Posts Tagged ‘Americana’

Delaney Davidson

16. September 2011

WahWahTwangBoomChickaBoom oder wie ein neuseeländischer Schweizer in einem Bessunger Keller in Darmstadt das Americana weiterentwickelte…

credits: Delaney Davidson

credits: Delaney Davidson

In Kellern wird Americana-Geschichte geschrieben. 1967 in dem von Big Pink, als Bob und die Buben von The Band zu den Urvätern des Genre wurden und vor wenigen Tagen war es der Keller der Bessunger Knabenschule in Darmstadt, in dem Delaney Davidson mit seiner außergewöhnlichen Performance die Minstrel-Show wiederauferstehen ließ und für dieses Jahrtausend neu aufbereitete.

Knapp 50 Leute waren gekommen und der Keller war voll. Davidson nimmt das Publikum mit auf die Reise ins alte, gefährliche Amerika, es geht um Tod und Teufel, Liebe und Mord. Das Ganze klingt ein bisschen wie Nick Cave meets Bob Dylan meets Hank Williams. Blues, Balladen, dunkler Country – phantastisch vorgetragen von einem Künstler, dessen Bühnenpräsenz beeindruckend ist. Nur mit Gitarre und Mundharmonika „bewaffnet“, aber dazu mit cleverem technischen Equipment ausgestattet, dass es ihm ermöglicht sich selber zu begleiten, idem er Melodielinien, Rhythmus und Takt anspielt, aufnimmt und sofort wiedergibt. Der Höhepunkt ist erreicht, als er bei „Time has gone“ sein Instrument niederlegt, die Musik weiterspielt und er sich unters Publikum mischt, um es zu einem dunklen Todeswalzer zu animieren. Es gelingt und plötzlich ist der Keller zum Ballsaal einer Geisterstadt irgendwo im Wilden Westen geworden.

Überhaupt hat er das Publikum gut im Griff, macht kurze, witzige Ansagen, kokettiert mit seinem unperfekten Deutsch und bringt die Leute bei „Dirty Dozen“ sogar zum Chorgesang. Ein rundum tolles Konzert und ein rundum begeistertes Publikum im Keller. Man sollte den neuseeländischen Schweizer Delaney Davidson im Auge behalten. Er könnte der Welt noch viel gute Musik schenken und das Americana bereichern.

Das Buch ist raus!

16. September 2011

Auf ausdrücklichen Wunsch hin sei es hier nochmals erklärt: „I’m in a Cowboy Band“ ist im August erschienen und sowohl im Buchhandel als auch im Internet (amazon, jpc etc.) erhältlich. Es ist ein schönes Büchlein geworden, sieht schmuck aus im Buchregal, liegt gut in der Hand und trägt nicht auf. Es kostet 10,50, was aber nur ein symbolischer Preis sein kann, da der Inhalt ja eigentlich unbezahlbar ist.

Es hat auch schon einige positive Reaktionen und Rezensionen gegeben:

„Ein Buch in dieser Art hat es meines Wissens weder über Bob Dylan noch einen anderen Musiker gegeben“ (Manfred Vogel, country.de).
„Big Pink als das Geburtshaus des Americana auszurufen ist ein wunderbarer Gedanke“ (Matze von den DoubleDylans)
„Lesenswert“ (Leserrezension auf amazon)

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober ist das Büchlein samt Autor auch vertreten und am 8. November wird das Thema des Buches im Mittelpunkt einer Sendung von Radar/ Radio Darmstadt stehen. Sobald Lesungen oder Veranstaltungen fix sind, werden sie hier bekannt gegeben. Der Autor arbeitet noch daran.

Vormerken: „I’m in a Cowboy Band“ erscheint in Kürze

27. Juli 2011

Copyright: Monsenstein und Vannerdat

Copyright: Monsenstein und Vannerdat

Dylan-Buch voraussichtlich ab Ende August lieferbar

Der Erscheinungstermin rückt näher: „’I’m in a Cowboy Band’ – Bob Dylan, die Country-Music und das Vermächtnis des Americana“ von Thomas Waldherr wird voraussichtlich Ende August erscheinen. Das Buch wird in der Edition Octopus des Münsteraner Verlags Monsenstein & Vannerdat heraus kommen. Der Preis beträgt 10,60 Euro.

Das Buch, das seine Grundlagen in den Arbeiten des Autors für diesen Blog und für das Onlinemagazin http://www.country.de hat, durchleuchtet die vielfältigen Wechselbeziehungen Bob Dylans mit der Musik des Country und des Americana.

Für den Spätsommer/ Herbst sind Vorträge und Lesungen angedacht. Weitere Informationen hierzu sowie zum Bezug des Buches folgen zu gegebener Zeit an dieser Stelle.

Lansdale und Sallis

26. Juli 2011

Avantgarde & Genre & Americana

Inmitten der in Masse produzierten Konfektionsliteratur für bildungsnahe Schichten, wie sie stapelweise bei Hugendubel oder Thalia feilgeboten wird, ragt doch immer mal wieder was heraus. Auch im Krimi-Genre. Und zwar nicht der x-te italienische Commissario, spanische Ermittler oder englische Profiler. Nein, was ich gefunden habe, ist große Literatur, die ganz nebenbei Krimi ist. Und die Avantgarde und waschechtes Americana miteinander verbindet. Ich rede von den Büchern von Joe R. Lansdale und James Sallis. Beide stammen sie aus den Südstaaten und beide sind davon geprägt und erzählen Geschichten zwischen Rassenproblemen, Armut und Gewalt.

Lansdale (geb. 1951) stammt aus Texas und dort spielen auch die meisten seiner Romane. Beispielhaft soll hier „Die Wälder am Fluss“ vorgestellt werden. Bei Lansdale steht das „who done it“ zwar im Mittelpunkt, aber er belässt es nicht bei einer kriminalistischen Lösung zwischen zwei Buchdeckeln, sondern entwirft ein naturalistisches Südstaaten-Drama, das geschickt die Erzählmythen dieses Landstrichs einsetzt, um so die Atmosphäre und den Sound des alten Südens einzufangen. Man kombiniere „Tom Sawyer“ mit „Licht im August“ mit „Wer die Nachtigall stört“. Heraus kommt ein spannendes, verstörendes Buch, das mit den negativen und positiven Mythen und Eigenschaften des Südens wie Rassentrennung und Religion, Dorfgemeinschaft und Ku-Klux-Klan spielt, und das einem auch mal wieder klar macht, wir Recht Bob Dylan hatte, als er in „Blind Willie McTell“ die Worte singt „I travel through East Texas, where many martyrs fell“.

Sallis (geb. 1944) stammt aus Arkansas und schickt seinen Detektiv Turner – eine einsame Marlowe-ähnliche Figur – in seinen Romanen „Dunkle Schuld“ und Dunkle Vergeltung“ in das verschlafene Südstaaten-Nest Cypress Grove – irgendwo zwischen Memphis, Tennessee und Little Rock, Arkansas. Sallis geht es gar nicht um das „who done it“. Seine Buch ist Selbstreflexion eines aus der Bahn geworfenen, der Stück für Stück in die Gesellschaft zurück kommt, um zu erkennen, dass die Gründe für seine zeitweilige Abstinenz aus der Gemeinschaft – die Gewalt von Menschen gegen Menschen – immer wieder zu ihm zurück kommt und ihn und die Gemeinschaft immer wieder bedroht und begleitet. Auch deswegen ein sehr amerikanisches Buch. Der Sound des Buches ist Folk und Country-Blues mit einem Spritzer Rythm & Blues. Der Bluegrass , der von den Protagonisten des Buches favorisiert wird steht dem äußerlich, weil zu süffig und lebensfroh, gegenüber. Am Ende von „Dunkle Vergeltung“ kommt die Gewalt auch ins Bluegrass-Idyll und die Musikerin stirbt durch eine Kugel.

An anderer Stelle habe ich hier schon einmal geschrieben, dass die bei uns so beliebte Nabelschau-Ostküsten-Literatur wenig aussagt über die Verfassung, in der sich Amerika und die Bewohner des großen Hinterlandes befinden. Lansdale und Sallis haben darüber viel mehr zu sagen. Sie verbinden Americana mit Literatur, Genre und Avantgarde und liefern dadurch interessante Einblicke in das alte und das neue unheimliche und gefährliche Amerika.

Lesetipps:
Joe R. Lansdale, Die Wälder am Fluss.
James Sallis, Dunkle Schuld/ Dunkle Vergeltung/ Dunkles Verhängnis.

Mellencamp begeistert in Stuttgart mit umfassender Werkschau

10. Juli 2011

Retrospektive streift alle Schaffensphasen

Der Konzertabend beginnt unerfreulich. Pfiffe und Unmutsbekundungen erntet Mellencamps Dokumentation über das Entstehen seiner aktuellen Platte, „It’s About You“. Da wollen wohl einige nur Rockmusik hören, ohne sich über den Künstler und seine Beweggrunde Gedanken machen zu müssen. Unverständlich, Respektlos, Unangemessen, fällt mir dazu ein.

Nach einer Stunde wird die Leinwand recht umständlich abgebaut und gegen 21.20 Uhr betritt Mr. John Mellencamp die Bühne. Das Konzert beginnt mit voller Rockbesetzung, dann spielt der Heartland-Rocker einige Stücke akustisch und solo, dann kommt der Mittelteil mit Folkbesetzung – Geige, Akkordeon, Banjo, Akustikgitarre, Stehbass, dann wieder Mellencamp solo, um zum Schluss noch mal richtig rockig loszubrettern.

Mellencamp hat stets das Pech gehabt im Schatten des „Übervaters“ Dylan und des „Boss“ Springsteen im Segment „Amerikanische Rockikone“ nur die dritte Geige zu spielen. Ein Liebling der Kritiker war er nie, eine treue Fangemeinde hat er aber stets um sich geschart.

So haben auch viele schlichtweg ignoriert, welch großer Geschichtenerzähler der in Bloomington, Indiana, geborene ist. Dies beweist er im Konzert sowohl mit Songs wie „Jack and Diane“ oder „John Cockers“, aber auch mit Geschichten, die er zwischen den Stücken einflechtet.

Zwei Stunden lang gibt Mellencamp an diesem Abend den „American Musician“. Gegen den Arbeiter-Habitus von Springsteen, wirkt er neuerdings eher wie der Politiker, Prediger oder Intellektuelle. Dazu passt ja, dass der überzeugte Demokrat immer wieder für politische Ämter seines Heimatstaates im Gespräch ist.

In Stuttgart paart sich dies mit vollendetem Entertainment. Er mischt beeindruckend stilsicher, und im Ergebnis erstaunlich homogen seine alten Radio-Rockklassiker mit seinen neueren Roots-Rock und Americana-Songs. Seine Scheibe „No Better Than This“, die er mit dieser Tour bewirbt, ist denn voll starker Songs wie „Save Some Time To Dream“ oder „No One Cares About Me“, die ebenso zu den Höhepunkten des Konzerts zählen, wie seine alten Songs.

Am Ende gegen 23.20 Uhr hat sich der Kreis geschlossen und keine Zugabe mehr möglich. Mellencamp hat sich beeindruckend in Deutschland zurückgemeldet, das Publikum ist begeistert. Die Kritik aber wird wie eh und je reagieren.

Setlist:
1. Authority Song
2. No One Cares About Me
3. Death Letter
4. John Cockers
5. Walk Tall
6. The West End
7. Check It Out
8. Save Some Time to Dream
9. Cherry Bomb
10. Don’t Need This Body
11. Easter Eve
12. Jack and Diane
13. Jackie Brown
14. Longest Days
15. Small Town
16. Rain on the Scarecrow
17. Paper In Fire
18. Crumblin‘ Down
19. If I Die Sudden
20. Pink Houses
21. R.O.C.K. in the U.S.A.

Mehr als ein paar neue Bärte: The Decemberists

30. März 2011

Neo-Folkbands sind schon seit einiger Zeit schwer im Kommen. Mit Bärten und ernsten Weisen verlangen uns Künstler wie „Iron & Wine“ oder „The Low Anthem“ einiges ab. An anderer Stelle auf diesem Blog habe ich schon beschrieben warum ich die „Felice Brothers“ oder Justin Townes Earle“ höher einschätze als die strebsamen Folk-Studenten. Auch hätte ich mir meine Favoriten als Partner bei Dylans Folk-Hommage im Rahmen der Grammy-Verleihung natürlich lieber gewünscht als die steifen britischen Mumford & Sons und die zu vertüftelten Avett Brothers.

Der Neo-Folk der von mir genannten Bands ist zu sehr auf dem Weg zum Kunstlied. Immer nur langsam, sehr oft sphärisch, mit viel Aufwand in Arrangement und Instrumentierung. Da lob ich mir die Instinktmusiker mit „street credibility“ wie eben die Felice Brothers oder Steve Earles Sohn. Packende Themen, nicht nur Nabelschau, Musik die mal langsam, mal schnell aber immer eingängig und –Achtung welch böses Wort! – unterhaltsam ist.

Also war ich auch bei den Decemberists erstmal skeptisch. „Wieder ein paar neue Bärte“, dachte ich und siehe da, der ungläubige Thomas wurde mit „The King Is Dead“ eines besseren belehrt. Der erste Song Don’t Carry I All“ groovt scheppernd und schleppend, der zweite Song Calamity Song rockt und der dritte, „Rise To Me“ erinnert musikalisch an Dylans Lay, Lady , Lay oder „Simple Twist Of Fate“ und so geht es auf dem Album munter weiter.

Die Truppe aus Portland, Oregon hat mir noch einmal die Hoffnung in den Neo-Folk zurückgegeben. Die Indie-Rocker unter britischem Folk-Einfluß sind einfach gute Musiker und haben hier das Americana – Folk, Country, Blues – vortrefflich für ihre Zwecke adaptiert. Hörenswert!

Emmylou

14. März 2011

Manchmal sind es die kleinem Lichtblicke, die einem durch die Tage der Dunkelheit bringen. In Japan atomisiert sich ein Land aufgrund der verhängnisvollen Verquickung von folgenschweren Naturprozessen mit menschlicher Unvernunft. In Libyen kann sich ein Volk nicht befreien, weil die Welt tatenlos zusieht. Und wäre das alles nicht genug, fährt in Hamburg ein drogenberauschter Autofahrer vier Menschen tot, darunter den Drogen-Forscher und Dylan-Kenner Günter Amendt.

Da kommt die Nachricht, dass die „Große Dame des Americana“, die „Bluegrass-Queen“ und „Country-Nachtigall“ Emmylou Harris zu drei Konzerten nach Deutschland kommt und dabei das Rhein-Main-Gebiet nicht ausspart, wie die Vorahnung eines Auswegs in tiefster Bedrängnis.

Ein Lichtstrahl am Ende des Tunnels. Wir legen ihr überirdisch-schönes „Green Pastures“ auf. Nun haben wir das Paradies endgültig vor Augen. Nun kann es wieder weitergehen.

Brüder im Geiste

25. Februar 2011

Bob Dylan, Johnny Cash, “One Too Many Mornings” und “Bootleg Vol II: From Memphis To Hollywood”

Auf der aus vielerlei Gründen einzigartigen Johnny Cash-Neuveröffentlichung von Archivschätzen „Bootleg Vol. II: From Memphis To Hollywood“ befindet sich mit „One Too Many Mornings“ auch eine bis dato in den USA unveröffentlichte Cash-Version eines Dylan-Songs, nämlich „One Too Many Mornings“.

Zusammen mit Mutter Carter und den Mädels versteht es Cash, mit wenigen musikalischen Mitteln – seinem typischen BoomChackaBoom, Mother Maybelles Autoharp sowie den Background-Vocals von June und ihren Schwestern – und seinem lakonischen Gesang, sich das Lied völlig anzueignen. Cash gibt Dylans Poesie die Erdung des Country-Folk. Die Aufnahme stammt von 1965, vier Jahre später nahm er den Song noch einmal auf, diesmal mit Dylan zusammen und wieder erschien er nicht auf einer offiziellen Veröffentlichung.

Diese Songminiatur zeigt auf, wie sehr Bob und Johnny Brüder im Geiste waren, obwohl sie sind doch von sehr unterschiedlicher Herkunft sind. Hier Bobby Zimmermann, aufgewachsen als Sohn einer jüdischen Mittelstandsfamilie in der unwirtlichen Iron Range, im kalten Nordgrenzstaat Minnesota, da John R. Cash, Sohn eines armen Baumwollpflanzers aus Arkansas im Bible Belt der US-Südstaaten. Der eine wird Groß in der Uni-Szene von Minneapolis/ St. Paul und in der linken Folkszene New Yorks, der andere wächst in ärmlichen, gottesfürchtigen Verhältnissen auf, geht zur Army, macht dort Musik, verkauft später Haushaltsgeräte und wird in den Sun-Studios von Memphis/Tennessee entdeckt.

Cash wuchs auf in den wirtschaftlich schwierigen 30er und 40er Jahren auf. Cashs Jugend in Armut und Gottesglaube auf den Baumwollfeldern in Arkansas mit dem strengen Vater und dem Tod seines geliebten Bruders Jack führt zur Entstehung innerer Dämonen, einem immer wieder aufbrechenden Rebellentum und der Empathie mit den Armen und den Verlierern. Zudem ist sich Cash stets bewusst, dass auch das bescheidene Leben seiner Jugend nur durch die New Deal-Politik Roosevelts möglich war.

Dylan dagegen ist der bürgerliche Mittelstands-Kid, der sich schon früh in der Welt, in der er lebt, nicht zu Hause fühlt. Dylan wächst als Jugendlicher auf in den ökonomisch prosperierenden, aber geistig bleiernen Jahren der Eisenhower-Zeit auf. Sein Ventil war, viel wichtiger noch als die Filme mit dem Rebellentum des James Dean, immer die Musik. Die ländliche populäre Musik der Südstaaten, von der weißen Country-Musik bis zum schwarzen Blues und dem Rock’n’Roll war sein Fluchtweg aus dem bürgerlichen Dilemma, die Eintritt in die intellektuellen Uni-Szenen die Grundlage seiner Horizonterweiterung für gesellschaftliche Missstände.

Dies ergab in den bewegten 60er Jahren eine große künstlerische Schnittmenge. Cash hatte immer ein Gespür für Folk, das über die Nashville-Hits hinausging. Dylan hatte schon früh Hank Williams, den „Hillbilly-Shakespeare“, schätzen gelernt. So freundeten sich die beiden an und Cash setzte sich für Dylan ein, als Columbia ihn nach dem mäßigen Publikumserfolg seines LP-Erstlings schon wieder loswerden wollte. Und Cash setzte sich für Dylan ein, als die Folkszene geiferte, weil er von der Tagespolitik ins seinen Songs Abstand nahm. Unter Dylans Inspiration entstanden Cashs gesellschaftskritische Songs wie „Ira Hayes“ und seine Konzeptalben. Dylan wiederum begab sich ein Stück weit in Cashs Hand, als er Ende der 60er die Countrymusik für sich adaptierte.

Über die Jahre gab es immer wieder Berührungspunkte und Dylans Hommage auf Cash nach dessen Tod ist ein großes Dokument der Verehrung. Umso schöner ist es, wenn mit der neuen „Bootleg 2“ eine weitere Cash-Version eines Dylantitels nun breiten Kreisen zugänglich und die wichtige Verbindung der Beiden wieder einmal offenbar wird.

Bob Dylan und das Vermächtnis des Americana

20. Februar 2011

Copyright: Sony Music

Copyright: Sony Music

Eine Grammy-Nachlese

Reden wir mal nicht von der Stimme Dylans an diesem Abend. Die war wirklich ragged & dirty. Reden wir lieber über die Art des Vortrags, und welche Bedeutung er widerspiegelt. Denn Bob Dylan unterstrich mit seinem Auftritt am 13. Februar 2011 im Rahmen der Grammy-Verleihungen nicht mehr und nicht weniger als seine Ausnahmestellung als „Vater des Americana“.

Die Initialzündung für das was heute landläufig als „Americana“ oder auch „Alternative Country“ bezeichnet wird stellen die „Basement Tapes“ dar. Dylan & The Band ritten von Frühjahr bis Herbst 1967 im Parforce durch mehr als 100 Songs aus Country, Folk, Gospel und Rock’n’Roll. Dylan bewegte sich in der Folge vom urbanen Avantgarde-Rock seiner Mittsechziger Werke hin zu Country-Folk (John Wesley Harding) und Nashville-Country (Nashville Skyline). Nach Folk, Rock’n’Roll und Country eignete sich Dylan dann in seiner „Born Again-Phase“ Ende der 70er/Anfang der 80er auch den Gospel als letzte Säule des Americana an.

Americana steht für die populäre amerikanische Musik, die ihre Wurzeln in den folkloristischen Überlieferungen der Einwanderer, der ländlichen Bevölkerung, der Schwarzen, der Seeleute oder der Arbeiter hat: Folk, Blues, Country, Rock’n’Roll. Und da war Dylan der erste und bis heute bedeutendste, der wirklich allumfassend die amerikanische Populärmusik zu seinem Medium machte, Grenzen überwand und Fesseln sprengte. In diesem Licht ist beispielsweise auch eine damals beim Erscheinen zerrissene Platte wie „Self-Portrait“, als nichts anderes, als eine Selbstverständigung über die persönlichen und kollektiven musikalischen Wurzeln zu verstehen.

Bis heute geht Dylan diesen Weg weiter, wer seine Radio Sendung „Theme Time Radio Hour“ kennt, weiß wie breit sein Programm aufgestellt ist, wie jede Sparte der populären amerikanischen Musik abgedeckt wird. Also neben dem klassischen Americana, auch die die Musik des „Great American Songbook“, der urbanen Popmusik, den Tin Pan Alley-Schlagern, dem Classic Pop, Swing und Jazz.

Als Dylan an diesem Abend in Los Angeles sein „Maggies Farm“ singt, dann schwingen alle Facetten des Americana und ein bisschen auch das „Great American Songbook“ mit. Die Bühnenszenerie – Ein Halbkreis mit Banjos, Gitarren, Mandolinen und Stehbass – könnte sowohl ein Folk-Hootenanny, als auch einen Barn Dance widerspiegeln. „Maggies Farm“ war der Song, der als erster elektrischer Rock’n’Roller die Folkwelt in Newport verstörte. Inhaltlich schwingt in ihm sowohl das jugendliche Rebellentum, als auch die Plantagenarbeit der Schwarzen – „sing while you slave!“ und die harte Arbeit der ländlichen Amerikaner mit. Die Art des Vortrags war Country-Folk, aber von Tempo und der Härte des Anschlags der Saiteninstrumente nicht ohne die Weiterentwicklung des Rock’n’Roll denkbar. Und dazu gibt dann Dylan eben nicht den Obergitarristen – seiner vielfachen öffentlichen Wahrnehmung entsprechend – sondern macht den Crooner! „Great American Songbook“ siehe oben. Wow!

Dylan lässt also keine Möglichkeit aus, sich weiterhin als Archäologe und Historiker der amerikanischen Populärmusik zu betätigen. Auf offener Bühne. Und hoffentlich auch bald wieder bei uns.

Dylans Auftritt bei den Grammies gibt es u.a. auf youtube zu sehen.

“I’m in a cowboy band”

13. Februar 2011

Zum Relaunch meines Musikblogs

“I’m the oldest son of a crazy man, I’m in a cowboy band” singt Bob Dylan in dem anrührend melancholischen Song „Nettie Moore” vom Album 2006er Album “Modern Times”. Ein guter Titel für meinen Blog, der den bisherigen etwas kindischen Verlegenheitstitel ersetzt. Zeigt er doch auf worum es hier geht: Bob Dylan, Country, Americana, Roots-Rock.

Mit dem neuen Titel geht sukzessive eine richtige Verschlagwortung und Kategorisierung der Artikel einher. Zudem soll die Seite schneller aktualisiert werden, sprich viel öfters neuen Content erhalten. Auch die Video- und Audioeinbindung – immer den legalen Möglichkeiten entsprechend – soll genutzt werden. Und auch eine Linkliste ist neu erstellt worden, so wie ich auch mehr Aktivitäten entfalten will, damit mein Blog entsprechend auf anderen Seiten verlinkt wird.

Inhaltlich werde ich der Linie treu bleiben. Ich schreibe, darüber, was ich gut finde und nur selten darüber, was mir nicht gefällt. So freue ich mich schon auf den nächsten Eintrag, der aus Zeitgründen leider nicht vor Dienstabend erfolgen wird: Eine Nachlese zum Auftritt von Bob Dylan bei den Grammies.

Dass Dylan im Rahmen einer Würdigung des akustischen Folkliedes mit „Maggies Farm“ ausgerechnet den Song spielt, mit dem er das Newport Folk Festival 1965 mit den weltweit ersten elektrischen Folkrock-Tönen aufmischte, ist so richtig typisch Dylan: Ebenso subversiv, wie genial und geschichtsbewusst. Es gibt Aufnahmen im Netz, die Dylan croonend vor einer Riesen-Folk-Kapelle zeigen. Das wirkt sehr viel versprechend.