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Jack White

4. Juni 2014

Blunderbuss-cover-image-300x300Der Bluesrock-Star als Musikhistoriker

Ich gebe zu, ich bin kein riesig-großer Bluesrock-Afficionado. Ich höre ihn schon, aber ich höre ihn vor allem gerne inmitten von breiter angelegten musikalischen Konzepten. Daher habe ich mich auch nicht sehr ausgiebig mit Jack Whites aktuellem Solowerk wie „Blunderbuss“ beschäftigt, und auch die „White Stripes“ habe ich eher mit höflichem Interesse, denn mit schierer Begeisterung gehört. Wobei mein Riesenrespekt der Leistung gilt, mit „Seven Nation Army“ bereits Musikgeschichte geschrieben zu haben.

Nein, mein Zugang zu ihm und der Grund dieser Würdigung liegt in den Leistungen Whites als Musikhistoriker und – Bewahrer. White ist einer der ganz wichtigen Leute, die die amerikanische Populärmusik über enge Genregrenzen  hinweg bewahren und erforschen. Mögen die einen Blues spielen oder die anderen Bluegrass oder Old Time – Whites Verständnis ist breiter. So hat er in den letzten Jahren der Coalminer’s Daughter der Countrymusik, Loretta Lynn, ebenso zum Comeback verholfen wie der Rock’n’Roll-Veteranin Wanda Jackson, dem „Hurricane with Lipstick“ (Bob Dylan), oder produziert mit Pokey LaFarge, einen Roots-Musiker an der Schnittstelle zwischen Old Time, Swing und Country.

Seinen neuesten Coup hat er nun als Co-Produzent von Neil Youngs neuer Platte „A Letter Home“ gelandet. Er hat den Kanadier in die Dose singen lassen. In seinen „Voice-O-Graph“, einem Aufnahmegerät aus den 30er und 40er Jahren. Und zwar Musik aus dem 50er- und 60er Jahren. Entstanden sind knisternde, knarzende Tondokumente von Young mit voller Inbrunst gesungenen persönlichen Songfavoriten.

White und Young haben die Rückbesinnung auf retromäßige analoge Aufnahmetechniken – vorzugsweise an historischen Schauplätzen wie dem Studio A in Nashville oder den Sun Studios in Memphis auf die Spitze getrieben und etwas einzigartiges erschaffen. Nämlich eine Gelegenheit für jeden HiFi-Junkie mal wieder daran zu denken, dass gute Musik direkt in Kopf, Herz und Bauch geht, egal wie der Klang des Tonträgers und des Equipments ist. Die Musik von Jimmie Rodgers und der Carter Family, von den Mississippi Sheiks oder Robert Johnson hat die Menschen erfasst – mit Knistern, Knastern und Rauschen.

Was uns White seit einigen Jahren präsentiert ist lebendige Musikgeschichte. So wie er und Young gibt sich ansonsten so allumfassend nur Bob Dylan der Brauchtumspflege hin. Und in der Countrymusik der wunderbare Marty Stuart. Es bleibt zu hoffen, dass es hilft aus Musikkonsumenten bewusste Hörer zu machen.

Denn wie alt auch immer Volksmusik, Populärmusik, Country, Folk oder Blues sein mögen – es ist unsere Musik!

Beispiele gefällig? Einmal White mit der alten Folkballade „Wayfaring Stranger“, dann mit Wanda Jackson und dem Dylan-Song „Thunder On The Mountain“:

 

Der Besuch der alten Dame

20. Oktober 2012

Wanda Jackson konzertiert souverän ihren Backkatalog

Die Frau ist jetzt 75. Sie vergisst hier und da schon etwas und scheint nicht mehr ganz so gut auf den Beinen zu sein. Doch im Scheinwerferlicht am Mikrofon macht ihr auch an diesem Abend im Granada-Theater in Dallas keiner was vor. Eine souveräne Entertainerin blickt auf ihre Karriere zurück und ihre unverwechselbare Stimme klingt immer noch richtig gut.

Dabei begann der Konzertabend alles andere als vielversprechend. Zu Beginn langweilte uns Daniel Romano mit ein dutzend Versionen des gleichen jammerigen „Lonesome Cowboy“-Songs. Seine Band war dann auch die Begleitband von Wanda. Die legte voll Stoff los, sang ihre großen Hits wie „Let’s Have A Party“ und „Fujijama Mama“ ebenso wie ihre neuen Songs aus den Alben mit Jack White – leider nicht Dylans „Thunder On The Mountain“ – und Justin Townes Earle und brillierte mit launigen Ansagen.

Am Ende stehende Ovationen und die Gewißheit wirklich die „Queen of Rock’n’Roll“ als „Hurricane with Lipstick“ (Bob Dylan) erlebt zu haben.

Wanda Jackson, Jack White, Bob Dylan und „Thunder On The Mountain“

13. Februar 2011

Wanda Jackson Single "Thunder On The Mountain"Nach Country-Legende Loretta Lynn hat Jack White mit Rockabilly-Queen Wanda Jackson erneut einer Künstlerin zum Comeback verholfen, die schon die 70 überschritten hat. „The Party Ain’t Over“ wird von der Kritik im Allgemeinen wohlwollend besprochen, es wird aber auch darauf hingewiesen, dass Jack Whites musikalisches Konzept hier und da zu uniform für die ausgewählten Songs ist.

Über den Songs, bei dem Whites Herangehensweise am besten funktioniert möchte ich hier schreiben. Er ist zugleich der überraschendste und wichtigste Track auf dem Album: „Thunder On The Mountain“. Bei TOTM wird das Rockabilly-Element herausgearbeitet, Wanda gibt wieder die Röhre und Whites Gitarrensoli wirken hier kongenial, indem sie sich ebenso nahtlos einfügen wie den Sound entscheiden zu prägen.

Den Tipp, doch diesen Songs zu verwenden hat White von niemand anderem, als dem Autor selbst, von seinem väterlichen Freund Bob Dylan erhalten. Dieser hatte sich in der Vergangenheit schön öfters sehr respektvoll über Wanda geäußert: „An atomic bomb in lipstick – The Queen of Rockabilly.“

„Thunder On The Mountain“ passt musikalisch bestens, da in seiner Dylan-Urform schon der Rockabilly zu erkennen ist. Textlich aber ist es ein typischer Song des späten Dylan mit apokalyptischen und religiösen Bildern gepaart mit der Einsicht in die Endlichkeit und dem dennoch ungebeugten Willen immer weiter zu gehen. Also meilenweit entfernt von „Let’s have a party“ aber für die Wanda Jackson von heute ein sehr passendes Statement.

Hier das Video von Wanda und Jack White: