Posts Tagged ‘Van Morrison’

The Bickenbach, Texas Home Office Diary (23)

15. April 2020

From Sand Rabbit Town into the whole wide world

Sláinte everyone,

heute geht’s nach Irland!

Ja, die amerikanische Folkmusik ist geprägt auch von der Musik der irischen Einwanderer. Auch Bob Dylan wurde natürlich von irischen Quellen und Wurzeln gespeist und beeinflusst.

Also bei Dylan und irischer Folkmusik fallen einem natürlich sofort die Clancy Brothers ein, frühe Freunde und Weggefährten Dylans Anfang der 1960 in Greenwich Village im New York. Dylan war begeistert von ihrer Musik und Liam Clancy und Dylan waren gut befreundet. Dylan soll ihn als „the best ballad singer I’d ever heard in my life“ genannt haben.

Die Clancy Brothers erfanden die irische Folkmusik quasi neu, indem sie die oftmals langsamen und schwermütigen Balladen ein hohes Tempo, starke Rhythmik und kraftvollen Gesang und Pub-Atmosphäre gaben. Sie weckten in den USA wieder das Interesse an irischer Folkmusik und befeuerten auch in Irland selbst eine Folk-Renaissance. Ohne Clancy Brothers keine Dubliners und keine Chieftains.

Dylan hat wahrscheinlich von ihnen in den frühen Jahren in Greenwich Village den Song Eileen Aroon erlernt. In seinen frühen Jahren hatte er immer wieder mal irische Songs aufgenommen, doch nie welche in öffentlichen Konzerten gespielt. Eileen Aroon aber spielte er dann fast 30 Jahre später elfmal 1988 und 1989 in Konzerten. Darunter auch in Dublin. Bei dem Konzert war auch Liam Clancy anwesend. Laut Sean Wilentz beklagte sich Dylan später bei Clancy, das noch nicht einmal in Irland jemand diese Songs noch kenne.

Bei dem engen Verhältnis ist es kein Wunder, dass die Clancy Brothers 1992 bei Dylans 30-jährigem Plattenjubiläum im Madison Square Garden auftraten und eine rauschende Irish Folkversion von „When The Ship Comes In“ anstimmten.

Ein weiterer (nord-)irischer Freund von Dylan ist der mindestens ebenso mysteriöse Van Morrison. Von beiden zusammen gibt es ein schönes Video, in dem die beiden Brüder im Geiste Vans „Irish Rover“ zum Besten geben. Ja die irischen Sagen und Mythen sowie die Geschichte der irischen Einwanderer nach Amerika haben beide beeinflusst und ein spätes Echo mag auch die irische Melodielinie sein, die Dylan dem sagenhaften Tempest von 2012 unterlegt hat. Auch hier waren viele irische Auswanderer in der dritten Klasse an Bord, die aber nicht das gelobte Land, sondern den Tod fanden.

Und noch eine Anekdote am Rande. Mitte der 1980er Jahre sahen wir zweimal den schottisch-irischen Folkmusiker Tony Ireland, der einen lustigen Spottsong von Eric Bogle sang, in dem der sich beklagt, dass immer wieder Bob Dylan-Songs von ihm gewünscht würden.

Soweit für heute, morgen geht’s um Bob Dylans „Masked & Anonymous“ und was uns dieser Film heute zu sagen hat.

Best
Thomas

Bob Dylan – Eileen Aroon

The Clancy Brothers feat. Tommy Makem: When The Ship Comes In

Van & Bob: One Irish Rover

Eric Bogle: Do You Sing Any Dylan

Stoischer Sänger, tanzendes Publikum

3. August 2018

Der bekanntermaßen introvertierte nordirische Blues- und Soulbarde Van Morison braucht keine flotten Mitklatsch-Ansagen, um im Schlosspark Schwetzingen die Leute zum Tanzen zu bringen. Es reicht seine wundervolle Musik.

Welch ein Kontrastprogramm. Setzte noch vor dem Konzert von Joan Baez am 1. August der Regen ein, der zumindest die Stimmung in den ersten 30 Minuten etwas dämpfte, so war der 2. August an derselben Stelle, dem Schlosspark Schwetzingen, geprägt durch fetten Sonnenschein und knallheiße Temperaturen. Und dennoch: Auch das Konzert von Van Morrison benötigte eine gewisse Anlaufzeit. Die ersten Stücke waren noch nicht so richtig zupackend vorgetragen, auch wenn Van Morrisons Stimme von Anfang an voll dar war und er auch körperlich einen besseren Eindruck hinterließ wie beispielsweise bei seinem Frankfurter Gastspiel vor 10 Jahren. Und auch damit ergeht es ihm wie seinem stoischen „Bruder im Geiste Bob Dylan, der heutzutage so fit wirkt und gut singt wie lange nicht.

Mit dem dritten Song – dem Sister Rosetta Tharpe-Cover „How Far from God“ – kam Bewegung in die Sache. Und mit einem schönen Bluesmedley aus „Baby Please Don’t Don’t Go“, „Parchman Farm“, „Don’t Start Crying Now“ und „Got My Mojo Working“ war dann endgültig der Boden bereitet. Denn jetzt folgten die ersten Klassiker wie „Moondance“ und „Carrying A Torch“. Dazwischen musikalisch besonders reizvoll „Broken Record“, das Morrison mit seinem unnachahmlichen Talent für Phrasierung und Prononcierung zu einem kleinen Meisterwerk machte. Ab „Precious Time“ war es dann geschehen, immer wieder kamen Leute nach vorne und wollten tanzen. Zuerst wurden sie von den Ordnern mehr oder minder freundlich auf ihre Plätze zurück komplimentiert, bis Sir Van eine klare Ansage machte, man solle bloß nicht glauben, sie hätten etwas gegen tanzende Menschen, sie würden gerne tanzende Menschen sehen. Nun gab es kein Halten mehr, das Publikum drängte nach vorne und in die Seitenwege, und alle standen an ihren Plätzen und tanzten und bewegten sich freudig bis zum Schluss. Großartig!

Nun fielen die Höhepunkte dem Publikum vor die tanzenden Füße wie reifes, süßes Obst. Der vor allem in der Fassungen der „Beach Boys“ und des „Kingston Trios“ bekannte Folk-Gassenhauer „Sloop John B.“ wurde „Van The Man“ in einer verlangsamten, intensiven Skiffle-Version gespielt, inklusive Steel Guitar-Klängen. Und dann folgten auf der Zielgrade natürlich auch noch „Real, Real Gone“ und „Brown Eyed Girl“. Nach anderthalb Stunden verließ Van Morrison mit „Gloria“ die Bühne und ließ sich seine starke Band noch mehr als zehn Minuten mit mehreren Soli so richtig austoben bis das Konzert dann endgültig vorbei war.

Ein starker Abend mit einem sehr wachen und agilen und für seine Verhältnisse fast schon extrovertierten Van Morrison. Fantastisch!