Archive for August 2024

„Don’t Fence Me In“

20. August 2024

Bob Dylans Songbeitrag zum Reagan-Film-Soundtrack ist der Aufreger der Woche. Grund genug, um sowohl auf seine Filmsongs als auch sein Verhältnis zu den US-Präsidenten zu schauen

Copyright: Sony Music Promo

„Don’t Fence Me In“ ist ein sehr bekannter Cowboysong. Aber keiner wie „Home On The Range“ oder die Cowboy-Songs im Repertoire von Leadbelly, die Cowboys selber geschrieben und gesungen haben. Sondern geschrieben 1934 von Cole Porter für einen Film, „Adios Argentina“, der nie produziert wurde. Porter hatte den Text von Robert (Bob) Fletcher, einem Poeten und Ingenieur beim Highway Department von Montana. D.h. der Text atmet tatsächlich Western-Luft. Die Musik schrieb Porter dazu und es wurde ein Cowboy-Song-Klassiker, von dem Cole Porter aber selbst sagte, es wäre der, den er von seinen Kompositionen am wenigsten mochte.

Das tat seinem Erfolg aber keinen Abbruch. Ihn haben die „Singing Cowboys“ Roy Rodgers und Gene Autry geschmettert, Bing Crosby und Frank Sinatra, sogar Clint Eastwood und jetzt also Bob Dylan. An sich kein großes Thema, da Dylan ohnehin einen Hang zum Great American Songbook hat. Doch da der Song zum Soundtrack eines neuen Biopics über Ronald Reagan (Hauptdarsteller Dennis Quaid) gehört, ist das Heulen und Zähneklappern groß.

Keine Unterstützung für die Republikaner

Man kann davon ausgehen- und das habe ich hier schon öfters geschrieben – dass Dylan ein Mann der alten Roosevelt-Koalition ist. Seine Eltern haben als Juden in einer Bergarbeitergegend in Minnesota die Democratic Farmer Labor Party gewählt und Dylan selber hat sich über den demokratischen Senator Paul Wellstone lobend geäußert, ist mit Jimmy Carter befreundet und hat zumindest am Anfang auch Obama unterstützt. Er ist mit dem liberalen Willie Nelson und dem entschiedenen Demokraten John Mellencamp auf Tour, hat die gleichgeschlechtliche Ehe unterstützt und sein Album „Infidels“ ist auch eine kritische Betrachtung Amerikas unter Reagan.

Copyright: Proper Records

Warum zur Hölle, soll er nun mittels eines Songs, der im Abspann eines Films läuft – hier werden die Credits gezeigt, hier geht das Licht an und der Großteil verlässt den Kinosaal – sich für Reagan oder gar Trump aussprechen? Nein, nein, nein. Wie es ein Forumsteilnehmer auf expectingrain treffend formuliert hat: Würde er dies machen wollen, er hätte tausend bessere und offensichtlichere Möglichkeiten dies zu tun.

Interesse an Geschichte, Ironisches Statement und/oder Gefälligkeit für Freunde

Drei Gründe für sein Mitwirken könnten entscheidender sein. Zum einen: Bob hat ein großes Interesse an Geschichte und an Persönlichkeiten, die Geschichte geschrieben haben. Und er hat ein spezielles Faible für die Institution des US-Präsidenten und auch wer sie innehatte. Nur ein paar Beispiele:

  1. Wir erinnern uns gerne an das „Theme Time Radio Hour“-Special zum „President’s Day“, bei dem Dylan viel informatives und unterhaltsames zu den Präsidenten zum Besten gab. Zum Beispiel war es ihm wichtig zu erwähnen, dass Franklin D. Roosevelt als Präsident ein afroamerikanisches Beratergremium hatte.
  2. Dylan war wie viele seiner Generation beeindruckt von JFK und angefasst von dessen Tod. So sehr, dass er fast sechzig Jahre später „Murder Most Foul“ veröffentlichte.
  3. Bei dem Tribute-Konzert anlässlich des Todes von Wood Guthrie spielte er „Dear Mrs. Roosevelt, dass ja eine Hymne für Franklin D. Roosevelt ist.
  4. Und in „Key West“ findet dann auch der ermordete Präsident William McKinley nochmals Erwähnung und zwar genau mit den Anfangszeilen von „White House Blues“ von Charly Poole, das natürlich im oben erwähnten Special auch nicht fehlen durfte.
Copyright: Bullfrog Books

Wenn Bob nun diesen Song zum Reagan-Film-Soundtrack beisteuert, dann möglicherweise genau aus diesem Interesse an den US-Präsidenten. Einem an den sich die US-Linke besonders gerne abgearbeitet hat. Der noch als Gouverneur von Kalifornien mit Gewalt gegen protestierende Studenten vorging, später dann das rassistische Bild der „Welfare Queen“ schuf und dem Kampf gegen die Gleichberechtigung der Afroamerikaner die Maske des „War On Drugs“ aufsetzte. Alles nur, um durch die Spaltung der Arbeiterklasse seine gewerkschafts- und sozialstaatsfeindliche Politik durchsetzen zu können.

Der gleichzeitig als großer Kommunikator gefeiert wurde und doch nichts anderes war, als ein geschickter Verkäufer, Trickser und Blender. Wie P.T. Barnum, wie Buffalo Bill. Ein widersprüchlicher Typ, eine typisch amerikanische Geschichte. Genau der Stoff, den Bob interessiert. Egal, wie das Filmprojekt konkret aussieht.

Vielleicht, so die zweite Möglichkeit, ist der Song ja auch ein ironisches Statement von Dylan. Ein nachgemachter Cowboy-Song für den Fake-Cowboy Reagan. Das Bild mit Westernhut ziert ja das Filmplakat. Dass der Song die grenzenlose und zaunlose Freiheit einfordert, ist angesichts des Booms der Gefängnisindustrie unter diesem Präsidenten auch nochmal eine schöne Pointe. Ob Dylan da so subversiv unterwegs ist? Wir wissen es nicht.

Oder hat das Projekt, so die dritte Möglichkeit, Gene Simmons, Bandleader von „Kiss“ an Dylan herangetragen. Die kennen sich seit gut dreißig Jahren persönlich, als die beiden den Song „Waiting for the Morning Light“ geschrieben haben. 2012 war dann im Dylan-Video zu „Duquesne Whistle“ ein Gene Simmons-Impersonator (oder war er es selbst?) zu sehen. Durchaus einleuchtend, dass Gene Simmons der Link zu Dennis Quaids Filmprojekt sein könnte. Simmons hat sich in der Vergangenheit immer wieder für die Republikaner stark gemacht. Und Dylan hat damit einem Freund einen Gefallen getan? Oder hat er den Song aufgenommen, weil Quaid ein Cousin zweiten Grades von Gene Autry ist. Fragen über Fragen.

Jedenfalls war es wohl ein Freundschaftsdienst bei Tanya Tucker, die ebenfalls auf dem Soundtrack zu hören ist. Die wurde von Dennis Quaid als gute alte Freundin bezeichnet. Der Country-Star ist jedoch längst eine LGBT-Ikone und feste Größe bei der Nashville Pride Parade. Auch hier passt die gesellschaftliche Haltung nicht ganz zu Reagan und den Republikanern.

Gene Simmons, Copyright: Wikimedia Commons

Im Endeffekt scheint der Soundtrack wertiger als das B-Movie zu dem er gehört. Kein Wunder, dass Dennis Quaid sein Glück kaum fassen konnte, dass Bob Dylan und Tanya Tucker dabei sind. Doch das wird dem Film auch nicht helfen.

Fortsetzung der Serie „Schöne Dylan-Songs in schlechtem Umfeld“

Bleibt die Qualitätsfrage der von Dylan mit Songs belieferten Filme. Denn Dylan hat neben den legendären Filmsongs „Knockin‘ On Heavens’s Door („Pat Garrett & Billy The Kid“) und „Things Have Changed“ („Wonder Boys”) für bemerkenswerte Filme, auch so manch suspektes Projekt mit seinen Songs unterstützt. Auch hier einige Beispiele:

  • „Band Of The Hand“ ist ein filmisches Machwerk von 1986, dem Dylan & The Heartbreakers den Titelsong lieferten. Er ist quasi die Umsetzung des Reagan’schen Law & Order und „War On Drugs“ in Spielfilm-Format.
  • „I Belong To You“ für “Natural Born Killers” (1994). Ein Oliver Stone-Film, der eigentlich ein früher Tarantino-Film sein will und daher vieles moralisch relativiert und Gewalt ästhetisiert. Dylans Beitrag stammt aus den „Good As I Been To You“-Sessions.
  • Das wunderbare “Cross The Green Mountain” hat Dylan eigens für den doch sehr fragwürdig-pathetischen Bürgerkriegsschinken „Gods And Generals“ eingespielt.
  • Und auch seine großartigen Performances gehen letztendlich in der filmisch ungenügenden Umsetzung der eigentlich guten Idee von „Maske & Anonymous“ unter.

Dylan und der Film – immer wieder ein schwieriges Thema

Dylan und der Film bleibt somit auch 2024 weiterhin ein schwieriges Feld für unseren Künstler. Freuen wir uns einfach über die schöne Aufnahme, die in ihrer Qualität sicher auf einer Höhe mit  „Tell Ol’ Bill“ („North Country“) und „Waiting For You“ („Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya Sisterhood“) sein wird, weiteren schönen Dylan-Songs, die sich in Film-Soundtracks versteckten.

Freuen wir uns lieber auf „A Complete Unknown“, dem neuen Biopic. Wobei: Gibt es da auch eine neue Dylan-Aufnahm im Soundtrack? Es darf spekuliert werden.

Bob Dylan, Tim Walz und die Minnesota-Demokraten

9. August 2024

Der legendäre Singer-Songwriter ist im Demokraten-Stammland Minnesota aufgewachsen. Tim Walz ist nah an den einfachen Menschen und großer Musik- und Dylan-Fan. Wird Dylan sich öffentlich für Tim Walz und Kamala Harris aussprechen?

Copyright: Wikimedia Commons

Von Bob Dylan ist überliefert, dass er gerne von der „Wilderness“ spricht, wenn es um die Mesabi Iron Range geht, die Bergbau-Region im Nordosten Minnesotas, in der er in Hibbing aufgewachsen ist. Einer eher unwirtlichen Gegend, so ganz anders als die Prairie-Landschaften Minnesotas, die an der westlichen Grenze zu North und South Dakota liegen und die Sinn- und Namensstiftend für Garrison Keillors Radio-Klassiker „A Prairie Home Companion“ sind, der so kongenial vom späten Robert Altman im gleichnamigen Film verewigt wurde.

Die Iron Range- Hochburg der Demokraten

Diese beiden so unterschiedlichen Landstriche zeigen auf, welche Kulturen prägend für den Staat sind. Der industrielle Bergbau im Nordosten, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Viehzucht im Rest des Landes. Dem trug in den 1930er Jahren die linksgerichtete Farmer Labor Party Rechnung. Sie forderte die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien, eine Sozialgesetzgebung sowie Schutzmaßnahmen für den Bauernstand. Sie war in Minnesota sehr erfolgreich: Sie konnte vier US-Senatoren stellen und von 1931 bis 1939 bekleideten Mitglieder der Bauern- und Arbeiterpartei das Amt des Gouverneurs. 1944 schloss sie sich mit den Demokraten unter der Führung des späteren US-Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey zur Minnesota Democratic-Farmer-Labor Party zusammen und ist damit auf Bundesebene Teil der Demokraten.

Iron Range bei Hibbing, Minnesota, Copyright: Wikimedia Commons

Die Iron Range war über Jahrzehnte Stammland der Demokraten, ehe es auch dort aufgrund der industriellen Strukturveränderungen und der Politik der Demokraten auf Bundesebene bröckelte. Zuletzt hat aber gerade der Running Mate von Kamala Harris als demokratischer Gouverneur von Minnesota vieles richtig gemacht. Tim Walz spricht die Sprache der einfachen Menschen und verbindet linksliberale und soziale Politik, so dass Minnesota wieder eine demokratische Renaissance erlebt.

In der demokratisch geprägten Iron Range wuchs also der junge Bobby Zimmerman auf. Auch er wird in Hibbing die Democratic Farmer Labor Party wahrgenommen haben. Der jüdische Teil der amerikanischen Bevölkerung gehörte zur Roosevelt-Koalition, die weiße Arbeiter, Schwarze, Juden, Italiener und Iren unter ihrem Dach zu vereinte. Über die Nähe des liberalen amerikanischen Judentums zur schwarzen Bürgerrechtsbewegung habe ich an dieser Stelle schon hingewiesen. Bobby Zimmerman fuhr als Junge in den Ferien ins zionistische Jugend-Camps. Die waren damals an der links-zionistischen israelischen Kibbuz-Bewegung orientiert.

Bob Dylan bleibt immer ein Teil des progressiven Amerikas

All das hat den jungen Bobby Zimmerman sicher in seinen Einstellungen und Verhaltensmustern geprägt. Und solche frühzeitig erworbenen Vorstellungen bleibt man doch oftmals auch im späteren Leben treu. Auch wenn Dylan sich mit orthodoxem Judentum und evangelikal-fundamentalistischem Glauben beschäftigt hat – immer wieder fand er heraus. Dylan bleibt immer ein Teil des progressiven Amerikas. Er ist mit Jimmy Carter und Willie Nelson befreundet. Und bleibt ein kritischer Begleiter. Spielte bei Bill Clintons Inauguration und danach nie wieder bei einer. War kurzzeitig von Obama begeistert und definierte in einem Vorwahl-Interview 2012 mit der Londoner „Times“ Armut als das größte Problem Amerikas. „Armut ist demoralisierend“, sagte er. „Man kann von Menschen, die arm sind, nicht erwarten, dass sie die Tugend der Reinheit besitzen. Aber wir haben da draußen jetzt diesen Mann, der die Natur der Politik von Grund auf neu definiert – Barack Obama. Er definiert neu, was ein Politiker ist, also müssen wir abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Habe ich Hoffnung? Ja, ich habe Hoffnung, dass sich die Dinge ändern könnten. Manche Dinge werden sich ändern müssen.“

Aber schon bald ging er auf Distanz zu Obama, was möglicherweise damit zusammenhing, dass dieser Präsident seine Hoffnungen nicht erfüllte und gerade während der Finanzkrise nichts gegen die Armut und nichts für die kleinen Sparer und Eigenheim-Besitzer gemacht hat.

Senator Paul Wellstone,Copyright: Wikimedia Commons

In der Vergangenheit hat Dylan sich schon einmal öffentlich zu einem demokratischen Politiker aus seinem Heimatstaat geäußert. Senator Paul Wellstone war ein volkstümlicher Held für die Stahlarbeiter und Gewerkschafter der Iron Range Region. Im Oktober 2002, kurz nach dem Unfalltod Wellstones, widmete Dylan ihm ein Lied. „Dieses Lied war für meinen Mann, den großen Senator aus Minnesota“, sagte Dylan, sagte er bevor er eine Akustikversion von „The Times They Are A’Changin’“ zu Ende spielte. Wieder ein klarer Hinweis, wie sehr Dylan immer noch von seiner Heimatregion geprägt ist.

Tim Walz: der progressive Midwestern Dad

Nun hat Minnesota wieder einen volkstümlichen linken Demokraten an der Spitze, der nun sogar als Kandidat für das Amt des Vize-Präsidenten kandidiert und damit der Running Mate von Kamala Harris ist. Dass die Wahl auf Tim Walz, dem Gouverneur eines Staates des Mittleren Westens, fiel, zeigt, dass die Demokraten seit Clinton und Obama dazu gelernt haben. Sie hatten über Jahre das sogenannte „Fly Over Country“ völlig ignoriert, insbesondere Hillary Clinton hatte u.a. auch wegen dieser eigenen Ignoranz die Wahl 2016 verloren. Dass nun ausgerechnet aus Pennsylvania, Kentucky, North Carolina, Michigan und Arizona eine Großzahl von neuen Hoffnungsträgern der Demokraten kommt, zeigt eine neue Verbundenheit zur sozialen Frage. Selbst Partei-Zentrist Biden hatte ja das größte US-Investitionsprogramm seit dem New Deal von Roosevelt ins Rollen und damit die Wirtschaft zum Boomen gebracht.

Und so könnte das wieder eine ähnlich große Koalition werden, wie sie auch Roosevelt, Kennedy, Clinton und Obama ins Amt gebracht haben. Harris steht vor allem für Schwarze, Frauen und Liberale von den Küstenstreifen. Tim Walz gelingt es als eher linkem Politiker trotzdem gerade auch die einfachen, konservativeren Menschen im Landesinneren anzusprechen. Er spricht ihre Sprache. Seine Biographie ist dabei so traditionell amerikanisch, dass er für moderate Konservative, die selber auch nichts mit den Büffelfell und Hörner tragenden Capitol-Stürmern anfangen können, absolut wählbar ist.

Im Midwest-Staat Nebraska geboren und aufgewachsen, hat ihn die Liebe nach Minnesota verschlagen. Er hat 24 Jahre hat er in der Nationalgarde gedient. Er hat in einer staatlichen Bildungseinrichtung das Lehramt studiert und dann einige Jahre als Lehrer gearbeitet. Und da die Amerikaner Sportgeschichten lieben, ist es natürlich eine großartige Story, dass er in dieser Zeit auch als Football-Trainer aus einem Verliererteam eine Erfolgsmannschaft geformt hat. Walz ist damit so etwas wie der „Coach Carter“ (legendärer Basketball-Trainer) oder der „Buttermaker“ (Baseball-Film „Die Bären sind los“) der amerikanischen Politik. Und er ist bekennender Vater, wird gerne als der typischer „Midwestern Dad“ bezeichnet. 2019 setzte er sich gegen den republikanischen Mitbewerber durch und wurde Gouverneur von Minnesota. Sein Vorsprung war der größte bei einer Gouverneurswahl seit 1994 sowie der höchste Sieg für die Demokraten seit 1986.

Tim Walz im Gespräch, Copyright: Wikimedia Commons

Football-Coach und Musik-Fan

Und er ist ein großer Musik-Fan. So schrieb die Variety“ dieser Tage: „Unter den vielen Dingen, die ein tiefer Einblick in die sozialen Medien offenbart, erstreckt sich Walz‘ musikalischer Horizont weit und über Jahrzehnte. Er ist nicht nur ein Swiftie, sondern auch Mitglied des Beyhive [dem Byoncé-Fanclub, Anm. d. Verf.]. Er liebt klassischen Rock – von Warren Zevon will man erst gar nicht anfangen – und ist ein Kenner des Vinyl-Formats. Oh, und er kommt vielleicht nicht aus New Jersey, aber er liebt Bruce Springsteen. Das heißt aber nicht, dass er Minnesota nicht vertritt: Er ist ein Prince-Fan und hat in einer Erklärung die Replacements und Lizzo namentlich erwähnt.“ Er ist auch von den musikalischen Beiträgen Minnesotas so begeistert – neben Dylan stammen auch Prince, Hüsker Dü und die Andrew Sisters aus dem Nordstaat – so dass er den Minnesota Music Month ins Leben rief, der seit 2019 jährlich im April zelebriert wird.

Und natürlich ist er Bob Dylan-Fan. Als bekennender Dad hat Tim Walz 2021 zu Dylans 80. Geburtstag dessen „Forever Young“ als seinen Lieblings-Dylan-Song bezeichnet. Und 2023 eröffnete Walz die Gastspiele des Broadway-Musicals „Girl From the North Country“, dessen Musik auf Bob Dylan-Songs basiert, in Minneapolis, im dortigen Orpheum Theatre, das von 1979 bis 1988 Dylan selbst gehörte: „Es gibt keinen besseren Ort, um ‚Girl From The North Country‘ – eine Geschichte, die in Duluth spielt und zur Musik von Bob Dylan gehört – zu eröffnen, als hier in Minnesota im Orpheum.“

Copyright: 2024 GIRL FROM THE NORTH COUNTRY

Wird Dylan sich öffentlich positionieren?

Jetzt stellt sich wirklich die Frage: Wird Dylan angesichts seines Landsmannes als Running Mate, der ein Herz für die einfachen Menschen aus Midwest hat und die soziale Frage am Herzen liegt, sich öffentlich vor der Präsidentschaftswahl positionieren? Wenn überhaupt, wird er das wohl in seiner typischen Art verklausuliert machen. Aber man wird jetzt noch genauer auf die wenigen, nicht gesungenen Worte auf der Bühne achten. Von all seiner Kunst, seiner Herkunft und seinem Umfeld her, weiß man ohnehin wo er steht. Und wer weiß: Vielleicht trägt Tony Garnier diesmal einen Harris/Walz-Button beim Konzert…