wundern, wenn Dylan höchstselbst die Liner Notes dazu höchstselbst verfasst. Ganz unter dem Motto „Ich bin ein anderer“ erfreut uns Dylan darin mit bislang noch nicht gesehenen Perspektiven der Dylan-Geschichte. Kein Wunder, hat er sie doch gerade neu erfunden. So wie seine Ausreißer- und Hobo-Geschichten, die er in seiner Anfangszeit in New York zum Besten gab. Er kann es immer noch.
Die Gerüchte rund um Studioaufnahmen neueren Datums wabern ja auch schon das ganze Jahr über durchs Netz. Am Rande dieser Sessions könnte beispielsweise Dylans umstrittener Beitrag zum Reagan-Film entstanden sein. Der Track reiht sich ein in die Tradition Dylans, gerne Musik zu Filmflops beizusteuern. Wir erinnern uns an „Band Of The Hand“, „Hearts Of Fire” oder “My Own Love Song”. Der Reagan Film ist untergegangen wie eine bleierne Ente. Gut so. Dylans Aufnahme wird dann dieses Jahr als Bonus Track auf einem neuen Album herauskommen, der wenige neue und paar alte, neu aufgenommene Songs enthält. Eine Resteverwertung wie „Knocked Out Loaded“ nur auf weitaus höherem Niveau in Sachen Songwriting und Musik.
Ach ja, und in der Vorweihnachtszeit erscheint dann auch sein lang erwartetes Buch mit Grusel-Kurzgeschichten. Was zur Frage führt: Kommt Dylan 2026 zur Buchmesse nach Frankfurt oder nicht?
Und am Ende des Jahres 2025 reiben wir uns die Augen und stellen wir fest: Wieder einmal hat uns der alte Bob ein Schnippchen geschlagen.
Contra

Nein, Bob Dylan wird keine Konzerte mehr geben. Er hat uns auf einer letzten Tour genug von seiner Gebrechlichkeit gezeigt. Er wird auch keine Ausnahmen für kurze Auftritte machen. Zu sehr haben ihn die letzten Konzertbilder seines Freundes Kris Kristofferson negativ berührt. Ein Bob Dylan behält immer die Fäden der Bob Dylan-Geschichte in der Hand. Daher hat er frühzeitig die eigene Endlichkeit als Thema seiner Songs etabliert, hat die RARW-Tour auf den Zeitraum 2021 bis 2024 festgelegt, hat seine Songs und Aufführungsrechte verkauft und seine eigene Filmbiographie in Auftrag gegeben.
Fortan wird es nur noch neue alte Aufnahmen geben. In Ergänzung zum Dylan-Biopic erscheint die umfangreiche „The Villager“-Box, die eigentlich keiner so wirklich haben will und sich trotzdem gut verkauft. Und im Herbst erscheint dann in zeitlicher Nähe zum 75. Geburtstag des 2017 verstorbenen Tom Petty die lang ersehnte Box mit Live-Aufnahmen der 1986er-Tour.
Dylan pflegt und kuratiert nur noch seine eigene Legende. Das verspricht noch ein paar Jahre lang immer wieder Pretiosen aus dem Archiv an denen die Geister scheiden, aber um die herum sich auch die Dylan-Freunde sammeln können. Im Bob Dylan-Center und in aller Welt aber steigt die Zahl der Kongresse und Symposien rund um Werksdeutung und Relevanzeinordung des Dylan’schen Oeuvres umgekehrt proportional zum künstlerischen Output des Forschungsgegenstandes selbst.
Dylan ist endgültig auf einer Ebene mit Shakespeare, Goethe, Freud und Marx, Beethoven, Bach, Mozart und Wagner. Deren Relevanz völlig unabhängig davon ist, dass sie schon längst nicht mehr unter uns sind.
Conclusio
Ich weiß es wirklich nicht, wohin das Pendel ausschlagen wird. Ein bisschen mehr neige ich schon zur Pro-Position. Aber wie auch immer: Es wird sich auf die Art der Beschäftigung mit Bob Dylan auswirken. Aber egal ob da noch was kommt oder nicht. Es gibt noch soviel zu entdecken, zu analysieren, neu zu betrachten oder zu revidieren. Einem Dylanologen oder gar Dylanianer wird es nie langweilig.
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