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Die 1960er mal zwei

23. November 2018

2019: Pete Seeger wird hundert – Woodstock wird fünfzig

Zum 100. Geburtstag von Pete Seeger veranstaltet „Americana im Pädagog“ ein großes Tribute-Konzert

Kommendes Jahr fallen zwei Jubiläen an. Beide haben zu tun mit dem „anderen Amerika“. Und doch könnte das, wofür sie stehen, unterschiedlicher nicht sein.

Pete Seeger soll das Stromkabel mit der Axt zu durchtrennen versucht haben, so die Legende. Doch wenn Bob Dylan nicht bei Newport 1965 eingestöpselt hätte, wären die E-Gitarrengewitter von Jimi Hendrix‘ Fassung von „Star Spangled Banner“ bei Woodstock 1969 möglich gewesen? Wäre Woodstock überhaupt möglich gewesen?

Legenden der Sixties
Beide – Seeger und Woodstock – sind Legenden der Sixties. Doch während Seeger aus der alten linken amerikanischen Arbeiterbewegung kam und das politische Folk Revival Anfang der 1960er entscheidend beeinflusste, steht Woodstock für ein recht luftiges Love & Peace der Rock-Generation. Dylan schrottete höchst selbst 1965 mit seiner E-Gitarre das Folk-Revival. Am Ende des Jahrzehnts war das große Rock-Hippie-Spektakel Woodstock und Dylan war nicht dabei. Während Seeger zwei Jahre zuvor plötzlich sich von einer elektrischen Band begleiten ließ.

Wie hängt das zusammen und wofür stehen diese Jubiläen? Ich will dies kurz hier anreißen, weil mich diese beiden Jubiläen das ganze nächste Jahr bei meinen Seminaren und Konzerten beschäftigen werden.

Zwei Seiten des „anderen Amerika“
In seinem klugen Buch „Dylan Goes Electric! Newport, Seeger, Dylan And The Night That Split The Sixties“ arbeitet Elijah Wald sehr schön heraus, wofür die beiden Personen Seeger und Dylan stehen. Während Pete die große Depression miterlebte, in der Solidarität eine Tugend war, wuchs Bob als Baby-Boomer inmitten der prosperierenden 1950er Jahre auf. Beide stehen, laut Wald beide für zwei Seiten des anderen Amerika: Seeger für den solidarisch-politischen, Dylan für den individualistischen Gegenentwurf. Beide können analytisch sein und die Ursachen der Probleme benennen, aber Dylan wird ab 1964 den Teufel tun, für irgendeine Organisation oder Bewegung öffentlich einzutreten. Wenn er ab da noch Protestsongs schreibt, so sind sie 1965 nicht mehr tagespolitisch, sondern befassen sich mit der Autonomie des Individuums in der verwalteten Welt („Maggies Farm“), oder haben später in den 1970ern das Unrecht im Blick, das konkreten Personen wie „George Jackson“ oder „Hurricane“ Carter widerfahren ist.

1965 machte Dylan ein Fenster auf und eine Generation folgte ihm. Die Rock-Generation, die zu den herrschenden Zuständen opponierte, und größere Massen erreichte als die Folk-Generation. Mit dem Preis, weniger Präzise in der Kritik zu sein. Die Rock-Generation war heterogener als die Folk-Generation. Es gab politischen Underground, Sit- ins und neue Lebensformen, aber auch reines Partyfeeling, Pop und psychedelischen Spuk.

Woodstock ohne Dylan
Da war Dylan aber schon nicht mehr dabei. Er wurde Familienvater, spielte Countrymusik, und war entsetzt über die Pilgertourten der Freaks zu seinem Haus nach Woodstock. Sein individualistischer Protest richtete sich nun gegen den Love & Peace-Zeitgeist. Denn wenn er sich mit den gesellschaftlichen Zuständen wirklich beschäftigte, dann war er oftmals immer noch klarer als mancher Teilzeit-Hippie. Daher floh er regelrecht vor dem Massenereignis. Zwar hatte Woodstock seine klaren politischen Botschaften – man denke an Hendrix‘ Luftangriffsgewitter-Version von „Star Spangled Banner“, Joan Baez „Truck Drivin‘ Man“ und ihre Widmung des Liedes für Ronald Reagan sowie Country Joe McDonalds „I Feel Like I’m Fixin‘ To Die Rag“ – aber insgesamt überwogen Friede, Freude, Eierkuchen (der wackere Richie Havens mit „Freedom“) oder die Pose wie sie beispielsweise Janis „Rebel‘ Without a Cause“ Joplin zelebrierte.

Da war die ebenso bittere, wie fast schon logische Pointe, dass dem fröhlichen Woodstock-Spektakel die Katastrophe von Altamont mit den tödlichen Messerstichen der Hells Angels folgen musste, die diese Generation wieder in die Wirklichkeit führte.

Seeger und Baez bleiben politische Aktivisten
Während all dem aber machte Pete Seeger unerschütterlich weiter. Er schrieb Songs, protegierte Talente, leitete Singalongs an. Und das stets mit einer politischen Intention. Auf ihre Weise führte Joan Baez die Arbeit als Aktivistin und Musikerin in der großen Öffentlichkeit fort. Wie bezeichnend, dass Dylan und sie sich wenige Woche vor Newport trennten. Aber Dylan hatte beide verändert. Seeger akzeptierte die musikalische Ausdrucksform, auch wenn sie nicht die seine wurde, Baez stimmte sogar immer wieder sanfte Folk-Rock-Tönen an. Und ging mit Dylan 1975 sogar auf die rockig-rumpelnde Rolling Thunder Review, die ein allerletzter Abgesang auf die Sixties wurde. Da war Dylan – der lebende Widerspruch – wieder ganz engagiert.

Musikgeschichte verstehen, um Möglichkeiten für linke Politik zu beurteilen
Woodstock und Seeger stehen also für die alte und die neuere Linke in den 1960er Jahren. Während Seeger zwar persönlich als Symbol für ein linkes Amerika berühmt wurde, war er politisch marginalisiert. Die Generation Woodstock marschierte dagegen durch die Institutionen und verlor sich in ihnen, ein Teil begünstigte gar die neoliberalen Veränderungen der Gesellschaft. Beide, Seeger und die Generation „Woodstock“, sind mittlerweile Geschichte, doch sich mit ihrem Werdegang und ihrer Wirkung zu beschäftigen ist nicht nur ein spannendes Stück Musikgeschichte, sondern auch eine lohnende Auseinandersetzung, will man die Möglichkeiten linker Politik in den USA heute auf der Basis der Analyse früherer politisch-historischer Entwicklungen ausloten. Das ist letztendlich die kulturelle und politische Dimension und der Erkenntniswert der Gegenüberstellung dieser zwei Phänomene.

Jetzt, in den Zeiten von Trump, gibt es eine neue, junge Linke in den USA. Eines ihrer Gesichter ist Alexandria Ocasio-Cortez. Wie diese junge Linke im Verhältnis zu alter und alter neuer Linken in der USA steht, und welche Möglichkeiten zu einer linken Politik sie eröffnet- auch dies wird daher Thema in meinen Veranstaltungen im nächsten Jahr sein.

„The Cutting Edge“ – Die Transformation des Folkies zum Rockpoeten

26. September 2015

Cutting EdgeNa klar. Die muss ein Dylan-Fan haben. „The Cutting Edge – The Bootleg Series Vol. 12“ wird einen atemberaubender Einblick in eine der wichtigsten Phasen in der Geschichte der populären Musik geben. Wir erleben die Transformation des Folksängers und Songwriters Bob Dylan zum Rockpoeten, Performer und Superstar. Ohne die drei Alben „Bringing It All Back Home“, „Highway 61 Revisited“ und „Blonde On Blonde“ wäre Dylan sicher ein anerkannter Songwriter geblieben und als wackerer Folksänger heute zumeist in Gemeindesälen, kleinen Hallen und auf Kleinkunstbühnen unterwegs. Doch mit diesen drei Alben zeigte sich Dylans Ausnahmestellung. Vier gute Gründe dafür:

  1. Die Risikobereitschaft. Er hat Erfolg, er hat sein Publikum. Die anderen folgen ihm. 1965 ist die Protestsongwelle auf dem Höhepunkt: Barry McGuires „Eve Of Destruction“ und Donovans Version von „Universal Soldier“ wären ohne Dylan gar nicht denkbar. Doch Dylan verlässt die eingetrampelten Pfade und verstört seine Fans. Dies sollte bei ihm ein durchgängiges Karriereprinzip werden.
  2. Die Songpoesie. Themen und Bilder der Songs dieser Zeit liegen förmlich auf der Straße. Dylan absorbiert die unruhige Atmosphäre und die offenen Widersprüche der westlichen Welt wie keiner vor und nach ihm. Subterranean Homesick Blues, Mr. Tambourine Man, Ballad Of A Thin Man, It’s Alright Ma, Desolation Row – Allesamt geniale Werke, die sowohl einen aktuellen Bezug, als auch eine universelle Bedeutung besitzen. Mit stimmigen Bildern wird der Kampf des Individuums um Autonomie im Kapitalismus beschrieben. Ein Kapitalismus, der sich heute längst zur globalen Macht aufgeschwungen hat und in seiner neoliberalen Form zur Gefahr für Frieden, Umwelt und Demokratie geworden ist. Denn die Gewinner des Neoliberalismus wollen ihre Pfründe und ihre Art des Wirtschaftens erhalten und nehmen keine Rücksicht auf Demokratie und der notwendigen sozialen Gerechtigkeit und die Verlierer der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowohl in den Zentren, als auch an der Peripherie agieren desparat, irrwitzig oder gewalttätig und suchen wieder einmal Zuflucht in falschen Heilslehren und bei obskuren Führern. Den einen oder anderen damaligen Song von Dylan heute neu gelesen, lässt einen erschaudern, so aktuell klingt er.
  3. Die Musik. Der quecksilbrige Klang. Die Verschmelzung von folkorientierter Songaufbau mit rockorientierter Instrumentierung und Performance. Und Dylans, wie ich meine, bis heute unterschätzte Begabung, Melodien zu schreiben, die im Ohr bleiben. „Like A Rolling Stone“, „I Want You“, „Just Like A Woman“, „Mr. Tambourine Man“ zeichnen sich durch prägnante Melodien aus, die wiedererkennbar sind. Auch dies ist ein Grund für Dylans Erfolg.
  4. Das Bewusstsein für die eigene Musiktradition. Dylan war 1965 und 1966 eindeutig Avantgarde. Durch die Verschmelzung verschiedener amerikanischer Musiktraditionen – weißem Country und schwarzem Blues aus dem Süden, Folk von der Ostküste – und seiner Songpoesie, seinen Themen und seiner exaltiert-arroganten Haltung schuf er etwas bis dahin nicht dagewesenes. Er war die Sonne, um die die Planeten kreisten und rieb sich mit einem anderen Avantgardisten – Andy Warhol. Doch Dylans Musik ist nicht nur nach vorne gewandt, sie ist auch geerdet, hat Wurzeln. Jimmie Rodgers und Robert Johnson, Woody Guthrie und Hank Williams, Pete Seeger und Muddy Waters – ihr Echo hallt in dieser Musik nach. Doch das bemerken damals nur wenige. Umso verwunderter sind sie daher später darüber, welche Musik Dylan dann ab 1967 spielt.

„The Cutting Edge“ wird es in drei Versionen geben. Als „Essential“ auf zwei Scheiben. Als „Best Of“ auf sechs Silberlingen und als „Complete“ auf 16 Discs. Da ist dann quasi jeder Ton, der im Studio aufgefangen wurde, zu hören.

Ich bin gespannt. Natürlich sind viele der Aufnahmen in der Dylan-Welt schon lange bekannt. Aber so eine offizielle Veröffentlichung ist immer noch was anderes. Und doch würde ich mir nun nach den vielen Bootleg-Series Veröffentlichungen aus den 60ern nun auch mal was aus anderen Schaffensperioden des Meisters wünschen. Aus den 70ern, 80ern und 90ern gibt es noch recht viele Schätze zu heben. Voraussetzung der Meister macht das mit.

Just „New York Kids“

2. Dezember 2010

Patti brilliert als Autorin, Willie glänzt mit dem, was er immer macht

Der Zufall wollte es so: Auf meinem MP3-Player ging Pattis Album zu Ende und Willies neues setzte nahtlos an. Und das bei der Lektüre von „Just Kids“ – Patti Smiths Werk über ihre Beziehung zu Robert Mapplethorpe im New York der 70er Jahre.

Vorweg: Es ist ein großes Buch. Es ist beste Liebes-, Coming-Out-, Boheme-, Historien-, Nostalgie-, Reise-, Rock-Literatur. Pattie nimmt uns mit auf den Trip von New Jersey in den Big Apple der 60er und 70er Jahre. Erzählt vom Traum der beiden, Künstler zu werden. Erzählt vom Träumen, vom Lieben und vom Hungern. Dass man sich liebt und trennt und liebt, mal geistig und körperlich, dann nur noch geistig liebt, dann getrennt ist und trotzdem immer ein Paar bleibt. Auch über den Tod hinaus. Sie führt uns durch die Straßen und über die Plätze von New York. Vom Washington Square zum Chelsea Hotel. Mit feiner Bobachtungsgabe schildert Sie die berühmtesten Künstler ihrer Zeit: Allen Ginsberg, Harry Smith, Janis Joplin, Andy Warhol oder Sam Shepard. Und auch aus ihrer Verehrung von Bob Dylan macht sie keinen Hehl. Eine starke Frau und Künstlerin, die schließlich als Rockpoetin ihre Bestimmung findet. Während Robert Mapplethorpe der Sonne zu nahe kam. Doch am Ende ist keine Bitterkeit zu spüren. Patti hat wenige Jahre nach Robert Mapplethorpe auch ihren Ehemann Fred „Sonic“ Smith verloren. Doch sie flüchtet sich nicht in vordergründige Trauer und Resignation. Patti ist genauso zäh, wie sie hoffnungs- und liebevoll ist. Gepaart mit einfach nicht enden wollender Kreativität macht sie immer weiter. Schön, dass das so ist.

Unser Freund Willie Nile macht auch immer weiter. Mit „The Innocent Ones“ legt er sein viertes Album innerhalb von drei Jahren vor. Und wer ihn auf der Bühne derwischgleich zu seiner Musik Tänze aufs Parkett legen sieht, die Pogo mit Riverdance kreuzen – bislang kenne ich das nur von youtube, da mit noch kein Livekonzert vergönnt war – der kann es nicht glauben, dass er auch schon 62 ist. Wie er immer wieder drei Akkorde dazu benutzt Stakkato Ohrwurm-Melodien und gefühlvolle Balladen zu mischen, die immer ganz vertraut und dennoch neu wirken, ist unglaublich und einfach nur schön. Auch Willie nimmt uns ja stets mit auf die Reise durch „The Streets Of New York“. Das heute sicherlich nicht mit dem zu vergleichen ist, das Patti und Willie in ihrer Jugend erlebt haben. Die große künstlerische naive Freiheit fehlt, vieles ist einfacher, zugänglicher, kommerzieller geworden, aber auch sicherer. Doch Kunst und Phantasien befördert dieses New York wie eh und je.

Ein weiteres „New York Kid“ wird nächstes Jahr 70. Heutzutage konzertiert Bob Dylan jährlich Ende November in NYC. Das zu erleben wäre noch eine Herausforderung, seine Umsetzung steht aber in den Sternen. Bis dahin helfen die Musik und die Poesie von Bobby, Patti und Willie, die Sehnsucht zu stillen.

Sterne schauen

20. August 2010

Warum manche aufgehen und andere nie strahlen

Nachdem wir im letzten Herbst die „Felice Brothers“ gesehen hatten, schrieb ich begeistert über „neue Sterne am Musikhimmel“. Da ich mittlerweile dem einen oder anderen dieses Prädikat nicht verliehen habe und anderen, von denen gleich die Rede sein wird, schon, wollte ich hier erstmal kurz über Begründungskategorien sprechen.

Folk/Rock/Blues/Country ist idealerweise Musik, die spontan und nicht kalkuliert von Menschen für Menschen produziert wird. Sie hat ihre Wurzeln in ruralen Ausdrucksformen des ländlichen weißen und schwarzen Amerika und entstand in ihren Urformen in den 20er bis 50er Jahren. Ihre Elemente lassen sich zurückverfolgen bis zu den Volksliedern der weißen Einwanderer und schwarzen Sklaven aus Afrika. Roots/Americana wie ich es mag, lässt den Hörer diese Wurzeln spüren, indem es stets an eine bessere Welt glaubt, aber auch bis zum äußersten die Tragik und Brutalität des wirklichen Lebens nicht ausspart.

Es geht hier aber nicht um Authenzität. Kein Bluesrocker ist schon dadurch ein besser Musiker als beispielsweise Bob Dylan, nur weil er seit Jahrzehnten immer nur für wenig Geld durch die Clubs tingelt und nicht per Jet um die Welt fliegt und in den großen Konzerthallen auf „Never-Ending-Tour“ ist. Es geht um die Seele und das Verständnis. Das hat wenig mit der Anzahl der Gitarrengriffe und der Fingerfertigkeit oder der Klarheit der Stimme, sondern mit dem Verständnis für die Seele der Musik zu tun. Und daher ist Bob Dylan einer der größten Musiker aller Zeiten geworden und beispielsweise Suzanne Vega immer nur eine artifizielle Kaffeehaus-Folk-Tante geblieben. Auch wenn sie schöne Lieder singt.

Wichtig ist eben auch die Bandbreite der Gefühle. Immer nur Dur oder immer nur Moll, immer nur nachdenklich oder immer nur Spaßkapelle geht am Leben vorbei. Und daher sind die von mir beobachteten „The Low Anthem“ nicht in die Sterneliste aufgenommen worden. Immer nur slow, immer nur moll, dazu völlig verkopft, ähnlich wie die zu früh zu hochgejubelten Crash Test Dummies vor ein paar Jahren.

Namentlich nah, doch musikalisch Lichtjahre entfernt sind „The Gaslight Anthem“. Ein Beweis, dass strenge Folk-Geometrie weiter von der Seele des Americana entfernt ist, als Indie-Rock. Die „Gaslights“ begannen als Indie-Punkrocker und kombinieren dies nun gekonnt mit Mainstream-Einsprengseln. Ihre Platte „American Slang“ besticht durch die lässig hingeworfenen Pretiosen. Dabei hat diese Gruppe noch Luft nach oben. Eine der neuen Hoffnungen des American Rock. Nicht mehr und nicht weniger. Am 11. November spielen sie in Frankfurt am Main. Wir sind dabei.

Nur wenige Tage später (14. November) wird Frankfurt durch einen Neo-Folkie gerockt, der es in sich hat. Wer das 3.456ste gefühlige Gitarrenmädchen für den Starbucks-Soundtrack nicht mehr ertragen kann – deren Urahnin ist ja niemand anderes als die Altersunweise Joni Mitchell, so manche musikalische Größen entpuppen sich in späten Jahren eben als Scheinriesen – dem sei „The Tallest Man On Earth“ empfohlen. Wie hieß es in der Konzertankündigung: Er stellt ein „Rockstar-Role-Model“ dar. Und deswegen ist der so oft überstrapazierte Dylan-Vergleich hier so passend. Seine Musik, sein Gesang sind expressiv, nicht depressiv. Sein harter Gitarrenanschlag schreit nach Elektrifizierung, seine Songs sind Kunstwerke, gerade weil sie nicht Kunst sein wollen, geschweige denn gekünstelt sind.

Wir sehen uns im Herbst auch diesen neuen Stern an. Was davor kommt – das Eintauchen in die Musiktraditionen an ihren Geburtsstätten – das wird in den nächsten Wochen hier Thema sein.