Archive for the ‘Singer-Songwriter’ Category

Was bringt das Dylan-Jahr 2013?

17. Dezember 2012

Alle Jahre wieder der Rückblick und Ausblick. Da es unser Freund,
trotz seiner weltwDylan_backeiten Kunstausstellungen, scheinbar weiterhin nicht lassen kann, Platten aufzunehmen und auf Tour zu gehen, macht die Titelfrage immer noch Sinn und das dahinter steckende rumspekulieren immer noch Freude.

Das Jahr 2012 war für Dylan und seine Fans geprägt durch zwei Höhepunkte und einem (vermeintlichen) Kontrapunkt. Anfang des Jahres elektrisierte die Nachricht, dass Bob wieder im Studio gewesen sei, alle gleichermaßen. Das dann im September erschienene Werk „Tempest“ lohnte das Warten und ist ein fabelhaftes Alterswerk geworden. Dass es jetzt bei den Grammy-Nominierungen leer ausging, ist völlig unverständlich.

Zwischen Aufnahme und Erscheinen der Platte lag wieder eine ganze Reihe von Konzerten. Insbesondere die Sommertour durch Europa war sensationell. Wer ihn an einem lauen Sommerabend im Bad Mergentheimer Schlosshof sehen konnte, erlebte eines der besten Dylan-Konzerte überhaupt. Wie er sich den ganzen Abend nicht mehr vom Flügel lösen konnte und voller Spielfreude und Genialität wunderbare Versionen seiner Songs zum Besten gab, war einfach nur überirdisch.

Doch im Herbst der Kontrapunkt. Wieder ließ sich Dylan zu dem nicht stimmigen Doppelpack mit Mark Knopfler hinreißen. Und wieder verlor er. Denn: Ein abstrakte Werke schaffender Picasso hat auf dem Kunsthandwerkermarkt gegen den farbenfrohen Pinsler naiver Malerei kaum eine Chance. Die Folge: Schmähende Kritiken und wieder einmal die Bitte, er möge doch aufhören. Aber wenn auch die Konzerte nicht die Klasse des Sommers hatten, so wussten Ohrenzeugen doch von starken Auftritten zu berichten.

Für das kommende Jahr gibt es gerüchteweise natürlich wieder Tourpläne. Japan sei anvisiert. Und Sony wird uns wohl mit den Bootleg Series Volume 10 beglücken. Die englischen Dylan-Afficionados von ISIS spekulieren über Material von 1969/70. Das hieße dann eventuell die Cash-Sessions, die Harrison-Sessions und Material von den Self Portrait-Aufnahmen.

Ach ja, und nach dem 70. Geburtstag Dylans im Jahr 2011, und seinem 50. Jubiläum als Recording Artist in diesem Jahr, können wir 2013 ein weiteres Jubiläum feiern: Im August 1963 wurde „Blowin‘ In The Wind“ auf dem Album „The Freewheelin‘ Bob Dylan“ veröffentlicht. Ein früher Geniestreich auf den noch viele folgen sollten.

In diesem Sinne auf ein erfolgreiches Musik- und Dylan-Jahr 2013!  Und auch dieses Jahr stimmen wir uns auf die Weihnachtstage mit Bob’s etwas anderen Weihnachtsfeier ein:

Jen Plater

6. November 2012

Neo-Folk heißt das Zauberwort dieser Tage. Auch hierzulande gibt es junge Musikerinnen und Musiker, die sich dieser Musik verschrieben haben. Jen Plater ist eine davon. Diese interessante Singer- Songwriterin aus Frankfurt möchte ich hier gerne einmal vorstellen.

Zuhause im Kreis der Musikfamilie
Und dann ist es da: Dieses breite Grinsen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Jen Plater da ist, wo es jetzt gerade am Schönsten ist: Auf der Bühne der „Frankfurt Art Bar“. Das Zuhause ihrer musikalischen Familie. Die trifft sich hier regelmäßig donnerstags abends zum Musizieren auf der Open Stage. Und Jen ist heute mal wieder zum Familientreffen gekommen. Anwesend sind erfahrene Recken und junge Talente.

Drei Leben
Jen ist in Magdeburg geboren und groß geworden. Aus einer sportlichen Familie stammend, begann sie sehr früh mit dem Schwimmsport und wurde eine erfolgreiche Jugendschwimmerin. Doch den Schwimmsport gab sie mit sechzehn zugunsten des Fußballs auf. Nachdem sie unterdessen nach Frankfurt gekommen war, endete aber auch diese Sportkarriere abrupt. Eine Verletzung stoppte sie mit 22 Jahren. Der Startschuss für die Musik…

Über Menschen und Situationen erzählen
Jen wäre nicht Jen, wenn ihr ein geregeltes bürgerliches Berufsleben reichen würde. Sie suchte nach neuen Herausforderungen. „Nach dem Sport war da eine Leerstelle“, sagt sie dazu. Jen füllte sie mit Musik. Beziehungen, Liebe und Verlust sind dabei ebenso Themen ihrer Songs wie gesellschaftliche Probleme. „Ich blicke auf die Welt. Auf Menschen, auf Gesellschaft und auf das, was wir tun. Wir lieben oder führen Kriege. Auch über die Ängste davor schreibe und singe ich.“

Wollte sie im Sport Erfolg haben, so sieht sie die Musik als Ventil für anderes: „Meine Musik hat für mich mehr mit Selbstverwirklichung als mit Erfolgsgeilheit zu tun“, stellt sie klar.

Applaus ist wichtig – aber!
Eher ist im Job der Erfolg das Maß der Dinge. In der Musik kommt es auf andere Dinge an: „Applaus ist schön, aber wichtiger ist für mich, das ich mir selbst treu bleibe und zu mir selbst stehen kann“, erklärt sie entschieden. Daher will sie auch weder aufgehübscht produziert, noch massentauglich trainiert oder gecastet werden. Folk ist und bleibt ihre Musik. „Danny Kelly, Daniel Kahn und Mumford & Sons sind meine Vorbilder und der Film „Once“ war wie eine Initialzündung“. Sie findet ihn romantisch und er trifft sich mit ihrem Schwarm für die Iren.

Professionalisierung ist notwendig
Doch bei allem Idealismus, hat sie aber dennoch den Drang voranzukommen, möchte professioneller werden, ihre Musik mehr Menschen bekannt machen. „Wir arbeiten an einer EP, die man großflächiger an Musikredaktionen von Print, Online und Radio schicken kann.“

Eine, die es wirklich schaffen kann
Jen hat wie alle anderen Künstler beim der „Open Stage“ nur drei Songs. Aber in die steckt sie alles. So wie sie bei jedem Auftritt alles gibt. Ob im rappelvollen Ponyhof oder im Kreis der „Familie“ in der „Frankfurt Art Bar“. Am Ende singt sie natürlich ihren Ohrwurm „When Tears Begin To Dry“ Und die Familie singt und klatscht begeistert mit. Denn so mancher alter Musikrecke spürt: „Hier ist eine von uns, eine, die es wirklich schaffen kann!“ Und Jen? Die grinst zufrieden.

Jen Plater: When Tears Begin To Dry