Archive for the ‘Country’ Category

Mit der Apfel-Bimmelbahn, Oh Yeah!

5. April 2012

Lesereise vorerst beendet – Dylan im Sommer in Deutschland – Americana-Festival in Marburg

Mit der Fahrt im „Streetcar Named Desire“, vulgo Ebbelwoi-Express, am vergangenen Samstag (31. März), ist die kleine „Lesereise zu Bob Dylan“ vorerst beendet. Es war ein Riesenspaß für alle Beteiligten. Bestens wie immer waren die DoubleDylans, die mit ihrem „Apfel-Bimmelbahn-Song“ die Leute zum Mitsingen animierten und viel Stimmung in die Wagen brachten. Die Fahrt in der ruckelnden, hoppelnden und quietschenden Tram vor lebhaftem Publikum entwickelte sich für den Vortragenden zur erwarteten Herausforderung, wobei Equipment und Dramaturgie der Lesung für solche Gegebenheiten noch optimierbar sind. Die Resonanz auf den Buchvortrag war auch hier sehr positiv. Fazit: Es war wirklich ein schöner, stimmungsvoller Nachmittag: Der Dank geht an die DoubleDylans, an alle rund 70 Mitreisenden und an alle Helferinnen und Helfer im Vorfeld und während der Fahrt! Unten kann man sich durch ein Video einen kleinen Eindruck von der Fahrt verschaffen.

Während also die Lesereise erst einmal hinter uns liegt, liegen die Deutschland-Konzerte des Meisters vor uns. Obwohl ihn erst im letzten Herbst eine komplette Deutschland-Tour durch die Hallen des Landes geführt hat, spielt er nun vier Open-Airs im Sommer in Berlin, Dresden, Bonn und Bad Mergentheim. Der Vorteil gegenüber letztem Herbst: Er wird diesmal ohne Mark Knopfler im „Vorprogramm“ auftreten. Dylan pur also. Gut so!

Leider nichts weiteres ist dagegen von der neuen Platte zu erfahren. Letzte Meldung war, dass wahrscheinlich Scott Litt (u.a. REM) die Scheibe als Techniker oder Produzent betreut. Wobei doch auch viele Stimmen davon ausgehen, dass Dylans alter Ego Jack Frost hier wieder für die Produktion verantwortlich zeichnen wird.

Und zum Spätsommer gibt es dann nochmals einen „Hauch Bob Dylan“ in Marburg. Dort findet am 8. September erstmals das „Sundown Music Festival“ am Spiegelslustturm statt. Americana, Country und Folk. Mit dabei u.a. der alte Haudegen Elliott Murphy und das hessische Country-Folk-Talent Lisa-Marie Fischer. Mehr Infos: www.lisamariefischer.com/fr_musicfestival.cfm.

Lesereise gut gestartet

11. März 2012

Viel Interesse in Alsbach und Darmstadt

Thomas Waldherr und Sigrid Zabel, Foto: HölzlEinen guten Start hingelegt hat die Lesereise zum Buch „I’m in a Cowboy Band“. Im Alsbacher Restaurant Hellas konnten die Buchhandlung Zabel und der Autor rund dreißig Gäste begrüßen, im Bayrischen Hof in Darmstadt waren 45 Zuhörerinnen und Zuhörer anwesend. In Alsbach bedankte sich der Autor bei der Buchhandlung Zabel und dem Team des Restaurant Hellas für die Ermöglichung der Veranstaltung.

Thomas Waldherr nahm die Gäste mit auf eine musikalische Reise in die weniger bekannten Gefilde des Mikrokosmos Bob Dylan, legte die Wurzeln Dylans in der amerikanischen Volksmusik frei, zeichnete Dylans lebenslange Beschäftigung mit der Country-Musik nach und erklärte, warum Dylan als „Vater des Americana“ bezeichnet werden darf. Der Vortrag erhielt eine positive Resonanz, traf den Nerv und das Interesse des Publikums. Gebanntes Zuhören und ein kräftiger, lang anhaltender Abschlussapplaus waren der Beweis an beiden Abenden. An den gut einstündigen Vortrag schloss sich bei beiden Veranstaltungen noch manches Gespräch im kleinen Kreis an.

Unter wehmütigen Vorzeichen stand indes der Vortrag im BayrischenVortrag im Bayrischen Hof, Foto: Goldschmidt Hof. Es war die letzte Veranstaltung in Michael Steins Lokal. Und so hatte auch so mancher Stammgast die Gelegenheit genutzt, sich persönlich von Michael Stein zu verabschieden. Ebenso wie der Autor, der zu Beginn der Veranstaltung Peter Schmidt und der Buchhandlung am Markt für die Unterstützung dankte und Michael Stein zum Abschied eine Hängematte für die nun anstehenden wohlverdienten Ruhestunden überreichte.

Letzte Station der Lesereise wird nun die Fahrt am 31. März mit dem Ebbelwoi-Express in Frankfurt sein. Diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht, es gibt nur noch eine Warteliste.

Letzte Veranstaltung in Michael Steins Bayrischem Hof

3. März 2012

Die Lesung von Thomas Waldherr aus seinem Buch „I’m in a Cowboy Band. Bob Dylan, die Country-Musik und das Vermächtnis des Americana“ am Samstag, dem 10. März, um 20 Uhr, wird die letzte Veranstaltung in Michael Steins Bayrischem Hof sein. Der passionierte Dylan Fan und Wirt hatte den Betrieb seiner Gaststätte in diesen Tagen eingestellt.

Um so mehr freut sich der Autor darüber, in der Traditionsgaststätte sein Buch in Darmstadt vorstellen zu können.

Unterdessen läuft der Countdown zur ersten Lesung in Alsbach-Hähnlein am Dienstag (6. März, 19.30 Uhr, Restaurant Hellas, Alte Bergstraße 76). Die Besucher dürfen sich auf eine gut einstündige Vortragsreise zu den musikalischen Wurzeln von Bob Dylan freuen. Natürlich wird die Musiklegende auch selbst zu Wort kommen.

Eine Lesereise zu Bob Dylan

2. Februar 2012

“I’m in a cowboy Band“ – Tour 2012

Thomas Waldherr, der Autor von „I’m in a Cowboy Band“ wird auf drei Veranstaltungen im März aus seinem Dylan-Buch lesen.

Die Premiere des Programms ist am Dienstag, dem 6. März, um 19.30 Uhr im Alsbacher Restaurant Hellas (Alte Bergstraße 76). Der Eintritt beträgt 5 Euro. Mitveranstalter ist die Jugenheimer Buchhandlung Zabel.

Weiter geht es am Samstag, dem 10. März ab 20 Uhr in der Darmstädter Traditionsgaststätte „Bayrischer Hof“ (Alexanderstraße 33). Der Wirt und passionierte Dylan-Fan Michael Stein und Thomas Waldherr laden zu einer Lesung bei Ebbelwoi und Salzgebäck ein. Auch hier beträgt der Eintritt 5 Euro.

Den Abschluss der Tour bildet dann eine kleine, exklusive Veranstaltung. Wieder heißt es „Dylan meets Ebbelwoi“: In der Stöffche-Metropole Frankfurt am Main wird am Samstag, dem 31. März der „Ebbelwoi Express“ zum „streetcar named desire“. Neben der Lesung von Thomas Waldherr werden die Mitreisenden von den Lokalmatadoren „Die DoubleDylans“ unterhalten, die ihr neues Album „Bluesbrüder“ vorstellen. Für diesen einmaligen Event zum „Fahrpreis“ von 10 Euro ist eine Voranmeldung per E-Mail an diedoubledylans@web.de oder thwaldherr@web.de erforderlich.

Kitty Wells

7. Januar 2012

Heute möchte ich eine Geschichte erzählen, die mir schon länger durch den Kopf ging. Es geht um eine Frau, die eine Pionierin war.

Vor 50 Jahren, im Juni 1952, wurde von Kitty Wells der Song „It Wasn’t God Who Made Honky Tonk Angels” veröffentlicht und wurde ein Riesenerfolg. Er war für Kitty und für die Frauen in der Countrymusik der Durchbruch. Kitty bereitete den Weg für Frauen wie Loretta Lynn, Patsy Cline, Dolly Parton oder Emmylou Harris, die als selbstbewusste Frauen agierten und nicht wie hübsch gestylte Cowgirl-Püppchen, die leider heutzutage zum Mainstream-Country gehören. Noch wenige Jahre vorher musste Kitty aufstecken, weil man(n) die Nachfrage nach weiblichen Countrysängern als gering einschätzte.

Kittys Song war die Antwort auf „The Wild Life“ von Hank Thompson. Weinerlich klagt er da seine Kneipenbekanntschaft an, ihm das Herz gebrochen zu haben und statt seine Frau werden zu wollen, lieber weiter dort verkehre, wo der Alkohol in Strömen fließe und sie jedermanns Schatz sei. Und unausgesprochen: Da hat eine anständige Frau nichts verloren.

Tja, rückständiger kann es nicht sein, das Frauenbild. Und Kitty gibt ihm in ihrem Song zu verstehen: Nö Jungs, die verheirateten Männer sind es, die sich aufführen, als wären sie Singles und gute Frauen auf den falschen Weg locken. Feste drauf auf die Chauvis! Und es lag doch in der Luft. Schließlich hatte sich die Frauenrolle bereits im nur wenige Jahre zurückliegenden Krieg die Frauenrolle auch in den USA zu wandeln begonnen. Die Zeit war also reif für die erste Frau mit einem Nr. 1-Hit in den Country-Charts.

Kitty wurde zur „Queen of Country Music“ und war bis ins hohe Alter aktiv. Nun ist sie 92, im September letzten Jahres ist ihr Ehemann Johnny Wright (bekannt vom Country-Duo Johnny & Jack) im Alter von 97 Jahren gestorben. Unsere guten Wünsche gehen zu Ihr nach Tennessee.

Und natürlich gibt es auch einen Link zu Bob Dylan. Kitty war eine der ersten, die „Forever Young“ 1974 coverte. Die wunderschöne Version ist der Titeltrack eines echten Crossover-Albums, auf dem die Country-Queen Blues- und Rocksongs in beeindruckender Weise interpretiert. Leider ist die CD heute nur noch zu hohen Sammlerpreisen erhältlich. Dylan wiederum spielte einige Jahre in seinen Konzerten drei Songs von Johnny & Jack. Neben “This World Can’t Stand Long“ und „Humming Bird“ auch „Searching Für A Soldier’s Grave“, den auch Kitty stets im Repertoire hatte.

Wir hören „Honky Tonk Angels“ und Kittys Version von „Forever Young“:

Happy New Year oder Sing den Bobby Dylan!

27. Dezember 2011


Ein schier unerschöpflicher Quell lustvollen Streits sind die unzähligen Coverversionen von Bob Dylan-Songs. Obwohl doch jeder weiß, „Nobody sings Dylan like Dylan“, haben sich im Laufe der Jahre unzählige Künstler über Dylan-Werke hergemacht. Und das mit wechselndem Erfolg. Von den ganz großen Klassikern wie The Byrds’ „Mr. Tambourine Man“ oder Van Morrisons „Just Like A Woman“ über Peinlichkeiten wie Bryan Ferrys „Don’t Think Twice“ bis zu Unterirdischem wie Mike Krügers (!) „Nackig An Der Himmelstür“ reicht da das Spektrum.

Braucht die Welt also neue Coverversionen von Dylan-Songs? Gänzlich unbeeindruckt von dieser Frage haben sich nun 80 Künstler darangemacht und ihre persönlichen Dylan-Favoriten anlässlich des 50. Bestehens von Amnesty International aufgenommen. Heraus gekommen ist „Chimes Of Freedom“, eine 4-CD-Box mit 75 Songs, die am 24. Januar 2012 erscheint. Und das beste: Neben den üblichen Verdächtigen wie Patti Smith, Mark Knopfler oder Lucinda Williams sind auch bislang wenig als Dylan-Apologeten aufgefallene Künstler wie Lenny Kravitz, Natasha Bedingfield, Adele, My Chemical Romance, Ke$ha, Maroon 5, Miley Cyrus und sogar Schauspielerin Evan Rachel Wood dabei. Den letzten Song, den Titeltrack „Chimes Of Freedom“, steuert der Meister dann höchstpersönlich bei.

Die Menschenrechtsorganisation ehrt also zum ihrem 50-jährigen sich selbst und den immer noch gerne als Protestsänger angesehenen Bob Dylan in seinem 50. Jahr als Recording Artist. Am 19. März 1962 erschien Zimmies erstes Album mit dem Titel „Bob Dylan“. 50 Jahre später ist er einer der meist gecoverten Musiker überhaupt. Die bald erscheinende Box wird wahrscheinlich auf ewig das „non plus ultra“ auf diesem Feld sein. Auch wer Dylan als Sänger nicht unbedingt mag, sollte an diesem Album Spaß haben.

Apropos Coverversionen: Auch der Schreiber dieses Blogs hat schon Coverversionen aufgenommen, die er nun zum Jahreswechsel 2011/ 2012 einer größeren Öffentlichkeit nicht mehr vorenthalten will. Viel Spaß beim Hören mit Dylans „Just Like A Woman“ vom legendären gemeinsamen Auftritt mit den „DoubleDylans“ im Jahr 2006 sowie dem Hank Williams-Stück „Hey Good Lookin’“, aufgenommen 2010 in Nashville.

Bleibt mir noch, allen Lesern dieses Blogs ein gutes und erfolgreiches Jahr 2012 zu wünschen!

„Just Like A Woman“: Dylan Thomas

„Hey Good Lookin'“: Thomas_sings_Hank

Black and White – unite!

23. Dezember 2011

An anderer Stelle auf diesem Blog habe ich schon einmal darauf hingewiesen, welche große Bedeutung die schwarze Musik für die Entwicklung der Countrymusik hatte. Und dass viele schwarze und weiße Musiker untereinander keine Probleme hatten. Doch das Publikum, die Musikindustrie und die Rassentrennung im Süden verhinderten eine öffentliches gemeinsames musizieren.

So wissen wir, dass der Schwarze Rufus „Tee Tot“ Payne dem Hillbilly-Shakespeare Hank Williams das Gitarre spielen beigebracht hat. Dass A.P. Carter ohne seinen schwarzen Freund Lesley Riddle nicht so viele Lieder hätte zusammen tragen und die Carters ohne Riddle nie zur „First Family of Country“ hätten werden können. Wir wissen aber auch über verborgene Zusammenarbeiten: So hatte Jimmie Rodgers 1930 mit Louis Armstrong Plattenaufnahmen gemacht.

Erst seit Ende der Rassentrennung in den USA waren gemeinsame öffentliche Auftritte kein Stein des Anstoßes mehr. Auch das einzige schwarze Mitglied der Grand Ole Opry, Charley Pride, hatte seinen Durchbruch erst Mitte/Ende der 60er Jahre. Sein einziger schwarzer Vorgänger, Deford Bailey aus der Anfangszeit der Opry, wurde wohl aus rassistischen Gründen aus der Show gemobbt. Johnny Cash holte Ende der 60er/Anfang der 70er sowohl Louis Armstrong, als auch Ray Charles, der bereits 1962 ein Album mit Countrysongs aufgenommen hatte, in seine Show. Und auch die Zusammenarbeit von Willie Nelson mit Ray Charles und Winston Marsalis ist bestens bekannt.

Weniger bekannt ist dagegen ein Auftritt, der zu seiner Zeit ungewöhnlich und für einen bestimmten Teil des Publikums doch verstörend gewirkt haben musste. Im März 1960, die Rassentrennung in den Südstaaten war noch lange nicht abgeschafft, da trat der Hillbilly-Gentleman Tennessee Ernie Ford zusammen mit der schwarzen Folksängerin und Bürgerrechtsaktivistin Odetta gemeinsam in dessen TV-Show auf. Odetta singt „Pastures of Plenty“ vom bekennenden Kommunisten Woody Guthrie, Ford einen Gospel und beide zusammen dann noch einen Gospel sowie „The Liar“ von Tommy Makem.

Ford musste gewusst haben, dass Teile seines Publikums dies sicher nicht goutieren würden. Dass er es dennoch gemacht hat ist Ausdruck einer künstlerischen Unabhängigkeit, die nicht hoch genug zu bewerten ist.

Unten sehen wir nun einen Ausschnitt des denkwürdigen Auftritts und das Video zum Cash/Armstrong-Auftritt:


„Dylan und Country“ im Radio

12. November 2011

Am 8. November war der Autor dieses Blogs zu Gast bei Radio Darmstadt in der Sendung Country Pur. Zwei Stunden lang waren Dylan und seine Beziehung zur Countrymusik das Thema, der von Karla K. Walter moderierten Sendung, wobei der Schwerpunkt natürlich auf viel Musik lag. Vielen Dank an Frau Walter und Radio Darmstadt, dass sie diese Sendung ermöglicht haben. Viel Spaß beim Hören des Mitschnitts!
Radio Darmstadt_ 20_00 Uhr(Radio Darmstadt) – Thomas Waldherr – Bob Dylan Feature

Retro und Spaß dabei!

21. September 2011

Kitty, Daisy & Lewis begeistern in der Centralstation

Begeistertes Publikum, zufriedene Gesichter und überall gute Laune. Und das nur weil drei Geschwister Musik gemacht haben? Manchmal kann es eben so einfach sein, wenn es gut gemacht ist.

Kity, Daisy & Lewis schwimmen auf der Retro-Welle und dies gekonnt. Spielen Blues, Swing, Rockabilly und ein bisschen Country und nehmen dies mit altem, analogem Equipment auf. Wären sie Amerikaner, so hieße ihre Musik „Americana“ und wäre sicher hierzulande schwer zu vermarkten. Da sie aber Engländer sind und ihre Eltern feste Größen im britischen Musikbusiness sind, segelt das Ganze eben auf der „Retro-Welle“ und wird bei den jungen Leuten als „hip“ eingestuft.

Spielen Ryan Bingham oder Holly Williams dann sind die Sääle kleiner, das Publikum gemischt, mit dem Schwerpunkt von 35-50 Jahren. In der Centralstation war es deutlich jünger. Eindeutiges Indiz dafür, dass die Band bei den Kids angesagt ist.

Den Auftakt machte wieder mal ein Phänomen, dass eigentlich kaum noch auszuhalten ist. Eine Vorgruppe, die irgendwo im Bereich Soft-Gothic-Pop einzuordnen ist und die eigentlich keiner sehen will, nimmt uns in künstlerische Geiselhaft. Dann folgt eine (zu) lange Umbaupause. Und danach dauert es – kein Wunder – doch einige Titel bis Künstler und Publikum auf Betriebstemperatur sind. Ausgerechnet als wir uns über den Trompeter aus Jamaica und die scheinbar unerwartete Wendung des Konzertes wundern, kommen die Schwestern und der Bruder richtig in Fahrt. und bald haben sie den Saal im Griff.

Wenn Lewis unnachahmlich altertümlich die große E-Gitarre spielt, als wäre er gerade in den Sun Studios in Memphis/Tennessee, Kitty ein schier endloses, wahnwitziges Mundharmonika-Solo bläst und Daisy anmutig und beschwingt die Snare Drum spielt, beginnt das Publikum schier in Ekstase zu fallen. Dann wird ausgelassen getanzt und vor Entzückung gejuchzt. Immer wieder wechseln die Drei die Instrumente, Lewis geht an die Drums, Daisy an das E-Piano und Kitty wechselt zum Banjo. Alles geht hin und her. Sie spielen alle ihre bekannten Titel und gehen nach 5 Songs als Zugabe unter großem Jubel ab.

Der Americana-Freund ist zufrieden, diese Musik bekommt man hierzulande nicht oft geboten. Stellt sich nur die Frage: Warum hat keiner den Mut mal ein Konzert-Package zusammenzustellen, das musikalische Traditionslinien berücksichtigt. Wenn Kitty, Daisy & Lewis bei den Kids funktionieren, dann doch bestimmt auch das Western-Swing-Trio Shotgun Party oder die Bluegrass-Jazzer von The Toy Hearts. Doch schnell ist die Antwort parat. Dem Musikbusiness geht es nicht um das bewusste Musik hören. Daher weiß man auch nicht wie lange die Geschwister aus Kent dieser Musik treu bleiben können. Spielen und fühlen können sie sie auf alle Fälle. Prädikat: Outstanding!

Delaney Davidson

16. September 2011

WahWahTwangBoomChickaBoom oder wie ein neuseeländischer Schweizer in einem Bessunger Keller in Darmstadt das Americana weiterentwickelte…

credits: Delaney Davidson

credits: Delaney Davidson

In Kellern wird Americana-Geschichte geschrieben. 1967 in dem von Big Pink, als Bob und die Buben von The Band zu den Urvätern des Genre wurden und vor wenigen Tagen war es der Keller der Bessunger Knabenschule in Darmstadt, in dem Delaney Davidson mit seiner außergewöhnlichen Performance die Minstrel-Show wiederauferstehen ließ und für dieses Jahrtausend neu aufbereitete.

Knapp 50 Leute waren gekommen und der Keller war voll. Davidson nimmt das Publikum mit auf die Reise ins alte, gefährliche Amerika, es geht um Tod und Teufel, Liebe und Mord. Das Ganze klingt ein bisschen wie Nick Cave meets Bob Dylan meets Hank Williams. Blues, Balladen, dunkler Country – phantastisch vorgetragen von einem Künstler, dessen Bühnenpräsenz beeindruckend ist. Nur mit Gitarre und Mundharmonika „bewaffnet“, aber dazu mit cleverem technischen Equipment ausgestattet, dass es ihm ermöglicht sich selber zu begleiten, idem er Melodielinien, Rhythmus und Takt anspielt, aufnimmt und sofort wiedergibt. Der Höhepunkt ist erreicht, als er bei „Time has gone“ sein Instrument niederlegt, die Musik weiterspielt und er sich unters Publikum mischt, um es zu einem dunklen Todeswalzer zu animieren. Es gelingt und plötzlich ist der Keller zum Ballsaal einer Geisterstadt irgendwo im Wilden Westen geworden.

Überhaupt hat er das Publikum gut im Griff, macht kurze, witzige Ansagen, kokettiert mit seinem unperfekten Deutsch und bringt die Leute bei „Dirty Dozen“ sogar zum Chorgesang. Ein rundum tolles Konzert und ein rundum begeistertes Publikum im Keller. Man sollte den neuseeländischen Schweizer Delaney Davidson im Auge behalten. Er könnte der Welt noch viel gute Musik schenken und das Americana bereichern.