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Marc Cohn And Blind Boys Of Alabama: Work To Do

4. Oktober 2019

Der Singer-Songwriter und das Gospel-Quartett brillieren live und im Studio

Die Blind Boys Of Alabama gehören zu den legendären Gesangsgruppen in der Tradition des vierstimmigen Gospel-Satzgesanges. Bei uns hier am populärsten ist sicher das Golden Gate Quartett. Eine weitere legendäre Gruppe waren die Five Blind Boys Of Mississippi. Doch während letztere in den 1990ern ihre Karriere beendeten, nachdem das letzte Gründungsmitglied verstorben war – mehr als 60 Jahre waren sie aktiv – gibt es die Blind Boys Of Alabama dank einiger Neubesetzungen immer noch. Und das ist gut so, denn ihr Gospelgesang ist immer noch bewegend, präzise und ausdrucksstark.

Marc Cohn ist hier zulande vor allem wegen „Walking In Memphis“ bekannt. Sein wunderschöner Song voller Südstaaten-Musik-Feeling – Elvis Presley, W.C. Handy, Beale Street, Catfish, Reverend Al Green – wurde ein Riesenhit. Doch Cohn als „One Hit Wonder“ zu bezeichnen, wäre ungerecht. Denn Cohn ist ein interessanter Singer-Songwriter, der sich stark in der Blues, Soul- und Americana-Musik verortet und noch dazu fast unermüdlich in den Jahren live unterwegs ist. Nur seine Discographie ist bislang recht übersichtlich geblieben.

Beide Acts haben nun zusammen ein Album herausgebracht. „Work To Do“ ist ein erfreuliches Highlight geworden. Cohn hat den Blind Boys Songs und Arrangements auf den Leib geschrieben und zeigt selber wieviel Soul und Gospel er in der Stimme hat. Drei Songs sind im Studio aufgenommen worden, der Rest live im Katharine Hepburn Cultural Arts Center in Old Saybrook, CT, im Rahmen der PBS-Konzertreihe »The Kate«.

Cohn und die Jungs harmonieren auf das Beste, so dass das Album 10 hörenswerte Songpretiosen enthält. Darunter faszinierende Versionen von „Ghost Train“ und „Walking Ihn Memphis“. Und auch sehr schön: Cohns Soloauftritt mit „Listening To Levon“, seinem Song über Levon Helm von „The Band“. Und natürlich darf auf solch einem Album auch nicht eines der schönsten Spirituals überhaupt fehlen: „Amazing Grace“, das durch den Gesangsvortrag von Barack Obama bei der Gedenkfeier für die Toten von Charleston noch bedeutender für die schwarze Community geworden ist. Hier in einer ungewöhnlichen und spannenden Version, die von der Melodie sogar etwas an „House Of The Rising Sun“ erinnert.

Perfekt produziert hat das wunderbare Album John Leventhal, der Ehemann von Rosanne Cash. Und für Dylan-Fans ist noch ein Detail interessant. Am Bass der Live-Band war niemand geringeres als Tony Garnier, seit 30 Jahren Bandleader von Dylans-Tourband.