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Der Zauberer

3. Februar 2015
Photo Credits: Sony Music, William Claxton

Photo Credits: Sony Music, William Claxton

Ehrlich gesagt kann ich weder mit Zirkus, noch Varieté noch mit Magiern so richtig was anfangen. Da bin ich nie richtig mit warm geworden. Ich respektiere aber schon die Leistungen von Artisten und Bühnenmagiern, da ich weiß wie viel harte Arbeit dahintersteckt.

Was ich mir aber auch stets bewahrt habe, ist der Respekt vor der mythischen Figur des Zauberers. Der – ohne Netz und  doppelten Boden – Dinge macht, die nicht so recht erklärbar sind. Also wirklich zaubert und nicht – anhand von Drähten, Lichteffekten und verborgenen Kammern – reale Handlungen verbirgt und Illusionen erzeugt. Der wirkliche Zauberer ist eine in Sagen, Mythen und Märchen überlieferte Figur. An ihn werden wir – aller Aufklärung zum Trotz – wohl immer, und sei es augenzwinkernd, glauben.

Dylan ist ja stets als Trickser bezeichnet worden. Also als einer, der uns was vormacht. Trickser hat immer eine negative Konnotation. Da ist einer nicht ganz ehrlich, da täuscht uns einer. Aber bitteschön, was macht denn dann ein Magier, ein Illusionist? Er täuscht, verblüfft und begeistert gleichzeitig die Leute. Dylan ist sicher der große Musiker unserer Zeit, dessen Ansehen am umstrittensten ist. Warum? Sicher auch, weil er die Medien stets so bedient, wie er es mag und für richtig hält, weil er nicht kumpanig ist und weil nur er entscheidet, wer ihm wann, wo und überhaupt nahe kommen darf.

Dylan als Zauberer zu sehen, wie es dieser Tage die Frankfurter Rundschau tut, ja, das kann ich voll und ganz nachvollziehen. Zum ersten Mal drängte sich mir dieses Bild beim Frankfurter Konzert 2007 auf. Bei „Nettie Moore“ führte er uns gedanklich ganz weit weg, sang zerbrechlich und prägnant zugleich, flüsterte sehnsuchtsvoll und füllte das Rund der Jahrhunderthalle mit einem Klangteppich, der so berührend, bezaubernd und fesselnd war, dass man atemlos der Darbietung folgte, und trotz aller Lautstärke das Gefühl hatte, eine Stecknadel fallen hören zu können. Reine Zauberei! Dazu kam, dass sein Bühnenoutfit durchaus an manchen Tagen auch einen großen Magier gut kleiden würde.

Und jetzt dieses Album. „Shadows In The Night“. Wie sehnsuchtsvoll, zart und berührend er singt. Wie wunderbar er die Songs arrangiert hat. Wie er das Album komponiert hat und welche Titel er ausgewählt hat. Und wie  er uns mitnimmt auf diese Reise voller Liebe, Verlangen, Niederlagen, Trauer und Einsamkeit, aber mit dem Schlussakkord der Hoffnung. Wieder: Ganz große Zauberei! Was für ein Künstler!

Two Ol‘ Blue Eyes

10. Dezember 2014

Bob-Dylan-Shadows-in-the-NightJetzt ist es also amtlich. Bob Dylans kommendes Studioalbum heißt „Shadows In The Night“ und erscheint am 3. Februar 2015. Es enthält nur Sinatra-Songs. Wir sind gespannt, inwieweit es geklappt hat, die Arrangements für 30 Personen-Bands auf die Dylan’sche Five Piece Band umzuschreiben und wie zu allem Dylans Stimme harmoniert. Einen kleinen, zu wenig aussagekräftigen Vorgeschmack haben wir schon bekommen. So durften wir doch schon mit „Full Moon And Empty Arms“ als erste Auskopplung sowie „Stay With Me“ als Zugabe auf der letzten Tour hören.

Dylan und Sinatra – da war doch was. Richtig. Auch wenn Bobby Blue Eyes als Singer-Songwriter das Musikbusiness revolutionierte und die Tin Pan Alley gleichsam ruinierte, seine Ehrfucht vor dem Great American Songbook als eine – wenn auch die am wenigsten hörbare – Wurzel seiner Musik begleitet ihn schon über lange Zeit. Die Verehrung für Sinatra ist ehrlich. Ein bewegendes Dokument ist die große TV-Show zu Frankies 80. Geburtstag, bei der Dylan eine wunderschöne Fassung seines „Restless Farewell“ zu Ehren des großen Sängers intoniert.

Musikalisch war von einer Beziehung zu Swing- und Jazzschlager in Dylans Werk bislang wenig zu spüren. Allein das für ihn äußerst ungewöhnliche „If Dogs Run Free“ von 1970 (LP „New Morning“) mit jazziger Melodieführung und mit Frauen-Scatgesang als zweite Stimme lässt sich bis in die jüngste Zeit als Beleg anführen. Seine Weihnachtsplatte „Christmas in The Heart“ 2009 und seine Radio Show waren dagegen echte Zeichen dafür, welche Pläne bei Dylan reiften.

Nun also „Bob sings Frank“. Der erfolgreichste Sänger mit der umstrittensten Stimme der Rockgeschichte singt die Songs von dem, der so unangefochten war, dass man ihn nur „The Voice“ nannte. Ganz schön selbstbewusst, der alte Bob. Dylan spricht davon die „totgecoverten“ Songs wieder auszugraben: „Sie wurden begraben, um ehrlich zu sein. Meine Band und ich graben sie wieder aus. Heben sie aus ihrem Grab und bringen sie zurück ans Tageslicht.“

Wirklich ganz schön selbstbewusst, der alte Bob. Und das ist auch gut so. Es gab Zeiten, da traute er sich gar nichts mehr und am Ende kam auch nur Halbgares raus. Nun traut er sich seit geraumer einfach wieder, seinen Weg mit seiner Vorstellung von Musik zu  gehen. Das kann eigentlich nichts Schlechtes werden.

Hören wir hier nun den Beitrag von Dylan zum Sinatra-Geburtstag sowie „Full Moon And Empty Arms“: