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„Street Rock“: Hip Hop und Protestkultur

19. Januar 2018

Die Themen „Protestsongs“ und „politische Lieder“ werden mich das ganze Jahr über begleiten. Nach dem großen Woody Guthrie-Tribute in Darmstadt und den „Lovesongs For Freedom & Equality“ am 27. Januar im Frankfurter „Bett“ später im Jahr u.a. auch wieder bei Seminaren für die Volkshochschule Darmstadt und die Fridtjof Nansen-Stiftung.

Die amerikanische Folkmusikerin Ani DiFranco hat in einem starken Interview für die Zeitschrift „Folker“ u.a. auch gefordert, „unsere Vorstellung von dem zu erweitern, woher die Protestkunst kommt“ und damit auch viele Hip Hop-Künstler gemeint.

Hip Hop als emanzipatorische Bewegung gegen Ungleichheit und Rassismus
Und in der Tat viele denken bei Hip und Rap leider vor allem an Goldkettenbehängte „Gangsta“-Rapper, die voller Stolz ihre Gewaltbereitschaft, ihre Geldgeilheit und ihre Frauenfeindlichkeit zur Schau stellen. Dies ist der tragische Teil der Geschichte des Hip Hop, der eigentlich als emanzipatorische Bewegung gegen soziale Ungleichheit und Rassismus in den schwarzen Ghettos Ende der 1970er entstanden ist und so etwas wie eine Nachfolge des Black Power Soul & Funk der frühen 1970er Jahre war.

Das Musikbusiness ist aber oftmals unerbittlich und hat vorwiegend das Vermarktungsinteresse im Blickpunkt. Und als man in den 1990er Jahren bemerkte, das die simpleren, Gewalt, Obszönität und Kriminalität verherrlichenden Rap-Texte sich bei Jugendlichen besser verkaufen ließen, als anspruchsvollere und gesellschaftskritische Texte, da baute sich jedes Label seinen „Gangsta“ auf und man förderte die Konkurrenz im Plattenverkauf und in der Fan-Community durch eine mal inszenierte, mal echte, mal richtig mörderische Konkurrenz im echten Leben. Anstatt sich kollektiv für die gesellschaftliche Gleichheit der Schwarzen in den USA einzusetzen, bedienten die Gangsta-Rapper weiße Vorurteile und boten dem weißen Publikum gleichzeitig das altbekannte ambivalente Faszinosum des „animalischen Schwarzen“. Das Musikbusiness hatte die gesellschaftskritische Wurzel des Hip Hop zumindest phasenweise erfolgreich getilgt.

Mittlerweile ist der absolute Siegeszug des Gangsta-Rap längst gebrochen und die Hip Hop Kultur als soziale Protestbewegung wieder in den Vordergrund gerückt. In den USA zieht sich eine Linie von Kurtis Blow über Public Enemy, Arrested Development und den Black Eyed Peas hin zu aktuellen Acts, die immer wieder den Hip Hop gesellschaftskritisch und nicht hedonistisch begründen. In dieser Art hat sich auch eine Spielart von Hip Hop in den französischen Banlieues von Paris und Marseille etabliert.

Trifft der „Hip Hip-Godfather“ den „Songwriter-Papst“
Hip Hop ist heute eine globale Musik und daher ihr Einfluss auf andere Musikgenres beträchtlich. Da passt es doch, nochmal in die frühen Jahre des Hip Hop zu gehen und an eine besondere Zusammenarbeit zu erinnern. Kurtis Blow, „Godfather“ des Hip Hop und Bob Dylan haben 1986 zusammen einen Song namens „Street Rock“ aufgenommen. Bob Dylan, der ja 1965 mit „Subterranean Homesick Blues“ einen Song aufgenommen hat, der durchaus Rap-Gesang-Qualitäten hat und gleichzeitig immer noch als Protestsänger wahrgenommen wird, scheint für Kurtis Blow ein Wunschpartner für diesen „Protestsong“ gewesen zu sein. Gleichzeitig war Bob Dylan in den 1980er Jahren sehr an der neuen Sprechgesangspoesie interessiert. Während für viele Dylan-Afficionados dieses Duett als Symptom von Dylans künstlerischer Krise in den 1980ern angesehen wird , halte ich es für eine Verbeugung Dylans vor dieser afroamerikanischen Musikkultur und bestätigt für mich wieder einmal seine offene und interessierte Haltung gegenüber allen Musikstilen, die ihn seit jeher ausgezeichnet hat.

Hören wir hier also nun „Street Rock: