„I Believe In You“

Kurz vor Pfingsten ein religiöses Liebeslied. Aber eines, dass man auch anders verstehen kann. Auch dieser Song erklingt am 23. Mai bei „The Love Songs Of Bob Dylan“ in Darmstadt

Copyright: Columbia/Sony

Wenn ich gefragt würde, welcher christliche Song mich am meisten beeindruckt hätte, würde ich „I Believe In You“ sagen. Drei andere Songs kämen mir noch in den Sinn: „Precious Angel“, „What Can I Do For You?“ und „Pressing On“. Erster hat aber neben der wunderschönen Melodie und dem zuckersüßen Gitarrenriff eben vor allem auch eine hanebüchene Message, der zweite ist bei weitem nicht so intensiv wie „I Believe In You“ und der dritte ist – obwohl so gut, dass er sogar von Alicia Keys gecovert wurde – zu eindeutig christlich.

Trotz Bekehrung bleibt die Uneindeutigkeit

Denn trotz absoluter Glaubenswahrheiten: Auch der Dylan der evangelikal-christlichen Phase operierte durchaus in einer gewissen Uneindeutigkeit. Einiger seiner Songs für Gott, konnten auch als an eine Frau gerichtet gehört werden. Nur so konnte ich Ungläubiger in dieser Zeit überhaupt bei Dylan bleiben.

Denn: „I believe in you even through the tears and the laughter/ I believe in you even though we be apart/ I believe in you even on the morning after/ Oh, when the dawn is nearing/ Oh, when the night is disappearing/ Oh, this feeling is still here in my heart“

Da kann man was missverstehen, oder? „Well, first of all, God is a woman, we all know that. Well, you take it from there“, sagte Dylan schon 1965 auf einer Pressekonfererenz in Austin. Die Liebe zu Gott und die Liebe zu einer Frau – für Dylan quasi das Gleiche. Die Liebe ist göttlich, ihr das geliebte Wesen menschlich. Viele Fragen, die sich einem stellen und die unsere alter und liebster Verwirrkopf uns da einpflanzt.

Ein Song über die Liebe zu Gott oder zu einer Frau?

Wie auch immer: „I believe in you“ ist zudem für mich so überzeugend, weil er hier nicht missioniert, sondern von seinem persönlichen Glaube singt. Und dass er dafür Freunde verliert:

“They show me to the door/ They say don’t come back no more/ ’Cause I don’t be like they’d like me to/ And I walk out on my own/ A thousand miles from home/ But I don’t feel alone/ ’Cause I believe in you“

Dass dieses Lied aber das „wohl am eindeutigsten sexuell aufgeladenes Liebeslied, das er je veröffentlicht hat“, wie es Robert Alexander in Michael Gross‘ „Bob Dylan – Der Messias der Rockmusik“ schreibt (München 1980, S. 230), das sehe ich nicht. Um diesen Titel streiten sich eher Songs „New Pony“, „Lay, Lady, Lay“ oder „I’ll Be Your Baby Tonight“.

Auf jeden Fall ist es auch ein grimmiges Lied, weil es nie versöhnlich wird. Wie so viele andere Songs dieser Zeit auch. Erst mit „Every Grain Of Sand“ von seinem dritten christlichen Album vermittelt er uns wieder ein positives, weil in sich ruhendes Bild vom Glauben. Keines, das Schwert, Flammen und Verdammnis braucht.

Ein weiteres Beispiel aus jüngerer Zeit

Auf seinem vorerst letzten Album hat er uns wieder so einen ambivalenten Liebessong geschenkt. „I’ve Made Up My Mind to Give Myself to You“ erzählt mit den wunderschönsten Worten von der Liebe zu Gott. Man kann es aber auch hier wieder anders verstehen. Als Liebeslied an eine Frau. Oder beides vermischt sich in diesem Song. Aber auch hier: Dylans Glaube ist gefestigt, er ruht in sich selbst, er muss uns nicht mehr missionieren und allen Ungläubigen drohen.

Auch „I Believe In You“ wird bei „The Love Songs Of Bob Dylan“ am 23. Mai in Darmstadt zu hören sein. Wer es singt, wird noch nicht verraten.

Thomas Waldherr präsentiert Americana, The Love Songs Of Bob Dylan, Darmstadt – Bessunger Knabenschule, 23. Mai, 20 Uhr. Tickets: www.knabenschule.de .

4 Antworten to “„I Believe In You“”

  1. Avatar von patrickaeschbach patrickaeschbach Says:

    Ja, du hast recht, Quatsch war unnötig, dafür entschuldige ich mich. Es hat mich geärgert, dass der Autor einfach voraussetzt, dass der Song über Gott ist und keine andere Deutungsmöglichkeit erwähnt.

    • Avatar von bobby1963 bobby1963 Says:

      Entschuldigung angenommen. Ich habe mich aber vielleicht auch zu unklar ausgedrückt. Ich überarbeite die Passage nochmal. Gruß, Thomas

  2. Avatar von P. Bach P. Bach Says:

    So ein Quatsch, warum sollte I made up myself… ein Lied für Gott oder über Gott und nicht über eine Frau sein!?

    • Avatar von bobby1963 bobby1963 Says:

      Sag‘ mal was bist Du denn für einer? Andere Meinungen und Auffassungen gleich mal als „Quatsch“ abtun, P. Bach! Dylan-Freunde sind diskutierfreudig bei der Werkauslegung und kommen nicht mit so Null-Statements um die Ecke.

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