Die Geschichte von Bobby und Regina/ Dylan und McCrary schreiben gemeinsam einen Song, den Buddy und Julie Miller nun veröffentlicht haben.
„Bring Sie nicht zum Weinen“ soll Reverend Sam McCrary zu Bob Dylan gesagt haben, als der des Pfarrers Tochter Regina 1978 dazu erwählt hatte, als Sängerin mit ihm auf Tour zu gehen. Zu gut kannte dieser Reverend das Musikbusiness, war er doch bekannt als „Singender Prediger“ und Mitglied des schwarzen Gospel-Quartetts „The Fairfield Four“ aus Nashville, Tennessee.
Regina stammt aus einer Gospel-Familie
Zwar gab es die Formation bereits seit 1921, doch erst als „Reverend Sam“ 1935 dazu stieß, schafften sie aufgrund seines klaren, vollen Gesanges den Durchbruch beim Publikum. John Lomax nahm sie auf und sie sangen bei Gospelshows im Ryman Auditorium in Nashville. In den 1950er Jahren wurden die Fairfield Four bei ihren Touren durch den Süden immer öfter Opfer von rassistischen Schmähungen und Gewaltandrohungen. Seitdem traten sie fast nur noch in nördlichen Bundesstaaten auf. Mitte der 1950er trennten sie sich, Reverend Sam machte mit neuen Sängern als „Fairfield Four“ weiter, doch die Musik hatte sich verändert und sie konnten nicht an alte Erfolge anknüpfen. Sam sang seit 1960 nur noch in der Kirche und pflegte sein Familienleben.
Er war seit 1954 Pfarrer der St. Mark Baptist Church in Germantown, war verheiratet mit Mamie Elizabeth Marsh, 1958 kam deren Tochter Regina zur Welt. Sie wuchs mit Gospel auf und war gerade mal 20 Jahre alt, als Dylan sie bei einer Audition im Dezember 1978 in Nashville entdeckte. Sicher, sie sang großartig, aber Bob war natürlich auch beeindruckt aus welcher musikalischen Familie die junge Sängerin stammte.
Dylan taucht zu dieser Zeit ganz tief in den schwarzen Gospel ein und umgibt sich mit schwarzen Gospel-Sängerinnen. Zwei Monate später bekam Regina dann einen Anruf und war gebucht für die Aufnahmen zu Dylans erstem Gospel-Rock-Album. Sie sang auch auf „Saved“ und „Shot Of Love“ und war von 1979 – 1981, Sängerin in seiner Tourband.
Carolin Dennis als „große Schwester“
Heute wissen wir von den engen Verbindung Dylans mit Clydie King und von der Ehe mit Carolin Dennis. Mit Regina verbindet ihn bis heute eine Freundschaft. Scott Marshall hat für das amerikanische Dylan-Magazin „Rolling Tomes“ Anfang der 2000er Regina interviewt und Wissenwertes über deren Verhältnis eingefangen. Sie hat eine hohe Meinung über Bob und trifft sich mit ihm im Glauben an Gott. Bei den Auditions hatte sie auch Carolyn Dennis kennengelernt: „Carolin Dennis wurdes so etwas wie eine große Schwester für mich.“
Schnell zeigte sich das Talent von Regina, das von Bob und Carolin gefördert wurde. So eröffnete Regina die meisten dieser Shows (zusammen mit den anderen Sängerinnen) mit einer Handvoll Gospel -Lieder. Sie teilte Vocals mit Dylan bei Songs wie „Ain’t No Man Righteous, No Not One“ und „Mary From The Wild Moor“. Regina sang auch solo bei diesen Konzerten. Sie trug Songs wie „Put Your Hand in the Hand of the Man from Galilee““ und „Till I Get It Right“ vor.
Dylan schrieb in den Liner Notes zu „Biograph“: „Regina McCrary spielte eine Weile mit mir. Sie ist die Tochter des Predigers Sam McCrary, der die Gospelgruppe „The Fairfield Four“ hatte. Wie auch immer, sie eröffnete diese Shows mit einem Monolog über eine Frau im Zug, sie war so unglaublich bewegend. Ich wollte die Menschen so etwas aussetzen, weil ich es liebte und es die wahren Wurzeln aller modernen Musik sind, aber niemand scherte sich darum.“
Dylans religiöse Phase: Inhaltlich problematisch, musikalisch richtig und wichtig
Schon hier zeigt sich, wie Dylan die musikhistorischen Zusammenhänge richtig versteht und verknüpft. Jüngst hat er in seiner „Philosophie des modernen Songs“ in einem klugen Artikel über „Little Richard“ auf den Zusammenhang zwischen Religiösität, „in Zungen sprechen“ und dem Rock’n’Roll hingewiesen. Doch davon wollte damals weder das amerikanische Publikum noch die deutsche Presse – „Wir brauchen keine Gospelsingende Micky Maus“, Frankfurter Rundschau 1981)“ – etwas wissen. So schlimm Dylans inhaltliche christlich-fundamentalistische Predigten waren, so musikhistorisch wichtig war seine damalige Beschäftigung mit den christlichen und schwarzen Wurzeln der amerikanischen Populärmusik.
Reginas spezielle Show-Eröffnung
Wie typisch Dylan-mäßig aber diese Showeröffnung wiederum zustande kam, erzählt Regina im ausführlichen Interview mit Ray Padgett, das dieser in seinem neuen Buch „Pledging My Time. Converstations mit Bob Dylan Band Members“ veröffentlicht hat. Bob erzählt Regina, dass der Show noch etwas fehle und diese, immer für einen Scherz zu haben, sagt, sie könne ja am Anfang die Geschichte von der alten Frau, die einen alten Zug erwischen will, erzählen, und anschließend würden sie mit den anderen Sängerinnen „If I’ve got my ticket lord, can I ride?’” singen. Dylan geht aus dem Raum, holt die übrigen Bandmitglieder und sie muss erneut die Geschichte erzählen. Keiner sagt etwas. Stattdessen kommt eine Viertelstunde vor Showbeginn Bob in die Garderobe der Sängerinnen gestürzt und möchte, dass Regina tatsächlich die Show eröffnet. Hilfesuchend ruft sie ihren Vater an und der stärkt sie. Und so wird die Erzählung zum ständigen Show Opener.
Auch nach Ende der Zusammenarbeit mit Bob bleibt Regina im Musikgeschäft und gründet später mit ihren drei Schwestern die Gospel-Gesangsguppe „The McCrary Sisters, die in ihrer Anfangszeit von Americana-Legende Buddy Miller besonders gefördert werden. Bob und Regina bleiben auch Jahrzehnte später noch in Kontakt. Als Dylan 2013 auf Tour in Nashville Station macht, kommen spontan auch die McCrary Sisters auf die Bühne und singen mit ihm gemeinsam „Blowin In The Wind“. Über Bob sagt sie bis heute nur Gutes: „Er ist ein guter Mann, er ist ein guter Mann“, bekräftigt sie gegenüber Ray Padgett.
„Don’t Make Her Cry“: Dokument einer Freundschaft
Und da Regina sowohl mit Bob als auch mit Buddy befreundet ist, kam es dann auch zur Veröffentlichung von „Don’t Make Her Cry“. Buddy Miller: „Drei Jahrzehnte später [nach der Zusammenarbeit von Bob und Regina] schrieben sie schließlich Texte zum Song zusammen in Huntsville, Al. Als es darum ging, die Musik zu schreiben, sagte Bob zu Regina: „Gib sie Buddy Miller.“ Dann gab ich sie an Julie weiter, die weitere Lyrics hinzufügte, andere änderte und sie vertonte. “
Nun ist der Song auf dem neuen Album von Buddy und Julie Miller mit dem Namen „In The Throes“ enthalten und wurde soeben als Single-Auskopplung veröffentlicht. Ein langsamer, Orgel-getragener Gospel. Geschrieben von Bob Dylan, Regina McCrary und Julie Miller. Ein schönes, sentimentales Stück und ebenso eine schöne Erinnerung an die Zusammenarbeit und Freundschaft von Regina mit Bob und mit Buddy.
The McCrary Sisters mit Buddy Miller und Larry Campbell:
Regina im Chor bei Bob Dylan:
Der gemeinsame Auftritt 2013 in Nashville:


4. August 2023 um 11:19 pm |
Wieder eine großartige Entdeckung gut präsentiert!
5. August 2023 um 10:45 am
Vielen lieben Dank!