Posts Tagged ‘Bob Dylan’

Vormerken: „I’m in a Cowboy Band“ erscheint in Kürze

27. Juli 2011

Copyright: Monsenstein und Vannerdat

Copyright: Monsenstein und Vannerdat

Dylan-Buch voraussichtlich ab Ende August lieferbar

Der Erscheinungstermin rückt näher: „’I’m in a Cowboy Band’ – Bob Dylan, die Country-Music und das Vermächtnis des Americana“ von Thomas Waldherr wird voraussichtlich Ende August erscheinen. Das Buch wird in der Edition Octopus des Münsteraner Verlags Monsenstein & Vannerdat heraus kommen. Der Preis beträgt 10,60 Euro.

Das Buch, das seine Grundlagen in den Arbeiten des Autors für diesen Blog und für das Onlinemagazin http://www.country.de hat, durchleuchtet die vielfältigen Wechselbeziehungen Bob Dylans mit der Musik des Country und des Americana.

Für den Spätsommer/ Herbst sind Vorträge und Lesungen angedacht. Weitere Informationen hierzu sowie zum Bezug des Buches folgen zu gegebener Zeit an dieser Stelle.

Veranstaltungstipp: Dylan im Dreierpack

7. April 2011

Bob Dylan-„Geburtstagsfeier“ in Frankfurt am Main

Die „zentrale“ Geburtstagsveranstaltung zum Siebzigsten von Bob Dylan im Rhein-Main-Gebiet findet am Freitag, dem 27. Mai im Frankfurter Orange Peel Club (Kaiserstraße 39) statt. Geboten wird ein unterhaltsames, überraschendes und durchaus lehrreiches Programm rund um die amerikanische Musikikone. Auf der Bühne setzen sich der Hörfunkmoderator und Popmusikexperte Klaus Walter, die Frankfurter Dylan-Coverband „DoubleDylans“ sowie der Musikjournalist und Autor Thomas Waldherr auf unterschiedliche Weise mit Dylans Werk und Wirken auseinander.

Zu Anfang wird Thomas Waldherr mit einem Multimediavortrag Bob Dylan als „Vater des Americana“ vorstellen. Den Einfluss Bob Dylans auf die deutsche Popmusik jenseits von Niedecken und Ambros erläutert danach mit viel Musik und O-Tönen Klaus Walter. Den Abschluss bilden dann die „DoubleDylans“, die Dylans musikalischen Kosmos nach Frankfurt am Main verlegen und ins Hessische übertragen.

Mehr als ein paar neue Bärte: The Decemberists

30. März 2011

Neo-Folkbands sind schon seit einiger Zeit schwer im Kommen. Mit Bärten und ernsten Weisen verlangen uns Künstler wie „Iron & Wine“ oder „The Low Anthem“ einiges ab. An anderer Stelle auf diesem Blog habe ich schon beschrieben warum ich die „Felice Brothers“ oder Justin Townes Earle“ höher einschätze als die strebsamen Folk-Studenten. Auch hätte ich mir meine Favoriten als Partner bei Dylans Folk-Hommage im Rahmen der Grammy-Verleihung natürlich lieber gewünscht als die steifen britischen Mumford & Sons und die zu vertüftelten Avett Brothers.

Der Neo-Folk der von mir genannten Bands ist zu sehr auf dem Weg zum Kunstlied. Immer nur langsam, sehr oft sphärisch, mit viel Aufwand in Arrangement und Instrumentierung. Da lob ich mir die Instinktmusiker mit „street credibility“ wie eben die Felice Brothers oder Steve Earles Sohn. Packende Themen, nicht nur Nabelschau, Musik die mal langsam, mal schnell aber immer eingängig und –Achtung welch böses Wort! – unterhaltsam ist.

Also war ich auch bei den Decemberists erstmal skeptisch. „Wieder ein paar neue Bärte“, dachte ich und siehe da, der ungläubige Thomas wurde mit „The King Is Dead“ eines besseren belehrt. Der erste Song Don’t Carry I All“ groovt scheppernd und schleppend, der zweite Song Calamity Song rockt und der dritte, „Rise To Me“ erinnert musikalisch an Dylans Lay, Lady , Lay oder „Simple Twist Of Fate“ und so geht es auf dem Album munter weiter.

Die Truppe aus Portland, Oregon hat mir noch einmal die Hoffnung in den Neo-Folk zurückgegeben. Die Indie-Rocker unter britischem Folk-Einfluß sind einfach gute Musiker und haben hier das Americana – Folk, Country, Blues – vortrefflich für ihre Zwecke adaptiert. Hörenswert!

Günter Amendt, 1939 – 2011

14. März 2011

Lange schon war ein neuer Blogeintrag überfällig. Doch dieser hier hätte es wirklich nicht sein sollen. Denn nach dem Tod von Suze Rotolo ist nun schon wieder jemand gegangen, für den Bob Dylan eine wichtige Rolle im Leben spielte und daher auch für mich bedeutend war.

Günter Amendt war mir natürlich durch das „Sexbuch“ ein Begriff. Aber fasziniert hatte er mich Mitte der 80er Jahre durch „Reunion Sundown“, sein Werk über Dylans Europatournee 1984. Zuerst lernte ich es in der Radiofassung kennen, ließ mich von Amendts sonoren wie auch gänzlich unhippen Stimme mit auf die Reise unseres Rock-Hobos nehmen.

Seine Ansichten waren pointiert und reflektiert, immer unterhaltsam, aber weit vom kurzweiligen Entertainment entfernt. Er setzte sich stets in aller Ernsthaftigkeit mit Dylan auseinander, war spröde und geistreich zugleich. Man spürte, dieser Bob Dylan hatte für Günter Amendt tatsächlich eine wichtige Bedeutung. Dass er drei Jahre früher tatsächlich so etwas wie ein Vertrauter Dylans bei dessen damaligen Europatour war, war da noch nicht bekannt.

Später dann, als ich mich mit Dylan in den Anfangsjahren der Never-Ending-Tour wieder verstärkt beschäftigte, da brachte er mich auf den neuesten Stand der Dylan-Forschung. Seine Bücher, seine Beiträge in „konkret“ waren immer lesenswert. Zweimal durfte ich ihn live erleben, 2005 bei einer Chronicles-Lesung in Ludwigshafen und 2006 beim Dylan-Kongress in Frankfurt.

Günter Amendt war eine deutsche Instanz in Sachen Dylan, ein Dylan-Pionier. Aber er war vor allem ein intelligenter, undogmatischer linker Denker, dessen Auseinandersetzung mit Drogenkonsum, Drogenpolitik und Drogenbusiness die quälend richtigen gesellschaftlichen Fragen jenseits der individuellen Kriminalisierung der Abhängigen stellte.

Auf die bittere Ironie seines Unfalltods, verursacht durch einen Autofahrer unter Drogeneinfluss, ist bereits vielerorts hingewiesen worden. Mit Günter Amendt ist ein Mensch gestorben, der mein Selbstverständnis als Freund der Musik und des kulturellen Wirkens von Bob Dylan erheblich beeinflusst hat und der daher über seinen Tod hinaus für mich immer eine besondere Bedeutung haben wird.

Mit ihm sind weitere drei Menschen getötet worden. Unser Mitgefühl ist bei den Hinterbliebenen.

Brüder im Geiste

25. Februar 2011

Bob Dylan, Johnny Cash, “One Too Many Mornings” und “Bootleg Vol II: From Memphis To Hollywood”

Auf der aus vielerlei Gründen einzigartigen Johnny Cash-Neuveröffentlichung von Archivschätzen „Bootleg Vol. II: From Memphis To Hollywood“ befindet sich mit „One Too Many Mornings“ auch eine bis dato in den USA unveröffentlichte Cash-Version eines Dylan-Songs, nämlich „One Too Many Mornings“.

Zusammen mit Mutter Carter und den Mädels versteht es Cash, mit wenigen musikalischen Mitteln – seinem typischen BoomChackaBoom, Mother Maybelles Autoharp sowie den Background-Vocals von June und ihren Schwestern – und seinem lakonischen Gesang, sich das Lied völlig anzueignen. Cash gibt Dylans Poesie die Erdung des Country-Folk. Die Aufnahme stammt von 1965, vier Jahre später nahm er den Song noch einmal auf, diesmal mit Dylan zusammen und wieder erschien er nicht auf einer offiziellen Veröffentlichung.

Diese Songminiatur zeigt auf, wie sehr Bob und Johnny Brüder im Geiste waren, obwohl sie sind doch von sehr unterschiedlicher Herkunft sind. Hier Bobby Zimmermann, aufgewachsen als Sohn einer jüdischen Mittelstandsfamilie in der unwirtlichen Iron Range, im kalten Nordgrenzstaat Minnesota, da John R. Cash, Sohn eines armen Baumwollpflanzers aus Arkansas im Bible Belt der US-Südstaaten. Der eine wird Groß in der Uni-Szene von Minneapolis/ St. Paul und in der linken Folkszene New Yorks, der andere wächst in ärmlichen, gottesfürchtigen Verhältnissen auf, geht zur Army, macht dort Musik, verkauft später Haushaltsgeräte und wird in den Sun-Studios von Memphis/Tennessee entdeckt.

Cash wuchs auf in den wirtschaftlich schwierigen 30er und 40er Jahren auf. Cashs Jugend in Armut und Gottesglaube auf den Baumwollfeldern in Arkansas mit dem strengen Vater und dem Tod seines geliebten Bruders Jack führt zur Entstehung innerer Dämonen, einem immer wieder aufbrechenden Rebellentum und der Empathie mit den Armen und den Verlierern. Zudem ist sich Cash stets bewusst, dass auch das bescheidene Leben seiner Jugend nur durch die New Deal-Politik Roosevelts möglich war.

Dylan dagegen ist der bürgerliche Mittelstands-Kid, der sich schon früh in der Welt, in der er lebt, nicht zu Hause fühlt. Dylan wächst als Jugendlicher auf in den ökonomisch prosperierenden, aber geistig bleiernen Jahren der Eisenhower-Zeit auf. Sein Ventil war, viel wichtiger noch als die Filme mit dem Rebellentum des James Dean, immer die Musik. Die ländliche populäre Musik der Südstaaten, von der weißen Country-Musik bis zum schwarzen Blues und dem Rock’n’Roll war sein Fluchtweg aus dem bürgerlichen Dilemma, die Eintritt in die intellektuellen Uni-Szenen die Grundlage seiner Horizonterweiterung für gesellschaftliche Missstände.

Dies ergab in den bewegten 60er Jahren eine große künstlerische Schnittmenge. Cash hatte immer ein Gespür für Folk, das über die Nashville-Hits hinausging. Dylan hatte schon früh Hank Williams, den „Hillbilly-Shakespeare“, schätzen gelernt. So freundeten sich die beiden an und Cash setzte sich für Dylan ein, als Columbia ihn nach dem mäßigen Publikumserfolg seines LP-Erstlings schon wieder loswerden wollte. Und Cash setzte sich für Dylan ein, als die Folkszene geiferte, weil er von der Tagespolitik ins seinen Songs Abstand nahm. Unter Dylans Inspiration entstanden Cashs gesellschaftskritische Songs wie „Ira Hayes“ und seine Konzeptalben. Dylan wiederum begab sich ein Stück weit in Cashs Hand, als er Ende der 60er die Countrymusik für sich adaptierte.

Über die Jahre gab es immer wieder Berührungspunkte und Dylans Hommage auf Cash nach dessen Tod ist ein großes Dokument der Verehrung. Umso schöner ist es, wenn mit der neuen „Bootleg 2“ eine weitere Cash-Version eines Dylantitels nun breiten Kreisen zugänglich und die wichtige Verbindung der Beiden wieder einmal offenbar wird.

Bob Dylan und das Vermächtnis des Americana

20. Februar 2011

Copyright: Sony Music

Copyright: Sony Music

Eine Grammy-Nachlese

Reden wir mal nicht von der Stimme Dylans an diesem Abend. Die war wirklich ragged & dirty. Reden wir lieber über die Art des Vortrags, und welche Bedeutung er widerspiegelt. Denn Bob Dylan unterstrich mit seinem Auftritt am 13. Februar 2011 im Rahmen der Grammy-Verleihungen nicht mehr und nicht weniger als seine Ausnahmestellung als „Vater des Americana“.

Die Initialzündung für das was heute landläufig als „Americana“ oder auch „Alternative Country“ bezeichnet wird stellen die „Basement Tapes“ dar. Dylan & The Band ritten von Frühjahr bis Herbst 1967 im Parforce durch mehr als 100 Songs aus Country, Folk, Gospel und Rock’n’Roll. Dylan bewegte sich in der Folge vom urbanen Avantgarde-Rock seiner Mittsechziger Werke hin zu Country-Folk (John Wesley Harding) und Nashville-Country (Nashville Skyline). Nach Folk, Rock’n’Roll und Country eignete sich Dylan dann in seiner „Born Again-Phase“ Ende der 70er/Anfang der 80er auch den Gospel als letzte Säule des Americana an.

Americana steht für die populäre amerikanische Musik, die ihre Wurzeln in den folkloristischen Überlieferungen der Einwanderer, der ländlichen Bevölkerung, der Schwarzen, der Seeleute oder der Arbeiter hat: Folk, Blues, Country, Rock’n’Roll. Und da war Dylan der erste und bis heute bedeutendste, der wirklich allumfassend die amerikanische Populärmusik zu seinem Medium machte, Grenzen überwand und Fesseln sprengte. In diesem Licht ist beispielsweise auch eine damals beim Erscheinen zerrissene Platte wie „Self-Portrait“, als nichts anderes, als eine Selbstverständigung über die persönlichen und kollektiven musikalischen Wurzeln zu verstehen.

Bis heute geht Dylan diesen Weg weiter, wer seine Radio Sendung „Theme Time Radio Hour“ kennt, weiß wie breit sein Programm aufgestellt ist, wie jede Sparte der populären amerikanischen Musik abgedeckt wird. Also neben dem klassischen Americana, auch die die Musik des „Great American Songbook“, der urbanen Popmusik, den Tin Pan Alley-Schlagern, dem Classic Pop, Swing und Jazz.

Als Dylan an diesem Abend in Los Angeles sein „Maggies Farm“ singt, dann schwingen alle Facetten des Americana und ein bisschen auch das „Great American Songbook“ mit. Die Bühnenszenerie – Ein Halbkreis mit Banjos, Gitarren, Mandolinen und Stehbass – könnte sowohl ein Folk-Hootenanny, als auch einen Barn Dance widerspiegeln. „Maggies Farm“ war der Song, der als erster elektrischer Rock’n’Roller die Folkwelt in Newport verstörte. Inhaltlich schwingt in ihm sowohl das jugendliche Rebellentum, als auch die Plantagenarbeit der Schwarzen – „sing while you slave!“ und die harte Arbeit der ländlichen Amerikaner mit. Die Art des Vortrags war Country-Folk, aber von Tempo und der Härte des Anschlags der Saiteninstrumente nicht ohne die Weiterentwicklung des Rock’n’Roll denkbar. Und dazu gibt dann Dylan eben nicht den Obergitarristen – seiner vielfachen öffentlichen Wahrnehmung entsprechend – sondern macht den Crooner! „Great American Songbook“ siehe oben. Wow!

Dylan lässt also keine Möglichkeit aus, sich weiterhin als Archäologe und Historiker der amerikanischen Populärmusik zu betätigen. Auf offener Bühne. Und hoffentlich auch bald wieder bei uns.

Dylans Auftritt bei den Grammies gibt es u.a. auf youtube zu sehen.

Opa und die Enkel

15. Februar 2011

Copyright: Sony Music

Bob Dylan bei den Grammies 2011

Natürlich hätte ich Bob Dylan lieber mit den Felice Brothers oder Ryan Bingham gesehen. Aber sei’s drum, Mumford & Sons haben mich angenehm überrascht und die Avett Brothers waren immerhin ganz nett. Aber als Dylan kam, war klar, wie die Rollen verteilt sind. Da die spielfreudigen Jungen, ganz begeistert und euphorisiert vom Zusammenspiel mit einem der größten Musikidole aller Zeiten, da der alte Hase, der auf der Bühne scheinbar immer leichtfüßiger, immer befreiter wird. Croont mit ausladenden Gesten und ignoriert (?) seine scheinbar immer brüchiger werdende Stimme.

Und er konterkariert die ganze Inszenierung leise, aber bestimmt. Hier die Buben mit ihren Banjos und Gitarren ganz brav im Folkie-Stil gekleidet, dort der Elder Statesman als Crooner im Outfit einer Cowboy-Showband. Gespielt wird Maggies Farm akustisch, also der Song der als elektrische Nummer die Newport-Seligkeit 1965 beendet hat.

Fazit: Es war in solch einem Rahmen einer der besseren Auftritte von Dylan, der einfach Spaß machte. Früher hätte das auch böse enden können. Alles in allem also ein guter Jahresauftakt, Konzerte in Asien und Australien sind schon angekündigt, alles weitere steht in den Sternen. Das Geburtstagsjahr bleibt spannend.

“I’m in a cowboy band”

13. Februar 2011

Zum Relaunch meines Musikblogs

“I’m the oldest son of a crazy man, I’m in a cowboy band” singt Bob Dylan in dem anrührend melancholischen Song „Nettie Moore” vom Album 2006er Album “Modern Times”. Ein guter Titel für meinen Blog, der den bisherigen etwas kindischen Verlegenheitstitel ersetzt. Zeigt er doch auf worum es hier geht: Bob Dylan, Country, Americana, Roots-Rock.

Mit dem neuen Titel geht sukzessive eine richtige Verschlagwortung und Kategorisierung der Artikel einher. Zudem soll die Seite schneller aktualisiert werden, sprich viel öfters neuen Content erhalten. Auch die Video- und Audioeinbindung – immer den legalen Möglichkeiten entsprechend – soll genutzt werden. Und auch eine Linkliste ist neu erstellt worden, so wie ich auch mehr Aktivitäten entfalten will, damit mein Blog entsprechend auf anderen Seiten verlinkt wird.

Inhaltlich werde ich der Linie treu bleiben. Ich schreibe, darüber, was ich gut finde und nur selten darüber, was mir nicht gefällt. So freue ich mich schon auf den nächsten Eintrag, der aus Zeitgründen leider nicht vor Dienstabend erfolgen wird: Eine Nachlese zum Auftritt von Bob Dylan bei den Grammies.

Dass Dylan im Rahmen einer Würdigung des akustischen Folkliedes mit „Maggies Farm“ ausgerechnet den Song spielt, mit dem er das Newport Folk Festival 1965 mit den weltweit ersten elektrischen Folkrock-Tönen aufmischte, ist so richtig typisch Dylan: Ebenso subversiv, wie genial und geschichtsbewusst. Es gibt Aufnahmen im Netz, die Dylan croonend vor einer Riesen-Folk-Kapelle zeigen. Das wirkt sehr viel versprechend.

Wanda Jackson, Jack White, Bob Dylan und „Thunder On The Mountain“

13. Februar 2011

Wanda Jackson Single "Thunder On The Mountain"Nach Country-Legende Loretta Lynn hat Jack White mit Rockabilly-Queen Wanda Jackson erneut einer Künstlerin zum Comeback verholfen, die schon die 70 überschritten hat. „The Party Ain’t Over“ wird von der Kritik im Allgemeinen wohlwollend besprochen, es wird aber auch darauf hingewiesen, dass Jack Whites musikalisches Konzept hier und da zu uniform für die ausgewählten Songs ist.

Über den Songs, bei dem Whites Herangehensweise am besten funktioniert möchte ich hier schreiben. Er ist zugleich der überraschendste und wichtigste Track auf dem Album: „Thunder On The Mountain“. Bei TOTM wird das Rockabilly-Element herausgearbeitet, Wanda gibt wieder die Röhre und Whites Gitarrensoli wirken hier kongenial, indem sie sich ebenso nahtlos einfügen wie den Sound entscheiden zu prägen.

Den Tipp, doch diesen Songs zu verwenden hat White von niemand anderem, als dem Autor selbst, von seinem väterlichen Freund Bob Dylan erhalten. Dieser hatte sich in der Vergangenheit schön öfters sehr respektvoll über Wanda geäußert: „An atomic bomb in lipstick – The Queen of Rockabilly.“

„Thunder On The Mountain“ passt musikalisch bestens, da in seiner Dylan-Urform schon der Rockabilly zu erkennen ist. Textlich aber ist es ein typischer Song des späten Dylan mit apokalyptischen und religiösen Bildern gepaart mit der Einsicht in die Endlichkeit und dem dennoch ungebeugten Willen immer weiter zu gehen. Also meilenweit entfernt von „Let’s have a party“ aber für die Wanda Jackson von heute ein sehr passendes Statement.

Hier das Video von Wanda und Jack White:

Ruf des Südens

12. September 2010

Eine Musikrundreise am Mississippi

Lange haben wir den Traum schon gehegt. Dann dauerte es, bis wir wussten, dass wir uns trauen. Und dann noch einmal eine Weile, bis es umgesetzt werden konnte. Gut anderthalb Wochen noch, die beruflich noch randvoll sind, dann heben wir ab mit Delta Airlines.

Der Süden der USA ist eine gleichermaßen arme wie mythisch aufgeladene Region. Wiege von Blues, Jazz, Country und Rock’n’Roll. Aber auch Kern des „Bible Belt“, des tief religiösen Hinterlandes der USA. Armut und Rassenprobleme prägen auch heutzutage noch den Alltag. Dies ist genauso Fakt wie die gastfreundliche Art der Südstaatler. Dazu kommt die klassische Südstaatenküche mit Gumbo, Jambalaya und BBQ. Mit „Po’ Boy“, Catfish und Crawfish. Letztere Beiden wiederum geschädigt – sowie deren Fischer und Züchter – durch die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko. Der Süden – das ist Scarlett O’Hara und Bürgerkrieg, aber auch William Faulkner, Mark Twain und die weißen Schaufelraddampfer des Mississippi, aber auch Hurricane „Katrina“, der New Orleans zerstörte oder die Sintflut, die im Frühjahr Nashville überspülte.

Ein spannender, widersprüchlicher Landstrich also. Wir gehen diesen Widersprüchen auf den Grund, legen aber unseren Schwerpunkt auf der Musik. Wir starten in New Orleans, fahren dann rauf nach Nashville und Memphis, um dann den Highway 61 entlang über Clarksdale, Vicksburg und dem Cajun Country wieder nach New Orleans zurück zu kehren.

Bob Dylan war für mich eine musikalische und persönliche Initialzündung. Dieser Typ und seine Musik hat mich vor fast 35 Jahren in seinen Bann gezogen, war unermesslich wichtig für meine Sozialisation und ist bis heute eine Konstante in meinem Leben geblieben. Richtig gelernt, seine Wurzeln einordnen zu können, und seine Bedeutung für die amerikanische Populärmusik wirklich werten zu können, habe ich aber eigentlich erst vor gut zehn Jahren. Der fantastische Film der Cohen-Brüder, „Oh Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odysee“, ließ mich die „Roots“ entdecken. Seine und die des Rock. Die ländliche Musik des armen schwarzen und weißen Amerikas lieferte den Urstoff für die Rockmusik. Diese Wurzeln werden heute von den Musikrichtungen Classic Country, Bluegrass, Alternative Country, den verschiedenen Spielarten des Blues, von Roots-Rock und Americana gepflegt. Das ist die Musik, die ich höre und weswegen wir in den Süden fahren.

Auf ihren Spuren wandeln wir in Meridian, Nashville, Memphis oder Clarksdale. Überall da, wo es um die Musik und die Menschen geht. Graceland sparen wir uns da lieber. Auf diesem Blog werde ich so regelmäßig wie möglich kurze Reiseberichte einstellen. Viel Spaß beim Lesen!