Zur Deutschland-Premiere von “Like A Complete Unknown” auf der Berlinale: Timothée Chalamet spielt Dylan grandios, hat aber auch einen starken Cast um sich
„Timmy’s a brilliant actor so I’m sure he’s going to be completely believable as me. Or a younger me. Or some other me“, lobte Dylan in einer für ihn typischen Art schon vor einigen Monaten Timothée Chalamet. Und tatsächlich ist Chalamet ein brillanter Bob Dylan. Und ragt aus einem starken Cast heraus.
Chalamet spielt Dylan nicht als Imitation. D.h. er spielt nicht äußerliches Verhalten nach, sondern er hat die Figur gründlich studiert und versucht ihm menschlich, geistig und körperlich nahe zu kommen. Also nicht nur schleppender, lässiger Gang und cooler Blick, Sonnenbrille und Zigarette im Mundwinkel, sondern eben auch der Drang immer weiter zu gehen, seine eigene Kunst über alles zu stellen und damit allen vor den Kopf zu stoßen, die es gut mit ihm meinen. Chalamet will auch Dylan nicht erklären, sondern er legt ihn als Enigma an. Dylan wird uns auch nach diesem Film ein Rätsel bleiben. Wir sehen eine Künstlerfigur bei der Entstehung zu und wie sich das auf die Menschen in seiner Umgebung auswirkt. Sylvia Russo alias Suze Rotolo, gespielt von Elle Fanning, verzweifelt an der Unergründlichkeit des scheinbar aus dem Nichts gekommenen Dylan. Und Joan Baez, gespielt von Monica Barbaro, merkt wie er sich niemandem verpflichtet fühlt und wie kompromisslos und egozentrisch er seinen musikalischen Weg gehen will. So entsteht die Künstler- und Kunstfigur Bob Dylan gerade auch in seinen Spiegelungen bei den Mitmenschen.
Edward Norton spielt Pete Seeger. In seinem als Filmvorlage dienenden Buch „Dylan goes Electric“ beschreibt Wald die Folk-Legende als Menschen, der schüchtern und dennoch für alle zugänglich war, der Gemeinschaftssinn hatte, aber der es einem manchmal schon schwer machte, ihn zu mögen. Seeger war einfach sehr überzeugt davon, auf dem richtigen Weg zu sein. Und diesen Seeger-Charakter spielt Norton kongenial zu Timothée Chalamets Dylan-Darstellung.
Elle Fanning ist ein vielleicht zu harmlose und liebe Sylvia/Suze. Denn von der richtigen Suze, die aus einer Familie von italienischen Kommunisten stammte, lernte Dylan das Interesse an gesellschaftlichen Themen und die Grundlagen des Brecht’schen Theaters. Aber wie Elle Fanning die ihr zugeschriebene Rolle mit Liebe, die erst zur Verzweiflung und dann zur Enttäuschung wird, spielt, ist großes Kino und ihre Szenen beim Newport Festival sind einfach grandios.
Monica Barbaro ist ganz die dunkelhaarige Madonna des Folk Revivals. Sie ist auf Augenhöhe mit Dylan. Auch sie liebt ihn und auch sie nervt sein ungezügeltes Ego. Ein „Arschloch“ nennt sie ihn in einer Szene. Dies beschreibt deren Verhältnis ganz gut. Beide finden sich faszinierend, doch Dylans Drang zu neuen künstlerischen Ufern ist stärker als die Liebe oder die Loyalität zu Joan.
Von den Nebenfiguren bleiben vor allem Boyd Holbrook als Johnny Cash, Scott McNairy als Woody Guthrie und Dan Fogler als Albert Grossman in nachhaltiger Erinnerung. Holbrook spielt den Cash hier als coolen Rowdy, der Dylan in seinem Weg zum Rock unterstützt. McNairy spielt den schwerkranken Woody beeindruckend und Fogler zeigt uns treffend einen smarten Bussinessman, der so gern hip wäre.
So lebt der Film gerade auch von seinen schauspielerischen Leistungen. Timmy-Zimmy ragt zwar heraus, aber dann kann er nur, weil er das neben weiteren großen Schauspieler:innen agiert.
Eine breitere Besprechung des Films ist ab dem Nachmittag des 15. Februar im Online-Magazin Key West – www.keywestmagazin.com – lesen.
Besondere Darmstadt-Premiere
Am 27. Februar, zum Filmstart von „Like A Complete Unknown“, lädt das Programmkino Rex zu einer besonderen Darmstadt-Premiere ein: Vor dem Film werden der „Darmstädter Dylan“ Dan Dietrich ein paar Dylan-Songs spielen und Dylan-Experte Thomas Waldherr einen kleinen Einführungsvortrag halten. Der Vorverkauf läuft – Infos und Tickets gibt es hier: https://www.kinopolis.de/…/rexextra-like-a…/5733


14. Februar 2025 um 12:53 pm |
Hi Thomas,
vielen Dank.
Ich hoffe, der Film auch in der Originalversion hier und da gezeigt, bei uns in Münster ist das normalerweise so.
Ich habe wenig Lust auf eine Deutsche Synchronisation
Keep It Dylan
Viele GrüÃe
Reidar Jensen
Karlstr. 6
D- 48282 Emsdetten
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15. Februar 2025 um 4:13 pm
Hallo Reidar,
in Darmstadt ist der Film auch in OV oder OMU zu sehen. Bei der Darmstadt-Premiere sehen wir die synchronisierte Fassung. Das finde ich gut, um möglichst viele mitnehmen zu können.
Viele Grüße
Thomas