Posts Tagged ‘Americana’

Selbstbildnis

20. Juli 2013

Ich gebe es gerne zu. Auch ich habe die Platte seit vielen Jahren im Regal und habe sie, wenn’s hochkommt, zweimal in meinem LebenSelf Portrait gehört. Der Vollständigkeit halber. Und sie seitdem nicht vermisst. Die Rede ist – Dylan-Afficionados wissen es längst – natürlich von „Self Portrait“. Der stets verkannten und oft verdammten Dylan-Scheibe von 1970.

Sie ist nun wieder in der Dylan-Welt in aller Munde. Denn ausgerechnet die Aufnahmen zu dieser Platte bilden die Basis und den Hintergrund für  die neueste Veröffentlichung der Bootleg-Series. Sicher, wir alle hätten was anderes lieber gehabt. Endlich mal wieder ein Live-Album, mit den besten Aufnahmen der Never-Ending-Tour. Oder die kompletten Dylan-Cash-Sessions. Oder die Bromberg-Sessions von 1992. Oder Outtakes der jüngsten Platten. Aber Self Portrait?

Und doch: Da man ja davon ausgehen kann, dass bei Sony nichts von Dylan veröffentlicht wird ohne seine Zustimmung, hatte er wohl zumindest nichts dagegen, etwas mehr Licht in diese Schaffensperiode zu bringen. Und so ist diese Ausgabe der Bootleg-Series für die Dokumentare und Archivisten unter den Dylan-Fans besonders wichtig. Aber: Die Platte kann mit einigen Jahren Abstand durchaus gehört werden. Denn sie dokumentiert nicht weniger als Dylans eigene Bestätigung der Basement Tapes: Dylan manifestiert sich in diesen Jahren als Künstler, der fest verortet ist in der Musik von Americana und Great American Songbook. Dylan als Rock-Avantgardist endete 1966. Seitdem ist er zwar weiterhin innovativ. Aber musikalisch eignet er sich nur mehr vorhandenes an, bzw. bringt es zusammen: Nach Rock meets Folk, nun Rock meets Country, Rock meets Medicine Show meets Commedia dell’arte (Rolling Thunder Review) , Rock meets Big Band (Welttournee 1978) , schließlich Rock meets Gospel (1979-81). Seine Genialität liegt in der der traumwandlerisch-bestechenden Mischung der musikalischen Versatzstücke und der kulturellen Ausdrucksformen,  die er nutzt, um auf ihnen große Songpoesie zu entfalten.

Doch hier auf Selbst-Porträt muss er die Versatzstücke und Genres erst mal finden und sich aneignen. Als Zeugnis künstlerischen Outputs ist Self Portrait weniger relevant. als Zeugnis künstlerischen Inputs umso mehr. Dieser Dylan – und das erinnert uns an manch frühes Konzert der Never Ending Tour- übt vor Publikum.

Ja und dann…dann habe ich mir Self Portrait doch ein bisschen schön gehört.  Wer das Album hat, sollte sich mal darauf einlassen. Manches kommt einem bekannt vor, manchem begegnet man in späteren Schaffensperioden wieder, manches hört sich wirklich gar nicht schlecht an. Und manches bleibt einfach obskur. Ein wichtiges Stück Dylan ist wieder entdeckt worden. Unerschöpflich diese Quelle…

Und hier zur musikalischen Untermalung ein schönes Video zu „Blue Moon“ in der Self Portrait-Fassung:

Americana in der Ägäis

2. Juli 2013
Lyra and friends2013klein

Im Lyra And Friends

Kaum zu glauben. Selbst wenn wir nicht in die USA fahren, um dort eine Musikrundreise zu starten, finden wir viele Spuren des Americana. So jüngst auf Karpathos.

Dies ist eine kleine griechische Insel – zwischen Rhodos und Kreta gelegen – mit einer großen Verbindung zu den USA. Seit dem Ende des Krieges hat es immer wieder große Teile der Bevölkerung nach den Staaten gezogen. Entweder bleiben sie dort und kehren sporadisch auf Heimaturlaub zurück und unterstützen ihre hier gebliebene Verwandtschaft. Oder sie kehren nach vielleicht zwanzig Jahren heim und stecken Erspartes und Know-how in eine Firma, eine Taverne oder ein Hotel.

Ricardo-klein

Ricardos Auftritt

So wie Nikita, dem Chef des Three Dolphins, mit dem wir einen denkwürdigen ersten Urlaubsabend erlebten. Nikita war lange Jahre in Baltimore („The Lady came from Baltimore“!) ansässig. An diesem Abend trafen sich bei ihm in der Taverne zufällig zwei norwegische und zwei deutsche Dylan-Fans. Es wurde ein sehr amüsanter, anekdotenreicher Plausch über His Bobness. Einer der Norweger war seines Zeichens Singer-Songwriter mit Künstlername Ricardo (nicht Renaldo!).

Am kommenden Abend sang er neben dem Song über eine Fahrt mit der Mississippi Queen nach New Orleans und einige karpiothische Weisen, noch einen selbstgeschriebenen Song über Karpathos. Und mit Nikita unterhielten wir uns an einem weiteren Abend nicht nur über Bob Dylan, sondern auch über Willie Nelson.

Aber auch in unserer geliebten Hafenbar – ihr Name war natürlich auch ein Musikmotiv: Lyra and friends – gab es Anknüpfungspunkte an Amerika. Denn Antonis, den wir schon im letzten Jahr kennen und schätzen gelernt hatten, hatte diesmal Unterstützung von Ricky, einer jungen Amerikanerin. Und wo kam sie her? Aus Fargo! Wir alle kennen den faszinierenden Coen-Brüder-Film… Wahnsinn! Und Dylan wurde hier auch gespielt!

So war dieser Urlaub neben der vielen Erholung, die er uns geschenkt hat, auch auf seine Art wieder ein Americana- und Musikurlaub. Irgendwie kriegen wir das nicht los. Und warum auch? Es ist herrlich!

DeinLandMeinLand Revisited

20. April 2013

Altogether1Gelungener Performance-Abend in Frankfurt

Die Organisatoren Martin Wimmer, Andreas Gärtner und Robert Bock dürfen sich freuen. „DeinLandMeinLand“, die Veranstaltung am 16. April, die die Situationistische Internationale, die Solidarische Moderne sowie Folk und Americana zusammenbringen sollte, war ein voller Erfolg. Eine volle Ausstellungshalle in Sachsenhausen und ein Publikum, das sichtlich angetan war von Musik und Lesungen zeugten von einem gelungenen Abend.

Martin Wimmer spießte in seinen Textbeiträgen mit feinem Witz ungeahnte Parallellen und historisch-kulturelle Verbindungen zwischen Amerika, Schweden und Bayern auf, die Singer-Songwriter Markus Rill und Eva Hillered begeisterten mit ebenso gefühlvollem, wie erdig-rauhen Americana, Thomas Waldherr stellte Woody Guthrie, Hank Williams, Johnny Cash und Bob Dylan in einen historisch-politischen Zusammenhang und Andreas Gärtner erläuterte den Prozess, wie sein und Martin Wimmers Kunstwerk „DeinLandMeinLand“ entstand.

Nachdem alle zum Abschluss gemeinsam Woodys Hymne „This Land Is Your Land“ gesungen hatten, schlossen sich an das offizielle Programm noch interessante Gespräche an. Auch das war ja ein wichtiges Ziel der Veranstaltung. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass dieser Abend eine Fortsetzung erfährt. Denn ein „Salon“ mit solch einer politisch-musikalischen Ausrichtung fehlte in Frankfurt bislang.

DeinLandMeinLand

23. März 2013

Thomas2012Ich freue mich bekannt geben zu können, bei einer spannenden Veranstaltung am 16. April zu lesen.

„DeinLandMeinLand“ ist, so Organisator Martin Wimmer, „ein interdisziplinärer Abend für alle, die sich für Deutschland, Amerika, Schweden, Texas, Kalifornien, Hessen, Bayern, München, Frankfurt, Austin, Typographie, Approbiation, Zitate, die Situationistische Internationale, eine Solidarische Moderne, Gewerkschaften, Woody Guthrie, Bob Dylan, Steve Earle und Townes Van Zandt interessieren“. Mit dabei sind der Künstler Andreas Gärtner, der Musiker Markus Rill, Martin Wimmer, die Singer-Songwriterin Eva Hillered und ich.

Das Ganze steigt am Dienstag, 16. April, um 19.30 Uhr in der Ausstellungshalle in Frankfurt-Sachsenhausen, Schulstraße 1A. Mein Thema wird natürlich DYLANGUHTRIECASHWILLIAMS sein.

Wer mehr über die Mitwirkenden wissen will:

http://www.andreasgaertner.de

http://www.markusrill.net

http://www.deinlandmeinland.com

http://www.evahillered.se

http://www.bobby1963.wordpress.com

http://www.ausstellungshalle.info

Alternative Country goes Literature

11. Mai 2012

 Beachtenswertes Buch-Debüt von Simone Felice

Dass Musiker auch mal schriftstellern ist so außergewöhnlich nicht. Und Bob Dylans Buch „Chronicles Vol.1“ war ja auch mehr bestechende, phantasie- und schwungvolle Prosa, als das Versprechen auf die einzig wahre Lebensgeschichte des Robert Zimmerman.

Interessant ist dagegen die zeitliche Nähe von zwei Erstlingen anerkannter Alternative Conutry/Americana-Künstlern. Letztes Jahr hatte Steve Earle sein „I’ll Never Get Out Of This World Alive” vorgelegt. Nun hat auch der “Felice-Brother” Simone sein Romandebüt mit „Black Jesus“ gegeben.

Beides muss auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass verstärkt auch die Verelendung Amerikas und die Perspektivlosigkeit des „White Trash“ Thema der Literatur wird. An anderer Stelle in diesem Blog habe ich schon darauf hingewiesen, dass die Autoren der beiden „Küsten“, sei es ein Roth, ein Ford, ein Franzen oder ein Boyle wenig über den Gemütszustand und die Lebensumstände weiter Bevölkerungsteile sagen und daher nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit wiedergeben können. Romane wie „Winters Bone“ haben hier eine Trendwende eingeleitet.

Und beide Romane, sowohl der von Earle, als auch der von Felice, nehmen sich der Verlierer an. Seit Steinbecks „Straße der Ölsardinen“ kennt man das Sujet, aber Earle nimmt ihm jeden unverbindlichen Charme, jede Schönung und jeden Ausweg. Man sieht das böse Ende des heruntergekommenen Arztes bei den Junkies im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet von Anfang an kommen. Das ist weder überraschend noch spannend. Warum Earle sein Buch nicht heute, sondern vor fünfzig Jahren spielen lässt, erschließt sich auch nicht, da das Grundmotiv mit Hank Williams’ Geist überhaupt nicht schlüssig ausgearbeitet wird. Für mich war das Buch schon etwas enttäuschend.

Ganz anders dagegen Simone Felice. Ein verwundeter Soldat aus dem Irak-Krieg heimgekommen, eine Mutter als Trödeltante in der verkommenen Trailersiedlung, ein Mädchen, geflüchtet vor einem brutalen, zynischen Rockkritiker aus reichem Haus – Archetypen, die aber jederzeit stimmig sind. Das Milieu ist treffend beschrieben, die Figuren vom Autor nie verraten. Selten wurde das amerikanische Elend so drastisch, ernsthaft und dennoch kurzweilig beschrieben. Und am Ende bleibt doch ein Funken Hoffnung. Ganz lässt sich Felice seinen amerikanischen Traum dann doch nicht nehmen. Dem Singer-Songwriter ist da ein großer Wurf gelungen. Er schreibt packend, aber oftmals fast schon zärtlich fabulierend. Wie einer, der selber beobachtet, wie sich die Dinge entwickeln und staunend, fast ungläubig erzählt. Sehr lesenwert.

 Bleibt zu Earles Ehrenrettung noch zu sagen, dass seine gleichnamige Platte weitaus besser als das Buch ist, während Felice gleichzeitig erschienenes Soloalbum zwar schön ist, aber nicht mit der Wucht des Buchs mithalten kann. Verdammt wichtige amerikanische Künstler und Freigeister sind sie beide.

Dave Alvin

14. April 2012

 Es ist an der Zeit, hier einmal Dave Alvin zu würdigen. Alvin ist schon einige Jahre im Geschäft und einer interessantesten Künstler im Americana/Roots-Rock-Bereich. Stets viel Lob für seine klasse Musik erhalten, aber nie den ganz großen Erfolg gelandet. Schon lange verfolge ich sein Wirken. Das erste Mal stieß ich auf Ihn, als ich Anfang des Jahrtausends in Folge von „Oh Brother, where art thou?“ die traditionelle amerikanische Musik nur so aufsog. „Public Domain“ hieß sein Album mit Folksongs aus dem Jahre 2000, für das er einen Grammy für das “Best Contemporary Folk Album” erhielt. Später war es dann seine Zusammenarbeit mit den „Guilty Women“ – darunter Cindy Cashdollar von „Asleep At The Wheel“ – auf die ich im Internet zufällig stieß. Die Platte, die beide Seiten zusammen machten war gut, aber nicht ganz so gut wie die Liveauftritte, die am im Netz sehen konnte.

Und manchmal verliert man einen Künstler ein bisschen aus dem Blick. So ging bei mir völlig unter, dass er im vergangenen Jahr das Album „Elven, Eleven“ heraus gebracht hat. Und weil das nicht sein darf, weil dieses Album so gut ist, stelle ich es kurzerhand hier vor.

„Eleven, Eleven“ startet mit coolem Gitarren-Bluesrock. Inhaltlich erzählt der erste Song auf der Platte von einer alten Liebe entlang der „Harlan County Line“. „Johnny Ace Is Dead“ ist ein typischer Alvin-Song. Fast im Reportagestil erzählt und mit treibendem Beat handelt er von den Geschehnissen rund um den tragischen Tod von Johnny Ace. Ein weiterer Anspieltipp ist „Black Rose Of Texas“. Ein trauriges, einfühlendes Lied über eine Frau, die kein Glück im Leben und mit den Männern hatte. Den starken Anfang komplettiert sein Bericht über „Gary, Indiana“ im Jahr 1959. Damals als es noch Stahlindustrie und starke Gewerkschaften gab. Americana vom Feinsten und Dave Alvins Songwriterkunst ist absolute Spitze. Weiter geht es mit groovenden Rootsrock, der aber auch einmal von einer langsamen Tex-Mex-Ballade wie „No Worries Mija“ unterbrochen wird. Weitere Höhepunkte der Platte sind die Duette mit Christy McWilson von den „Guilty Women“ bei „Manzanita“ und mit seinem Bruder Phil Alvin bei „What’s Up With Your Brother?“.

Eine wunderschöne, gleichsam relaxte wie engagierte Platte, bei der neben den Geschichten, die erzählt werden und der Musik vor allem natürlich auch die sonore Stimme Dave Alvins einfach nur gut ist.

Unten stehend ein kleiner Ausschnitt aus einem Konzert von „Dave Alvin & The Guilty Women“, der ihre Live-Qualitäten eindrucksvoll belegt. Wäre schön, wenn der alte Americana-Haudegen auch mal den Weg nach Deutschland finden würde.

Eine Lesereise zu Bob Dylan

2. Februar 2012

“I’m in a cowboy Band“ – Tour 2012

Thomas Waldherr, der Autor von „I’m in a Cowboy Band“ wird auf drei Veranstaltungen im März aus seinem Dylan-Buch lesen.

Die Premiere des Programms ist am Dienstag, dem 6. März, um 19.30 Uhr im Alsbacher Restaurant Hellas (Alte Bergstraße 76). Der Eintritt beträgt 5 Euro. Mitveranstalter ist die Jugenheimer Buchhandlung Zabel.

Weiter geht es am Samstag, dem 10. März ab 20 Uhr in der Darmstädter Traditionsgaststätte „Bayrischer Hof“ (Alexanderstraße 33). Der Wirt und passionierte Dylan-Fan Michael Stein und Thomas Waldherr laden zu einer Lesung bei Ebbelwoi und Salzgebäck ein. Auch hier beträgt der Eintritt 5 Euro.

Den Abschluss der Tour bildet dann eine kleine, exklusive Veranstaltung. Wieder heißt es „Dylan meets Ebbelwoi“: In der Stöffche-Metropole Frankfurt am Main wird am Samstag, dem 31. März der „Ebbelwoi Express“ zum „streetcar named desire“. Neben der Lesung von Thomas Waldherr werden die Mitreisenden von den Lokalmatadoren „Die DoubleDylans“ unterhalten, die ihr neues Album „Bluesbrüder“ vorstellen. Für diesen einmaligen Event zum „Fahrpreis“ von 10 Euro ist eine Voranmeldung per E-Mail an diedoubledylans@web.de oder thwaldherr@web.de erforderlich.

Happy New Year oder Sing den Bobby Dylan!

27. Dezember 2011


Ein schier unerschöpflicher Quell lustvollen Streits sind die unzähligen Coverversionen von Bob Dylan-Songs. Obwohl doch jeder weiß, „Nobody sings Dylan like Dylan“, haben sich im Laufe der Jahre unzählige Künstler über Dylan-Werke hergemacht. Und das mit wechselndem Erfolg. Von den ganz großen Klassikern wie The Byrds’ „Mr. Tambourine Man“ oder Van Morrisons „Just Like A Woman“ über Peinlichkeiten wie Bryan Ferrys „Don’t Think Twice“ bis zu Unterirdischem wie Mike Krügers (!) „Nackig An Der Himmelstür“ reicht da das Spektrum.

Braucht die Welt also neue Coverversionen von Dylan-Songs? Gänzlich unbeeindruckt von dieser Frage haben sich nun 80 Künstler darangemacht und ihre persönlichen Dylan-Favoriten anlässlich des 50. Bestehens von Amnesty International aufgenommen. Heraus gekommen ist „Chimes Of Freedom“, eine 4-CD-Box mit 75 Songs, die am 24. Januar 2012 erscheint. Und das beste: Neben den üblichen Verdächtigen wie Patti Smith, Mark Knopfler oder Lucinda Williams sind auch bislang wenig als Dylan-Apologeten aufgefallene Künstler wie Lenny Kravitz, Natasha Bedingfield, Adele, My Chemical Romance, Ke$ha, Maroon 5, Miley Cyrus und sogar Schauspielerin Evan Rachel Wood dabei. Den letzten Song, den Titeltrack „Chimes Of Freedom“, steuert der Meister dann höchstpersönlich bei.

Die Menschenrechtsorganisation ehrt also zum ihrem 50-jährigen sich selbst und den immer noch gerne als Protestsänger angesehenen Bob Dylan in seinem 50. Jahr als Recording Artist. Am 19. März 1962 erschien Zimmies erstes Album mit dem Titel „Bob Dylan“. 50 Jahre später ist er einer der meist gecoverten Musiker überhaupt. Die bald erscheinende Box wird wahrscheinlich auf ewig das „non plus ultra“ auf diesem Feld sein. Auch wer Dylan als Sänger nicht unbedingt mag, sollte an diesem Album Spaß haben.

Apropos Coverversionen: Auch der Schreiber dieses Blogs hat schon Coverversionen aufgenommen, die er nun zum Jahreswechsel 2011/ 2012 einer größeren Öffentlichkeit nicht mehr vorenthalten will. Viel Spaß beim Hören mit Dylans „Just Like A Woman“ vom legendären gemeinsamen Auftritt mit den „DoubleDylans“ im Jahr 2006 sowie dem Hank Williams-Stück „Hey Good Lookin’“, aufgenommen 2010 in Nashville.

Bleibt mir noch, allen Lesern dieses Blogs ein gutes und erfolgreiches Jahr 2012 zu wünschen!

„Just Like A Woman“: Dylan Thomas

„Hey Good Lookin'“: Thomas_sings_Hank

„Dylan und Country“ im Radio

12. November 2011

Am 8. November war der Autor dieses Blogs zu Gast bei Radio Darmstadt in der Sendung Country Pur. Zwei Stunden lang waren Dylan und seine Beziehung zur Countrymusik das Thema, der von Karla K. Walter moderierten Sendung, wobei der Schwerpunkt natürlich auf viel Musik lag. Vielen Dank an Frau Walter und Radio Darmstadt, dass sie diese Sendung ermöglicht haben. Viel Spaß beim Hören des Mitschnitts!
Radio Darmstadt_ 20_00 Uhr(Radio Darmstadt) – Thomas Waldherr – Bob Dylan Feature

Retro und Spaß dabei!

21. September 2011

Kitty, Daisy & Lewis begeistern in der Centralstation

Begeistertes Publikum, zufriedene Gesichter und überall gute Laune. Und das nur weil drei Geschwister Musik gemacht haben? Manchmal kann es eben so einfach sein, wenn es gut gemacht ist.

Kity, Daisy & Lewis schwimmen auf der Retro-Welle und dies gekonnt. Spielen Blues, Swing, Rockabilly und ein bisschen Country und nehmen dies mit altem, analogem Equipment auf. Wären sie Amerikaner, so hieße ihre Musik „Americana“ und wäre sicher hierzulande schwer zu vermarkten. Da sie aber Engländer sind und ihre Eltern feste Größen im britischen Musikbusiness sind, segelt das Ganze eben auf der „Retro-Welle“ und wird bei den jungen Leuten als „hip“ eingestuft.

Spielen Ryan Bingham oder Holly Williams dann sind die Sääle kleiner, das Publikum gemischt, mit dem Schwerpunkt von 35-50 Jahren. In der Centralstation war es deutlich jünger. Eindeutiges Indiz dafür, dass die Band bei den Kids angesagt ist.

Den Auftakt machte wieder mal ein Phänomen, dass eigentlich kaum noch auszuhalten ist. Eine Vorgruppe, die irgendwo im Bereich Soft-Gothic-Pop einzuordnen ist und die eigentlich keiner sehen will, nimmt uns in künstlerische Geiselhaft. Dann folgt eine (zu) lange Umbaupause. Und danach dauert es – kein Wunder – doch einige Titel bis Künstler und Publikum auf Betriebstemperatur sind. Ausgerechnet als wir uns über den Trompeter aus Jamaica und die scheinbar unerwartete Wendung des Konzertes wundern, kommen die Schwestern und der Bruder richtig in Fahrt. und bald haben sie den Saal im Griff.

Wenn Lewis unnachahmlich altertümlich die große E-Gitarre spielt, als wäre er gerade in den Sun Studios in Memphis/Tennessee, Kitty ein schier endloses, wahnwitziges Mundharmonika-Solo bläst und Daisy anmutig und beschwingt die Snare Drum spielt, beginnt das Publikum schier in Ekstase zu fallen. Dann wird ausgelassen getanzt und vor Entzückung gejuchzt. Immer wieder wechseln die Drei die Instrumente, Lewis geht an die Drums, Daisy an das E-Piano und Kitty wechselt zum Banjo. Alles geht hin und her. Sie spielen alle ihre bekannten Titel und gehen nach 5 Songs als Zugabe unter großem Jubel ab.

Der Americana-Freund ist zufrieden, diese Musik bekommt man hierzulande nicht oft geboten. Stellt sich nur die Frage: Warum hat keiner den Mut mal ein Konzert-Package zusammenzustellen, das musikalische Traditionslinien berücksichtigt. Wenn Kitty, Daisy & Lewis bei den Kids funktionieren, dann doch bestimmt auch das Western-Swing-Trio Shotgun Party oder die Bluegrass-Jazzer von The Toy Hearts. Doch schnell ist die Antwort parat. Dem Musikbusiness geht es nicht um das bewusste Musik hören. Daher weiß man auch nicht wie lange die Geschwister aus Kent dieser Musik treu bleiben können. Spielen und fühlen können sie sie auf alle Fälle. Prädikat: Outstanding!