Bob Dylan und seine Wurzeln im New Deal

Die besondere gesellschaftliche Epoche in den USA prägte auch den legendären Singer-Songriter/ Darmstädter Americana-Abend zum New Deal am 28. April

Roosevelt und Dylan. Copyright: Wikimedia Commons

Bob Dylan aka Robert Zimmerman ist 1941 in eine jüdische Mittelstandsfamilie hineingeboren worden und dann in einer Bergarbeiterstadt aufgewachsen. Seine Großeltern sind aus dem russischen Reich, aus der heutigen ukrainischen Hafenstadt Odessa, vor antisemitischen Pogromen geflohen und siedelten sich in Duluth Minnesota an. Nur um dort 1920 die rassistischen Lynchmorde an drei afroamerikanischen Zirkusarbeitern miterleben zu müssen.

Jüdische Amerikaner als Teil der New Deal-Koalition

Man kann davon ausgehen, dass die Erfahrungen der Lynchmorde, als auch das Leben der Zimmermans in der Arbeiterstadt Hibbing, sie zum demokratischen politischen Lager von Präsident Roosevelt und seiner „New Deal-Koalition“ für Wirtschafts- und Sozialreformen tendieren ließ. Diese Koalition umfasste Gewerkschaften, Arbeiter, rassische und religiöse Minderheiten (wie Juden, Katholiken und Afroamerikaner), Bauern, ländliche weiße Südstaatler und städtische Intellektuelle. Die Koalition spielte bis Mitte der 1960er Jahre eine bedeutende Rolle in der amerikanischen Politik, bis sie wegen den Rassen- und Wirtschaftsfragen zerbrach und Wählerwanderungen aus dem demokratischen Spektrum zu den Republikanern begannen.

Das Leben unter den hart arbeitenden Menschen in Hibbing prägte Dylan nachhaltig. Er hat großen Respekt vor den arbeitenden Menschen und er ist auch als Künstler ein Arbeiter. Ob Gitarre, oder Gesang – die musikalischen Anteile an seiner Kunst musste er sich hart erarbeiten. Da ist ihm nichts zugeflogen. Im Gegensatz zum Verse schmieden. Das hat er schon in frühester Jugend gekonnt und später perfektioniert. Indem er erst nachahmte und dann selber drauf los dichtete. Auch als Bühnen- und Studiokünstler hat Dylan einen hohen Arbeitsethos.

Bob Dylans sozio-kulturelle New Deal-Prägung

Dylan sieht auch heute noch das einigende, das gemeinsame als typisch für Amerika an. Denn die für Obama, wie vorher für Clinton, konstitutionelle Koalition aus „Unternehmern, Vorortbewohnern, neuen sozialen Bewegungen und jungen Leuten“ war nicht seine. Er war und ist ein Mann der alten New Deal-Koalition, die die arbeitenden Menschen miteinschließt. Und ist damit heute aktueller denn je. Denn die Koalition für einen neuen Green Deal muss die neuen sozialen Bewegungen, die ökologischen, die migrantischen und die traditionelle Arbeiterbewegung zusammenführen. Muss die ökologisch verantwortungsvollen Unternehmer und Hipster offen für sozialpolitische Fragen und die Arbeiter offen für ökologische Fragen machen.

So wie Robert Zimmerman sozial und gesellschaftlich durch den New Deal geprägt ist, so ist Bob Dylan durch ihn kulturell geprägt. Denn Woody Guthrie und Pete Seegers klassische politische Folkmusik hätte ohne die New Deal-Politik nie diesen immensen Einfluss gehabt. Kulturprogramme stellten plötzlich die Musik der arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt. Gewerkschaften konnten freier agieren als noch wenige Jahre vorher und Eleanor Roosevelt war eine große Freundin und Förderin der Folk Music.

Copyright: Warner Bros.

Diese Linie führte denn auch direkt ins jugendbewegte Folk Revival der späten 1950er und frühen 1960er Jahre. Pete Seeger war Johannes der Täufer, Woody Guthrie der Heilige Geist, Joan Baez die heilige Jungfrau, und Bob Dylan der Messias des Folk Revival. Und auch wenn Dylan die Folkszene verließ, so hat er das Folk-Idiom und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen nie abgelegt. So dass es kein Wunder war, dass er 1968 beim Tribute Konzert für den verstorbenen Woody Guthrie dessen Song „Dear Mrs. Roosevelt“ singt, der nichts anderes als eine Ode an den Schöpfer einer Politik der sozialen Reformen und der politischen Innovationen im Amerika der 1930er und 1940er Jahre ist.

New Deal aktueller denn je

In Zeiten von ökologischer Krise, von enormer sozialer Ungleichheit sowie Demokratien in der Legitimationskrise und unter Beschuss (im wahrsten Sinne des Wortes!) von autoritären, kapitalistischen und nationalistischen Maskulinisten wie Putin und Trump, ist eine Politik des New Deal, die alle mitnehmen will und denen, die mehr haben, auch abverlangt, mehr zu geben und den wildgewordenen Kapitalismus bändigt, wichtiger denn je. Nur wenn gleiche Chancen, soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftsdemokratie erreicht werden, können gesellschaftliche Demokratie und Freiheit sich der Angriffe von Autoritären und Autokraten langfristig erwehren.

Cuppatea und Steffen Lehndorff. Copyright: Cuppeatea

„Rise Up Singin‘“ in Darmstadt

Um diese Aktualität und um die Geschichte des New Deal geht es auch am Donnerstag, 28. April, in der Reihe „Thomas Waldherr präsentiert Americana“ beim musikalischen Vortragsabend „Rise Up Singin‘“ mit dem Autor Steffen Lehndorff und dem Münsteraner Gesangsduo „Cuppatea“. Steffen Lehndorff wird über den New Deal erzählen, „Cuppatea“ Musik aus dieser Zeit spielen. Kooperationspartner ist der DGB Darmstadt, es ist ein spannender und anregender Abend im Vorfeld des 1. Mai zu erwarten.

Infos und Tickets gibt es hier:

https://www.knabenschule.de/?id=1129

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