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Sein ganz persönlicher Dylan

31. März 2019

Martin Grieben begeistert mit Bob Dylan-Programm im Frankfurter Theater Alte Brücke

Martin Grieben, Copyright Theater Alte Brücke Frankfurt

Wenn ein Künstler wie Bob Dylan über lange Zeit so viele Menschen bewegt, sie entweder begeistert oder aber abschreckt und trotzdem seit Jahrzehnten ein Weltstar und eine Musiklegende ist, dann muss was an ihm dran sein. Was, ist teilweise Common Sense – „der sprachgewaltige Songpoet“ – teilweise aber liegt es im Auge oder im Ohr (und dazwischen) des Betrachters, Hörers, Rezipienten. Daher sind subjektive Herangehensweisen an das Phänomen Bob Dylan wünschenswert und wichtig. Bloß kein Surfen auf der Erfolgswelle des US-Musikers, bloß keine Heldenverehrung, bloß kein Kleben an Klischees.

Schwerpunkt auf unbekannteren Songs
In diesem Sinne hat Martin Grieben an diesem Samstagabend im Theater Alter Brücke in Frankfurt-Sachsenhausen mit seinem Programm „Grieben singt Dylan“ alles richtig gemacht. Er spielt ganz bewusst nicht die großen Hits, sondern oftmals die unbekannten, unterschätzten Stücke aus Dylans riesigem Oeuvre. Und erzählt dazu ganz persönliche Geschichten über seinen Zugang zu Dylan. Und dies tut er sehr charmant und wenn er zum xten Male die falsche Mundharmonika greift, dann geht er damit so lässig, souverän und humorvoll um, dass das Publikum im vollbesetzten Theater sichtlich auch ein großes Vergnügen an den Pausen zwischen den Songs hat. Und wichtig ist, dass er schon ganz am Anfang des Abends all die natürlich auch zur Legende gehörenden schlechten Meinungen über Dylan auf heitere Art abräumt. Er lässt das Publikum die schwersten „Dylan-Verfehlungen“ aufzählen: „Dylan kann nicht singen“, „Dylan kann nicht Mundharmonika spielen“, „Dylan sagt nie ein Wort und ist unhöflich zum Publikum“. Sind die über die Jahre sich aufgebauten Vorwürfe erst einmal raus, lässt sich viel unbefangener und befreiter mit dem Werk des Rock-Zaren Zimmermann umgehen.

Auf der Setlist stehen an diesem Abend Songs aus allen Schaffensperioden der Songwriter-Papstes: Neben anderen hört man das Frühwerk „I Was Young When I Left Home“, aus der Mitsechziger-Phase „Queen Jane Approximately“ und von den Basement Tapes „Open The Door, Homer“. Von New Morning (1970) spielte Grieben „Went To See The Gipsy“ und interpretiert das als Dylans Referenz an einen nicht überlieferten Besuch bei Elvis Presley. Da Dylan ein großer Elvis-Fan ist, spielt Elvis-Fan Grieben natürlich auch einen Song des „King Of Rock’n’Roll“, nämlich Heartbreak Hotel. Und da Dylans Lieblingsbeatle George Harrison war, erklingt auch dessen „Here Comes The Sun“.

Starke Texte und wunderschöne Momente
Dass Dylan eben nicht nur der wortgewaltige über den Dingen stehende Songpoet ist, sondern auch seinen eigenen, selbst erfahrenen Schmerz zum Ausgangspunkt seiner Kunst macht, stellt Grieben an diesem Abend mit allein drei Songs von „Blood On The Tracks“ unter Beweis: „Meet Me In The Morning“, „If You See Her Say Hello“ und „Buckets Of Rain. Auch Dylans christliche Phase lässt Grieben in seinem Konzert nicht aus. Er spielt sowohl „When He Returns“, als auch das textlich heikle „Slow Train Coming“. Aus den 1980ern, zu denen Martin Grieben richtigerweise sagt, dass da Dylan irgendwie sein Gespür verloren hätte spielt er „Whas Was It You Wanted“ vom Album „Oh Mercy“ von 1989, als es schon wieder bergauf der Dylan’schen Kunst ging. Und es wird auch die jüngere Vergangenheit des musikalischen Outputs erreicht. Das nicht eben einfach zu spielende und zu singende „Po Boy“ vom 2001er Album „Love And Theft“ wird von Grieben bravourös gemeistert. Besonders stimmungsvoll wird es im Raum, als Melina Hepp, Griebens Ehefrau, zum Duett-Gesang bei „Abraham, Martin and John“ mit auf die Bühne kommt. Den Dick Holler-Song hatte Dylan Anfang der 1980er mit seiner damaligen Background-Sängerin Clydie King in seinen Konzerte vorgetragen. Da ergeben sich wunderschöne musikalische Momente im kleinen Frankfurter Theater.

Überzeugender musikalischer Vortrag
Überhaupt zeigt sich Martin Grieben in großer musikalischer Form. Sein Gitarrenspiel und sein Gesang sind stark, einprägsam und haben eine ganz eigene Note. Sein Mundharmonikaspiel – wenn er denn endlich die Richtige gefunden hat – ist fein und kraftvoll zugleich. Und nicht einmal tappt der Sänger in die Falle des Nachahmers oder gar Parodisten. Die großen Hits kommen dann auch erst ganz am Ende – „Blowin‘ In The Wind“ (1254-mal von Dylan live gespielt, erklärt Grieben augenzwinkernd dazu) beendet das Konzert, „Lay, Lady, Lay“, „Don’t Think Twice, It’s Alright“ und „Mr. Tambourine Man“ bilden den abschließenden Zugabenblock.

Martin Grieben hat sich mit seinem Dylan-Abend einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Dass er damit bei seinem Publikum im kleinen Sachsenhäuser Theater Alte Brücke offene Türen eingerannt und sie auf eine erfolgreiche Reise mitgenommen hat, beweist der begeisterte, lautstarke, lang anhaltende Applaus und die Bravorufe. Das Programm verdient unbedingt weitere Aufführungen.