Delaney Davidson

16. September 2011

WahWahTwangBoomChickaBoom oder wie ein neuseeländischer Schweizer in einem Bessunger Keller in Darmstadt das Americana weiterentwickelte…

credits: Delaney Davidson

credits: Delaney Davidson

In Kellern wird Americana-Geschichte geschrieben. 1967 in dem von Big Pink, als Bob und die Buben von The Band zu den Urvätern des Genre wurden und vor wenigen Tagen war es der Keller der Bessunger Knabenschule in Darmstadt, in dem Delaney Davidson mit seiner außergewöhnlichen Performance die Minstrel-Show wiederauferstehen ließ und für dieses Jahrtausend neu aufbereitete.

Knapp 50 Leute waren gekommen und der Keller war voll. Davidson nimmt das Publikum mit auf die Reise ins alte, gefährliche Amerika, es geht um Tod und Teufel, Liebe und Mord. Das Ganze klingt ein bisschen wie Nick Cave meets Bob Dylan meets Hank Williams. Blues, Balladen, dunkler Country – phantastisch vorgetragen von einem Künstler, dessen Bühnenpräsenz beeindruckend ist. Nur mit Gitarre und Mundharmonika „bewaffnet“, aber dazu mit cleverem technischen Equipment ausgestattet, dass es ihm ermöglicht sich selber zu begleiten, idem er Melodielinien, Rhythmus und Takt anspielt, aufnimmt und sofort wiedergibt. Der Höhepunkt ist erreicht, als er bei „Time has gone“ sein Instrument niederlegt, die Musik weiterspielt und er sich unters Publikum mischt, um es zu einem dunklen Todeswalzer zu animieren. Es gelingt und plötzlich ist der Keller zum Ballsaal einer Geisterstadt irgendwo im Wilden Westen geworden.

Überhaupt hat er das Publikum gut im Griff, macht kurze, witzige Ansagen, kokettiert mit seinem unperfekten Deutsch und bringt die Leute bei „Dirty Dozen“ sogar zum Chorgesang. Ein rundum tolles Konzert und ein rundum begeistertes Publikum im Keller. Man sollte den neuseeländischen Schweizer Delaney Davidson im Auge behalten. Er könnte der Welt noch viel gute Musik schenken und das Americana bereichern.

Das Buch ist raus!

16. September 2011

Auf ausdrücklichen Wunsch hin sei es hier nochmals erklärt: „I’m in a Cowboy Band“ ist im August erschienen und sowohl im Buchhandel als auch im Internet (amazon, jpc etc.) erhältlich. Es ist ein schönes Büchlein geworden, sieht schmuck aus im Buchregal, liegt gut in der Hand und trägt nicht auf. Es kostet 10,50, was aber nur ein symbolischer Preis sein kann, da der Inhalt ja eigentlich unbezahlbar ist.

Es hat auch schon einige positive Reaktionen und Rezensionen gegeben:

„Ein Buch in dieser Art hat es meines Wissens weder über Bob Dylan noch einen anderen Musiker gegeben“ (Manfred Vogel, country.de).
„Big Pink als das Geburtshaus des Americana auszurufen ist ein wunderbarer Gedanke“ (Matze von den DoubleDylans)
„Lesenswert“ (Leserrezension auf amazon)

Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober ist das Büchlein samt Autor auch vertreten und am 8. November wird das Thema des Buches im Mittelpunkt einer Sendung von Radar/ Radio Darmstadt stehen. Sobald Lesungen oder Veranstaltungen fix sind, werden sie hier bekannt gegeben. Der Autor arbeitet noch daran.

Legt die Platte wieder auf!

13. September 2011


Ein Live-Mitschnitt von 1981 legt die Wurzeln von Rock und Country frei und gehört deshalb wieder veröffentlicht

Viele die sich intensiv mit Rockmusik beschäftigen kennen das Million Dollar Quartett. Elvis Presley, Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins waren allesamt 1956 in den legendären Sun Studios und dokumentierten die Entwicklung von Country und Blues zu Rockabilly und Rock’n’ Roll anhand einer spontanen Jamsession.

Weniger bekannt sind die Survivors. 1981, vier nach dem Tod von Elvis Presley begab es sich, dass zur gleichen Zeit in Europa unabhängig voneinander Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und Carl Perkins auf Tour waren. Als die letzteren Beiden einen day-off hatten entschied man kurzerhand, dies zu einem spontanen Bühnenrevival zu nutzen.

Und es war atemberaubend! Was den Zuschauern am 23. April 1981 in Böblingen bei Stuttgart geboten wurde, war nicht weniger als die Freilegung der Wurzeln des Rock. Country, Gospel und Rockabilly wurden von den Jugendfreunden in fast wahnwitzigerweise Weise zelebriert. „I saw the light“, Hank Williams fromme Erleuchtung, und die Carter-Family-Hymne „Will the circle be unbroken“ wurde von Jerry Lee derart umspielt, musikalisch paraphrasiert und gesanglich improvisiert dargeboten, dass es schon richtig „schwarz“ klang. Wobei Jerry Lee ohnehin eine der schwärzesten Stimmen aller weißen Rockmusiker hat. Während also Jerry Lee den ungezügelten, respektlosen Derwisch am Klavier gab, war Johnny Cash der logische, stoische und würdevolle Anführer des Trios und Carl Perkins der solide, treibende Motor des Ganzen.

Der Spontanauftritt fand noch die eine oder andere Fortsetzung während Cashs Tournee und führte schließlich auch zum 86er Album der drei Helden mit Roy Orbison. 1982 brachte Columbia bereits unterm dem Titel „The Survivors“ einen Live-Mitschnitt des denkwürdigen Stuttgarter Auftritts heraus. Zum letzten Mal wurde er dann 1995 als CD veröffentlicht. Seitdem herrscht Funkstille.

Es bleibt leider das Geheimnis von Sony/Columbia warum inmitten der zahlreichen posthumen Cash-Veröffentlichungen ausgerechnet diese Pretiose fehlt. Legt die Platte wieder auf!

Und hier das Gospel-Medley der Survivors:

Vormerken: „I’m in a Cowboy Band“ erscheint in Kürze

27. Juli 2011

Copyright: Monsenstein und Vannerdat

Copyright: Monsenstein und Vannerdat

Dylan-Buch voraussichtlich ab Ende August lieferbar

Der Erscheinungstermin rückt näher: „’I’m in a Cowboy Band’ – Bob Dylan, die Country-Music und das Vermächtnis des Americana“ von Thomas Waldherr wird voraussichtlich Ende August erscheinen. Das Buch wird in der Edition Octopus des Münsteraner Verlags Monsenstein & Vannerdat heraus kommen. Der Preis beträgt 10,60 Euro.

Das Buch, das seine Grundlagen in den Arbeiten des Autors für diesen Blog und für das Onlinemagazin http://www.country.de hat, durchleuchtet die vielfältigen Wechselbeziehungen Bob Dylans mit der Musik des Country und des Americana.

Für den Spätsommer/ Herbst sind Vorträge und Lesungen angedacht. Weitere Informationen hierzu sowie zum Bezug des Buches folgen zu gegebener Zeit an dieser Stelle.

Lansdale und Sallis

26. Juli 2011

Avantgarde & Genre & Americana

Inmitten der in Masse produzierten Konfektionsliteratur für bildungsnahe Schichten, wie sie stapelweise bei Hugendubel oder Thalia feilgeboten wird, ragt doch immer mal wieder was heraus. Auch im Krimi-Genre. Und zwar nicht der x-te italienische Commissario, spanische Ermittler oder englische Profiler. Nein, was ich gefunden habe, ist große Literatur, die ganz nebenbei Krimi ist. Und die Avantgarde und waschechtes Americana miteinander verbindet. Ich rede von den Büchern von Joe R. Lansdale und James Sallis. Beide stammen sie aus den Südstaaten und beide sind davon geprägt und erzählen Geschichten zwischen Rassenproblemen, Armut und Gewalt.

Lansdale (geb. 1951) stammt aus Texas und dort spielen auch die meisten seiner Romane. Beispielhaft soll hier „Die Wälder am Fluss“ vorgestellt werden. Bei Lansdale steht das „who done it“ zwar im Mittelpunkt, aber er belässt es nicht bei einer kriminalistischen Lösung zwischen zwei Buchdeckeln, sondern entwirft ein naturalistisches Südstaaten-Drama, das geschickt die Erzählmythen dieses Landstrichs einsetzt, um so die Atmosphäre und den Sound des alten Südens einzufangen. Man kombiniere „Tom Sawyer“ mit „Licht im August“ mit „Wer die Nachtigall stört“. Heraus kommt ein spannendes, verstörendes Buch, das mit den negativen und positiven Mythen und Eigenschaften des Südens wie Rassentrennung und Religion, Dorfgemeinschaft und Ku-Klux-Klan spielt, und das einem auch mal wieder klar macht, wir Recht Bob Dylan hatte, als er in „Blind Willie McTell“ die Worte singt „I travel through East Texas, where many martyrs fell“.

Sallis (geb. 1944) stammt aus Arkansas und schickt seinen Detektiv Turner – eine einsame Marlowe-ähnliche Figur – in seinen Romanen „Dunkle Schuld“ und Dunkle Vergeltung“ in das verschlafene Südstaaten-Nest Cypress Grove – irgendwo zwischen Memphis, Tennessee und Little Rock, Arkansas. Sallis geht es gar nicht um das „who done it“. Seine Buch ist Selbstreflexion eines aus der Bahn geworfenen, der Stück für Stück in die Gesellschaft zurück kommt, um zu erkennen, dass die Gründe für seine zeitweilige Abstinenz aus der Gemeinschaft – die Gewalt von Menschen gegen Menschen – immer wieder zu ihm zurück kommt und ihn und die Gemeinschaft immer wieder bedroht und begleitet. Auch deswegen ein sehr amerikanisches Buch. Der Sound des Buches ist Folk und Country-Blues mit einem Spritzer Rythm & Blues. Der Bluegrass , der von den Protagonisten des Buches favorisiert wird steht dem äußerlich, weil zu süffig und lebensfroh, gegenüber. Am Ende von „Dunkle Vergeltung“ kommt die Gewalt auch ins Bluegrass-Idyll und die Musikerin stirbt durch eine Kugel.

An anderer Stelle habe ich hier schon einmal geschrieben, dass die bei uns so beliebte Nabelschau-Ostküsten-Literatur wenig aussagt über die Verfassung, in der sich Amerika und die Bewohner des großen Hinterlandes befinden. Lansdale und Sallis haben darüber viel mehr zu sagen. Sie verbinden Americana mit Literatur, Genre und Avantgarde und liefern dadurch interessante Einblicke in das alte und das neue unheimliche und gefährliche Amerika.

Lesetipps:
Joe R. Lansdale, Die Wälder am Fluss.
James Sallis, Dunkle Schuld/ Dunkle Vergeltung/ Dunkles Verhängnis.

Mellencamp begeistert in Stuttgart mit umfassender Werkschau

10. Juli 2011

Retrospektive streift alle Schaffensphasen

Der Konzertabend beginnt unerfreulich. Pfiffe und Unmutsbekundungen erntet Mellencamps Dokumentation über das Entstehen seiner aktuellen Platte, „It’s About You“. Da wollen wohl einige nur Rockmusik hören, ohne sich über den Künstler und seine Beweggrunde Gedanken machen zu müssen. Unverständlich, Respektlos, Unangemessen, fällt mir dazu ein.

Nach einer Stunde wird die Leinwand recht umständlich abgebaut und gegen 21.20 Uhr betritt Mr. John Mellencamp die Bühne. Das Konzert beginnt mit voller Rockbesetzung, dann spielt der Heartland-Rocker einige Stücke akustisch und solo, dann kommt der Mittelteil mit Folkbesetzung – Geige, Akkordeon, Banjo, Akustikgitarre, Stehbass, dann wieder Mellencamp solo, um zum Schluss noch mal richtig rockig loszubrettern.

Mellencamp hat stets das Pech gehabt im Schatten des „Übervaters“ Dylan und des „Boss“ Springsteen im Segment „Amerikanische Rockikone“ nur die dritte Geige zu spielen. Ein Liebling der Kritiker war er nie, eine treue Fangemeinde hat er aber stets um sich geschart.

So haben auch viele schlichtweg ignoriert, welch großer Geschichtenerzähler der in Bloomington, Indiana, geborene ist. Dies beweist er im Konzert sowohl mit Songs wie „Jack and Diane“ oder „John Cockers“, aber auch mit Geschichten, die er zwischen den Stücken einflechtet.

Zwei Stunden lang gibt Mellencamp an diesem Abend den „American Musician“. Gegen den Arbeiter-Habitus von Springsteen, wirkt er neuerdings eher wie der Politiker, Prediger oder Intellektuelle. Dazu passt ja, dass der überzeugte Demokrat immer wieder für politische Ämter seines Heimatstaates im Gespräch ist.

In Stuttgart paart sich dies mit vollendetem Entertainment. Er mischt beeindruckend stilsicher, und im Ergebnis erstaunlich homogen seine alten Radio-Rockklassiker mit seinen neueren Roots-Rock und Americana-Songs. Seine Scheibe „No Better Than This“, die er mit dieser Tour bewirbt, ist denn voll starker Songs wie „Save Some Time To Dream“ oder „No One Cares About Me“, die ebenso zu den Höhepunkten des Konzerts zählen, wie seine alten Songs.

Am Ende gegen 23.20 Uhr hat sich der Kreis geschlossen und keine Zugabe mehr möglich. Mellencamp hat sich beeindruckend in Deutschland zurückgemeldet, das Publikum ist begeistert. Die Kritik aber wird wie eh und je reagieren.

Setlist:
1. Authority Song
2. No One Cares About Me
3. Death Letter
4. John Cockers
5. Walk Tall
6. The West End
7. Check It Out
8. Save Some Time to Dream
9. Cherry Bomb
10. Don’t Need This Body
11. Easter Eve
12. Jack and Diane
13. Jackie Brown
14. Longest Days
15. Small Town
16. Rain on the Scarecrow
17. Paper In Fire
18. Crumblin‘ Down
19. If I Die Sudden
20. Pink Houses
21. R.O.C.K. in the U.S.A.

Eine Dylan-Geburtstagsnachlese

2. Juni 2011

"I'm In A Cowboy Band"

"I'm In A Cowboy Band"

Zeitungen schreiben das immer Gleiche – Gut besuchte und lebhafte Veranstaltung im Orange Peel

Nach intensiven Wochen zwischen Frauen-Fußball-WM, dem Triumphzug des SV98 in die Dritte Liga und der Vorbereitung der Dylan-Geburtstagsfeier im Orange Peel nun endlich wieder ein Blog-Eintrag.

Und natürlich geht es um Dylans 70. Geburtstag. Der Hype war diesmal nicht so groß und so aufgeregt. Den Fernsehanstalten fiel gar nichts Neues mehr ein, ein Sender entblödete sich sogar nicht, die „11 Entwürfe für einen Geburtstagsgruß“ zu versenden. Der Film ist zwanzig Jahre, erschien zu Dylans 50. Geburtstag und geht somit gar nicht auf Dylans furioses Comeback seit Ende der 90er ein. Peinlich!

Dazu gab es die eine oder andere gescheite Hörfunksendung und viele Artikel in den Zeitungen. Die allerdings – genauso wie das Gros der Buchveröffentlichungen erzählen immer das Gleiche. Ob die Autoren nun Willi Winkler, Olaf Benzinger oder Christof Graf heißen. Herauszuheben sind meines Erachtens nur zwei Werke. Zum einen die Neuveröffentlichung von Robert Sheltons klassischer Biographie, der einzigen bis heute, die unter Mitwirkung von Dylan entstanden ist. Zum anderen Michael Endepols „Bob Dylan von A-Z“, das sehr originell wichtige Begrifflichkeiten aus der Dylan-Welt erklärt.

Daneben hat auch der Autor dieser Zeilen ein Dylan-Buch geschrieben, das, wie er hofft, mal die Geschichte etwas anders erzählt. „I’m In A Cowboy Band“ erscheint im Sommer und handelt von Dylans Beziehung zu Country und Americana. Mehr Infos gibt es hier zu gegebener Zeit.

Am 27. Mai war es dann soweit, Klaus Walter, die DoubleDylans und Thomas Waldherr luden zu „Dylan im Dreierpack“, zur Geburtstagsfeier im Orange Peel. Es war eine gelungene Sache. Am Eingang bildete sich eine lange Schlange, der Saal war richtig voll und die Auftritte erfuhren viel Aufmerksamkeit. Während mein Vortrag scheinbar den „Common Sense“ im Publikum traf, wurde es bei Klaus Walters informativem und gut recherchiertem Vortrag spürbar lebhaft im Saal. Der eine oder andere Zuhörer kritisierte Walters Argumentationen und Schlussfolgerungen lautstark. Da war Stimmung. Wunderbar, man fühlte sich schon zurückversetzt in die Manchester Free Trade Hall 1966! „Judas“, you know? Dylan polarisiert immer noch. Gut so.

Den „DoubleDylans“ war es dann wieder einmal vorbehalten, die Herzen zu berühren und alle zu einen. Ein schönes Konzert der spielfreudigen Frankfurter Lokalhelden beschloss diesen Abend, der den Vortragsdebütanten bereits seine Buch-Lesereise für den Herbst entwerfen ließ.

Es geht weiter, immer weiter…

All Along The Watchtower oder Bob Dylan in China

14. April 2011

Manches ändert sich einfach nie. „Judas!“, „Verrat“, „Ausverkauf“ hagelt es wieder einmal von mancher Seite. Bob Dylan kennt das seit fast 45 Jahren. Er fordert es genauso rigoros hinaus, wie er es ignoriert. Er weiß warum. Denn welche Bedeutung hätte Dylan heute noch, hätte er nicht seine Wandlungen erfahren und seine Haken geschlagen?

Nun hat Dylan wieder eine Todsünde begangen. Ist in das Land mit dem alle westlichen Staaten prächtige Geschäfte betreiben, und das globalpolitisch eine immer wichtigere Rolle einnimmt, gereist, um dort Konzerte zu geben. Hat Lieder wie „Blowin’ In The Wind“ oder „The Times They Are A Changin“, echte Zeitdokumente der sechziger und siebziger Jahre, nicht gespielt. Auf die Hymnen der Friedensbewegung, die sich beispielsweise 1987 so gut von der DDR-FDJ vereinnahmen ließen, verzichtete er.

Die chinesischen Zensoren sollen diese Lieder im Blick gehabt haben, als sie die Setlists vor den Konzerten sehen wollten. Gespielt hat er in dem Land in dem die kommunistische Parteidiktatur als Schutzmacht des Kapitalismus und seiner neureichen Oligarchien fungiert aber stattdessen dies:

“There must be some way out of here,” said the joker to the thief
“There’s too much confusion, I can’t get no relief
Businessmen, they drink my wine, plowmen dig my earth
None of them along the line know what any of it is worth”
All along the watchtower, princes kept the view
While all the women came and went, barefoot servants, too

Ist das etwa kein treffender Kommentar für die Lage in China? Wo wenige den Reichtum anhäufen und Menschenrechte verletzt werden. Wo Ausbeutung und Verdummung der Landarbeiter die Regel und das Leben von Bergarbeitern kaum etwas wert ist.

Dylans Songs, seine Poesie über Leben, Liebe und den Lauf der Welt atmen auch ohne politische Parolen den Geist der Befreiung und der Erlösung des Individuums, sind also subversiv wie Kunst sein muß.

Der Mann und seine Haken lassen sowohl die Zensoren, als auch die anti-Dylan- Affekthandlungen ins Leere laufen. Zurück bleibt die Ohnmacht vor soviel Dummheit, wie sie sich beim Dylan-Bashing wieder einmal offenbart hat.

Hört ihm doch einfach mal zu.

Veranstaltungstipp: Dylan im Dreierpack

7. April 2011

Bob Dylan-„Geburtstagsfeier“ in Frankfurt am Main

Die „zentrale“ Geburtstagsveranstaltung zum Siebzigsten von Bob Dylan im Rhein-Main-Gebiet findet am Freitag, dem 27. Mai im Frankfurter Orange Peel Club (Kaiserstraße 39) statt. Geboten wird ein unterhaltsames, überraschendes und durchaus lehrreiches Programm rund um die amerikanische Musikikone. Auf der Bühne setzen sich der Hörfunkmoderator und Popmusikexperte Klaus Walter, die Frankfurter Dylan-Coverband „DoubleDylans“ sowie der Musikjournalist und Autor Thomas Waldherr auf unterschiedliche Weise mit Dylans Werk und Wirken auseinander.

Zu Anfang wird Thomas Waldherr mit einem Multimediavortrag Bob Dylan als „Vater des Americana“ vorstellen. Den Einfluss Bob Dylans auf die deutsche Popmusik jenseits von Niedecken und Ambros erläutert danach mit viel Musik und O-Tönen Klaus Walter. Den Abschluss bilden dann die „DoubleDylans“, die Dylans musikalischen Kosmos nach Frankfurt am Main verlegen und ins Hessische übertragen.

Mehr als ein paar neue Bärte: The Decemberists

30. März 2011

Neo-Folkbands sind schon seit einiger Zeit schwer im Kommen. Mit Bärten und ernsten Weisen verlangen uns Künstler wie „Iron & Wine“ oder „The Low Anthem“ einiges ab. An anderer Stelle auf diesem Blog habe ich schon beschrieben warum ich die „Felice Brothers“ oder Justin Townes Earle“ höher einschätze als die strebsamen Folk-Studenten. Auch hätte ich mir meine Favoriten als Partner bei Dylans Folk-Hommage im Rahmen der Grammy-Verleihung natürlich lieber gewünscht als die steifen britischen Mumford & Sons und die zu vertüftelten Avett Brothers.

Der Neo-Folk der von mir genannten Bands ist zu sehr auf dem Weg zum Kunstlied. Immer nur langsam, sehr oft sphärisch, mit viel Aufwand in Arrangement und Instrumentierung. Da lob ich mir die Instinktmusiker mit „street credibility“ wie eben die Felice Brothers oder Steve Earles Sohn. Packende Themen, nicht nur Nabelschau, Musik die mal langsam, mal schnell aber immer eingängig und –Achtung welch böses Wort! – unterhaltsam ist.

Also war ich auch bei den Decemberists erstmal skeptisch. „Wieder ein paar neue Bärte“, dachte ich und siehe da, der ungläubige Thomas wurde mit „The King Is Dead“ eines besseren belehrt. Der erste Song Don’t Carry I All“ groovt scheppernd und schleppend, der zweite Song Calamity Song rockt und der dritte, „Rise To Me“ erinnert musikalisch an Dylans Lay, Lady , Lay oder „Simple Twist Of Fate“ und so geht es auf dem Album munter weiter.

Die Truppe aus Portland, Oregon hat mir noch einmal die Hoffnung in den Neo-Folk zurückgegeben. Die Indie-Rocker unter britischem Folk-Einfluß sind einfach gute Musiker und haben hier das Americana – Folk, Country, Blues – vortrefflich für ihre Zwecke adaptiert. Hörenswert!