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„Von Newport nach Woodstock“-Tour gestartet

26. Juli 2019

Reges Interesse am Special Event „50 Jahre Pop & Protest“ des d.a.i. Tübingen

Vortrag in Tübingen, Photo Credits: Deutsch-Amerikanisches Institut Tübingen

Er war der Aufgalopp zu vier Veranstaltungen im zweiten Halbjahr 2019, die das Jubiläum „50 Jahre Woodstock“ zum Anlass nehmen, sich mit der Wirkung und der Perspektive der Protestkultur der 1960er Jahre zu beschäftigen und bei denen ich vortragen darf: Der Special Event „50 Jahre Pop & Protest“ des Deutsch-Amerikanischen Institutes in Tübingen am Freitag, 19. Juli. Im gut gefüllten Veranstaltungssaal des d.a.i Tübingen referierte ich zur Vorgeschichte, den Entstehungsbedingungen sowie Wirkung und Wirklichkeit des Woodstock-Festivals 1969. Katja Engelhardt und Vanessa Schneider berichteten über „Female Resistance in Pop Music“ heutzutage.

Vom Folk-Revival und „Dylan goes Electric“ über den „Summer Of Love“ zu Woodstock
Ausgehend von der These, dass die 1960er Protestkultur ihren Ursprung im Folk-Revival der späten 1950er Jahre hat, nahm ich das Publikum mit auf eine Zeitreise in die Hoch-Zeit der Protestsongs mit Pete Seeger, Joan Baez und Bob Dylan. Mit seiner Hinwendung zum Folk-Rock verlor die Folkbewegung ihren Avantgarde-Status und die Rockmusik mit intelligenten Texten, aber auch der Psychedelic-Rock, der oftmals nicht mehr als der Soundtrack zum eskapistischen Trip war, bestimmten die progressive Musikszene in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre. Während sich im „Summer of Love“ 1967 ein kurzes Zeitfenster für eine wirkliche Gegenkultur zum kriegführenden, konsumistischen und kapitalistischen Amerika öffnete, war diese politische Hippiebewegung bei Woodstock schon an ihrem Ende angekommen. Nun war auch Love & Peace schon unverbindlich zu konsumieren, und gab den vier Jungs aus Musik- und Finanzszene, die Woodstock organisierten, damit die Gelegenheit ein Festival aus Kommerzinteresse zu veranstalten.

Der historische Witz dabei war, dass das Festival nicht gewollt, sondern aufgrund organisatorischer Unzulänglichkeiten zum „Free Festival“ wurde und somit auch erstmal zu einem finanziellen Desaster für die Beteiligten führte. Aber dennoch, es lebe die kapitalistische Verwertungskette – später rechnete sich das Festival dann wegen Film-, Musik- und Merchandising-Rechten dann doch noch.

Woodstock 1969: Gleichzeitigkeit von Gegenkultur und Konsumismus
Während Bob Dylan vor der Hippie-Seligkeit floh und einige großen Bands wie die Stones oder die Doors das Festival aufgrund der vielen Unwägbarkeiten mieden, waren doch eine Reihe von hochkarätigen Acts dabei. Während die Mehrzahl die Love & Peace-Gefühle streichelte, gab es auch einige dezidiert politische Augenblicke wie Country Joe McDonalds Anti-Vietnam Hymne „Fixin‘ To Die Rag“ oder Joan Baez‘ Spottlied auf Ronald Reagan „Drug Store Truck Drivin‘ Man“. Weitere Ironie des Festivals war, dass Jimi Hendrix das vermeintlich schärfste Statement zum Vietnam-Krieg – die mit E-Gitarre verzerrte Fassung der US-Hymne „Star Spangled Banner“ – später gar nicht so verstanden haben wollte.

Reges Interesse an der Veranstaltung „50 Jahre Pop & Protest“, Photo Credits: Deutsch-Amerikanisches Institut Tübingen

Bei der abschließenden Diskussion erinnerten sich einige Zeitzeugen, wie wichtig diese Jahre für ihre Entwicklung als kritische Menschen waren. Und so lautet das Resümee des Vortrags denn auch: Ja, Woodstock war auch ein Ausdruck der Gegenkultur, die für ein paar Jahre durchaus gesellschaftliche Kraft erlangte. Aber es zeigte auch an, dass die Rockkultur zum Mainstream wurde, und sich damit hervorragend kompatibel zur kapitalistischen Konsumgesellschaft erwies.

„Female Resistance in Pop Music“
Wie sich politisch-gesellschaftlicher Protest in der heutigen Popmusik zeigt, führten anschließend die beiden BR-Redakteurinnen Vanessa Schneider und Katja Engelhardt aus. In einem Live Podcast zeigten sie anhand von Beispielen von berühmten Mainstream-Künstlerinnen wie Lada Gaga oder Beyoncé, aber auch von dem großen Publikum weniger bekannten Musikerinnen wie Alynda Lee Segarra wie sich Botschaften gegen Rassismus, Sexismus oder Gentrifizierung mittels Popmusik verbreiten lassen. Ein spannender und hörenswerter Vortrag!

Lehren ziehen für heutige gegenkulturelle Strategien
So bleibt das positive Fazit: Veranstaltungen wie die vom d.a.i Tübingen helfen uns, angesichts unserer heutigen Situation mit dem Vormarsch von Autokraten und Rechtsextremen und deren Absicht, die Errungenschaften der 1960er Jahre wieder abzuschaffen, die Vergangenheit einzuordnen und aus den daraus folgenden Schlüssen, Ausgangsbedingungen für eine gesellschaftliche und kulturelle Gegenwehr zu diesen Tendenzen auszuloten sowie Strategien zu diskutieren und umzusetzen.

Weitere Veranstaltungen der „Von Newport nach Woodstock“-Tour sind dann vom 16. bis 20. September in der Gustav Heinemann Bildungsstätte in Malente, am 6. November in der Reihe „Americana im Pädagog“ in Darmstadt sowie am 6./7. Dezember im Weiterbildungszentrum Ingelheim.