Archive for Juli 2024

“You Can’t Judge a Book by the Cover”

26. Juli 2024

“A Complete Unknown”: Bitte erst den fertigen Film schauen, dann urteilen

Die aufgeregten News über die Dreharbeiten mit Timothée Chalamet als Bob Dylan führten in den vergangenen Monaten zu ebenso aufgeregten Reaktionen. Da wollten doch tatsächlich einige den Film und die Qualität der Dylan-Darstellung von Chalamet an den Stills der Dreharbeiten festmachen. „Nein, der passt doch nicht!“ oder „Der sieht Dylan ja gar nicht ähnlich!“ Auch bei dem soeben veröffentlichten ersten Trailer waren die Reaktionen ähnlich. Denen sei mit dem guten alten Willie Dixon Songtitel geantwortet: „You Can’t Judge a Book by the Cover“!

Kein Ähnlichkeits-Wettbewerb

Schauspielerei ist kein Impersonator-Contest und auch kein modeln. Dass jemand in die Rolle eines anderen schlüpft und man es ihm abnimmt, hat viel damit zu tun, ob das Innere und das Äußere passt. Natürlich kann Dylan nicht von einem blonden Hünen gespielt werden. Aber ein paar Zentimeter Körpergröße, eine andere Augen- oder Mundpartie geben nicht darüber Aufschluss, ob die Darstellung am Ende passt. Es müssen der Charakter der Person durch das Spiel erkennbar sein, der Tonfall, die Bewegungen, die Präsenz, die Formulierungen müssen sitzen. Best Practise: Joaquin Phoenix als Johnny Cash.

Andere Kritikaster finden Biopics per se überflüssig oder anmaßend. Okay, Ihr müsst es ja auch nicht anschauen. Und ja: Ich bin immer für Popularisierung zu haben. Keiner muss Bob Dylan-Fan werden. Keiner soll und muss sich so tiefschürfend wie wir „Dylanologen“ in Werk und Wirken des Meisters hineinfressen. Aber die Bedeutung, die dieser Künstler hat, welche musikhistorischen Augenblicke mit ihm verbunden sind – das sollten so viele Menschen wie möglich wissen. Und wenn am Ende ein gutgemachtes, unterhaltsames Biopic wie bei Johnny Cash herauskommt, ist alles Gut.

Der Regisseur versteht sein Metier

Dafür steht James Mangold. Mangold ist als Regisseur eher Kunsthandwerker denn Künstler, aber er versteht sein Metier. Das war bei „Walk The Line“ so, das wird bei „A Complete Unknown“ hoffentlich auch so sein. Beim Blick auf den Cast war und ist Chamalet einfach erste Wahl. Sowohl vom schauspielerischen Können, als auch von seiner Bekanntheit. Wenn junge Menschen über ihn Bob Dylan, kennenlernen – why not?

Gespannt darf man auf die weiteren Hauptfiguren sein. So gerne hätte ich Benedict Cumberbatch als Pete Seeger gesehen, doch da das Filmprojekt erst wegen Corona und dann wegen der Hollywood-Streiks immer wieder verschoben werden musste, konnte der Sherlock Holmes-Darsteller nicht in die Rolle des Folk-Mentors schlüpfen. Edward Norton hat ihn ersetzt. Ellen Fanning spielt Suze Rotolo, die in dem Film nicht so heißen darf, sondern hier Sylvie Russo heißt. Joan Baez wird von Monica Barbaro gespielt und Johnny Cash von Boyd Holbrook. Hier heißt es abwarten, ob die Figuren den realen Vorbildern entsprechen. Sylvie Russo (Suze Rotolo) beispielsweise darf dann natürlich kein Prinzesschen sein, sondern muss eine junge, gebildete, engagierte Aktivistin sein, die mit ihren politischen Ansichten sowie ihren Kunst- und Literaturkenntnisse entscheidenden Einfluss auf Dylans damaliges Songwriting hatte.

Stimmen die Figuren, wird die richtige Geschichte erzählt?

Das Drehbuch basiert auf Elija Walds großartigem Buch „Going Electric“. Das lässt hoffen, dass der Film plausibel ist und historisch sowohl die Verhältnisse als auch die damaligen Protagonisten richtig einordnet. Geschrieben haben es James Mangold und Jay Cocks. Cocks war als Drehbuchautor u.a. an so unterschiedlichen Filmen wie Martin Scorseses „Gangs Of New“ und „De-Lovely“, dem Cole Porter-Biopic von Irwin Winkler beteiligt. Wir haben es hier also hier mit einem erfahrenen und renommierten Autor zu tun.

Als Co-Produzenten zeichnen u.a. Dylans Manager Jeff Rosen und Dylan selbst verantwortlich. Da Dylan bekanntermaßen nie wirklich großen inhaltlichen Einfluss auf solche Projekte nimmt – siehe das Musical „Girl From The North Country“ oder die Ausstellungen und Veranstaltungen des Bob Dylan Centers in Tulsa – sollten wir uns vor einer Seligsprechung oder reiner Lobhudelei nicht fürchten müssen.

Der Film soll in den USA im Dezember, in Großbritannien und Irland im Januar starten und ist dann vorerst nur in Kinos zu sehen. Ein deutscher Starttermin ist noch nicht bekannt.

Ich freue mich auf den Film!

27 mal 74

14. Juli 2024

Bob Dylans 1974er Tour wird von Sony Music mit einer aufwändigen CD-Retrospektive im Umfang von 27 CDs gewürdigt

Copyright: Sony Music

Inhaltlich hatte ich bereits am 5. Januar an dieser Stelle anlässlich des 50-jährigen Jubiläums an Bob Dylans 1974er Tour erinnert:

www.cowboyband.blog/2024/01/05/vor-50-jahren-bob-dylans-zwiespaltiger-triumphzug/

Zwiespältiger Triumphzug

Es war wirklich ein zwiespältiger Triumphzug. Die Akteure konnten sich aufgrund der bis dahin im Rock-Business nicht dagewesenen Kartennachfrage ihres Status sicher sein und wurden auf Händen getragen. Dafür ließen sie sich aber künstlerisch auf zu viele Kompromisse ein, indem sie die erwarteten Rollen spielten. Levon Helm erinnerte sich später: „Manchmal hatte ich das komische Gefühl, dass wir die Rollen von Bob Dylan und The Band spielten und das Publikum dafür bezahlte, um zu sehen, was es vor vielen Jahren verpasst hatte.“ Auch Dylan hatte Probleme mit der Rolle, die er in dieser Tour spielte, und sagte nachdenklich 1980 in einem Interview: „Als Elvis 1955 ‚That’s All Right, Mama‘ spielte, war es Sensibilität und Kraft. 1969 war es einfach pure Kraft. Dahinter steckte nichts anderes als nur Gewalt. Ich bin auch in diese Falle getappt. Nehmen Sie die Tour von 1974. Es ist ein sehr schmaler Grat, den man beschreiten muss, um mit etwas in Kontakt zu bleiben, wenn man es einmal erschaffen hat … Entweder es hält einem stand oder nicht.“

Nichtsdestotrotz: Ein einziger Dylan-Rausch

Nichtsdestotrotz war es ein riesiger Dylan-Rausch, der mit „Before The Flood“ bislang auf offiziellen Tonträgern nur unzureichend dokumentiert wurde. Nun wird am 20. September mit der neuen 27-CD-Box „The 1974 Live Recordings“ alles veröffentlicht, das damals professionell mitgeschnitten wurde. Und damit wohl auch das Copyright für diese Musik gewahrt. Da aber viele Dylan-Fans ohnehin alles schon haben, stellten sich die Fragen: „Braucht man das? Und für diesen Preis?“.  Der Preis, der bei den führenden Anbietern derzeit 119 Euro für die 27 CDs beträgt, ist, gegenüber dem zwischen 89 und 109 Euro rangierenden Preis für die fünf „Fragments“ CDs, allerdings geradezu ein Schnäppchen. Noch dazu gibt es viele Fotos und neue Liner Notes der Journalistin Elisabeth Nelson. Und in der Box stecken dann folgende Konzerte:

Disc 1: January 3, 1974 – Chicago Stadium, Chicago, IL

Disc 2: January 4, 1974 – Chicago Stadium, Chicago, IL

Disc 3: January 6, 1974 (Afternoon) – The Spectrum, Philadelphia, PA

Disc 4: January 6, 1974 (Evening) – The Spectrum, Philadelphia, PA

Disc 5: January 7, 1974 – The Spectrum, Philadelphia, PA

Disc 6: January 9, 1974 – Maple Leaf Gardens, Toronto, Canada

Disc 7: January 11, 1974 – Montreal Forum, Montreal, Canada

Disc 8: January 14, 1974 (Afternoon) – Boston Gardens, Boston, MA

Disc 9: January 15, 1974 – Capital Centre, Largo, MD

Disc 10: January 16, 1974 – Capital Centre, Largo, MD

Disc 11: January 17, 1974 – Coliseum, Charlotte, NC

Disc 12: January 19, 1974 (Afternoon) – Hollywood Sportatorium, Hollywood, FL

Disc 13: January 21, 1974 – The Omni, Atlanta, GA

Disc 14: January 22, 1974 – The Omni, Atlanta, GA

Disc 15: January 26, 1974 (Afternoon) – Hofheinz Pavilion, Houston, TX

Disc 16: January 26, 1974 (Evening) – Hofheinz Pavilion, Houston, TX

Disc 17: January 30, 1974 – Madison Square Garden, New York City, NY

Disc 18: January 31, 1974 (Afternoon) – Madison Square Garden, New York City, NY

Disc 19: January 31, 1974 (Evening) – Madison Square Garden, New York City, NY

Disc 20: February 9, 1974 (Afternoon) – Seattle Center Coliseum, Seattle, WA

Disc 21: February 9, 1974 (Evening) – Seattle Center Coliseum, Seattle, WA

Disc 22: February 11, 1974 (Afternoon) – Alameda County Coliseum, Oakland, CA

Disc 23: February 11, 1974 (Evening) – Alameda County Coliseum, Oakland, CA

Disc 24: February 13, 1974 – The Forum, Inglewood, CA

Disc 25: February 14, 1974 (Afternoon) – The Forum, Inglewood, CA

Disc 26: February 14, 1974 (Evening) – The Forum, Inglewood, CA (Pt. 1)

Disc 27: February 14, 1974 (Evening) – The Forum, Inglewood, CA (Pt. 2)

Copyright: Sony Music

Der Chronist freut sich daher vor allem auch auf die Version von Mr. Tambourine Man vom Abendkonzert in Los Angeles am 14. Februar, bei der Garth Hudson Akkordeon spielte, in bester Tonqualität.

In Verbindung mit „The 1974 Live Recordings“ hat Jack Whites Third Man Records übrigens die Veröffentlichung von „The 1974 Live Recordings – The Missing Songs From Before the Flood“ für September angekündigt, ein 3-LP-Set, das handverlesene Versionen aller Songs enthält, die Bob Dylan damals aufgenommen hat und die nicht auf dem Original-Livealbum von 1974 enthalten waren. Das Set ist ausschließlich auf farbigem Vinyl gepresst und wird über The Vault erhältlich sein, Third Mans Direktversandservice.

417 bislang unveröffentlichte Live-Tracks

Für die 27-CD-Box verspricht die Plattenfirma: „‘The 1974 Live Recordings‘ bietet den Fans 417 bisher unveröffentlichte Bob-Dylan-Live-Tracks – darunter 133 neu abgemischte Aufnahmen von 16-Spur-Bändern und jede einzelne überlebende Soundboard-Aufnahme.“ Und weiter: „Bob Dylan und The Band traten zum ersten Mal in Arenen auf und spielten 30 Konzerte in 42 Tagen (oft mit zwei Sets pro Tag) vor durchschnittlich 18.500 Zuschauern – und setzten damit neue Maßstäbe dafür, wie Rockkonzerte aussehen und klingen können.“

Der Rolling Stone lobte damals die Energie, die Dylan & The Band auf die Bühne brachten. Doch bei Dylan machten sich am Ende doch Zweifel breit. Danach sollte er damit beginnen, die Erwartungen des Publikums immer mehr zu unterlaufen. Dieser Rausch, diese „Dylan-Mania“ kam in dieser Form nicht mehr auf. Doch die Rolling Thunder Review oder die 1978er-Tour begeisterten auf ganz andere Art. Abgesehen von den späteren Touren wie die „Rough And Rowdy Ways-Tour“, wo er sich im Grunde vollständig vom Greatest Hits-Konzept distanziert.

Und doch ein Meilenstein in Dylans Karriere

Die 1974er-Tour bleibt aber trotz all dieser Widersprüchlichkeiten als Comeback-Tour ein Meilenstein in Dylans Karriere. Gut, dass nun so viele Konzerte und Songversionen zugänglich gemacht worden sind. Der Chronist freut sich und wird über das Hör-Erlebnis berichten.

Mehr denn je „Piano Man“

12. Juli 2024

Ein Blick auf den ersten Abschnitt der Outlaw-Tour und darauf, was im Herbst kommt

Just als die Outlaw Festival-Tour losgehen sollte, fehlte der Hauptakteuer. Willie Nelson, Countrylegende und heuer 91 Jahre alt geworden, war krank und von seinen Ärzten aus dem Verkehr gezogen worden. So gingen die ersten acht Termine dieses am 21. Juni gestarteten Americana-Gipfeltreffens – auf dem Programm stehen in den insgesamt drei Tourabschnitten Bob Dylan, Robert Plant und Alison Krauss, John Mellencamp, Celisse, Brittney Spencer und Southern Avenue, für einen Termin auch Billy Strings – ohne den Initiator und Spiritus Rektor dieser Konzertreise über die Bühne. Erst am 4. Juli, bei seinem traditionellen Konzerttermin am amerikanischen Unabhängigkeitstag konnte er zu seinen Freunden dazustoßen und auf die Bühne zurückkehren. Währen seiner Abwesenheit vertrat ihn sein Sohn mit einem „Willie-Best Of“, unterstützt von Gast-Stars wie Susan Tedeschi und Derek Trucks.

Dylans neues Konzertformat

Bei so viel Zusammentreffen alter Helden, fühlte sich dann wohl auch Dylan bemüßigt, für diese Tour auf seinen alten, auch schon 81-jährigen, Freund Jim Keltner als Drummer zu berufen. John Pentecost war damit gerade mal etwa ein Jahr an den Stöcken der Bob Dylan-Band. Überraschenderweise wurde dagegen Donnie Herron, der in der Band fast 20 Jahre für Pedal Steel, Mandoline, Banjo und Trompete zuständig, ersatzlos gestrichen. Eine ungewöhnliche Maßnahme, die nicht alle Dylan-Fans goutierten.

Und als dann die ersten Setlists und die Ton- und Bilddokumente auftauchten, da stand zweierlei fest:

  1. Die Rough And Rowdy Ways-Tour ist vorerst zu Ende oder ausgesetzt
  2. Herr Dylan spielt wieder einmal was er will

Aber hat er auch einen Plan oder würfelt er einfach? Schnell wurde klar, dass wir eine Art Tempest-Revival-Tour erlebten. Zwei bis drei Songs alleine vom vorletzten Album von 2012 (Und ein „Tempest“-Shirt unter den Tour-Devotionalien!). Dazu zwei von Highway 61 Revisited, zwei von „Time Out Of mind“, völlig kam überraschend „Under The Red Sky“ wieder zu Konzert-Ehren, daneben wenige Songs, die schon im RARW-Programm waren wie „I’ll Be Your Baby Tonight“ und einige Rückkehrer wie „Simple Twist Of Fate“ oder „Ballad Of A Thin Man“.

Viele Coverversionen

Vor allem aber fielen auch hier die vielen Cover-Songs auf. „Little Queenie“ von Chuck Berry und „Mr. Blue“ des fast vergessenen Gesangsrios „The Fleetwoods“ wurden bald zu Regulars der Konzerte. So formte sich im Laufe dieses Tourabschnitts eine Setlist heraus. Aber was sein künstlerisches Konzept dahinter ist, das harrt der Dechiffrierung. Oder braucht man gar nicht da hineinzugeheimnissen?

Der Sound der Dylan-Konzerte war sicher minimalistischer als in den letzten Jahren. Gitarren, Drums und Dylans Piano – das muss reichen. Er ist momentan mehr denn je „Piano Man“. Die Arrangements waren durchaus richtig gut, sie hätten aber auch opulenter instrumentiert sein können.

Doch das alles tat der Begeisterung keinen Abbruch wie Augen- und Ohrenzeugen berichten. „Robert Plant und Alison Krauss waren stimmlich super, aber Stimmung kam erst bei Dylan auf. Aber er schlurfte mit Handtuch überm Kopf auf die Bühne, verschwand hinter dem Klavier, sprach nichts, sang, das aber fantastisch, und ging“, erinnert sich eine gute Freundin, die beim Konzert am Jones Beach in Wantagh, NY am 29. Juni vor Ort war. Also typisch Dylan.

Der war musikalisch gut aufgelegt, wie berichtet wird.  Er und sein Piano standen im Mittelpunkt der Konzerte. Am Ende des ersten Tourabschnitts kam dann jeden Abend Micky Raphael, Willie Nelsons legendärer Mundharmonika-Virtuose und begleitete Dylan bei „Simple Twist Of Fate“. Herzerweichend schön!

Viele Fragen

Nun schauen alle auf den nächsten Abschnitt der Tour. Wird Willie alle Konzerte spielen? Verändert Bob sein Konzertformat und seine Band erneut? Fragen über Fragen.

Dahinter wabern weitere Fragen. Nach dem nun für den 20. September die 27-CD-Box zur 1974er Tour angekündigt worden ist, stellt sich dennoch die Frage nach einem neuen Album mit Originalsongs. Ein Indiz dafür könnte die Setlist sein. Ein Zeugnis des Übergang von Rough And Rowdy Way to some completely different? Ein Indiz dagegen, dass belastbare Quellen von Herbstkonzerten in Europa sprechen. London und Edinburgh wurden gerüchteweise schon als mögliche Spielorte genannt.

Also bleibt es bei den immerwährenden Dylan-Themen Album und Tour wieder einmal dabei: „Something is happening here and we don’t know what it is“

Brian Junker-Latocha: Rhythm & Rhyme

7. Juli 2024

Das Debüt-Album des in Deutschland lebenden US-Amerikaners bietet Singer-Songwriter-Folk as it’s best

Brian Junker-Latocha. Copyright: http://www.felixrosic.de

Wow, das geht schon richtig gut los. „Love Me For A Minute” ist beschwingt und hat Ohrwurm-Qualitäten. Der originelle Promotext zum Album hat nicht zu viel versprochen: „Brian Junker-Latochas rhythmische Americana-Wurzeln und mitreißende Folkpop-Melodien sind das Ergebnis davon, wenn man einen amerikanischen Gitarristen von der Ostküste in den fruchtbaren deutschen Boden steckt und etwas Bier darüber gießt.“

Der in Florida und Virginia aufgewachsene Brian ist wegen des Studiums nach Europa gekommen und hat dann in der Rhein-Main-Region Wurzeln geschlagen. Gut für die deutsche Americana-Szene, denn die kann sich über einen äußerst talentierten Musiker freuen, der mit „Rhytm & Rhyme“ nun sein erstes Album unter seinem bürgerlichen Namen und mit eigenen Songs vorlegt. Als Brian Kenneth hat er einige Jahre schon mit seinen wundervollen Adaptionen traditioneller amerikanischer und irischer Folksongs begeistert, jetzt war es an der Zeit sich selbst in Songs auszudrücken.

Und wie er es tut! Es ist ein wunderschön zu hörender, ganz entspannter Folk-Pop, der sich da enthaltet. Nach dem Auftaktsong über den Brian sagt „melancholische Strophen und fröhliche Refrains machen eine traurige Situation bittersweet“, folgen eine ganze Reihe von Songperlen. „Strum One More Love Song“ feiert die offenen Bühnen der Rhein-Main-Region, auf denen, so Brian, „düstere Worte und fröhliche Töne die Gemüter des Publikums und des Künstlers zugleich trösten“.

Doch auch wenn die Stimmung des Albums vorwiegend lässig und entspannt ist, bleibt Brian seinen musikalischen Wurzeln treu. In „Flooding On The James“ singt er ein „appalachisches Katastrophenlied, das die Kraft der Liebe auch im Angesicht des sicheren Todes beschwört“.

Copyright: Brian Junker-Latocha

Schönster Song des Albums ist wohl „The City Slicker“, der wohl am nächsten am traditionellen Folk ist. Was Brian als „Sommertraum eines Großstadtmenschen mit dem Kopf in den Appalachen-Bergen“ bezeichnet ist ein altes Thema im Folk. Die Sehnsucht der Menschen in den Großstädten des Nordens nach der Landschaft des Südens. Ob es die Schwermut über die Ferne der Heimat ist wie bei Jimmie Rodgers Klassiker „Miss The Mississippi And You“ oder die Liebe des überzeugten Großstadtmenschen zu den Bergen – immer geht es um Sehnsuchtsorte, ohne die die Menschen wohl nicht leben können.

Mit „In a Jiff“ schließt das Album dann mit einer klugen Reflexion über die Zufälle im Leben und wie gut es ist, positiv nach vorne zu blicken. Diese positive Stimmung ist, die das Album ausmacht. Auch bei Katastrophen, auch in schwierigen Zeiten behält Brian Junker-Latocha seinen Optimismus. Ein tröstliches Album angesichts des Zustands unserer Welt.

Das Album wird vertrieben über: alle Streaming- Plattformen (https://listen.music-hub.com/UJeuyU), über Bandcamp, als Download für 10€ (https://brianjunkerlatocha.bandcamp.com/album/rhythm-rhyme) sowie bei Konzerten auf einer USB-„Holzplatte“ für 10€.

Brian Junker-Latocha tritt am 31. Oktober bei der großen Jubiläumsveranstaltung „10 Jahre Americana in Darmstadt“ auf.