Moraveks wunderbare Song-(Klang)-Welten

Bob Dylan & The Band meet Jazz & Soul: Michael Moravek & The Electric Traveling Show bezaubern und begeistern bei ihrem Darmstädter Americana-Gastspiel in der Bessunger Knabenschule

Michael Moravek, Copyright: Americana

Sie sind allesamt Vollblutmusiker: Michael Moravek & The Electric Traveling Show entführen das Publikum an diesem Donnerstagabend in der Darmstädter Americana-Reihe in ihre ganz eigene Song- und Klangwelt. Michael Moravek, einer der interessantesten und poetischsten Americana-Singer-Songwriter dieses Landes, lässt mit Hilfe seiner Band die Songs ein Eigenleben entfalten, das das Publikum mitreißt und bezaubert zugleich.

Perfekte, intuitives Zusammenspiel

The Electric Traveling Show sind Andrej Polanský (Viola, Mandoline), William Widmann (Schlagzeug), Stefan Ziezling (Bass) und Ayu Requena Fuentes (Keyboards, Trompete). Der Name ist Programm, denn sie reisen für ihr Zusammenspiel aus ganz unterschiedlichen Ecken an. Michael Moravek und William Widmann kommen aus Ravensburg, Ayu Reguena Fuentes wohnt in Köln, Stefan Ziezling stammt aus Darmstadt und Andrej Polanský lebt in Prag. Da sie schon ein paar Jahre zusammenspielen, bedarf es wenig Proben, ganz intuitiv ist die Band perfekt aufeinander abgestimmt.

Songs des neuen Albums „Dream“

Moravek spielt die Songs seines neuen Albums „Dream“, das im Mai erscheint. „Whenever I Should Fall #3“, „Black I My Favorite Color“ oder Meet Me At The Gateway Of Eternal Dreams“ sind Reflexionen über Träume, die den Sänger durchs Leben begleiten. Traumbilder und Vorstellungswelten, Träume, die wahrer sind als das Leben. Tagträume, Liebesträume, Albträume. Und so passt zu diesen Traumtexten auch die traumhafte Musik. Dylan & The Band meets Jazz & Soul im Midtempo.

Moravek ist der charismatische, eher introvertierte Songwriter und Leadsänger, Widmann ist sein Gegenpol als extrovertierter, gleichsam virtuoser Schlagzeuger, dem an man die Jazzprägung anhört. Andrej Polanský trägt mit seinen Riffs und Soli an Viola und Mandoline viel zur Melodiösität der Band bei. Ebenso wie Requena Fuentes, der mit Tastenspiel und Trompete sowohl Soul als auch The Band-Anmutungen andeutet. Ziezling schließlich spielt einen ebenso stoischen wie gewitzten Bass.

Oftmals haben die Songs einen besonderen perkussiven Einstieg, den Widmann auch mimisch unterstreicht, Moraveks Singstimme schmeichelt die Songs über die Bühne zum Publikum, während Polanský mit sichtlicher Spielfreude seine treibenden Soli einstreut. Fuentes und Ziezling scheinen bei der Performance äußerlich das Understatement zu bevorzugen, geben den Songs aber unverzichtbaren, kraftvollen Halt in Melodie und Rhythmus.

Spannende Klangbilder

Michael Moravek und Thomas Waldherr, Copyright: Americana

So entwickelt sich ein spannendes Konzert, in dem die Band immer wieder eingefahrene rockistische Klangbilder überwindet, um zu überraschen und zu erfreuen. Selten gehörte Schlagzeugfiguren und überraschende Wendungen in der Melodieführung schreiben die Songs scheinbar musikalisch fort, erweitern das Folk-Rock Fundament, ohne es gänzlich aufzugeben. Einmal ist Bandleader Moravek selber sichtlich überrascht ob der Spielfreude seiner Band, die noch eine Instrumentalrunde spielt, als er schon die Gitarre abstreifen will.

Die Chemie zwischen den Musikern stimmt, die Stimmung ist durchgehend relaxt und so spielen sie dann am Ende ihres gut zweistündigen Auftritts, nachdem auch Songs aus den Vorgängerplatten „November“ und „Lost“ erklangen, „All That Was Lost Is Found Again“, die Single-Auskopplung des neuen Albums „Deam“. Das Echo aus dem Publikum ist Begeisterung und die Künstler kommen nicht ohne drei Zugaben zu geben von der Bühne.

Ein Konzert, das bleibt

Mit einer der Zugaben beweist Moravek seine musikalische Herkunft und die Band ihre hohe Qualität. Denn Dylans „Simple Twist Of Fate“ hatte der Sänger erst unmittelbar vor dem Konzert als Reminiszenz an die Dylan-Leidenschaft des Americana-Kurators Waldherr ins Programm genommen. Doch die Band meistert das professionell, folgt ihrem Frontmann in die Dylan’sche Geschichte um zufällige und lebenslange Liebe, und findet zur textlichen die richtige musikalische Erzählung.

Michael Moravek & The Electric Traveling Show haben der Americana-Reihe ein ganz besonderes Konzert beschert, das die, die da waren, in Ohren, Seelen und Herzen behalten werden.

Live-Mitschnitt von Michael Moravek & Electric Traveling Show im Februar in Ravensburg:

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