Ja, auch Clint Eastwood hat Musik gemacht und liefert damit endlich das Vehikel, um ihn hier rühmen zu können. „Clint Eastwood sings Country Favorites“ heißt der Silberling, den ich bei Saturn erstanden habe. Ein Billigangebot. Kurz mal reingehört und man weiß, warum. Ein paar Country-Schnulzen, die bald alle gleich klingen, drüber Eastwoods überraschend ordentliche Schmachtstimme, dazu ein paar „Bonustracks“: Orchesteraufnahme großer Western-Filmthemen. Nichts, das man wirklich braucht. Im Gegensatz zu seinen Filmen.
Während ich mit Eastwoods „Dirty Harry“-Filmen und seinen Italo-Western nie so recht was anfangen konnte, entdeckte ich ihn mit seinem Spätwerk als Schauspieler und Regisseur. „In the Line of Fire“ hieß der packende Thriller von Wolfgang Petersen, in dem er einen alternden Präsidenten-Leibwächter spielt. Sein lakonisches, altersweises Spiel veredelte über die Jahre so manchen Film. Und als Regisseur wurde er zu einem der ganz großen in Hollywood. Ob die bewegenden „Mystic River“ und „Million Dollar Baby“ oder seine beiden Filme über die amerikanisch-japanischen Auseinandersetzungen im Zweiten Weltkrieg. Und in diesem Jahr hat er uns mit „Der fremde Sohn“ und „Gran Torino“ zwei der schönsten Filmerlebnisse geschenkt. Im Mutter-sucht-Kind-Drama hat er es als Regisseur verstanden aus Angelina Jolie großes Ausdruckskino herauszuholen. Und in „Gran Torino“ spielt Clint Eastwood so rührend melancholisch und tragikomisch den Autobauerveteranen inmitten Detroits Niedergang, dass es einem nur so das Herz erweicht.
Eastwood ist als großer Jazzfreund bekannt und so hat er unter dem Titel „Bird“ einen Film über das Leben des Musikers „Charlie „Bird“ Parker gedreht, der für einiges Aufsehen gesorgt hat. Weniger bekannt ist der sehenswerte Film „Honkytonk Man“. Hier spielt er einen todkranken Countrymusiker in der Zeit der Wirtschaftsdepression. Eine Figur, angelehnt an Hank Williams, ein Film, in dem man viel über das Leben als Musiker im ländlichen Amerika der 30er und 40er Jahre erfährt. Über die Gigs für wenig Geld in den Honkytonks und dass es für viele weiße Musiker kein Problem war, mit ihren schwarzen Kollegen zusammen zu spielen. Hank Williams hat das Gitarrespielen von einem schwarzen Nachbarjungen gelernt und legendär ist die gemeinsame Session von Jimmie Rodgers und Louis Armstrong. Und der Film erzählt vom großen Traum in der „Grand Ole Opry“ in Nashville aufzutreten.
Schade nur, dass die Musik in dem Film leider auf reinem Country-Schlager-Niveau bleibt. Und da schließt sich der Kreis zu meiner neu erworbenen CD. Als Country-Sänger fehlte Eastwood leider etwas das Fortune. „Clint Eastwood sings Country-Traditionals, produced by T-Bone Burnett” das wäre was!
Manchmal soll man bewusst die Superlative sein lassen. Manchmal ist das verdammt schwer. So auch in diesem Fall. Bringen wir es so nüchtern wie möglich auf diesen Satz: „The Felice Brothers“ sind die neuen viel versprechenden Sterne am Americana-/Folk-Rock-Himmel.
Eine prall gefüllte Woche New York liegt hinter uns. Eine Entdecker-, Lauf-, Essen und Trinken-, Wohlfühl-, Musikwoche, von der wir lange zehren werden.
Dem alten Bob ein dreifach donnerndes, weihnachtliches „Judas!“ Wer die einschlägigen Dylan-Blogs und Foren dieser Tage las, dem konnte übel werden: Nichts Neues unter den selbst erklärten Dylan-Jüngern seit Newport und Manchester. Da hatte es sich doch der Meister erdreistet, einfach mal aus Bock ein Weihnachtsalbum aufzunehmen. Und da der Alte wirklich nichts mehr verdienen muss, gehen seine Einnahmen auch 1:1 an Wohltätigkeitsorganisationen.
Geschafft! Nachdem Dylan während unserer New York-Reise es vorzieht irgendwo im Heartland und im Westen der USA zu touren, konnte ich mir nicht so recht vorstellen, dass im „Big Apple“ kein Event mit Dylan-Bezug zu finden sei. Und habe recht behalten: Auf geht’s zu Weinprobe in die „City Winery“, bei der die guten Tropfen mit den live dargebotenen Dylan-Songs korrespondieren sollen. Für mich als Weintrinker eine Vorstellung, die mich genauso amüsiert wie neugierig macht.
Wem Bob Dylan schon immer zu intellektuell, Bruce Springsteen zu aufgesetzt-arbeiterhaft, Tom Petty in letzter Zeit zu eremitisch, John Mellencamp zu vage und Lou Reed schon immer zu androgyn-avantgardistisch war, dem sei Willie Nile empfohlen. Wer eingängigen schnörkellosen Mainstream-Rock mit eingängigen Melodien und Texte mit Anliegen mag, der wird hier bestens bedient.
Sie war immer da. Meine Beziehung zu ihr war nie so eng und so stetig wie die zu Dylan, ich habe sie schon auch mal aus den Augen verloren, weil ich sie auch nicht so nah kannte, aber sie gehörte immer dazu.
Mensch, könnte Jeff Rosen nicht