Bombay Beach

8. Dezember 2012

Bombay_Beach-544882338-mainAmerikanische Verlierer am See

Bombay Beach ist eine der bemerkenswertesten Dokumentationen, die ich zuletzt gesehen habe. Die Auseinandersetzung mit dem „White Trash“, den Verlierern des wildgewordenen amerikanischen Neoliberalismus finden zuletzt ja immer häufiger Einzug in Literatur, Reportage oder Film. Man denke nur an die Woodrell-Verfilmung von Winter’s Bone oder die Pulphead-Reportagen von John Jeremiah Sullivan. Aber dieser Film ist etwas Ungewöhnliches.

Bombay Beach, der Ort am Saltonsee in Südkalifornien, war einstmals ein Prestigeobjekt für Wohlsituierte. Heute wohnen hier am umgekippten See die Gestrandeten, die Verlierer Amerikas. Die Parishs mit ihrem Sohn Bennie, der wegen ADHS mit Medikamenten vollgestopft wird und von dem zu befürchten ist, dass er in dieser Welt nichts erreichen wird. So wie sein Vater und seine Mutter, die eine zeitlang wegen verbotener Militärspiele als Beinahe-Terroristen aus dem Verkehr gezogen worden sind.

Red, der alte Hobo, hat den Großteil seines Lebens schon hinter sich, begeistert aber inmitten der trostlosen Siedlung mit seinem lakonischen Charme die Frauenwelt ab Sechzig. Ein Sympathieträger des Films. Um so entäuschender, als er sich als Rassist outet.

Die einzige Person, die Hoffnung verströmt, ist der schwarze CeeJay. Er versucht der Ödnis zu entfliehen. Mittels Football und Schulbildung versucht er seine Chance zu ergreifen, und mit seiner Freundin ein besseres Leben zu finden.

Regisseurin Alma Har’el, die aus der Welt der Video- und Werbeclips kommt, hat die Protagonisten begleitet und nur sanft ins Geschehen eingegriffen, alleine die Tanzszenen scheinen sorgsam inszeniert. Aufgrund der Zusammenarbeit in anderen Projekten mit Bob-Sohn und Regisseurskollegen Jesse Dylan sowie mit Bob Dylans Manager Jeff Rosen gelang es ihr, einige Bob Dylan-Songs für den Soundtrack benutzen zu dürfen. Denn  „Series Of Dreams“, ein mysteriöser Song und  Outtake von Dylans „Oh Mercy“, begleitete Sie nach ihrer Aussage durch den Dreh. So war es logisch, dass die Musik von Dylan und der ihr nahe stehenden Band Beirut die Szenen musikalisch unterlegen.

Bombay Beach ist ein ungewöhnlicher Film. Zu erst eine Art Sozialreportage ohne wertenden Kommentar. Alleine die Protagonisten kommen zu Wort. Dann ein Landschaftsfilm über einen sterbenden See und seine öde Umgebung. Und dann noch ein dritter, ganz leiser, poetischer Film, der aufzeigt wie zärtlich und froh tanzende Menschen miteinander umgehen. Und das – so der verblüffende Kunstgriff – ist der härtest mögliche Kontrast zum Elend der Menschen rund um den See in der Wüste. Ein See, der weniger Oase, als Friedhof für gescheiterte Existenzen ist.

Ein Film, der über die Lügen des neoliberalen Amerikas ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt mehr aussagt, als manche ausgeklügelte Polit-Analyse. Ein bewegender Film.

Kris Kristofferson: Feeling Mortal

16. November 2012

Es wird endlich Zeit, an dieser Stelle einen Mann zu ehren, der zu den größten Singer-Songwritern unserer Zeit gehört und aus dessen Feder Klassiker stammen wie „Me And Bobby McGhee“ (Janis Joplin), „Sunday Morning Coming Down“ (Johnny Cash) oder „Help Me Make It Through The Night“ (Sammi Smith). In Deutschland sehr bekannt geworden ist auch sein Song „The Taker“ in der Version „Der Macher“ von Volker Lechtenbrink.

Photo Credits: New West Records

Die Musikgeschichte hätte ohne diese Songs und ihren charismatischen Schreiber und Sänger auskommen müssen, hätte der nicht die vorgesehene Armeekarriere an den Nagel gehängt. Von 1962 bis 65 war er als Hubschrauberpilot in Bad Kreuznach stationiert, danach hätte er eigentlich Literatur in West Point lehren sollen. Doch er zog es vor, die Army zu verlassen, um seinen Traum einer Musikkarriere zu leben und nach Nashville zu pilgern. Dort erlebte er 1966 als Studio-Hausmeister Bob Dylans Aufnahmen für „Blonde On Blonde“ mit und schaffte erst Ende der 60er/Anfang der 70er den Durchbruch als Johnny Cash sein Talent erkannte. Die beiden waren fortan bis zu Cashs Tod gute Freunde.Neben seiner musikalischen Karriere eröffnete sich ihm seit Anfang der 70er auch eine Filmkarriere. Neben Klassikern wie „Convoy“ oder „Pat Garrett jagt Billy The Kid“ hat er auch eine Reihe von B-Movies oder TV-Filmen gedreht. Zuletzt sah ich ihn in „Bloodworth“ einer sentimentalen Country-Schnulze von 2011.

Nun hat der 76-jährige, der mit seinen Freunden Cash, Willie Nelson und Waylon Jennings die legendären „Highwaymen“ bildete, mit „Feeling Mortal“ ein weiteres Alterswerk vorgelegt. Immer brüchiger wird die Stimme, immer dahingehauchter die Songs. Aber was sind da für feine Songpretiosen dabei! Neben „Feeling Mortal“, der Beschäftigung mit seiner eigenen Sterblichkeit, möchte ich noch „Mama Stewart“ nennen, der die glückliche Welt einer 94-jährigen blinden Frau besingt und den Schlusstrack „Ramblin‘ Jack“, der in seinem Leben nichts ausgelassen hat und bei allen Fehltritten, Niederlagen und Verzweiflungstaten, doch immer eines war: ein wirklich guter Freund.

Diese Themen bezeugen, dass dieser Kristofferson längst die wichtigen von den unwichtigen Seiten des Lebens unterscheiden kann. Daher ist dieses Album auch trotz seines Titels oder seiner gedämpften Musik, ein absolut lebensbejahendes, optimistisches und gelassenes Album. Dieser Kristofferson scheint mit sich im Reinen. Und hat noch so viel Kluges zu sagen.

Am 28. November werden wir in der Frankfurter Jahrhunderthalle an seinen Lippen hängen. Ihn das erste und vielleicht auch das letzte Mal live erleben. Die Gänsehaut stellt sich schon beim Schreiben dieser Zeilen ein. Verbeugung vor einem ganz Großen!

Und hier Johnny Cash und Kris Kristofferson im Duett:

Jen Plater

6. November 2012

Neo-Folk heißt das Zauberwort dieser Tage. Auch hierzulande gibt es junge Musikerinnen und Musiker, die sich dieser Musik verschrieben haben. Jen Plater ist eine davon. Diese interessante Singer- Songwriterin aus Frankfurt möchte ich hier gerne einmal vorstellen.

Zuhause im Kreis der Musikfamilie
Und dann ist es da: Dieses breite Grinsen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Jen Plater da ist, wo es jetzt gerade am Schönsten ist: Auf der Bühne der „Frankfurt Art Bar“. Das Zuhause ihrer musikalischen Familie. Die trifft sich hier regelmäßig donnerstags abends zum Musizieren auf der Open Stage. Und Jen ist heute mal wieder zum Familientreffen gekommen. Anwesend sind erfahrene Recken und junge Talente.

Drei Leben
Jen ist in Magdeburg geboren und groß geworden. Aus einer sportlichen Familie stammend, begann sie sehr früh mit dem Schwimmsport und wurde eine erfolgreiche Jugendschwimmerin. Doch den Schwimmsport gab sie mit sechzehn zugunsten des Fußballs auf. Nachdem sie unterdessen nach Frankfurt gekommen war, endete aber auch diese Sportkarriere abrupt. Eine Verletzung stoppte sie mit 22 Jahren. Der Startschuss für die Musik…

Über Menschen und Situationen erzählen
Jen wäre nicht Jen, wenn ihr ein geregeltes bürgerliches Berufsleben reichen würde. Sie suchte nach neuen Herausforderungen. „Nach dem Sport war da eine Leerstelle“, sagt sie dazu. Jen füllte sie mit Musik. Beziehungen, Liebe und Verlust sind dabei ebenso Themen ihrer Songs wie gesellschaftliche Probleme. „Ich blicke auf die Welt. Auf Menschen, auf Gesellschaft und auf das, was wir tun. Wir lieben oder führen Kriege. Auch über die Ängste davor schreibe und singe ich.“

Wollte sie im Sport Erfolg haben, so sieht sie die Musik als Ventil für anderes: „Meine Musik hat für mich mehr mit Selbstverwirklichung als mit Erfolgsgeilheit zu tun“, stellt sie klar.

Applaus ist wichtig – aber!
Eher ist im Job der Erfolg das Maß der Dinge. In der Musik kommt es auf andere Dinge an: „Applaus ist schön, aber wichtiger ist für mich, das ich mir selbst treu bleibe und zu mir selbst stehen kann“, erklärt sie entschieden. Daher will sie auch weder aufgehübscht produziert, noch massentauglich trainiert oder gecastet werden. Folk ist und bleibt ihre Musik. „Danny Kelly, Daniel Kahn und Mumford & Sons sind meine Vorbilder und der Film „Once“ war wie eine Initialzündung“. Sie findet ihn romantisch und er trifft sich mit ihrem Schwarm für die Iren.

Professionalisierung ist notwendig
Doch bei allem Idealismus, hat sie aber dennoch den Drang voranzukommen, möchte professioneller werden, ihre Musik mehr Menschen bekannt machen. „Wir arbeiten an einer EP, die man großflächiger an Musikredaktionen von Print, Online und Radio schicken kann.“

Eine, die es wirklich schaffen kann
Jen hat wie alle anderen Künstler beim der „Open Stage“ nur drei Songs. Aber in die steckt sie alles. So wie sie bei jedem Auftritt alles gibt. Ob im rappelvollen Ponyhof oder im Kreis der „Familie“ in der „Frankfurt Art Bar“. Am Ende singt sie natürlich ihren Ohrwurm „When Tears Begin To Dry“ Und die Familie singt und klatscht begeistert mit. Denn so mancher alter Musikrecke spürt: „Hier ist eine von uns, eine, die es wirklich schaffen kann!“ Und Jen? Die grinst zufrieden.

Jen Plater: When Tears Begin To Dry

Dale Watson spielt zum Tanz auf

20. Oktober 2012

Wie aus einem unscheinbaren Club ein echter Honky-Tonk wird

Man hätte sich ja besser informieren können. Dale Watson war bei mir als derjenige auf dem Schirm, der soeben als Reminiszenz an Cashs Sun Studio Recordings eine ganze Platte in diesem Stil heraus gebracht hat.  Und überhaupt, so erfuhr ich durch die Recherche, ist er einer der interessanten Country & Americana-Künstler aus Texas. Um so  mehr freute ich mich, dass er in Austin spielt, während wir dort sind.

Dass er aber dort aber jeden Montag mehr als drei Stunden zum Tanz aufspielt, das hatte ich schlichtweg übersehen. Um so überraschter waren wir dann auch, als die Tanzfläche schon nach wenigen Takten voll war. Dale Watson und seine „Lone Stars“ rockten den Continental Club in Austin, Texas. Mit Country, Roots und Honky-Tonk vom Feinsten. Dabei immer originell und voller Spielfreude. Watson entpuppt sich im Laufe des Abends als wahre „Rampensau“. Unermüdlich spielen er und seine Jungs, holten immer mal wieder ein paar Gastmusiker auf die Bühne. So wie den Engländer aus Liverpool, zu dessen Ehren sie dann auch ein Stück der Beatles ins Programm aufnehmen. Dazwischen wird immer mal wieder ein ironisches Werbejingle gespielt und Watson preist mit Zahnpastalächeln die Vorzüge von „Lone Star Beer“ an. Und das bleibt nicht die einzige Alkoholika auf der Bühne. Immer wieder bekommen die Jungs Tabletts mit Drinks gereicht. Wobei wir davon ausgehen, dass da auch mal Wasser statt Wodka und Apfelsaft statt Whisky eingeschenkt wird.

Schade, dass wir da nicht mittanzen können, denken wir bei uns, als wir die volle Tanzfläche sehen.  Es ist ein geiles Konzert,  aber nach fast drei Stunden strecken wir die Waffen und begeben uns zur Nachtbushaltestelle.  Dale Watson bringt das Parkett zum Schwingen. Auch das wird uns unvergesslich bleiben.

Anbei eine kleine Impression von Dales Auftritt im Continental Club:

Der Besuch der alten Dame

20. Oktober 2012

Wanda Jackson konzertiert souverän ihren Backkatalog

Die Frau ist jetzt 75. Sie vergisst hier und da schon etwas und scheint nicht mehr ganz so gut auf den Beinen zu sein. Doch im Scheinwerferlicht am Mikrofon macht ihr auch an diesem Abend im Granada-Theater in Dallas keiner was vor. Eine souveräne Entertainerin blickt auf ihre Karriere zurück und ihre unverwechselbare Stimme klingt immer noch richtig gut.

Dabei begann der Konzertabend alles andere als vielversprechend. Zu Beginn langweilte uns Daniel Romano mit ein dutzend Versionen des gleichen jammerigen „Lonesome Cowboy“-Songs. Seine Band war dann auch die Begleitband von Wanda. Die legte voll Stoff los, sang ihre großen Hits wie „Let’s Have A Party“ und „Fujijama Mama“ ebenso wie ihre neuen Songs aus den Alben mit Jack White – leider nicht Dylans „Thunder On The Mountain“ – und Justin Townes Earle und brillierte mit launigen Ansagen.

Am Ende stehende Ovationen und die Gewißheit wirklich die „Queen of Rock’n’Roll“ als „Hurricane with Lipstick“ (Bob Dylan) erlebt zu haben.

Fort Worth/ Dallas, Texas

12. Oktober 2012

Jetzt heisst es wieder Abschied nehmen. Viel gute und ein wenig nicht so gute Musik, interessante Landschaften und spannende Begegnungen liegen hinter uns. Austin war eine sehr gute Wahl. Ein Ort voller Weltoffenheit, Kunst, Musik und Liberalitaet und zu alledem sehr texanisch. Schoene Mischung.

In Fort Worth haben wir noch etwas Cowboyluft geschnuppert und gestern Abend die Vizepraesidentendebatte verfolgt. Die Republikaner sind scheinbar im Aufwind, so wird die Wahl eine wirklich enge Sache.

Wir freuen uns, nun auch wieder zurueckzukommen. Nashville und Austin aber werden wir sicherlich wieder einmal bereisen. Und zu Hause warten mit den Carolina Chocolate Drops und Kris Kristofferson schon wieder richtige Konzer-Highlights auf uns.

Good bye Texas!

Von Leland, Mississippi nach Austin, Texas

9. Oktober 2012

Jetzt sitzt er als politisches Statement in unserem Autofenster. Der „Big Bird“ aus der Sesame Street, den wir als Bibo kennen. Romney wollte in der Debatte bei den Ausgaben fuer das oeffentliche Fernsehen kuerzen, obwohl er doch „ein Fan“ vom Big Bird sei. Bei einem Staatsdefizit bei gleichzeitigen Riesen-Steuerschluepfloechern fuer Reiche den Angriff nicht auf die Wall Street, sondern auf die Sesame Street zu wagen, brachte Romney Hohn und Spott seitens der Demokraten ein, in den wir gerne einstimmen.

Geholt haben wir Bibo im Muppet-Museum in Leland. Einem armen Mississippi-Oertchen, dass ausser dem Gedenken an Jim Henson noch ein Bluesmuseum besitzt. Wir sahen noch dazu die High School-Homecoming-Parade zum Schuljahresbeginn. der Nachbarort Greenville hatte uns dagegen nichts zu bieten. Das Hotel nicht ueberzeugend und das Musikerpaerchen im oertlichen Club eine Katastrophe.

Nun sind wir in Austin und haben dort gstern Abend einen tollen Honky-Tonk-Abend mit dem Country-Roots-Rocker Dale Watson erlebt. Austin ist jung, studentisch, alternativ und trotzdem ganz schoen texanisch. Eine spannende Mischung und der erhoffte zweite Hoehepunkt der Reise.

Nashville, Tennessee

5. Oktober 2012

„Es gibt 1435 Guitar Picker in Nashville“, heisst es in einem Country-Song. Soll heissen, jeder der in der Musik was werden will, zieht es nach Nashville. Und in der Tat: Laengst ist Nashville nicht mehr nur Country-Kapitale der USA, sondern  die Music City der Staaten schlechthin. Alle Arten von Musik werden hier komponiert, produziert, verlegt und vertrieben. Und Nashville ist Kongressstadt. Und sie ist auch ein Zentrum des Bible Belts mit einer grossen Anzahl von kirchlichen Gemeinschaften. Nashville ist also ein Melting Pot.

Und wo laesst sich solch ein Melting Pot leben? In der „American Bar“! So wie diesen Dienstag in Mortons Bar im Herzen Nashvilles, als sich eine junge Amerikanerin aus Chicago, die drei Jahre in Italien gelebt hat und nun in Kunst und Medien macht, ein deutsches Paar – eine Rechtsanwaeltin und ein Journalist – sowie der daenischer Inhaber einer weltweit operierenden Sportmarketingagentur, der in Uruguay lebt, dort trafen. Ueber Laender-, Sprach- und Kultugrenzen hinweg kam es zu interessanten Gespraechen ueber Amerika.

Nur wenige Stunden vorher hatten die Deutschen einem historischen Ereignis beigewohnt. Im 87. Jahr ihres Bestehens wurde mit Darius Rucker erst der dritte Schwarze „Member of The Grand Ole Opry“, also in einen Art Elitekreis der Countrymusik aufgenommen. Auch das ein Zeichen fuer amerikanische Verhaeltnisse.

Die Deutschen sind nun im Bundesstaat Mississippi angekommen und werden ein Stueck weit das Misssissippi-Delta hinunterfahren. Dem Geburtsort des schwarzen Blues. Ohne den es die Countrymusik in ihrer heutigen Form nicht geben wuerde. Amerika – das Land der vielfaeltigen Widersprueche.

Dyess, Arkansas

2. Oktober 2012

„Come in!“, ruft es aus dem Inneren, als wir verhalten an der Tuer klopfen. Das Gebaeude ist ein Trailer, eine dieser schlichten amerikanischen Flachbauten, den man auch leicht zu einem rollenden Zuhause machen kann. Ueber der Tuer steht „McCrory’s General Store since 1953. Souvenirs of Johnny Cash and Gene Williams“. Wegen Cash sind wir hier im amerikanischen Nowhere gelandet.

Als wir das Drugstore betreten, haben wir Muehe – es ist dunkel und mit randvoll mit allerlei Kram – den kleinen alten Mann hinter der Theke zu finden. Freundlich erzaehlt er  – er mag schon 90 sein – dass er Gene Williams noch persoenlich gekannt habe. „Cash?“ Ja klar, den auch, aber Williams scheint ihm wichtiger zu sein. Williams war auch ein Countrystar wissen wir nun. Aber fuer uns wiederum nicht so bedeutend wie Cash.

Dyess wurde in den 30er Jahren als Projekt des New Deal gegruendet. Es gab vielen armen Familien eine neue Existenz. Auch der von Johnny Cash. Vielleicht war es dieses Wissen in die Moeglichkeiten staatlicher Daseinsfuersorge, die Cash zeitlebens davon abhielten einfachen konservativen „Wahrheiten“ zu folgen.

Wir kaufen ein Cash-T-Shirt und der alte Mann schenkt uns ein Bild von Gene Williams. Der ist ihm wichtiger, wie gesagt.

Wir fahren weiter nach Memphis und Nashville. Und folgen fuer einen Teil der Reise Cashs Weg aus der Armut Dyess‘ ueber die ersten Plattenaufnahmen in Memphis hin zum Superstar der Countrymusik in Nashville. Schade, dass es in diesen Zeiten in Amerika keinen mehr wie Johnny gibt.

Dallas, Texas

28. September 2012

The Big D. Die texanische Metropole hat sich ins kollektive Bewusstsein vor allem in zweierlei Hinsicht

Dallas: Aus diesem Haus heraus wurden die tödlichen Schüsse auf John F. Kennedy abgegeben.

eingebrannt. Einmal katastrophisch – die Ermordung John F. Kennedies am 22. November 1963 ist bis heute fuer die Amerikaner und erst Recht fuer die Menschen in Dallas ein Trauma geblieben. Und zum anderen trivial: Die TV-Serie Dallas wurde in den 80er Jahren in Westdeutschland zum Kult, J.R. Ewing als mephistophelischer Oelbaron bekam Pop-Ikonenstatus.Dallas also ist Ausgangspunkt unseres Roadtrips zur Wiege der amerikanischen Musik. Ueber dieses Vorhaben sind unsere amerikanischen Gespaechspartner in der Hotelbar oder an der Tram/Haltestelle ueberrascht und erfreut zugleich. „Dass Ihr Deutschen sowas macht, Respekt!“

Mit dem Auftritt von Wanda Jackson hatte die Reise gestern Abend einen sehr schoenen musikalischen Auftakt. Eine tolle Show der 74-jaehrigen, die eine grossartige Entertainerin ist. Eine Reise in die Musikgeschichte mit hohem Unterhaltungswert. Ein starker Auftritt.

Heute ist die grosse Parade zur Texas State Fair, heute abend spielt Marty Stuart und dann geht es endlich „on the road“. Es wird hoechste Zeit