The Bickenbach, Texas Home Office Diary (19)

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Howdee Everyone,

heute geht’s nach Texas!

Aber weder in das Texas der Rinder- und Ölbarone oder des der Texas-Country-Singer-Songwriter, sondern es geht nach Ost-Texas. Das an der Staatsgrenze zu Louisiana und Arkansas gelegene Landesteil unterscheidet sich vom restlichen Teil von Texas doch beträchtlich. Sowohl die Landschaft als auch die regionale Kultur ähneln dem Deep South. Es ist waldiges, hügeliges Land, es sind die Piney Woods, die die Landschaft prägen. Auch die Kultur ist dem tiefen Süden näher als dem westlichen Teil von Texas. Die weiße Bevölkerung ist vorwiegend angelsächsischer Herkunft, die Kultur der Latinos spielt hier keine so große Rolle wie im Westen und Süden des Staates. Die Schwarzen sind die größte Minderheit und Ost-Texas spielte auch eine wichtige Rolle bei er Entwicklung des Blues. So stammen u.a. Blind Lemon Jefferson und T-Bone Walker hier her und Leadbelly, den wir unten mit einem Cowboysong hören, ist hier aufgewachsen. In einem der nächsten Einträge werde ich natürlich auch auf Bob Dylans Song „Blind Willie McTell“ und seinem Bezug zu Ost-Texas eingehen.

In diesem armen Landstrich spielen sowohl die Romane von Joe R. Lansdale, als auch die Krimis von Attica Locke. Während bei Lansdale insbesondere die beiden verkrachten Privatschnüffler Hap (weißer Kriegsdienstverweigerer) und Leonard (schwarzer, schwuler Vietnamveteran) bereits in etlichen Romanen und im TV für reichlich Furore sorgten, ist von Attila Locke mit „Heaven, My Home“ nun erst das zweite Buch mit ihrer Hauptfigur, dem schwarzen Texas Ranger Darren Matthews erschienen.

Beide, sowohl der weiße ältere Lansdale, als auch die schwarze, jüngere Locke zeichnen ein realistisches Bild dieser durch Armut und Rassismus gekennzeichneten Gegend. Doch während Lansdale gerne dem Affen Zucker gibt und manche Fälle heftig und die Dialoge oftmals hanebüchen komisch sind, gehen die Bücher von Locke eher in Richtung psychologisches Kammerspiel. Während Hap und Leonard wie im Comic scheinbar unkaputtbar sind, ist Darren innerlich zerrissen zwischen seiner Ehe und einer möglichen Affäre, zwischen der Solidarität der Schwarzen und seinen Pflichten als Texas Ranger und er ist getrieben von der belasteten Beziehung zu seiner Mutter. Er trinkt zuviel und er ist der Arischen Bruderschaft auf der Spur. Der Roman, den ich gerade begonnen haben zu lesen, verspricht schon wie sein Vorgänger Bluebird, Bluebird viel Spannung mit dem Lokalkolorit von Ost-Texas.

Wenn bei Lansdale der schwarze Leonard Ernest Tubbs‘ „Walking The Floor Over You singt, dann gehört das auch zum Lokalkolorit von Ost-Texas. Den wie überall im Süden mögen die Schwarzen die Musik, die angeblich ja so weiß ist. Erstens ist sie das natürlich, weil ihre Wurzeln auch in der schwarzen Old Time-, Hillbilly- und Bluesmusik liegt. Und zweitens schätzen sie die Erzählweise der Songs von armen Südstaatlern, die entweder arm und from sind – die Black Community im Süden ist genauso stark an ihre konservativen Kirchen angelehnt wie die weiße – oder aber liebeskrank. Und dabei aber immer züchtiger sind als die Songs der derben Bluesmen.

Allerdings hat dies den Chancen von schwarzen Countrymusikern nicht genutzt. Country ist weiß und viele Jahre haben die Farben das nur gestört. Charley Pride und Darius Rucker sind die beiden einzigen schwarzen Countrystars, die in die Grand Ole Opry aufgenommen wurden. Beide werden wir unten hören. Ein Achtusgserfolg und vielleicht eine Trendwende schien Lil Nas X im letzten Jahr mit seinem Country-Hip Hop-Hybriden Old Toen Road, der einer größten Hits überhaupt im Jahr 2019 wurde. Wie sich das nach der Corona-Krise entwickeln wird, an der natürlich die Schwarzen überproportional leiden, steht aber nun in den Sternen.

Leadbelly – When I Was A Cowboy

Charley Pride – Is Anybody Goin‘ To San Antone? (Marty Stuart Show)

Darius Rucker – Wagon Wheel

Lil Nas X – Old Town Road

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