“A Complete Unknown” – da kommt was Spannendes auf uns zu!

Filmstart in Deutschland am 27. Februar/ Besondere Darmstadt-Premiere mit Rahmenprogramm geplant/ Trailer und Berichte fügen langsam ein Bild zusammen

Es war ein langer weg von der ersten Notiz zu Bob Dylans und Jeff Rosens Produzententätigkeit für ein neues Dylan-Biopic im Herbst 2020 über die ständigen Verzögerungen des Projekts durch Corona und Streik in Hollywood bis hin zu den nun feststehenden Premierenterminen Ende 2024/ Anfang 2025 und dem immer größer werdenden Medien-Echo.

Edward Norton spielt Pete Seeger

Einige Annahmen mussten revidiert werden und auch im Cast musste geändert werden. Der von mir als Pete Seeger herbei gesehnte Benedict Cumberbatch konnte die Verzögerungen wegen anderer Projekte nicht mitmachen und wurde durch Edward Norton ersetzt. Der machte seine Sache wohl so gut, dass – so schrieben es manche Gazetten – Timothée Chalamet einige Szenen noch einmal nachdrehte. Dies wurde mit einem recht großen Ehrgeiz auf einen Oscar des Dylan-Darstellers begründet.

Im Oktober 2020 schrieb ich davon, dass Dylan sich bei ähnlichen Projekten bislang eigentlich immer herausgehalten habe (https://cowboyband.blog/2020/10/16/er-kanns-nicht-lassen/). Pustekuchen! Dylan war sehr präsent. Er saß fünfmal, so sagen es Medienberichte, mit James Mangold zusammen und nahm auch Kontakt zum Hauptdarsteller auf. Der alte Dylan hat schon ein Interesse daran, dass die Geschichte in etwa so gezeigt wird, wie er sie sieht. Das kann positiv sein, indem manche Legende von Dylan selbst kassiert wird aber auch möglicherweise bizarr werden: So soll Dylan eine völlig abwegige Situation im Film untergebracht haben. Spannung!

Ja, die PR-Maschine läuft auf Hochtouren und war in der frühen Fandiskussion der Fokus auf viele negative Ansichten gelegt – der Chalamet sieht ja Dylan gar nicht ähnlich! (https://cowboyband.blog/2024/07/26/you-cant-judge-a-book-by-the-cover/) – so überschlagen sich die Medien nun zuletzt ob der darstellerischen Genialität Chalamets: „Der heißeste Oscar-Anwärter der Saison“ titelten Pint- und Online-Publikationen.

Elle Fanning spielt Sylvie Russo (Suze Rotolo)

Mittlerweile gibt es auch zwei deutschsprachige Trailer, die so langsam die Puzzleteile zu einem Bild zusammenfügen. Wenn Chalamet den Oscar für die beste männliche Hauptrolle bekommen sollte, dann hoffentlich Edward Norton den für die beste Nebenrolle. Bei beiden kommt der Spirit der Figuren richtig rüber. Dylan zwischen Songwriting-Genie und arrogantem Arschloch, Seeger als Spiritus Rektor des Folk Revival nicht nur Menschenfreund, sondern auch selbst ernannter Bewahrer des richtigen Folk-Weges, der sich später aber auch durchaus selbstkritisch sah. Spannend wird die Ausgestaltung von Sylvie Russo (alias Suze Rotolo) durch Elle Fanning. Hier könnte zu viel Dylan-Einfluss durchaus die Figur verklären oder verharmlosen. Wir sind auch hier gespannt. Wir freuen uns auf Johnny Cash, der im Film durchaus eine wichtige Rolle spielen, in dem er Dylan bestärkt seinen Weg zu gehen. Joan Baez bleibt in den Trailern schwer greifbar. Auch hier gilt es, abzuwarten.

Ja und dann kam noch der X-Knaller von Dylan. Vorbereitet durch einige Nonsens-Einträge lobt er Chalamet und die Buchvorlage von Elijah Wald. Und das in seiner unnachahmlichen Art:

“There’s a movie about me opening soon called A Complete Unknown (what a title!). Timothee Chalamet is starring in the lead role. Timmy’s a brilliant actor so I’m sure he’s going to be completely believable as me. Or a younger me. Or some other me. The film’s taken from Elijah Wald’s Dylan Goes Electric – a book that came out in 2015. It’s a fantastic retelling of events from the early ‘60s that led up to the fiasco at Newport. After you’ve seen the movie read the book.“

Dylan schwärmt von der Buchvorlage

Die Aussage führt schon zu dem Schluss, dass Dylan selber die Buchvorlage für das Drehbuch bestimmt hat. Wald ist neben Greil Marcus für mich der bedeutendste amerikanische Musikjournalist. An das Niveau dieser beiden wird der Nachttisch-Schubladen-Wühler Clinton Heylin nie herankommen.

Und heute dann die Veröffentlichung von zwei Stücken der von Chalamet selber für den Soundtrack eingesungenen Dylan-Songs: Like A Rolling Stone“ und „Girl From The North Country“. Bei letztere singt auch Monica Barbaro als Joan Baez mit. Hört sich nicht schlecht an. Der Soundtrack wird am 25. Dezember digital parallel zum US-Filmstart erscheinen. Ab 31. Januar gibt es auch eine Viyl-Ausgabe und die CD erscheint dann am 28. Februar, einen Tag nach dem Deutschlandstart des Films.

Wie ich ebenfalls schon in meinem letzten Text zum Film an dieser Stelle hingewiesen habe, habe ich gegen die Popularisierung der Dylan-Geschichte nichts einzuwenden. In den Händen von James Mangold ist der Stoff bestens aufgehoben. Siehe das Cash-Biopic „I Walk The Line“. Daher freue ich mich sehr auf den Film und bin auch gerade in Absprachen mit den Darmstädter Kinos wegen einer besonderen Darmstadt-Premiere mit Livemusik und einführendem Vortrag. Mehr dazu demnächst auch an dieser Stelle.

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