„Nature Punk“

Was Alynda Segarra macht, das tut sie ganz. Da frisst sie sich rein, da stürzt sie sich Hals über Kopf hinein und wenn es sie Haut und Haar kosten würde. Sie macht keine halben Sachen. Auch nicht bei ihrem aktuellen Album „Life On Earth“.

Copyright: None Such Records

Kennengelernt haben wir Alynda Segarra, als sie Folk und Americana spielte. Ursprünglich aus der Bronx stammend, war sie einige Jahre mit einem Straßenmusikerkollektiv unterwegs und ließ sich dann in New Orleans nieder. Beeinflusst von Sam Doores wandte sie dem Americana zu, aber nicht ohne auf dem Album „Small Town Heroes“ 2014 die inhaltlichen Genregrenzen weiter zu entwickeln. Ihr „The Body Electric“ ist die ultimative Ent-Romantisierung und Anklage einer jeden frauenfeindlichen Mörderballade. Und mit diesen und anderen Songs hatte sie uns für sich eingenommen und noch heute denken wir mit großer Freude an ihren Auftritt bei einem Open Air in Utrecht im Sommer 2016 zurück.

Mit ihrem nächsten Album „The Navigator“ wandte sie sich dann schon dem Indie-Rock zu, war Patti Smith näher als Johnny Cash, entdeckte ihre Latino-Wurzeln wieder und wandte sich gegen Gentrifizierung. Ein starkes Album.

Das war 2017. Bis zum 18. Februar 2022 sollte es dauern, bis das Nachfolgewerk „Life On Earth“ erscheinen sollte. Dazwischen hier und da Live-Auftritte, man hörte Alynda hätte das „Lee“ aus ihrem Namen gestrichen und durch „Mariposa“ ersetzt. Zudem sei sie in dem fast nirgends zu sehenden Biopic von Ethan Hawke über den Countrymusiker Blaze Foley aufgetreten.

Dann Anfang des Jahres die neue Wendung. Obwohl immer klarer ist, dass „Hurray For The Riff“ keine organische Band mehr ist, sondern alleine ihr Projekt, behält sie den Namen und veröffentlicht das Album „Lif On Earth“. „Nature Punk“ nennt sich das ganze jetzt. Alynda singt mit Titeln wie „Wolves“, „Rhododendron“ oder „Pointed At The Sun“ über Natur, Klima, Mensch und Flucht gegen das Unheil und den negativen Wandel der Welt an. Sie schmettert uns das mit drastisch und derb entgegen und gefällt sich in den Videos dazu, in denen sie entweder kostümiert ist wie ein Faun in der Sommernachts-Traum-Aufführung des Open-Air-Theaters oder sich lasziv und frech auf Betten räkelt.

Das Album hat gewiss seine Momente, seine melodischen Akzente, aber die Songs entfalten wenig Eigenleben, stehen hinter dem großen Ganzen des Konzept-Albums zurück. Das aber leider dadurch auch etwas blass und bemüht bleibt, aller farbenfrohen Kostüme Segarras zum Trotz. So ist es denn auch kein weiterer Karriere-Peak für Alynda sondern eher ein Ausrufezeichen, dessen Wert sich erst mit der weiteren künstlerischen Entwicklung zeigen wird.

Dass Alynda Segarra sich hier eine künstlerische Autonomie herausnimmt, die fast ebenso dylanesk ist wie ihr Gesang in Rhododendron, lässt wenigstens weiterhin hoffen, dass da noch weiterhin bemerkenswertes folgen wird. Die Frau hat einfach so viel Talent, da sollte noch was Gutes kommen.

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