Archive for the ‘Folk-Rock’ Category

Der Zauber des Anfangs

9. März 2013

Dylan_PartyDylan war immer Dylan und warum Jake Bugg nicht Bob Dylan ist

Im Moment überschwemmen sie fast den CD-Markt. Pressungen mit Namen wie „Bob Dylan- Stereo und Mono“, „The Live Recordings“,  „Carnegie Chapter Hall“, „The Freewheelin‘ Outtakes“ oder „Folksinger-Humdinger“. Allesamt sind es frühe Aufnahmen des jungen Bob Dylan. Dies ist möglich, weil die Rechte an den Songs nach 50 Jahren an die Allgemeinheit fallen und sie nun quasi jeder auf einen Tonträger bannen kann. Aus diesem Grund hatte auch Sony/Columbia Ende letztes Jahres sein obskures Package „The 50th Anniversary Edition“ mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen auf den Markt gebracht. Es ging darum, sich die Rechte zu sichern.

Doch was bringen einem die alten Aufnahmen? Außer, dass der Dylan-Fan sich freut, sie zu haben. Nun: Eine Musikerkarriere lässt sich selbstverständlich anhand der veröffentlichten Studioaufnahmen erzählen. Auch bei Dylan. Nur war das bei ihm nie so. Denn was er in den Studios so machte und dann im Archiv verschwinden ließ, oder dass er in den Konzerten seine Songs anders präsentierte als auf seinen Platten, und dann womöglich noch von Konzert zu Konzert unterschiedlich, ist bis heute eine der Ursachen für den Dylan-Hype. Es waren seine Songs, die als erste als „Bootlegs“ erschienen. Und der Austausch von Live-Aufnahmen unter seinen Fans erhielt diesen Hype auch in den schwierigen 80er und 90er Jahren. Dylans Geschichte ist ohne diese Aufnahmen und deren vielfältigen Deutungsversuche nicht vorstellbar.

Umso wichtiger und besser, wenn es jetzt durch die Rechtelage möglich ist, bislang nur wenig bekannte Live-Aufnahmen und unzugängliche Studio-Recordings ganz legal  im Laden zu kaufen. Wir können anhand dieser Aufnahmen – vom Minneapolis Party Tape über die Carnegie Hall 1961 bis zu den kompletten Freewheelin-Sessions – noch einmal beobachten wie ein Rohdiamant sich selbst zum Edelstein schleift. Aus dem ebenso schüchternen wie entschlossenen jungen Woody Guthrie-Nachahmer Bobby Zimmerman wird der ungezügelte, vor poetischen Einfällen und musikalischen Adaptionen schier überbordende Bob Dylan. Man fühlt den Zauber des Anfangs, spürt diesen Anfängen nach und entdeckt diesen jungen Dylan wieder neu. Da redet er noch mit dem Publikum. Hat ein Talent für komische Überleitungen zwischen den Songs und kommuniziert und interagiert mit dem Publikum. Heutzutage ist er da vom Minimalismus geprägt. Ein Lächeln, ein paar Extraworte, ein Solo oder die Wiederholung einer musikalischen Figur aufgrund der Zuschauerreaktionen sind selten, und gehören zu den besten Momenten seiner durchweg guten Konzerte.

In diesem Sinne übertrifft der zum neuen Dylan ausgerufene Jake Bugg schon jetzt den alten Dylan an Minimalismus. Denn Bugg interagiert und kommuniziert schon jetzt nicht mit dem Publikum. Und seine Ansagen sind kurz und ohne Humor. Doch Bugg ist wirklich nicht der neue Dylan. Eher der neue Donovan/Gallagher. Der Jake Bugg, der am 2. März im Frankfurter Zoom in einer guten Stunde immerhin 18 Songs unterbrachte (auch nicht Dylan-like) war näher an Oasis und den Britpop-Traditionen, als an Bob Dylan und dessen amerikanischen Wurzeln. Auch wenn er „Country Song“ und Cashs „Folsom Prison Blues“ gespielt hat. Bugg saugt Traditionen auf – da allerdings stimmt der Dylan-Vergleich.

Und es war ein sehr schönes Konzert von Jake Bugg. Sehr ernsthaft und Ironiefrei vorgetragen. Mal sehen, wie sich der Bursche noch so entwickelt. Doch wie auch immer Dylan wird immer einmalig bleiben. Ob der junge oder der alte Dylan. Jake Bugg ist Jake Bugg. Und das ist in der Welt der Casting Shows, zwischen Justin Bieber und Gangnam-Style schon verdammt viel. Gut, dass es beide gibt: Dylan und Bugg. Und, dass sie beide so unverwechselbar sind.

Und hier der junge Bugg und der junge Dylan

Von der ungebrochenen Lust am Folk-Rock

16. Februar 2013

the-lumineers-the-lumineersVon „La Brass Banda“ zu „The Lumineers“

Das Album des Jahres wurde soeben bei den Grammys geehrt: „Babel“ von Mumford & Sons – ein Folk-Rock-Album. Und neben den Mumfords gibt es noch die Avett Brothers, die Felice Brothers, die Punch Brothers und unsere Freunde, die Carolina Chocolate Drops. Allesamt Leute von Mitte Zwanzig bis um die Dreißig, die eine Musik spielen, die angesichts marketingtechnisch entwickelter und industriell produzierter Plastikmusik vor einigen Jahren höchstens noch belächelt wurde.

Heute ist der anfängliche Trend zu Folk und Folk-Rock stabil. Auch hierzulande hat sich eine Popmusik entwickelt, die wieder an Folk anknüpft und mit ihren Liedern etwas sagen will. So wie ein Wader oder ein Dylan, wir hatten es hier zuletzt gerade davon. Nennen wir Max Prosa, Philipp Poisel oder Dota & die Stadtpiraten. Nennen wir grenzüberschreitend Sophie Hunger. Während aber die Mumfords in USA und UK mehr Platten verkaufen als Justin Bieber und bei entsprechenden Musikevents gefeiert werden, hinkt Deutschland mal wieder hinterher. Während „La Brass Banda Folk“ – nämlich Bayerische Blasmusik – öffnet für Pop, Punk und Ska, und eine Chance gewesen wäre, auf sehr eingängige und originelle Art beim Europäischen Songcontest Zeugnis von dieser Popmusik abzulegen, wird dies von einer ominösen Jury verhindert. Stattdessen also ein Ballermann-tauglicher Stampf-Disco-Brei. Letztendlich hat dieser Wettbewerb auch nichts anders verdient. Wirkliche Kreativität und Kunst entsteht sowieso woanders.

In den USA derzeit scheinbar an jeder Ecke. Gerade hatten wir hier „American Music“ von „The Illegitimate Sons“ als übersehene Platte des Jahres gefeiert, da müssen wir uns eingestehen, auch „The Lumineers“ übersehen zu haben. Die zwei Jungs und das Mädel aus Denver legen stimmigen Folk-Rock vor, der weniger komplex als der der Mumfords erscheint, aber mindestens genauso eingängig. Ihr „Ho-Hey“ ist ein Folk-Feger. Von wegen solche Musik könne keine Laune machen. Und wie viele Ihrer Zeitgenossen, sind diese jungen Musiker sehr traditionsbewusst und wissen, wo diese Musik herkommt. Denn schließlich war es Mr. Bob Dylan, der Mitte der 60er seinen Folk elektrifiziert hat und die damalige Folk-Welt vor den Kopf gestoßen hat. Und noch immer pflegt daher so mancher alte Folker seine Anti-Dylan-Haltung. Dabei geht es bei Folk immer darum, mit einer Haltung, einer Geschichte und einer Aussage, Menschen zu erreichen. Dazu muss der Künstler und sein Werk weder autobiographisch-authentisch gefärbt sein, sondern er sollte lieber kunstvoll komponieren und eindringlich vortragen können. Und wenn nötig, dann eben mit Strom und Schlagzeug.

Und so haben die wunderbaren Lumineers auch immer wieder alte Dylan-Pretiosen oder Songs von „The Band“ im Programm. Songs, die zwar alt sind, aber genauso eine universelle Bedeutung haben wie ein Roman von Thomas Mann oder ein Stück von Brecht oder Shakespeare. Sie spielen „Boots Of Spanish Leather“ genauso wie „Subterranean Homesick Blues“ und „The Weight“.

Hier nun Videos der Lumineers von
„Ho-Hey “ und „Subterranean Homesick Blues“:

Dylan, Wader und die Folgen

30. Januar 2013

Gedanken anlässlich eines neuen Albums von Hannes Wader

Wader&TaylorKürzlich flatterte eine CD bei mir auf den Tisch: „Hannes Wader & Allan Taylor – Old Friends In Concert“ stand drauf. Der alte Hannes also. Und ein ähnlich alter Folkfreund stand neben ihm auf dem Coverfoto.

Hannes Wader entdeckte ich zur selben Zeit wie Bob Dylan. „Kleines Testament“ hieß eine Platte, „7 Lieder“ die andere. „Tankerkönig“, „Heute hier morgen dort“, „Schon so lang“ hießen die Songs, die mich berührten, damals Ende der 70er Jahre.

Und dann schlossen sich die beiden fast gleichzeitig den Kirchen an. Der Amerikaner einer christlichen Kirche, der Deutsche der kommunistischen Partei. Doch während sich der Amerikaner bald wieder von der Orthodoxie befreite, wurde der andere über einige Jahren zum Vorsänger der DKP degradiert. Von der Partei, von den Medien, von sich selbst. Mir wurde Wader dadurch fremd. Auch wenn ich mir seine Platte mit den Arbeiterliedern besorgte. Doch als die kommunistischen Parteidiktaturen dann zusammenbrachen, gelang es endlich auch Wader, sich wieder frei zu schwimmen.

Denn beide sind große Freigeister, Lyriker und Poeten. Und Wader ist, das merkt man noch heute, vom jungen Dylan beeinflusst. Spät -1995 – coverte er „Bob Dylan’s Dream“ als „Nachtfahrt“ in Deutsch“. Dylans Schwenk zum Rock hat er nie mitgemacht. Und vom Pop da hielt er sich stets fern.

Lange Jahre war die Haltung, die diese beiden im Folk verwurzelten, aber dennoch so unterschiedlichen Künstler, vereint, gar nicht so angesagt. Die populäre Musik verlor sich in  studiogebrauter, zielgruppenkompatibler Instantmusik. Casting-Shows spülten Surrogate der immer gleichen risikolosen Popmusik nach oben.

In den letzten Jahren – Wader und Dylan waren immer noch unermüdlich am touren und Platten machen – entdeckte die Jugend dann wieder das Lied: Die gesungene Erzählung. Die Haltung „ich habe was zu sagen“ löste die Haltung „ich will ein Popstar sein ab“. In den USA und England sind es Gruppen wie die Avett Brothers, die Felice Brothers oder Mumford & Sons oder das Wunderkind Jake Bugg, die mit Gitarre, Banjo, Geige und Akkordeon, Folk- und Folkrock wieder beleben. In Deutschland ist es die neue Generation der Liedermacher (schreckliches Wort!) wie Max Prosa oder Philipp Poisel, die sich direkt auf Wader und Dylan beziehen. Zum 70. Geburtstag Waders im letzten Jahr hat diese Generation sogar ein Tribute-Album für den alten Hannes aufgenommen.

Während Dylan über all die Jahre mein Held geblieben ist, hörte und sah ich Wader dann erst Mitte der 90er wieder. Als er sich – auch hier die Analogie zu Dylan in der gleichen Zeit- aus den eigenen Trümmern und der künstlerischen Verwirrung wieder zurück zu künstlerischem Selbstbewusstsein  spielte. Und nun ist dieses wunderschöne kleine Live-Album mit seinem Freund Allan Taylor vielleicht der Fingerzeig, ihn nach einigen Jahren auch mal wieder im Konzert zu erleben.

The Illegitimate Sons

15. Januar 2013

ISAMIch sollte die Rubrik  „Übersehene Platte des Jahres“ einführen. Ist mir doch im letzten Sommer zwischen Griechenland-Urlaub und Bob Dylan-Konzert in Bad Mergentheim das Album „American Music“ von den „The Illegitimate Sons“ durch die Lappen gegangen. Nun bin ich zufällig drauf gestoßen und… BOMBE!  Die amerikanische Musik der Brüder aus Indiana kann  sich mit dem derzeitig besten des Genres mehr als messen. Da kämpfen welche in derselben Gewichtsklasse wie die Felice Brothers, die Avett Brothers oder die Band of Heathens.

Die Gruppe rund um Lee Miles und Ben Porter stammt aus Indiana, irgendwo im Nowhere des Midwest. Aus dem amerikanischen Nirgendwo schicken Sie uns kraftvoll-dunkle Mörderballaden, Songs über Armut, Tod, Gewalt und Liebe. Und dass immer so, dass es einem im Ohr bleibt. Sie können Melodien schreiben, sie haben’s drauf! Feinster Country-Folk-Rumpel-Rock in der Tradition von Dylan und The Band. Die Songs heißen „Bleed It Dry“, „Gillian“ oder „Born You To The Ground“. Ein Album, das man sich unbedingt besorgen sollte!

Auf youtube kann man sich schon mal einstimmen, da hat die Band das Album komplett eingestellt:

Jake Bugg

2. Januar 2013

jake-bugg-album-cover-22Hi Folks! Wir wollen das neue Jahr mal mit einem neuen Gesicht beginnen. Wobei Jake Bugg quasi noch die letzte Entdeckung des alten Jahres war. Schließlich wurde er schon durch alle Zeitungen gehypt, und leider fiel auch hier vielen Kollegen nur der abgenudelte Dylan-Vergleich ein. Dabei weiß doch jeder, dass dies nur eine belastende Hypothek ist, von der der Künstler nichts hat, weil sie ihm nicht gerecht wird. Können wir bitte die Masche „wer den jungen Bob Dylan geliebt hat, der wird auch Jake Bugg anhimmeln“ mal lassen! Die Popkritik verhält sich wie amazon und verkennt damit ihre Rolle.

Jede Saison hat scheinbar ihren neuen Dylan und die Jungs sind dann leider auch schnell wieder weg. Wir erinnern uns noch an „The Tallest Man On Earth“ oder Ryan Bingham, die nun nach dem Anfangserfolg hart um Aufmerksamkeit ringen müssen. Dem erst 18-jährigen Bugg wünschen wir daher auf alle Fälle viel Durchhaltevermögen, Geschick sowie vor allem musikalische und künstlerische Substanz.

Aber im Gegensatz zu einem Popkritiker – war es die Süddeutsche oder war es die Zeit – ist das „präsent bleiben“ nicht alleine in Jake Buggs Verantwortung. Die Medien spielen eine Rolle, die nicht immer nur nach den kurzfristigen Hypes hecheln dürfen, und auch ein kluges Management sind wichtig. Dylan war in seinen Anfangsjahren sicher zielstrebig – für Freunde auch mal bis über die Schmerzgrenze hinaus- und von der Muse verwöhnt. Aber er hatte in Albert Grossman auch einen kongenialen, mit allen Wassern gewaschenen Manager. Von ihm hat Dylan viel gelernt und konnte sich von ihm emanzipieren und trennen. Für Bugg hoffen wir, dass sein Management ihm die Entwicklungsmöglichkeiten gibt, die er braucht.

Damit er seinen Weg weiter gehen kann. Seine Melange aus Folk, Country, Blues und Britpop ist außergewöhnlich, seine Stimme und sein Vortrag sind unkonventionell und kraftvoll. Daher hören wir ihn im Moment aus vielem anderen gerne heraus. Ein Sampler auf youtube gibt einen schönen Überblick, was auf seinem Debütalbum alles so drauf ist und uns erfreuen wird. Am 2. März sehen wir ihn dann live im Frankfurter Zoom.  Er ist kein Messias und kein Hoffnungsträger, damit wollen wir ihn nicht belasten. Aber allein, dass es ihn und seine Musik gibt, stimmt uns zuversichtlich und froh.

Was bringt das Dylan-Jahr 2013?

17. Dezember 2012

Alle Jahre wieder der Rückblick und Ausblick. Da es unser Freund,
trotz seiner weltwDylan_backeiten Kunstausstellungen, scheinbar weiterhin nicht lassen kann, Platten aufzunehmen und auf Tour zu gehen, macht die Titelfrage immer noch Sinn und das dahinter steckende rumspekulieren immer noch Freude.

Das Jahr 2012 war für Dylan und seine Fans geprägt durch zwei Höhepunkte und einem (vermeintlichen) Kontrapunkt. Anfang des Jahres elektrisierte die Nachricht, dass Bob wieder im Studio gewesen sei, alle gleichermaßen. Das dann im September erschienene Werk „Tempest“ lohnte das Warten und ist ein fabelhaftes Alterswerk geworden. Dass es jetzt bei den Grammy-Nominierungen leer ausging, ist völlig unverständlich.

Zwischen Aufnahme und Erscheinen der Platte lag wieder eine ganze Reihe von Konzerten. Insbesondere die Sommertour durch Europa war sensationell. Wer ihn an einem lauen Sommerabend im Bad Mergentheimer Schlosshof sehen konnte, erlebte eines der besten Dylan-Konzerte überhaupt. Wie er sich den ganzen Abend nicht mehr vom Flügel lösen konnte und voller Spielfreude und Genialität wunderbare Versionen seiner Songs zum Besten gab, war einfach nur überirdisch.

Doch im Herbst der Kontrapunkt. Wieder ließ sich Dylan zu dem nicht stimmigen Doppelpack mit Mark Knopfler hinreißen. Und wieder verlor er. Denn: Ein abstrakte Werke schaffender Picasso hat auf dem Kunsthandwerkermarkt gegen den farbenfrohen Pinsler naiver Malerei kaum eine Chance. Die Folge: Schmähende Kritiken und wieder einmal die Bitte, er möge doch aufhören. Aber wenn auch die Konzerte nicht die Klasse des Sommers hatten, so wussten Ohrenzeugen doch von starken Auftritten zu berichten.

Für das kommende Jahr gibt es gerüchteweise natürlich wieder Tourpläne. Japan sei anvisiert. Und Sony wird uns wohl mit den Bootleg Series Volume 10 beglücken. Die englischen Dylan-Afficionados von ISIS spekulieren über Material von 1969/70. Das hieße dann eventuell die Cash-Sessions, die Harrison-Sessions und Material von den Self Portrait-Aufnahmen.

Ach ja, und nach dem 70. Geburtstag Dylans im Jahr 2011, und seinem 50. Jubiläum als Recording Artist in diesem Jahr, können wir 2013 ein weiteres Jubiläum feiern: Im August 1963 wurde „Blowin‘ In The Wind“ auf dem Album „The Freewheelin‘ Bob Dylan“ veröffentlicht. Ein früher Geniestreich auf den noch viele folgen sollten.

In diesem Sinne auf ein erfolgreiches Musik- und Dylan-Jahr 2013!  Und auch dieses Jahr stimmen wir uns auf die Weihnachtstage mit Bob’s etwas anderen Weihnachtsfeier ein:

Jen Plater

6. November 2012

Neo-Folk heißt das Zauberwort dieser Tage. Auch hierzulande gibt es junge Musikerinnen und Musiker, die sich dieser Musik verschrieben haben. Jen Plater ist eine davon. Diese interessante Singer- Songwriterin aus Frankfurt möchte ich hier gerne einmal vorstellen.

Zuhause im Kreis der Musikfamilie
Und dann ist es da: Dieses breite Grinsen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Jen Plater da ist, wo es jetzt gerade am Schönsten ist: Auf der Bühne der „Frankfurt Art Bar“. Das Zuhause ihrer musikalischen Familie. Die trifft sich hier regelmäßig donnerstags abends zum Musizieren auf der Open Stage. Und Jen ist heute mal wieder zum Familientreffen gekommen. Anwesend sind erfahrene Recken und junge Talente.

Drei Leben
Jen ist in Magdeburg geboren und groß geworden. Aus einer sportlichen Familie stammend, begann sie sehr früh mit dem Schwimmsport und wurde eine erfolgreiche Jugendschwimmerin. Doch den Schwimmsport gab sie mit sechzehn zugunsten des Fußballs auf. Nachdem sie unterdessen nach Frankfurt gekommen war, endete aber auch diese Sportkarriere abrupt. Eine Verletzung stoppte sie mit 22 Jahren. Der Startschuss für die Musik…

Über Menschen und Situationen erzählen
Jen wäre nicht Jen, wenn ihr ein geregeltes bürgerliches Berufsleben reichen würde. Sie suchte nach neuen Herausforderungen. „Nach dem Sport war da eine Leerstelle“, sagt sie dazu. Jen füllte sie mit Musik. Beziehungen, Liebe und Verlust sind dabei ebenso Themen ihrer Songs wie gesellschaftliche Probleme. „Ich blicke auf die Welt. Auf Menschen, auf Gesellschaft und auf das, was wir tun. Wir lieben oder führen Kriege. Auch über die Ängste davor schreibe und singe ich.“

Wollte sie im Sport Erfolg haben, so sieht sie die Musik als Ventil für anderes: „Meine Musik hat für mich mehr mit Selbstverwirklichung als mit Erfolgsgeilheit zu tun“, stellt sie klar.

Applaus ist wichtig – aber!
Eher ist im Job der Erfolg das Maß der Dinge. In der Musik kommt es auf andere Dinge an: „Applaus ist schön, aber wichtiger ist für mich, das ich mir selbst treu bleibe und zu mir selbst stehen kann“, erklärt sie entschieden. Daher will sie auch weder aufgehübscht produziert, noch massentauglich trainiert oder gecastet werden. Folk ist und bleibt ihre Musik. „Danny Kelly, Daniel Kahn und Mumford & Sons sind meine Vorbilder und der Film „Once“ war wie eine Initialzündung“. Sie findet ihn romantisch und er trifft sich mit ihrem Schwarm für die Iren.

Professionalisierung ist notwendig
Doch bei allem Idealismus, hat sie aber dennoch den Drang voranzukommen, möchte professioneller werden, ihre Musik mehr Menschen bekannt machen. „Wir arbeiten an einer EP, die man großflächiger an Musikredaktionen von Print, Online und Radio schicken kann.“

Eine, die es wirklich schaffen kann
Jen hat wie alle anderen Künstler beim der „Open Stage“ nur drei Songs. Aber in die steckt sie alles. So wie sie bei jedem Auftritt alles gibt. Ob im rappelvollen Ponyhof oder im Kreis der „Familie“ in der „Frankfurt Art Bar“. Am Ende singt sie natürlich ihren Ohrwurm „When Tears Begin To Dry“ Und die Familie singt und klatscht begeistert mit. Denn so mancher alter Musikrecke spürt: „Hier ist eine von uns, eine, die es wirklich schaffen kann!“ Und Jen? Die grinst zufrieden.

Jen Plater: When Tears Begin To Dry