Temperamentvoll, quirlig, engagiert

SONiA disappear fear kommt am 25. November wieder in die Darmstädter Americana-Reihe

SONiA disapper fear, Copyright Lea Morales

Sie ist ein gern gesehener, regelmäßiger Gast der Darmstädter Americana-Reihe und verkörpert wie kaum ein anderer Künstler die Haltung der Konzertserie auf der Seite eines friedlichen, vielfältigen und solidarischen Amerikas: Sonia Rutstein aka SONiA disappear fear. Am Donnerstag, 25. November, tritt die mehrfach Grammy-nominierte Singer-Songwriterin und Cousine Bob Dylans nun erstmals in der neuen Spielstätte von Thomas Waldherrs Reihe, in der Bessunger Knabenschule auf. Beginn ist 20 Uhr, der Eintritt beträgt 12 Euro (ermäßigt 10 Euro). Tickets gibt es unter www.knabenschule.de . Die Künstlerin steht für eingängige Folk-Rock-Melodien und eine temperamentvolle, energiegeladene Performance, in ihren Liedern wendet sie sich gegen Homophobie, Rassismus und Gewalt.

Gerne in Deutschland

Die kleine, ebenso zierliche wie quirlige Musikerin ist trotz der immer noch akuten Pandemie nach Deutschland gekommen. Dort gibt sie nicht nur Konzerte, sondern ist auch anderen Aktionen beteiligt. „Ein weiterer wirklich toller Grund, warum ich auf dieser Tour bin, sind Songwriting-Workshops“, sagt sie. „Sowohl in Rosenheim als auch in Hof habe ich Songwriter-Workshops mit je 22 zuvor ausgewählten 22 Schüler:innen geleitet. Daran teilzuhaben, wie aus nichts ein gemeinsames Werk entsteht, war und ist eine großartige Erfahrung. Das waren sehr spannende Tage.“

Für den 9. November, dem Jahrestag der Pogromnacht, ist ein globales, virtuelles Livestream-Konzert in einer Synagoge in Freudental geplant. Der kostenlose, globale Livestream wird auf der Facebook-Seite SONiA disappear fear übertragen. Sie tritt ganz bewusst als amerikanische Jüdin an diesem Abend in einer Synagoge in Deutschland auf. „Ich liebe und vertraue Deutschland jetzt. Ich fühle mich hier willkommen und sicher. Deutschland war auch die Heimat meiner Vorfahren“, erklärt die in Baltimore lebende Künstlerin. Und setzt eine ganz klare programmatische Aussage als Überschrift zu diesem Konzert: „Wir müssen uns daran erinnern, was passiert ist, um es niemals wieder zuzulassen.“

Überhaupt ist die Beziehung Sonia Rutsteins zu Deutschland mittlerweile sehr eng, sie hat über die Jahre viele Freunde hier gewonnen. „Ich fühle mich hier sehr zu Hause. Das Tolle ist, dass meine Freunde hier mich voll und ganz unterstützen“, bestätigt sie.

Vorbild Phil Ochs

Zwar ist sie die Cousine von Bob Dylan – ihre gemeinsame Tante Harriet Rutstein lehrte den jungen Bobby Zimmerman das Klavierspiel – und verehrt den Künstler und seine Musik sehr (ein Dylan-Cover ist meistens im Gepäck), musikalisch beeinflusst hat sie aber vor allem Dylans Zeitgenosse Phil Ochs. „Ich fühle mich so verbunden mit seinen Liedern. Es waren wirklich seine Lieder, die ich im Alter von 16 Jahren entdeckte, die mir das Gefühl gaben, nicht allein auf dieser Welt zu sein“, erinnert sie sich. Und bis heute begleiten sie diese Lieder. „Viele seiner Lieder habe ich schon ganz früh in meinem Gitarrenleben gelernt. Obwohl die meisten von ihnen recht politisch sind, durchdringen Themen wie Rassismus, Ungleichheit, faschistische Regierungen und Gewalt unsere Gesellschaften noch heute. Seine Lieder müssen also immer noch gehört, überdacht und genossen werden.“

Überhaupt ist ihr humanitäres und gesellschaftliches Engagement sehr wichtig. Sie engagiert sich seit langem gegen Rassismus und Homophobie und seit einigen Jahren für die Freilassung von Nudem Durak. „Nudem Durak ist eine junge Frau aus der Türkei, die brutal behandelt und eingesperrt wurde, nur weil sie auf Kurdisch gesungen hat. Ich glaube, das eigentliche Verbrechen ist das Gesetz gegen die Freiheit, sich auszudrücken. Also schrieb ich ein Lied auf Kurdisch und Englisch, um Nudems Kurdisch lebendig zu halten. Der Text von ‚A Voice for Nudem Durak‘ erklärt alles in nur vier Zeilen: ‚Wir werden für dich singen / Deine Stimme wird gehört / Wir sind eine Familie / Wir sind eine Welt‘.“

Auch zur Situation in den USA hat sie eine ganz klare Haltung: „Ich bin eine progressive Demokratin. Ich unterstütze Bidens Agenda. Die amerikanische Freiheit und der Fortschritt scheinen im Todesgriff festgehalten zu werden. Wir werden von eiskalten, narzisstischen Republikanern erwürgt, die das Feuer der Unwissenheit und des Hasses anheizen. Es ist barbarisch.“

„Wärme des Darmstädter Publikums“

Kein Wunder, dass sie da immer gerne zu ihren Freunden nach Deutschland kommt und dabei seit einigen Jahren auch immer wieder nach Darmstadt: „Ich liebe es total, Teil dieser besonderen Musikserie zu sein. Ich fühle mich geehrt, daran teilzunehmen. Da ist eine Wärme des Publikums, die ich von meinem ersten Auftritt in Darmstadt an gespürt habe.“

Americana-Kurator Thomas Waldherr blickt voller Vorfreude auf SONiAs Auftritt: „Sie ist eine gute Freundin. Sie war zuletzt 2019 Teil des großen Pete Seeger-Abends und wird nach erstmals nach 2018 wieder mit einem Soloprogramm bei uns an den Start gehen. Sie verkörpert mit ihrer Musik und ihrer Person die Haltung, für die unsere Americana-Reihe steht. Das wird ein stimmungsvoller Abend.“

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