Posts Tagged ‘Bob Dylan’

Bobby und Marty

22. Juli 2012
Marty & Bob, Photo Credits: flickr.com, Bob Edwards

Marty & Bob, Photo Credits: flickr.com, Bob Edwards

Hier nun der angekündigte kurze Bericht über die Beziehung von Bob Dylan zu Marty Stuart. Beide kennen sich seit vielen Jahren und haben besonders Ende der 90er Jahre viel Zeit miteinander verbracht. Dylan beschäftigte sich damals intensiv mit dem Bluegrass. Er spielte einige Klassiker in seinen Konzerten und sang auf Platte ein Duett mit der Bluegrass-Legende Ralph Stanley. Bereits einige Jahre vorher hatte Marty für Bobby ein Autogramm des Vaters der Bluegrass-Musik, Bill Monroe, besorgt.

Zu dieser Zeit zeigte im Marty Stuart seine enorme Sammlung von Country-Memorabilia. Seitdem enthält Martys Sammlung auch einige Bühnenoutfits von Dylan. Und bei einem Konzert am 1999 in Antioch, Tennessee, spielte Marty einen ganzen Abend in der Begleitband von Bob.

Es fand also ein fruchtbarer Austausch statt und Dylan nahm auch die Musik von Marty wahr. Er war ganz begeistert von Martys Album „The Pilgrim“. Bei Kritikern und Kollegen hochgelobt, floppte das Album kommerziell allerdings völlig.

Dylans „Things Have Changed“ ist von der Melodie her ziemlich beeinflusst durch Martys „Observations Of A Crow“. Und Marty spielt live oder im TV immer wieder mal Songs von Bob und spricht mit höchstem Respekt von ihm. Und auch auf seiner Website findet sich die eine oder andere Erwähnung von His Bobness.

Die Songwriter-Legende und Folkrock-Ikone aus Minnesota und der Country-Rockabilly-Boy aus Mississippi verbindet also mehr als manche denken.

Woody & Marty

15. Juli 2012

Eine kleine Notiz zu Woody Guthries 100.Geburtstag

Zum 100. Geburtstag des großen Folkhelden Woody Guthrie  – an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch, Woody! – wird in diesen Tagen immer wieder dessen Einfluss auf die Folkszene, auf Dylan, Baez oder Bragg genannt. Doch Guthrie wird auch breiter in der Musikszene anerkannt. Marty Stuart, Spiritus Rector der Country-Szene und zugleich ein großer Kritiker des heutigen Nashville-Business hat vor einigen Jahren mal versucht, die Leute in Nashville dazu zu bewegen, Woody in die Country Music Hall Of Fame aufzunehmen. Erfolglos.

Marty hat nämlich registriert dass Woody auch Vorlagen zu Country Songs wie „Oklahoma Hills“ und „Philadelphia Lawyer“ geschaffen hat. Und ist „This Land Is Your Land“ nicht der größte „Countrysong“ überhaupt? Auf sein neuestes Album hat Marty übrigens – eine versteckte Würdigung zu Woodys hundertstem Geburtstag? – den Song „A Picture Of Life’s Other Side“ genommen. Geschrieben hat ihn Woody, gesungen aber auch Hank Williams. Auf letzteren bezieht sich Marty auf seinem neuen Album „Tear The Woodpile Down“, aber wie oben erwähnt: Marty weiß um die Bedeutung Woodys für die amerikanische Populärmusik.   

Übrigens gibt es auch eine Verbindung zwischen Marty Stuart und Bob Dylan. Doch dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt.

Unten gelangen wir über den ersten Link zu meiner Woody-Geburtstagsstory auf country.de, mit dem zweiten Link zu Marty und Hank III mit ihrer Version von „A Picture Of Life’s Other Side“, und darunter hören wir direkt Woodys Originalversion.

http://www.country.de/2012/05/14/zum-100-geburtstag-von-woody-guthrie/

http://www.youtube.com/watch?v=SWtEyLbZcSg

Captainsdinner mit Uncle Bob

8. Juli 2012

Gut gelaunt, zärtlich und mit Tiefgang: Bob Dylans fantastisches Konzert in Bad Mergentheim

Bob Dylans Mannheimer Konzert im Herbst letzten Jahres wurde von uns als Kontrastprogramm zu Mark Knopfler gewertet. Denn während uns der erste Teil des Konzert-Doppelpacks ins Nirwana zupfte, pickte und perlte, spielte der damals 70jährige Altmeister ein krachiges Konzert mit Punk-Attitüde.

 Dass bei Bob Dylan keine Tour gleich und kein Konzert so ist wie das andere, machte uns nun vor wenigen Tagen Dylans Auftritt im hübschen Städtchen Bad Mergentheim in sehr angenehmer Weise deutlich. Denn der 71jährige Dylan spielte ein facettenreiches Konzert mit viel guter Laune, einigen zärtlichen Tönen und voll von tiefem Verständnis für seine Songs, kurzum: Er schenkte dem Publikum an diesem Abend eine überragende Performance seiner Musik. Dylan begann auf Nummer sicher mit „Leopard Skin Pill Box Hat“ hinterm Keyboard, doch schon nach wenigen Takten war klar, dass dieser Dylan heute nicht seinen Autopiloten eingestellt hatte, sondern jeden Song so spielte, als er hätte er ihn eben erst entdeckt.

Bei „To Ramona“ nimmt er dann Platz am Flügel, den er fortan nur für wenige mit Mundharmonika bewaffnete Ausflüge zur Bühnemitte verlassen sollte. Zu einer Gitarre griff Bob Dylan an diesem Abend nicht ein einziges Mal. Gekleidet wie ein Kreuzfahrt-Rentner beim Captainsdinner, ließ er nie einen Zweifel, wer der Kapitän an Bord ist. So entwickelte sich der erste Teil des Konzerts zu einer wahrhaft lustigen Seefahrt. Selten hat man ihm soviel gute Laune versprühen sehen. Und dabei gar nicht die unzähligen Male mitgerechnet, bei dem er an seinem breiten Grinsen nur seine Band teilhaben ließ. Dem Publikum schenkte er immer wieder ein Lächeln und posierte oftmals eine Sekunde, als wenn er Gelegenheit zu den eigentlich verbotenen Foto-Schnappschüssen geben wollte. Verbote, die in Zeiten von Fotohandys eigentlich eher trollig und wohl einfach nur als spielerische Rituale anzusehen sind.

So spielte er sich leichtfüßig u.a. durch „Things Have Changed“, „Tangled Up In Blue“ und „Honest With Me“. Der stärkste Teil und tiefste des Konzerts begann dann mit einer wunderschönen Version von „Sugar Baby“. Ihm folgte das im Amerika der Naturkatastrohen immer aktuellen „The Levee’s Gonna Break“. Eine zärtlich hingehauchte Version von „Make You Feel My Love“ zeigte Dylan als Romantiker am Klavier. Aus „High Water“ wurde dann eine Art „Partipication Song“, als die Zuschauer Dylans mehrmals wiederholten dreitönigen Mundharmonikasoli stets mit einem Lauten „Huuuuuuuuh!“ antworteten. Völlig irre! Wunderbare Versionen von „Desolation Row“ und „Highway 61“ folgten. Dabei war Dylan immer bemüht, eingängige Klavierfiguren zu finden, mit der er die Melodie variieren und umspielen konnte. Der Höhepunkt des Konzerts war dann „Love Sick“. Den Song hatte ich bislang sowohl auf Platte, als auch im Konzert eher als eindimensional dunklen Liebesschmerz-Song wahrgenommen. Dylans Klavierversion vom 6. Juli in Bad Mergentheim war jedoch mehrschichtiger. Er zeigte nämlich auch noch die weiteren Dimensionen von Liebeskummer auf. Nicht nur traurig, sondern auch wütend, begehrend, eifersüchtig und lasziv äußert sich der Herzschmerz.

Ein faszinierender Vortrag. Nun bog er schon in die Zielgerade, machte auf hohem Niveau weiter, wirkte jedoch hier und da scheinbar ein bisschen zurückgenommen. Gesünder und weniger anstrengend beim vom „Möchtegern-Dylan-Stellvertreter“ Niedecken jüngst höchst wichtig ausgeplapperten Rückenleiden wäre das Stehen. Unübersehbar kämpfte er mit der richtigen Sitzposition am Klavier und steht zum Tastenanschlag auch immer mal wieder auf. Überhaupt: Wie Dylan während großer Teile des Konzerts seine Beine in 90 Grad zum Publikum vom Oberkörper abwinkelt, um sich dann immer wieder in Gänze zum Publikum zu drehen und einige Takte einhändig zu spielen, das hat komödiantisches Niveau und macht klar, warum Dylan auch immer wieder mit Chaplin verglichen wurde.

Mit „Like A Rolling Stone“, „All Along The Watchtower“ und „Blowin’ In The Wind“, mit den absoluten Klassikern also, beendet er das Konzert. Bob Dylan 2012 in Deutschland hat richtig Spaß gemacht, es waren einige seiner besten Konzerte. Hoffentlich müssen wir bis zur neuen Platte nicht allzu lange warten.

In Memoriam Andy Griffith

6. Juli 2012

 Andy Griffith ist tot. Andy Griffith… war das nicht Matlock? In der Tat , die 80er-Jahre Gerichtsserie um den listigen Anwalt aus den Südstaaten war Kult. Wegen der pfiffigen Auflösungen, wegen der hübschen Tochter, wegen den verschiedenen, aber immer schwarzen Helfern des Advokaten. Aber vor allem natürlich wegen des ewig gleichen hellen Sommeranzugs, den Matlock trug. Er musste unzählige dieser Modelle im Schrank haben, folgte aber in diesem Setting anderen klassischen Serienbeispielen. Die Cartwrights wechselten schließlich auch nie ihr Outfit.

Aber dieser Andy Griffith hatte ja auch noch ein Leben vor Matlock und das war aufs engste mit der Musik und der Kultur des Südens verbunden. Griffith war ein recht guter Countrysänger und war für Elia Kazan daher wohl auch die bestmögliche Besetzung seines „Lonesome Rhodes“ im Film „A Face In The Crowd“. Griffith spielte hier einen verschlagenen Countrysänger, der zum politischen Radioprediger voller Doppelmoral wird. Die Figur des Lonesome Rhodes war dann auch ein Vorbild für Tim Robbins‘ „Bob Roberts“ (1992).

Und Lonesome Rhodes und Robert Mitchums verschlagener Wanderprediger aus „Die Nacht des Jägers“ beschäftigen auch Bob Dylan bis heute. Sie es in „Highway 61“ oder „Man Of Peace“ („could be the fuhrer, could be the local priest“) oder „Man In The Long Black Coat“. Die Figur des verlogenen und gefährlichen Predigers ist ein amerikanischer Archetypus. Kein Wunder für das Land mit dem „Bible Belt“, dessen Gesellschaft und Alltag weitaus mehr durch die Religion bestimmt werden, als in anderen westlichen entwickelten Ländern.

Und Andy Griffith war über Jahre der Star der Andy Griffith-Show. Sie spielte in einem fiktiven Südstaaten-Nest und hatte eine freundliche, harmlose Komik. Ein Fels in der Brandung der Veränderungen in den Sixties. Wobei die sogenannten Hinterwäldler sich nicht gegen gute Musik sperrten. Einen guten Beatles-Song als Bluegrass-Stück zu adaptieren (wie in der „Lost Episode“) zeigt doch auf, dass der Horizont von Griffith bei weitem nicht so eng war, wie der von vielen seiner Zuschauer.

So ist mit Griffith nicht nur „Matlock“ gestorben, sondern vor allem ein Bindeglied zu Kultur und Alltagsbewusstsein des alten Südens. Im Guten wie im Schlechten. Rest in Peace!

Bob’n’Bruce’n’Neil

9. Juni 2012

Die alten Helden graben gerne nach den Wurzeln und singen die alten, bösen Lieder

Anlässlich des neuen Album von Neil Young habe ich auf www.country.de einen kurzen Vergleich der „Folk-Revival-Alben“ von Dylan, Springsteen und Young gezogen. Diesen Gedanken möchte ich hier noch ein wenig weiter ausführen.

 Bob Dylan nutzte sein Album „Good As I Been To You“ 1992 dazu, sich auf sich selbst und seine musikalischen Wurzeln zu besinnen. Nachdem Dylan sich während der Psychedelic-Welle in den 60ern, während Bombast-Rock, Punk und Disco in den 70ern mit seiner in Folk, CountryRock und Blues gut geerdeten Musik gut behaupten konnte, führten ihn die 80er Jahre mit Reagan, Thatcher und Kohl, mit Plastik-Pop, New Wave und Stadion-Rock, mit Madonna, Michael Jackson und Phil Collins, ins künstlerische Nirvana. Seine „Neverending-Tour“ war eine persönliche und performative Antwort auf die Krise. Die Musik, die dort gespielt wurde war desaströs, um sie neu aufzubauen bedurfte es dieses Albums. Dylan entdeckt die alten Lieder neu, die Mörderballaden, die Songs über traurige Liebe, die Kinderlieder. Und er entdeckt sein Gitarrenspiel wieder. Er kann es, wenn er will. Und so entstand eine puristische Folk-Platte. Eine die wenn überhaupt wahrgenommen – die Ausnahme ist Karl Bruckmaiers glanzvolle, prophetische Rezension im Spiegel – mit höflichem Respekt rezensiert. Keiner merkt, dass inmitten des Neu-Entstehens von Americana (Uncle Tupelo waren Initiatoren) sein geistiger und tatsächlicher Vater sich an die Spitze der Bewegung stellt.

Springsteen bringt 2006 die Seeger Sessions heraus. Der ehrliche Stadion-Rocker aus New Jersey, der mit „Born In The USA“ irrtümlicher und unfreiwilligerweise der Reagan-Politik eine Hymne gab und sich seitdem umso mehr zur amerikanischen Linken bekennt, ehrt auf seine Weise den letzten lebenden Mentor des klassischen amerikanischen Folk und Protestsongs der 30 er und 40er Jahre. Denn davon und vom Amerika des New Deal, dem erst Ronald Reagan den wirklichen Todesstoß versetzte, sind sie alle geprägt. Der 71jährige Dylan genauso wie der zehn Jahre jüngere Springsteen und der in der Mitte liegende 66 Jahre alte Young. „The Seeger Session“ ist daher aber auch ein Album, das das Ende der Bush-Ära einläutet. George W. ist angeschlagen und der fortschrittliche Teil Amerikas hofft auf einen Wandel durch die Demokraten. Und zwei Jahre später sollte ja tatsächlich Barack Obama mit Unterstützung der fortschrittlichen Musiker, Schauspieler und Schriftsteller (Springsteen natürlich mit dabei!) als großer Hoffungsträger gewählt werden.

Neil Young ist da – ähnlich wie Dylan – weniger begeisterungsfähig als „The Boss“. Und doch legt er jetzt kurz vor dem Wahlkampf ein Album mit uralten Songs vor, die aber, solange Amerika sich nicht wieder neu erfindet, auf ewig aktuell sind. Songs über Arbeitslosigkeit, unglückliche Liebe, Mord und Totschlag. Amerika ist groß und leuchtend, doch es hat auch immer mehr Verlierer. Der Rost und Verfall und das menschliche Elend ist längst nicht mehr hinter den Fassaden versteckt. Die USA bräuchten einen neuen „New Deal“, doch der Präsident ist weder stark noch konsequent genug und die Gegner sind laut, gut vernetzt und zu mächtig, als dass es Anlass zur Hoffnung gibt. Amerika zerstört sich von innen. Durch kapitalistische Gier, politischer Agonie und wahnwitzigem religiösen Fundamentalismus. Young bastelt an umweltgerechten Autos in Kalifornien und singt dagegen an.

Alle drei vereint das Bewusstsein über ihre musikalischen Wurzeln. Und alle drei machen sich nichts vor über den Zustand „ihres“ Amerikas. Dass sie die alten, bösen Lieder benutzen sagt alles und ist reinste Subversion. Und einfach gute Musik.

Tom Morello

24. April 2012

Er ist eine Art Woody Guthrie unserer Tage. Auf dessen Gitare stand ja bekanntermaßen „This Machine kills fascists“. Tom hat als „Nightwatchman“ seine Gitarre wie ein Gewehr geschultert. Mit klarer Symbolik inszeniert er sich als musikalischer Kämpfer für die Entrechteten weltweit. Wer jedoch denkt, das Zuhören bei Toms Musik könnte eine ziemlich anstrengende Angelegenheit sein, der irrt. Denn während so manche Neo-Folk-Gruppe vor lauter ichbezogener Melancholie in Molltönen kaum noch hörbar ist, kommen des Neo-Protestsängers „World Wide Rebel Songs“ unverkrampft rockig, launig, spielerisch und selbstironisch daher. Eine alte Weisheit: Den Mächtigen kann man nur mit Humor beikommen.

Mit „Black Spartacus Heart Attack Machine“ geht das Album dann auch gleich mit bizarrem Humor los. Dann wechseln langsamere Stücke und schnelle sich wohltuend ab. Wobei der Ex-„Audioslave“ und „Rage Against The Machine“-Musiker kein Indie und Punk macht, sondern sich vorwiegend im Folk-Rock mit etwas Gospel austobt. Und selten den Blues hat. Anspieltipps: „Speak And Make Lightning“, ein flotter Gospel-Rock sowie der Titelsong „World Wide Rebel Songs“. Ein Losgeh-Mitsing-Kracher mit, ja doch, ein bisschen Spaß-Punk-Attitude.

Morello macht einfach Laune. Er schreibt den Soundtrack zu Occupy und stellt musikalisch eine Verknüpfung von alten und neuen Protestbewegungen her. Hörenswert ist in diesem Zusammenhang seine EP „Union Town“ mit Klassikern wie Woody Guthries „This Land Is Your Land“ oder dem Gewerkschaftslied „Which Side are you on?“. Fazit: Selten konnte man zu Protest so gut rocken und tanzen.

Die Zeit steht still, Levon ist tot

20. April 2012

Zum ersten Mal habe ich Ihn 1978 oder ’79 gesehen. Damals als „The Last Waltz“ bei uns im Kino lief. Jahrelang war er für mich eine vertraute Figur – aber eben nur der Drummer vom Bob Dylans Begleitband. Im zweiten Schritt erschloß ich mir die Musik von „The Band“ und Levon hatte für mich eine Bedeutung als Sänger, Drummer und Multiinstrumentalist der Gruppe. Der Band, die den Country-Rock und das Americana mitbegründete.

Erst sein grandioses Alterswerk mit mühsam zurückgewonner Stimme nach dem Kehlkopfkrebs ließ mich ihn, diesen kleinen unscheinbaren Mann, in ganzer, künstlerischer Größe wahrnehmen. Zwei fantastisch geerdete Platten und seine funkensprühenden Konzerte beim „Midnight Ramble“ in seinem Haus in Woodstock beeindruckten mich. Dabei war er nie einer, der glitzerte und funkelte, aber um so mehr geerdet und verwurzelt war.

Ich entdeckte ihn nun auch als Schauspieler in Filmen wie „Coal Miner’s Daughter“, „Mit Volldampf nach Chicago“ oder „Electric Mist“. Ich wurde Fan und wollte ihn unbedingt nochmal beim nächsten New York-Aufenthalt in Woodstock spielen sehen. Dazu wird es nicht mehr kommen.

Ein großer amerikanischer Musiker hat uns verlassen. Vom Krebs besiegt. Die Zeit steht still, Levon ist tot. Rest in peace, Levon!

Zum Gedenken an Levon Helm (26. Mai 1940 – 19. April 2012) sehen wir unten zuerst eine Aufnahme von ihm mit dem „Band“-Klassiker „The Weight“ sowie die von Marc Cohn gesungene Hommage „Listening To Levon“.

Mit der Apfel-Bimmelbahn, Oh Yeah!

5. April 2012

Lesereise vorerst beendet – Dylan im Sommer in Deutschland – Americana-Festival in Marburg

Mit der Fahrt im „Streetcar Named Desire“, vulgo Ebbelwoi-Express, am vergangenen Samstag (31. März), ist die kleine „Lesereise zu Bob Dylan“ vorerst beendet. Es war ein Riesenspaß für alle Beteiligten. Bestens wie immer waren die DoubleDylans, die mit ihrem „Apfel-Bimmelbahn-Song“ die Leute zum Mitsingen animierten und viel Stimmung in die Wagen brachten. Die Fahrt in der ruckelnden, hoppelnden und quietschenden Tram vor lebhaftem Publikum entwickelte sich für den Vortragenden zur erwarteten Herausforderung, wobei Equipment und Dramaturgie der Lesung für solche Gegebenheiten noch optimierbar sind. Die Resonanz auf den Buchvortrag war auch hier sehr positiv. Fazit: Es war wirklich ein schöner, stimmungsvoller Nachmittag: Der Dank geht an die DoubleDylans, an alle rund 70 Mitreisenden und an alle Helferinnen und Helfer im Vorfeld und während der Fahrt! Unten kann man sich durch ein Video einen kleinen Eindruck von der Fahrt verschaffen.

Während also die Lesereise erst einmal hinter uns liegt, liegen die Deutschland-Konzerte des Meisters vor uns. Obwohl ihn erst im letzten Herbst eine komplette Deutschland-Tour durch die Hallen des Landes geführt hat, spielt er nun vier Open-Airs im Sommer in Berlin, Dresden, Bonn und Bad Mergentheim. Der Vorteil gegenüber letztem Herbst: Er wird diesmal ohne Mark Knopfler im „Vorprogramm“ auftreten. Dylan pur also. Gut so!

Leider nichts weiteres ist dagegen von der neuen Platte zu erfahren. Letzte Meldung war, dass wahrscheinlich Scott Litt (u.a. REM) die Scheibe als Techniker oder Produzent betreut. Wobei doch auch viele Stimmen davon ausgehen, dass Dylans alter Ego Jack Frost hier wieder für die Produktion verantwortlich zeichnen wird.

Und zum Spätsommer gibt es dann nochmals einen „Hauch Bob Dylan“ in Marburg. Dort findet am 8. September erstmals das „Sundown Music Festival“ am Spiegelslustturm statt. Americana, Country und Folk. Mit dabei u.a. der alte Haudegen Elliott Murphy und das hessische Country-Folk-Talent Lisa-Marie Fischer. Mehr Infos: www.lisamariefischer.com/fr_musicfestival.cfm.

50 Jahre Bob Dylan als „Recording Artist“

18. März 2012

Vor 50 Jahren, am 19. März 1962 erschien Bob Dylans Debütalbum „Bob Dylan“. Und Medienberichten zufolge macht er zum Jubiläum seinen Afficionados und sich selbst das schönste Geschenk: Sein 35. Studioalbum!

Zusammen mit seiner Tourband und „Los Lobos“-Frontmann David Hidalgo war er Anfang des Jahres im Studio. Hidalgo zufolge soll der bereits auf „Together Through Life“ eingeschlagene musiklaische Weg zum „Tex-Mex“ weiter verfolgt worden sein. So spielte der „Los Lobos“-Mann bei den Aufnahmen traditionelle mexikanische Musikinstrumente. Wir sind gespannt. Wann das Album erscheint, und wie es heißen wird, ist noch unbekannt.

Dylan als Recording Artist ist auch die immerwährende Geschichte des kreativen Prozesses im Studio und dem „work in progress“. Aus den Mittsechziger Jahren wissen wir, wie Dylan nur mit Songideen und Textfragmenten ins Studio kam und die Platte entwickelt wurde. Er schrieb die Texte während der Aufnahmepausen und auch das musikalische Konzept eines Albums entstand vor Ort. Zum Teil wechselten die Musiker unter Anleitung Dylans munter ihre Instrumente. Gleichzeitig wurde für jedes Stück höchstens drei Takes eingespielt. Dylan ist nämlich alles anderes als Proben- und Übungsbegeistert. Und auch in den 70er Jahren änderte sich das kaum. So verriet uns die große Emmylou Harris im Gespräch, dass er bei den Aufnahmen zu „Desire“ einfach die Leute, ohne viel zu erklären, hätte losspielen lassen.

Diese Art der Albumproduktion gerät in den 80ern dann in die Krise, als Dylan seine künstlerische Sicherheit und Orientierung verloren hat. Die besten Songs der Sessions verpassen regelmäßig die Aufnahme auf die Platte. „Foot Of Pride“, „The Groom Still Waiting At The Altar”, Carribean Winds” und natürlich “Blind Willie McTell” schaffen es nicht auf “Shot Of Love” und “Infidels”. „Empire Burlesque“ wird durch Überproduktion aus Angst vor dem musikalischen Zeitgeist massakriert. Der beste Song „Dark Eyes“ ist ein Dylan-Solovortrag mit Akustikgitarre und Mundharmonika. Erst Daniel Lanois gelingt es 1989 als Produzent von „Oh Mercy“, wieder dem Ganzen eine Form zu geben. In den 90ern verlässt sich Dylan bei seinen Soloakustikalben „Good As I BeBeen To You“ erst einmal auf sich selbst, ehe ihm 1997 wieder mit Hilfe von Lanois ein rauschendes Comeback mit „Time Out Of Mind“ gelingt.

In den 2000er Jahren fühlt sich Dylan dann endlich wieder stark genug, um den kreativen Prozess der Plattenaufnahme selbst zu leiten. Wie schon auf der Bühne zu beobachten, ist auch im Studio aus der launischen Diva ein akribischer Arbeiter geworden. Seinem Produzenten-Alter Ego „Jack Frost“ gelingen mit „Love And Theft“ sowie „Modern Times“ triumphale Erfolge. Dylan scheint – so kann man auch die Hidalgo-Berichte deuten – die richtige Balance im Studio zwischen kreativer Unruhe und verbindlichem Arbeiten gefunden zu haben.

Gratulation zum 50sten, Mr. Recording Artist Bob Dylan!

Lesereise gut gestartet

11. März 2012

Viel Interesse in Alsbach und Darmstadt

Thomas Waldherr und Sigrid Zabel, Foto: HölzlEinen guten Start hingelegt hat die Lesereise zum Buch „I’m in a Cowboy Band“. Im Alsbacher Restaurant Hellas konnten die Buchhandlung Zabel und der Autor rund dreißig Gäste begrüßen, im Bayrischen Hof in Darmstadt waren 45 Zuhörerinnen und Zuhörer anwesend. In Alsbach bedankte sich der Autor bei der Buchhandlung Zabel und dem Team des Restaurant Hellas für die Ermöglichung der Veranstaltung.

Thomas Waldherr nahm die Gäste mit auf eine musikalische Reise in die weniger bekannten Gefilde des Mikrokosmos Bob Dylan, legte die Wurzeln Dylans in der amerikanischen Volksmusik frei, zeichnete Dylans lebenslange Beschäftigung mit der Country-Musik nach und erklärte, warum Dylan als „Vater des Americana“ bezeichnet werden darf. Der Vortrag erhielt eine positive Resonanz, traf den Nerv und das Interesse des Publikums. Gebanntes Zuhören und ein kräftiger, lang anhaltender Abschlussapplaus waren der Beweis an beiden Abenden. An den gut einstündigen Vortrag schloss sich bei beiden Veranstaltungen noch manches Gespräch im kleinen Kreis an.

Unter wehmütigen Vorzeichen stand indes der Vortrag im BayrischenVortrag im Bayrischen Hof, Foto: Goldschmidt Hof. Es war die letzte Veranstaltung in Michael Steins Lokal. Und so hatte auch so mancher Stammgast die Gelegenheit genutzt, sich persönlich von Michael Stein zu verabschieden. Ebenso wie der Autor, der zu Beginn der Veranstaltung Peter Schmidt und der Buchhandlung am Markt für die Unterstützung dankte und Michael Stein zum Abschied eine Hängematte für die nun anstehenden wohlverdienten Ruhestunden überreichte.

Letzte Station der Lesereise wird nun die Fahrt am 31. März mit dem Ebbelwoi-Express in Frankfurt sein. Diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht, es gibt nur noch eine Warteliste.